Donnerstag, 30. Januar 2025

Bistum Trier: Niederfischbach - Nachdem ein Opfer sein Schweigen gebrochen hat, meldeten sich weitere Betroffene in der Heimatpfarrei des ehemaligen Trierer Generalvikars und heutigen Bischofs von Limburg, Georg Bätzing.

Jahrzehntelang hat ein Betroffener zum erlittenen Missbrauch durch einen Pfarrer in Niederfischbach geschwiegen. Nachdem er sich dem derzeitigen Pfarrer, Augustinus Jünemann, anvertraute, kam ein Stein ins Rollen. 

  • "Im Verlaufe des Abends (Infoveranstaltung in Niederfischbach, am 16.01.2025, Anmerk. ca)   haben sich weitere Betroffene als Opfer geoutet. Nach meiner Zählung derzeit sechs bekannte Jugendliche. Und das ist nur das Hellfeld." (Hermann Schell, hpd.de)
  • Inzwischen haben sich weitere Betroffene gemeldet. (rhein-zeitung.de, aktualisiert). 

Brisant:  Der ehemalige Trierer Generalvikar und heutige Bischof von Limburg, Georg Bätzing,  betonte im Interview mit "domradio.de", dass er seit seiner Kindheit über den Missbrauch in seiner Heimatgemeinde  "immer ein Wissen gehabt habe". 


Zudem behauptet Bätzing im Mai 2024: "Ich meine, in den mit bekannten Fällen ansonsten entschieden und korrekt vorgegangen zu sein."  (...)  Er könne jedoch mit Gewissheit sagen, dass er nie irgendetwas vertuscht habe. "Im Gegenteil", betont Bätzing.



Montag, 27. Januar 2025

Bistum Trier: Bisher bezahlte das Bistum Trier nur 3.698.500 Euro an 196 von mindestens 711 Betroffenen

Als sogenannte "Leistungen in Anerkennung des Leids" wurden seit 2010 aus dem Bischöflichen Stuhl Trier 3.698.500 Euro an Betroffene gezahlt. Das teilte eine Sprecherin des Bistums am Montag in Trier  mit. Außerdem erstattet die Diözese Therapiekosten in Höhe von 182.000 Euro. 

Im Schnitt bedeutet dies 18.869,90 Euro pro Opfer sexuellen Missbrauchs durch Angehörige der katholischen Kirche im Bistum Trier. 

Im Jahr 2024 wurden demnach Leistungen in Anerkennung des Leids für 40 Anträge in Höhe von insgesamt 1.071.500 Euro ausgezahlt. Es wurden auch Therapiekosten in Höhe von rund 38.700 Euro erstattet. 

Insgesamt haben bislang 196 von mindestens 711 Betroffenen Leistungen in Anerkennung des Leids erhalten. 

Bisher wurden mehr als 700 Opfer und 230 Beschuldigte registriert. (Hellfeld, Amerk. ca).



Freitag, 24. Januar 2025

Bistum Trier: Entgegen der Behauptung Ackermanns: Täternetzwerk von pädophilen katholischen Priestern im Bistum Trier kann nicht mehr ausgeschlossen werden

"Dass Bischof Ackermann Edmund Dillinger quasi schützte und ihn per Dekret aus der Schusslinie nahm, war beileibe nicht der einzige Skandal in diesem Missbrauchskomplex Dillinger:  Jede Menge Beweismaterial, darunter auch jene Tagebücher des Priesters, vertraute der Neffe des verstorbenen Priesters, Steffen Dillinger, der Staatsanwaltschaft Saarbrücken für weitere Ermittlungen an.  Die aber hatte ihre ganz eigene Ermittlungsmethode und machte kurzen Prozess – mit der Glaubwürdigkeit."

Der Chefredakteur der Rhein-Zeitung, Lars Hennemann,  spricht über ein mögliches Täternetzwerk  bzw. einem "Netzwerk von Mitwissenden" im Bistum Trier.  Hinweise darauf, die auch in andere Bistümer führten, gebe es genug. 







  • Über den Missbrauchstäter Edmund Dillinger ist vieles bekannt. Pedantisch hat er seine Termine in kleinen Büchern festgehalten. Die meisten hat die Staatsanwaltschaft später vernichtet – in eines der drei Letzen hat unsere Zeitung Einblick erhalten. Blick ins Tagebuch: Wer war Edmund Dillinger? (rheinzeitung.de)

Causa Edmund Dillinger: "Mein Onkel konnte nur diesen Zugriff auf so viele junge Menschen haben, weil er die Kirche hinter sich hatte"

Edmund Dillinger, ein katholischer Priester aus dem Bistum Trier hinterlässt ein Haus voll mit Aufzeichnungen von sexualisierter Gewalt und Missbrauch. Sein Neffe erbt den Tatort – und versucht herauszufinden, was geschehen ist. Inzwischen ist dem Neffen klar, dass sein Onkel diesen Zugriff auf so viele junge Menschen nur haben konnte, weil er die Kirche hinter sich hatte. 

"Es geschahen ein paar merkwürdige Dinge nach dem Tod des Onkels. Zweimal wurde versucht in das Haus einzubrechen. Ein Priester weigerte sich, die Beerdigung zu zelebrieren, ein anderer Priester bot per Sprachnachricht an, dem Neffen zu helfen: "Ich stehe Ihnen gern zur Verfügung, aber man sollte das nicht öffentlich machen (...), dafür ist die Sache einfach zu heiß." Und: "Das wäre mir ganz recht, dass wir beide im Untergrund arbeiten." 

Am Valentinstag 2023 um elf Uhr morgens, beinah drei Monate nach dem Tod des Onkels, betrat Stephan Ackermann, Bischof von Trier seit 2009, einen kleinen Besprechungsraum im Bischofshof, wo der Neffe mit seiner langjährigen Therapeutin, die er zur Unterstützung mitgebracht hatte, bereits auf ihn wartete. Der Neffe hatte den Bischof um diesen Termin gebeten. Er klappte seinen Laptop auf und startete eine PowerPoint-Präsentation. Darin zeigte er einschlägige Bilder. Was er vom Bischof wollte? Der Neffe sagt, er habe sich vorgestellt, dass Ackermann, als ehemaliger Vorgesetzter des Onkels, als Repräsentant einer Organisation, bei der das richtige Verhalten zum Geschäftsmodell gehört, aufspringen und sagen werde: Das ist ja ungeheuerlich, das klären wir jetzt auf. Klick für Klick führte er dem Bischof vor, was er im Haus gefunden hat, die Porno-Show eines verstorbenen Priesters. - Aber der Bischof sei nicht aufgesprungen, sagt der Neffe. Er habe am Ende sinngemäß gesagt: Was soll ich denn machen, die hören ja alle nicht auf mich."


den vollständigen Artikel auf "zeit.de" lesen ("Die Erbsünde")


Mittwoch, 22. Januar 2025

Bistum Trier: Urteil ist rechtskräftig: Akten bleiben geschwärzt - Keine vollständige Akteneinsicht für Missbrauchsopfer in Personalakte

Das Urteil ist rechtskräftig: Weiter keine Akteneinsicht für Missbrauchsopfer

Die Betroffene hatte eine vollständige Einsicht ihrer Personalakte gefordert. Nachdem die Klage abgewiesen wurde, geht die Betroffene nicht in Berufung. 

Das Urteil vom Arbeitsgericht Trier aus dem vergangenen Dezember ist damit rechtskräftig. Darin wurde ihre Klage auf eine vollständige Akteneinsicht abgewiesen.

Urteil: Keine Einsicht in die Personalakte

Die Klägerin ist noch immer beim Bistum Trier eingestellt. Sie hatte vor Gericht eine uneingeschränkte Einsicht in ihre Personalakte gefordert, die mehrere Aktenordner umfasst. Das Bistum stellte der Klägerin aber nur eine Version zur Verfügung, in der etliche Seite komplett geschwärzt sind.

Die damalige Begründung des Bistums: in der Personalakte würden sich auch Dokumente befinden, die formaljuristisch nicht in eine Personalakte gehören.

Die Richterin begründete ihre Entscheidung damit, dass in einem Zivilverfahren die Klägerin beweisen muss, was zur Personalakte gehört und was nicht. Ihr Antrag sei zu allgemein gestellt gewesen.

Der Fall Karin Weißenfels

Die Frau mit dem Pseudonym Karin Weißenfels war jahrelang von einem Priester sexuell missbraucht worden. Er war ihr Vorgesetzter.

Als sie schwanger von ihm wurde, drängte er sie dazu, abzutreiben. Das Bistum hat die Frau als Opfer sexuellen Missbrauchs anerkannt. Sie wurde dafür finanziell entschädigt. Der Täter ist inzwischen verstorben. Er wurde für seine Tat nie bestraft. (swr.de)

Donnerstag, 16. Januar 2025

Mit Verlaub, Herr Bischof: Sie haben aus dem Bistum Trier ein Trümmerfeld gemacht - Ein offener Brief

Mit Verlaub, Herr Bischof!

Wer könnte das Versagen der katholischen Kirche hinsichtlich der Aufklärung des sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester besser dokumentieren und repräsentieren als Sie – in Persona? 

Haben Sie einmal überlegt, welchen Anteil Sie selbst zu dem Ansehensverlust und dem Vertrauensverlust der katholischen Kirche beigetragen haben? Jede Menge, Herr Bischof – jede Menge. 

Was Sie versprachen 

Als der sexuelle Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche öffentlich wurde, beteuerten Sie "Transparenz statt weiterer Geheimhaltung“. Sie versprachen Aufklärung und Aufarbeitung. Sie kündigten eine „Null-Toleranz-Linie gegenüber den Verbrechen“ an und forderten: „Eine Verharmlosung oder ein Vertuschen darf es beim Thema Kindesmissbrauch nicht geben“.  Weiterhin erklärten Sie: „Die Opfer müssten im Mittelpunkt stehen, ihnen müsse geholfen werden.“. "Den Opfern müsse Gerechtigkeit widerfahren.", "Wir Bischöfe sehen uns in die Verantwortung gerufen". 

Ihre Priorität - damals wie heute

Doch schon kurz darauf wurde klar, worum es Ihnen in erster Linie ging: „Der Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche ist verheerend für das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Kirche.“   (Zitat 2012)

Wunschdenken - fern jeglicher Realität

Die deutschen Bischöfe hatten Sie Anfang 2010 mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals betraut. 2013 (!), also kaum 3 Jahre,  nachdem die ersten Fälle in die Öffentlichkeit gelangten, sagten Sie,  Sie sähen "Ihre Aufgaben nahezu als abgearbeitet" an. Es gebe schließlich eine Telefon-Hotline für Opfer, Entschädigungszahlungen, ein umfassendes Präventionskonzept und überarbeitete Leitlinien. Nun stünde lediglich noch die wissenschaftliche Aufarbeitung des Skandals aus. - Doch es sollte anders kommen.

Mit Verlaub, Herr Bischof!

Sie haben sich in den vergangenen Jahren viel geleistet: Sie haben straffällig gewordene Priester weiterversetzt und dadurch weitere Kinder in höchste Gefahr gebracht. Sie haben moralische wie auch pastorale Verfehlungen begangen, von den Machtstrukturen  selbst profitiert und sie weiter begünstigt und eine Ahnung der Verbrechen verhindert.  Bis heute steht der "Schutz der Institution" über den Rechten und Bedürfnissen der Betroffenen. Was Sie taten? Sie räumten vereinzelt "Fehler" und "Irrtümer" ein und zuckten nur allzu oft mit den Schultern - wohlgemerkt erst dann, als Betroffene ihr Schweigen brachen, den Tätern und Tatorten einen Namen gaben und die Medien über die Fälle berichteten. - Aber auch nur dann.  Und zur Erinnerung: Es waren nicht Sie, der das Versagen an die Öffentlichkeit brachte, sondern wir. Während wir (Recherchenetzwerk Adams/Schell/Schnitzler) im Bistum Trier über 30 katholische Priester ausfindig machten, die mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurden und teilweise noch im Einsatz waren  und diese Fakten auf unterschiedliche Weise in den Medien veröffentlichten, re-agierten Sie lediglich auf den öffentlichen Druck der Medien. Einzelne Bischöfe ließen gar verlauten, es handele sich um eine Medienkampagne,  die dem Ansehen und Ruf der Kirche schaden wollen. 

Die Inszenierung / Nebelkerzen

Statt eine ehrliche Aufklärung zu ermöglichen und beim Apostolischen Stuhl den Dispens von der Pflicht zur Geheimarchivierung einzuholen und die Akten von Anfang an freizugeben, setzten sie auf Ihre fragwürdige Prävention, die Sie als "Meilenstein" anpriesen und auf die Sie fast in jedem Interview auswichen.  So wurde z.B. versprochen, dass alle Priester und Verantwortliche an sogenannten "Präventionsschulungen" teilnehmen würden. Doch entgegen Ihres Plans gab es nachweislich  Priester, die sich weigerten, an der Schulung teilzunehmen. Dem standen Sie hilflos gegenüber.  Es wurde nur nicht thematisiert, sondern ignoriert.  - Einige Priester verweigerten die Schulung nicht ohne Grund, wie wir heute wissen.  Ganz zu schweigen von den "Leidlinien", ein von der Kirche selbst entwickelte Regelwerk, welches eine große Benachteiligung für die Opfer und die Behinderung von Polizei und Justiz manifestierte. Und ganz zu schweigen von der Schande der Anerkennungszahlungen. 

Und immer, wenn man dachte, "Schlimmer geht es nicht mehr", sorgten Sie mit Ihrem Gebaren für den nächsten Skandal: 

In diesen Tagen haben Sie sich dazu entschieden, die Einrede der Verjährung geltend zu machen und dadurch einen neuen Tiefpunkt erreicht. 

Betroffene, die als Kind von katholischen Priestern sexuell schwer missbraucht wurden und heute Anspruch auf Schadensersatz stellen, begegnen Sie mit der Einrede der Verjährung.  - Ein legales Mittel - auf welches Sie allerdings hätten verzichten können - wenn Sie sich denn an ihre eigenen Worte erinnert hätten, dass den Betroffenen von damals heute geholfen werden müsse. Und ein Mittel, auf dass Sie hätten verzichten können - wenn Sie es denn gewollt hätten.  

Haben Sie auch nur eine vage Vorstellung davon, welches gesellschaftspolitisch verheerende Signal Sie damit senden,  indem Sie auf die Einrede der Verjährung bestehen? Haben Sie auch nur eine vage Vorstellung davon, dass es nicht nur uns Betroffene aus den vergangenen Jahrzehnten betrifft, sondern auch die Kinder von heute und morgen, die darunter leiden werden? 

Während Sie für die Verjährung der Taten plädieren und sich die Einrede der Verjährung zunutze machen, leiden die Opfer lebenslänglich. 

Und lag bisher die Vermutung darin, dass die Verjährung von Straftaten nur dem Täter zugunsten kommt, eröffnet sich durch Ihre Entscheidung übrigens ein weiterer Diskurs:

Profitieren eigentlich auch die Kirche resp. Sie, Herr Ackermann, selbst von der Verjährung? – Aber selbstverständlich! Sogar in zweierlei Hinsicht: Erstens: Das Bistum Trier muss nicht befürchten,  vor Gericht Akten offenzulegen zu müssen.  Zweitens: Die Verantwortlichen brauchen nicht zu befürchten, dass weiteres Versagen an das Tageslicht kommt und bleiben weiterhin verschont. 

Mit – im wahrsten Sinne – aller Macht, sind Sie es doch, der versucht hat, die "Rest-Glaubwürdigkeit" aufrechtzuerhalten.  Der einzige Unterschied zu Ihren Vor-Bischöfen besteht lediglich darin, dass die Bandagen härter geworden sind, mit denen Sie kämpfen und versuchen, zu vertuschen (z.B. die umfangreiche Beweismittelvernichtung in der Causa Dillinger). 

Der Trierer Dom als Mahnmal für sexuellen Missbrauch durch katholische Priester

Im April 2009, auf einer Pressekonferenz aus Anlass Ihrer Ernennung zum Bischof von Trier, sagten Sie: "In den vergangenen Tagen habe ich vor meinem Haus ein wenig die Frühlingssonne genossen; da fiel mein Blick auf den Dom, den man ja von meinem Garten aus mit seiner ganzen nördlichen Breitseite sehen kann. Da schoss mir durch den Kopf: »Da schaust Du Deine künftige Kathedrale an - und die bleibt völlig unbeeindruckt. Die steht seelenruhig da wie gestern und vorgestern und wie schon durch Jahrhunderte hindurch.« Auch das hat  sehr beruhigend auf mich gewirkt." -  

Mag die nördliche Breitseite "Ihrer" Kathedrale  noch so "seelenruhig" auf Sie gewirkt haben oder wirken:   Aber der Dom besteht nicht nur aus einer "beruhigend wirkenden" Nordseite. Und vielleicht gehörte genau das auch zu Ihrem Versäumnis: Es bedarf verschiedener Perspektiven, um die Kirche als Ganzes wahrzunehmen.  Und ebenso hätte es vieler Perspektiven bedurft, den Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche im Bistum Trier auszuleuchten und einen Blick in das Innere der Kirche zu werfen. Dass es sich ausgerechnet bei dem Trierer Dom um das älteste Bischofskirche deutschlandweit handelt,  steht für unsereiner sinnbildlich für die jahrhundertelange Vertuschung von begangenen Straftaten in den eigenen Reihen.    - Von was das Mauerwerk Ihrer Nordseite alles Zeuge geworden ist und welche Geheimnisse es in sich verbirgt,  mag ich mir übrigens gar nicht vorstellen. 

Der Trierer Dom steht inzwischen symbolisch als ein mahnendes Denkmal für sexuellen Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche im Bistum Trier. Als Mahnmal für die an Kindern begangenen Verbrechen, aber auch für die Geheimhaltung, die Vertuschung und für Ihren unsäglichen Umgang mit den Betroffenen. - Zudem für die Aufklärung, die es nie geben wird. 

Die Rauchschwaden über dem Dom lösen sich auf

Wurde bisher das Bistum Trier bzw. der Trierer Dom bisher allzu oft mit Nebel oder dunklen Rauchschwaden dargestellt, wenn es um sexuellen Missbrauch im Bistum Trier ging,  der sinnbildlich für die Vertuschung stand, so scheint der Rauch sich inzwischen aufgelöst zu haben und die Sicht ist wieder klar:

Was jetzt allerdings deutlich sichtbar wird:  Ein Trümmerfeld. 

Der Sprengstoff mit seiner hochexplosiven Wirkung mag schon seit Jahrzehnten im Bistum Trier gelagert haben, doch anstatt die Gefahr zu erkennen und die Sprengkörper zu entschärfen, haben Sie sich für das Zündeln entschieden. 

Sie haben das Bistum Trier zu einem Trümmerfeld gemacht,  Herr Ackermann. 

Ich wüsste nicht, mit welchen Attributen Sie noch irgendeiner Ihrer Gebaren rechtfertigen wollten.

Ihre "Aufarbeitung" ist gescheitert.

Sie hätten das tun können, was andere versäumt haben.  -  Aber Sie taten es nicht.

Stattdessen machten Sie sich mitschuldig.

Wagen Sie es daher nicht noch einmal, unsereiner gegenüber von "Verantwortung" zu reden! 


Möge die Scham endlich die Seiten wechseln. 


Claudia Adams



Mittwoch, 15. Januar 2025

Bistum Trier: Neben Einrede der Verjährung - Ackermann bestreitet Vorwürfe mit "Nichtwissen" : In der Personalakte gebe es schließlich keine Hinweise auf Beschwerden gegen den Pfarrer

Bistum verweist auf Personalakte

Mit der Einrede der Verjährung bezog sich das Bistum Trier auf ein Urteil des Landgerichts Aachen vom 2. Juli 2024 in einem vergleichbaren Fall, wie eine Bistumssprecherin am Mittwoch mitteilte. Die im Klageentwurf erhobenen Vorwürfe wurden "mit Nichtwissen bestritten", heißt es laut Bistum in der Erwiderung.

Grund dafür sei, dass es abgesehen von den Vorwürfen, die Gegenstand des Klageentwurfs seien, nach vorliegendem Kenntnisstand keine gegen den Pfarrer gerichteten Vorwürfe, Beschwerden oder Beschuldigungen gegeben habe. Demnach ergäben sich auch aus seiner Personalakte keine Hinweise auf Fehlverhalten im Kontext eines sexuellen Missbrauchs.

(den vollständigen Artikel auf "domradio.de" lesen)

Dienstag, 14. Januar 2025

Bistum Trier: Bischof Ackermann beharrt auf Verjährungsfrist der an Kindern begangenen Verbrechen

Während das Erzbistum Köln bereits zum wiederholten Mal auf die Einrede der Verjährung verzichtet hat, besteht ausgerechnet der ehemalige "Missbrauchsbeauftragte", Bischof Ackermann, im eigenen Bistum auf die Verjährungsfrist. 

Ein Missbrauchsopfer aus Longuich kann wohl keine Schadenersatzansprüche gegen das Bistum geltend machen. Denn die Taten sind verjährt, so das Landgericht Trier.

"Es ist wie das große Finale in einem schlechten Film" - so fasst die Betroffenen-Organisation "Missbrauch im Bistum Trier" (MissBiT) die Klage gegen das Bistum Trier zusammen: "Nach über 50 Jahren Odyssee wird nun mit aller Macht verhindert, dass das Opfer Gerechtigkeit erfahren kann." Was die Vertreter der Missbrauchsopfer in der Region damit meinen, ist der Weg zur ersten Klage eines Betroffenen gegen das Bistum Trier.

Der Mann aus dem Moselort Longuich war seit Ende der 1960er-Jahre von seinem Religionslehrer - einem Bistumspriester - missbraucht worden. Jahrzehnte später, als der Priester längst tot war, plante der Betroffene das Bistum auf 300.000 Euro Entschädigung zu verklagen. Doch bereits bevor es dazu kam, hat das Landgericht Trier ihm signalisiert, dass sein Anliegen keine Aussicht auf Erfolg hat. Denn: die Taten des Priesters sind nach mehr als 30 Jahren verjährt. So erklärte es ein Gerichtssprecher auf SWR-Anfrage.

MissBiT will Beschluss anfechten

Mitte Dezember hatte das Landgericht Trier einen Antrag auf sogenannte Prozesskostenhilfe des Betroffenen abgelehnt. Bevor der Mann gegen das Bistum vor Gericht zieht, wollte er finanzielle Unterstützung für die Verhandlung beantragen. Da die Klage selbst aber aussichtslos sei, wurde dem nicht stattgegeben. Ob es überhaupt noch zu einem Verfahren kommt, ist demnach unklar.

Mit der Zivilklage wollte der Betroffene zumindest erwirken, dass er von der Kirche angemessen entschädigt wird. Denn die sei mitschuldig, habe Taten jahrzehntelang vertuscht. Immerhin hatte ein Kölner Gericht einem Betroffenen das Zehnfache zugesprochen - woraus sich die Forderung im Longuicher Fall erklärt.

Bistum Trier verzichtet nicht auf Verjährung

Anders als das Erzbistum Köln hat das Bistum Trier aber nicht auf die Verjährung verzichtet, bestätigte ein Sprecher des Gerichts. Die Betroffeneninitiative MissBiT will den Beschluss des Trierer Landgerichtes zusammen mit dem Kläger vor dem Oberlandesgericht Koblenz anfechten. Dies ist laut Gericht noch bis zum 18. Januar per Beschwerde möglich.

Die Begründung: Wegen der besonderen Stellung der Katholischen Kirche seien erfolgreiche Klagen erst seit 2010 möglich gewesen. Damit seien die Ansprüche von Missbrauchsbetroffenen nicht verjährt. Parallel würden weitere Klagen von Betroffenen gegen das Bistum vorbereitet. (den vollständigen Text auf "swr.de" lesen) , dpa

Mittwoch, 8. Januar 2025

Die Taten wurden vertuscht, die Verbindung zu den jeweiligen Bistümern verschleiert, falsche Namen, Konten von Mittelsmännnern und verdeckte Finanzströme - Jetzt gibt Ackermann zu: Auch im Bistum Trier wurden katholische Priester, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wurden, ins Ausland versetzt - Betroffene sollen sich melden

Die Bistümer in Trier und Eichstätt und das Erzbistum Bamberg fordern mögliche Betroffene auf, sich zu melden:

Statt sexuellen Missbrauch durch katholische Priester aufzuklären, half die Katholische Kirche den Tätern, sich nach Südamerika abzusetzen - bis die Tat verjährt war. Kein Einzelfall, wie ARD-Recherchen zeigen.

Die Verschickung ins Ausland waren keine Einzelfälle: Mehrere Fälle sind nach Angaben der dortigen Pressestelle auch aus dem Bistum Trier bekannt. 

Darunter ein Priester, gegen den es im Vorfeld eines Auslandsaufenthaltes in Deutschland ein Strafverfahren wegen sexuellem Missbrauch gegeben hatte. Er wurde noch Ende der 1990er-Jahre in Osteuropa eingesetzt.*

Ein zweiter Priester arbeitete ab 1966 als Pfarrer in Südamerika, obwohl es auch in diesem Fall bereits in den 1960er-Jahren "deutliche Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle" in Deutschland gegeben habe, erklärt die Pressestelle des Bistums Trier auf Anfrage. **

Die Aufarbeitungsexpertin und Juristin Bettina Janssen stieß auf vergleichbare Fälle. Sie untersuchte Akten im Auftrag der katholischen Kirche - unter anderem für die Deutsche Bischofskonferenz. Ihr Fazit: "Man hat verschiedenste Möglichkeiten gefunden, um einen Priester verdeckt zu halten und die Verbindung zum Bistum zu verschleiern, zu vertuschen und um ihm finanzielle Hilfe zukommen zu lassen." Janssen stieß auf falsche Namen, Konten von Mittelsmännern und verdeckte Finanzströme. Die Opfer hätten dabei keine Rolle gespielt. Die Juristin und Mediatorin aus Köln spricht von "einer Form der Strafvereitelung". (tagesschau.de) (br.de)

Die verantwortlichen Bischöfe im Bistum Trier bei den o.a. beiden Verschickungen ins Ausland:   U.a. Marx und Ackermann.  (Anmerk. ca)



* Der Priester wurde nach seiner Verurteilung in Saarbrücken wegen dutzendfachen Missbrauchs von acht Opfern 1994 in die Ukraine versetzt.  Das Bistum Trier holte ihn 1998 zurück. Offiziell ging er 1999 in Ruhestand, aber Ackermann beließ ihn als Hausgeistlichen eines Krankenhauses und eines Altenheims bis 2012. Das Bistum Trier schreibt, dass die damals Verantwortlichen diesen Einsatz fern von Kindern und Jugendlichen für vertretbar gehalten hätten, es allerdings versäumt worden sei, die für ihn zuständigen Stellen angemessen über seine Vorgeschichte zu informieren. Auf eine Rückfrage, ob in einem Krankenhaus ein Einsatz fern von Kindern tatsächlich gewährleistet sei, antwortet das Bistum nicht. 2012 zeigte sich der Priester selbst an: Er habe in seiner Zeit in der Ukraine zwei weitere Jungen missbraucht... Verantwortliche Trierer Bischöfe: Spital, Marx und Ackermann. (spiegel.de) (sueddeutsche.de) (domradio.de)

** Auch in der Causa Klaus Weber werden folgenschwere Fehler des Bistums Trier bekannt:  Das Kirchliches Voruntersuchungsverfahren hätte bereits 2002 eingeleitet werden müssen. Durch das Wegschauen der Verantwortlichen, konnte Weber dadurch über ein Jahrzehnt weiter in Deutschland und Bolivien Kinder und Jugendliche missbrauchen. Die verantwortlichen Bischöfe in Trier: Josef Spital, Reinhard Marx, Stephan Ackermann. 


Was auffällt: Es gibt bisher noch keinen offiziellen Aufruf auf der Seite des Bistums zum Fall des erstgenannten Trierer Bistumspriesters, so dass sich Betroffene überhaupt angesprochen fühlen könnten.  Im Fall Claus Weber veröffentlichte das Bistum Trier Juni 2023 einen solchen  Aufruf. (ca)

Und - wie immer- erfolgt bei solchen Pressemeldungen auch eine lapidare Meldung aus dem Bistum Trier: In der heutigen dpa-Meldung aus dem Bistum Trier heißt es, dass die Missbrauchs-Aufarbeitung in der Kirche weiter gehe: Zum einen wegen der "Erinnerungskultur", zum anderen weil die Präventionsmaßnahmen an den Aufarbeitungsprozessen "hängen".    (sr.de)

Bistum Trier: Bischof Ackermann betont, dass die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker die katholische Kirche auch weiterhin beschäftigen wird

Trier (dpa/lrs) - Die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen durch Kleriker wird die katholische Kirche auch künftig weiter beschäftigen. „Es gibt da keinen Schlussstrich“, sagte der Trierer Bischof Stephan Ackermann der Deutschen Presse-Agentur. „Wir wollen ja, dass die Aufarbeitung eine nachhaltige Wirkung hat.“

Da sei einmal die Erinnerungskultur: Diese solle so gepflegt werden, „dass man die Thematik präsent hält“. Auch mit Blick auf die Prävention dürfe das Thema nicht verschwinden, sagte der Bischof. „Präventionsmaßnahmen hängen an den Aufarbeitungsprozessen, das heißt am Zeugnis von Betroffenen darüber, was sie erlitten haben.“ 

Derzeit stellten sich alle 27 Bistümer einer unabhängigen Aufarbeitung durch eingerichtete Kommissionen. „Die Prozesse sind in vollem Gange“, sagte Ackermann. Nach einer ersten Zwischenauswertung aus den Bistümern sollten die jeweiligen Ergebnisse künftig stärker standardisiert werden, um sie besser auswerten zu können.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier ist seit Juni 2021 im Amt, ihr gehören Betroffene und Fachleute an. Insgesamt soll die Aufarbeitung sechs Jahre dauern. Die Kommission gibt jährliche Tätigkeitsberichte heraus und stellt von ihr initiierte historische Studien zu den Amtszeiten der Trierer Bischöfe vor. 

Stand Ende Juli wurden für den Zeitraum von 1946 bis 2021 bislang insgesamt Taten mit 711 Opfern und 234 Beschuldigten registriert. (dpa)


Anmerkung ca: 

Die "Erinnerungkultur sollte gepflegt werden, dass man die Thematik des sexuellen Missbrauchs präsent hält?" -  Ich wüsste tatsächlich nicht, dass derzeit eine reelle Gefahr bestehen würde, die Thematik zu vergessen. Resignieren, Wegschauen, Nichtwahrhaben-Wollen bedeutet nicht, dass etwas "in Vergessenheit gerät".  Zudem werden die Opfer nie vergessen. Und falls die Thematik, oder sollte man nicht besser sagen, "Problematik" tatsächlich in Vergessenheit geraten sollten, werden wir Betroffene es sein, die daran erinnern werden.  

Nicht minder verwirrend ist zudem die Aussage, dass "die Präventionsmaßnahmen an den Aufarbeitungsprozessen hängen". Ja, das sagten wir Betroffene schon 2010, dass Prävention nur dann erfolgen kann, wenn in die Vergangenheit geschaut und reflektiert wird und die Gefahren beseitigt werden können.  Allerdings war uns damals nicht so bewusst wie heute, dass das Ganze System hat und die "Gefahren" weiterhin  bei den Verantwortlichen und im "System Kirche" lauern. Es nutzt keine Prävention, wenn die Vertuschung der Verantwortlichen so weitergeht, wie sie die letzten Jahre nachgewiesen werden . Die Begrifflichkeit "Prävention" wurde bereits als "Meilenstein" bezeichnet und taucht immer wieder genau in den Momenten auf, in dem ein Vorwand gesucht wird, dass die Kirche doch bemüht ist. Ja, die Prävention kann nichts schaden, aber wie wirkungsvoll ist sie tatsächlich, wenn z.B. Schulungen nachweislich nicht von allen Priestern besucht werden.  Wenn weiter das Beichtgeheimnis über dem deutschen Strafrecht steht? Was nutzte den die Prävention in den vergangenen Jahren, wenn die Fakten belegen, dass es nicht an mangelnder Prävention lag, sondern an den Bischöfen, Generalvikaren, Personalverantwortlichen etc., die die Taten vertuscht und die Täter versetzt haben? Und nein, die Verantwortlichen sind nicht nur unter den Alt-Bischöfen zu suchen, sondern finden sich auch unter Marx, Ackermann und Bätzing.

Die offiziellen Zahlen, also das Hellfeld,  die heute per dpa-Meldung erschien, sind übrigens seit Monaten bekannt. 

Man frage sich tatsächlich, welche Motivation sich hinter einer solchen Meldung verbirgt - wenn nicht die, dass man beruhigen möchte, weil es wieder neue negativ-Schlagzeilen gibt. Dieses Muster ist übrigens seit Jahren im Bistum Trier nachweisbar. 


Donnerstag, 2. Januar 2025

Bistum Trier: Im Saarland, dem "katholischsten" Bundesland, ist die Zahl der Katholiken deutlich gesunken

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Katholiken im Saarland deutlich gesunken. 2011 waren noch knapp 62 Prozent der Bevölkerung Mitglied der katholischen Kirche, jetzt sind es nur noch 51 Prozent. Immer weniger Menschen im Saarland gehören einer der beiden großen Kirchen an. 

Nach wie vor ist das Saarland zwar das katholischste Bundesland – in einigen Städten sind Menschen, die keiner oder einer anderen Religion angehören aber bereits in der Mehrheit.

Noch knapp etwas mehr als die Hälfte der saarländischen Bevölkerung gehören der römisch-katholischen Kirche an. Das zeigt eine Sonderauswertung der Zensus-Volkszählung 2022, über die auch das ZDF berichtet hat. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der Katholiken so groß wie im Saarland.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Katholiken aber deutlich gesunken. Elf Jahre zuvor waren noch knapp 62 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch, jetzt nur noch 51 Prozent.

Am "katholischsten" sind Tholey, Mettlach, Weiskirchen, Nalbach, Losheim und Perl: Hier liegt der Anteil der Katholiken immer noch über 70 Prozent. Auch wenn es hier deutliche Rückgänge gab. 2011 waren in Tholey nach 85 Prozent der Bevölkerung katholisch, 2022 waren es noch 73 Prozent.

In den beiden größten saarländischen Städten Saarbrücken und Neunkirchen sowie in Völklingen ist die Zahl der Menschen, die keiner oder einer anderen Religion angehören, mittlerweile in der Mehrheit. In der Landeshauptstadt etwa trifft das auf 46 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner zu. Der Anteil der Katholiken ist zwischen den beiden Volkszählungen von knapp 44 Prozent auf nur noch 34 Prozent gesunken. (sr.de)

Sonntag, 29. Dezember 2024

Werte Lesende,


auf der neuen Seite (Tab) "Sexueller Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche im Bistum Trier - die Chronologie" werde ich in den nächsten Wochen eine chronologische Übersicht über das Bistum Trier aufbauen, die sowohl den sexuellen Missbrauch durch katholische Priester im Bistum Trier als auch den Umgang der Verantwortlichen mit der Thematik dokumentiert. 

Claudia Adams


Freitag, 20. Dezember 2024

Bistum Trier: Niederfischbach: der ehemalige Trierer Generalvikar, heutiger Bischof von Limburg und Vorsitzender der DBK, Georg Bätzing, sprach bereits 2021 von sexuellem Missbrauch mit mehreren Betroffenen in Niederfischbach: "Ich habe immer ein Wissen darüber gehabt"

Bätzing: 

 Der ehemalige Trierer Generalvikar und heutige Bischof von Limburg, Georg Bätzing,  in einem Interview mit "domradio.de" im Dezember 2021.  Bätzing betonte, dass er "immer Wissen darüber (Causa Niederfischbach) gehabt habe" und sprach von einem  angeblichen "Lernprozess". 


Zudem behauptet Bätzing im Mai 2024: "Ich meine, in den mit bekannten Fällen ansonsten entschieden und korrekt vorgegangen zu sein."  (...)  Er könne jedoch mit Gewissheit sagen, dass er nie irgendetwas vertuscht habe. "Im Gegenteil", betont Bätzing.


Hintergrund:

Während Bätzing angibt,  "immer Wissen" über den sexuellen Missbrauch in Niederfischbach gehabt zu haben, wird ein Betroffener des damaligen Pfarrers im Jahr 2010 durch einen Fernsehbericht getriggert, der dem Betroffenen "Türen zur Erinnerungen öffnete, die er ganz weit nach hinten geschoben" habe. - Erst Jahre später konnte er sich öffnen. Der Betroffene ist sowohl von Ackermann als auch von Bätzing enttäuscht. 



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"Schweigen brechen – Sexualisierte Gewalt im Raum der katholischen Kirche in Niederfischbach von 1963 bis 1969"

Einladung zu Information und Austausch über sexualisierte Gewalt in der katholischen Pfarrgemeinde Niederfischbach in den Jahren 1963 bis 1969

Datum: Donnerstag, 16. Januar 2025  Uhrzeit: 19.30 Uhr

Ort: Mehrzweckraum der Ortsgemeinde Konrad-Adenauer-Str. 15, 57572 Niederfischbach

www.pr-betzdorf.de


Donnerstag, 19. Dezember 2024

Bistum Trier: Betroffener bricht sein Schweigen: Nach den Begegnungen mit Ackermann sei klar gewesen: "Das wird jetzt alles aufgearbeitet". - Aber: Hoffnung und Erwartungen wurden enttäuscht - Auch von Bischof Bätzing hätte er sich frühere und konkretere Schritte gewünscht


Das Schweigen brechen: Betroffener berichtet von sexuellem Missbrauch durch katholischen Pfarrer in Niederfischbach

Niederfischbach:  In den 60er-Jahren sei der Missbrauch geschehen. Der mutmaßliche Täter: wird über Nacht aus der Gemeinde genommen. Der Betroffene leidet bis heute. Und er beklagt: Die Opfer sind es, die immer wieder die Initiative zur Aufarbeitung ergreifen müssen. 

TV-Bericht im Jahr 2010 über Missbräuche löst in ihm "eine Lawine aus"

Der Bericht katapultiert ihn zurück in die Zeit der 60er-Jahre, öffnete Türen zu Erinnerungen, die er ganz weit nach hinten geschoben hatte. In diesem Moment kommen sie hervor und er will darüber sprechen. Erstmalig erzählt er seiner Frau davon. Und noch einmal mehrere Jahre später schreibt er eine Nachricht an den aktuellen Pfarrer. Nach Niederfischbach, seine alte Heimat.

Nicht das einzige Opfer

Er erzählt: Ihm persönlich sei mindestens ein weiteres Opfer bekannt und ihm sei zu Ohren gekommen, dass jemand in Trier einen Missbrauchsfall gemeldet hat und es dann zu einer Versetzung kam. Im Stillen und quasi „über Nacht“ wurde der Pfarrer dann versetzt.

Bischof Georg Bätzing, dessen Heimatgemeinde Niederfischbach ist, geht in seinem Buch „Rom ist kein Gegner“ in einem Kapitel kurz auf die Vorfälle ein.

Auffallende Vita des Pfarrers

Der Lebenslauf des verstorbenen Pfarrers ein: Zunächst Aufenthalt in einem Kloster, später dann unter anderem der Einsatz in einem Altenheim. Eine solche Vita spreche „für sich“. Auch wenn der Pfarrer nie als Täter geführt worden sei. Der Betroffene berichtet: Es habe damals in der Gemeinde sogar Proteste gegen die plötzliche Versetzung gegeben – was wiederum ihn, das Opfer, geärgert habe. Danach aber sei das Thema viele Jahre nicht mehr existent für ihn gewesen. Bis ins Jahr 2010.

Er wandte sich in einer Mail an das Bistum in Trier, suchte Hilfe bei einer Beratungsstelle der Caritas, nahm an zwei Veranstaltungen mit Bischof Dr. Stephan Ackermann teil. 

Nach den Begegnungen mit Ackermann sei für ihn klar gewesen: „Das wird jetzt alles aufgearbeitet“. Aber: Seine Hoffnung, seine Erwartungen seien enttäuscht worden.

„Letztendlich will man mit dem Thema nichts zu tun haben“, 

so sein bitteres Fazit. Was ihn besonders umtreibt: Zwar gebe es „Sonntagsreden“, aber nie sei die Kirche die Aufarbeitung von selbst angegangen, sondern immer hätten das die von Missbrauch Betroffenen selbst tun müssen: „Die Kirche als Institution lehnt sich zurück.“ 

Auch von Bischof Bätzing hätte er sich frühere und konkretere Schritte gewünscht.

Betroffenen endlich eine Stimme geben

So haben die Schilderungen des Betroffenen das Leitungsteam dazu veranlasst, zu einem Abend zum Thema „Sexualisierte Gewalt im Raum der katholischen Kirche in Niederfischbach von 1963 bis 1969″ zu laden. Jeder ist zu dieser Veranstaltung in geschütztem Rahmen geladen. Sie findet statt am 16. Januar (19.30 Uhr) im Mehrzweckraum der Ortsgemeindeverwaltung. Zu der Veranstaltung heißt es: „Betroffene leben bis heute noch mit den Folgen dieser Gewalt und wir möchten dazu beitragen, dass sie eine Stimme bekommen.“ (den vollständigen Artikel auf "siegener-zeitung.de" lesen)

Mittwoch, 18. Dezember 2024

Bistum Trier: "Mit der Hand von Beinen in den Intimbereich gestrichen" - laut Bistum kein sexueller Missbrauch - Beschuldigter Pfarrer wurde anschließend Ansprechperson "für Beschwerden oder den Verdacht eines grenzüberschreitenden Verhaltens oder sexualisierter Gewalt"


Quelle: Internetauftritt der Pfarreiengemeinschaft


Seit 2023 ist der mit Vorwürfen konfrontierte Pfarrer offiziell als Ansprechpartner  "bei Verdacht  grenzüberschreitendes Verhaltens oder sexualisierter Gewalt" aufgeführt. Der Trierer Bistumspriester war maßgeblich an der Erstellung des "Institutionellen Schutzkonzeptes zur Prävention von sexualisierter Gewalt" beteiligt.

Der Entwurf des Konzepts wurde auch der Bistumsleitung übergeben, die dieses prüfen und gegebenenfalls verbessern und erweitern sollte.  

Dem Trierer Bistumspriester werden 2015 und 2016 Übergriffe vorgeworfen. Zudem gibt es weitere Hinweise auf grenzüberschreitendes Verhalten. (ca)





Im Herbst 2015 soll ein Pfarrer einem damals 14-jährigen Firmling mit der Hand von den Beinen in den Intimbereich gestrichen haben. Im Sommer 2016 soll der Geistliche der damals Jugendlichen während der Firmfeier mit der Hand vom Halsbereich bis zur Brust gefahren sein.

Das teilt die zuständige Staatsanwaltschaft auf Anfrage des Trierischen Volksfreunds mit. Die  Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen den Pfarrer. Es ist nicht das erste Mal, dass sie sich mit dem Fall befasst. Wie das Bistum Trier mit dem Fall umgegangen ist Wie hat das Bistum Trier bislang reagiert? Eine Bistumssprecherin bestätigt, dass 2015 Vorwürfe gegen den beschuldigten Bistumspfarrer erhoben worden seien.

Die Verantwortlichen im Bischöflichen Generalvikariat hätten diese Vorwürfe umfassend geprüft, sagt die Sprecherin, und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei den Vorwürfen um eine  disziplinarische Angelegenheit handele. Eine disziplinarische Angelegenheit, die nicht unter die damals geltenden Leitlinien zum Umgang mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gefallen sei. Das heißt, erläutert die Sprecherin weiter, der damalige Vorwurf sei nicht als Vorwurf des sexuellen Missbrauchs eingeordnet worden, sondern als eine disziplinarische Angelegenheit, die mit dem Pfarrer angegangen worden sei. Welche Konsequenzen dies für den Pfarrer hatte, lässt sie offen. 

Der Vorwurf sei  disziplinarisch behandelt worden, sagt die Bistumssprecherin. Dieses Vorgehen sehe weder eine Beurlaubung noch eine Information der Pfarrei und Pfarreiengemeinschaft vor.

Nach Volksfreund-Informationen soll die mittlerweile erwachsene, mutmaßlich Betroffene den Fall 2023 noch einmal beim Bistum gemeldet haben. Auslöser soll gewesen sein, dass sie zufällig erfuhr, der Pfarrer sei Ansprechperson eines Schutzkonzeptes gegen sexuellen Missbrauch einer Pfarrei.

Die Bistumssprecherin bestätigt, dass 2024 die Angelegenheit „Pfarrer ...“ bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erneut vorgetragen wurde, „und zwar mit einer auf der Basis von neuen Erkenntnissen erweiterten Sachverhaltsdarstellung“. Das Bistum leitete eine kirchenrechtliche Voruntersuchung ein. Die Sprecherin sagt, aufgrund der laufenden staatlichen wie kirchenrechtlichen Untersuchungen könne sie im Moment keine weiteren Angaben dazu machen.

Nach Informationen unserer Zeitung sollen neben dem Firmling noch weitere Personen Vorwürfe gegen den Bistumspfarrer erhoben haben. Die Bistumssprecherin bestreitet dies. Sie sagt, darüber hinaus seien keine weiteren Vorwürfe sexuellen Missbrauchs beim Bistum eingegangen. „Wohl aber gab es von zwei anderen Personen Hinweise zu möglichem grenzüberschreitenden Verhalten des Pfarrers“, fügt die Sprecherin hinzu.

Trotz Vorwürfen: Pfarrer wird Ansprechperson eines Schutzkonzeptes gegen sexuellen Missbrauch

Doch wie kann es überhaupt sein, dass ein Pfarrer Ansprechperson eines Schutzkonzeptes ist? Wird das Schutzkonzept damit nicht ad absurdum geführt? Der Rechtsträger entscheide, wer als Ansprechperson benannt werde, sagt die Bistumssprecherin. Es gebe keine Vorgaben des Bistums. Im konkreten Fall fungiere der Pfarrer nicht mehr als Ansprechperson. Doch ein Blick ins Schutzkonzept offenbart anderes. Nach wie vor ist der Pfarrer als Ansprechperson genannt, falls es Grund zu einer Beschwerde oder den Verdacht eines grenzüberschreitenden Verhaltens oder sexualisierter Gewalt gibt. (Quelle: volksfreund.de)




Dienstag, 17. Dezember 2024

Bistum Trier: Keine Einsicht in Personalakte für Missbrauchsopfer - Anwalt der Klägerin: "Offenbar nicht gewollt, dass Dinge aufgeklärt werden."

Das Arbeitsgericht Trier hat die Klage einer Frau mit dem Pseudonym Karin Weißenfels abgewiesen. Sie hatte umfassende Einsicht in ihre Personalakte beim Bistum Trier gefordert.

"Ich bin fassungslos", sagte die Klägerin mit dem Pseudonym Karin Weißenfels nach der Urteilsverkündung am Dienstagvormittag in Saal 1 des Arbeitsgerichts Trier. Nur sie und ihr Anwalt waren zu dem Termin gekommen, Vertreter des Bistums Trier nicht. Die Richterin sagte zu der Frau, sie verstehe, dass sie enttäuscht sei. Juristisch habe sie aber so entscheiden müssen.

Bistum Trier schwärzt Seiten in Personalakte

Die Klägerin ist noch immer Angestellte des Bistums Trier und forderte vor Gericht vom Bistum uneingeschränkte Einsicht in ihre Personalakte. Ihre Personalakte umfasst mehrere Aktenordner. Das Problem: Das Bistum hat dort auch Dokumente eingefügt, die formaljuristisch betrachtet nicht in eine Personalakte gehören. Es stellte der Klägerin nur eine Version zur Verfügung, in der etliche Seiten komplett geschwärzt sind.

Richterin: Klägerin muss beweisen, was zur Personalakte gehört

Die Klage wurde abgewiesen und die Klägerin muss die Prozesskosten in Höhe von 16.000 Euro tragen. Dieses Urteil verkündete die Richterin am Arbeitsgericht Trier.

Die Richterin begründete ihre Entscheidung damit, dass in einem Zivilverfahren die Klägerin beweisen muss, was zur Personalakte gehört und was nicht. Ihr Antrag sei zu allgemein gestellt gewesen. Sie könne aber vor dem Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz Berufung gegen das Urteil einlegen, sagte die Richterin.

Der Anwalt der Klägerin reagierte verständnislos auf das Urteil. Wenn seine Mandantin nur geschwärzte Unterlagen erhalte, könne sie gar nicht beweisen, was juristisch gesehen zur Personalakte gehöre und was nicht. "Es war offenbar nicht gewollt, dass Dinge aufgeklärt werden", sagte er nach der Urteilsbegründung.

Aktenführung des Bistums Trier kritisiert

Auch die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bistum Trier hatte schon mehrfach die schlechte Aktenführung des Bistums Trier kritisiert. Im Fall Weißenfels habe das Bistum viele Dokumente in die Personalakte geheftet, die nichts in einer Personalakte zu suchen haben.

Der Fall Karin Weißenfels

Als junge Frau war die Frau mit dem Pseudonym Karin Weißenfels jahrelang von einem Priester, der ihr Vorgesetzter war, sexuell missbraucht worden. Als sie schwanger wurde, drängte der Priester sie zur Arbtreibung. Das Bistum hat die Frau als Opfer sexuellen Missbrauchs anerkannt und ihr eine finanzielle Entschädigung gezahlt. Der inzwischen verstorbene Täter wurde nie bestraft, konnte in der Kirche Karriere machen.

Opfer traumatisiert

Im Gerichtssaal des Arbeitsgerichts Trier sagte die Frau, dass der lange Rechtsstreit und die Vorbereitung der Klage sie viel Kraft gekostet haben. Sie wolle nun mit ihrem Anwalt die schriftliche Urteilsbegründung abwarten und dann mit ihm beraten, ob sie gegen das Urteil Berufung einlegt. (Quelle: swr.de)


Sonntag, 15. Dezember 2024

Bistum Trier: Causa Dillinger: Der Priester, der sich gegenüber Bischof Ackermann erlauben konnte, was er wollte: Edmund Dillinger trat mehrfach unerlaubt im Bischofsgewand auf



Serientäter Edmund Dillinger hinterließ nach seinem Tod verschiedene Gewänder. - Darunter auch ein Bischofsgewand. 

Während der Papst Weiß trägt, die Kardinäle Rot, tragen Bischöfe der katholischen Kirche Violett/Lila bzw. Magenta.- Traditionell die Farbe Lila, weil sie sich u.a. mit den Königen gleichstellten.  Die Farbwahl Lila repräsentiert u.a. Macht und königliche Opulenz. 

Edmund Dillinger jedoch war kein deutscher Bischof.  Er gehörte auch nicht zu denjenigen, die im Bistum Trier trotzdem hätten ein Bischofsgewand tragen dürfen.  Doch Dillinger trug auch zu offiziellen Anlässen sein Bischofsgewand. So unter anderem im Bistum Trier als auch in Rom. 

Mittwoch, 11. Dezember 2024

Bistum Trier: Ackermann versprach "vollständige Unabhängigkeit" - Doch wie "unabhängig" ist die Aufarbeitungskommission"im Bistum Trier wirklich, wenn der ehemalige Generalstaatsanwalt Dr. Brauer bereits 2012 nachweislich über den Sachverhalt Dillinger informiert wurde?

Bischof Ackermann versprach "vollständige Unabhängigkeit" als er den ehemaligen Trierer Generalstaatsanwalt Dr. Brauer  zur Unterstützung der  "unabhängigen Kommission für Aufarbeitung im Bistum Trier"  ernannte -  Doch wie "unabhängig" ist eine Kommission, wenn ein selbsternannter "Chef-Ermittler" bereits 2012 über den Missbrauch von Edmund Dillinger informiert war und Personaldaten zugesandt bekam?


                                            Foto: dpa/Sebastian Gollnow Quelle: "Trierischer Volksfreund"

1989 wechselte Jürgen Brauer zur Staatsanwaltschaft, zu seinen weiteren beruflichen Stationen gehörten Oberstaatsanwalt und leitender Oberstaatsanwalt in Trier.  Im März 2014 wurde Brauer zum Generalstaatsanwalt in Koblenz ernannt.



"Wie berichtet, hat die Unabhängige Aufarbeitungskommission den früheren Generalstaatsanwalt in Koblenz, Herrn Dr. Jürgen Brauer, gewinnen können, die Geschehnisse prioritär zu untersuchen. Ihm zur Seite tritt der frühere stellvertretende Leiter der Staatsanwaltschaft Trier, Herr OStA a.D. Ingo Hromada. Beiden Experten ist die Unabhängige Aufarbeitungskommission außerordentlich dankbar für ihr Engagement in der Sache. Die beiden Experten werden als Team zusammenarbeiten und alle erforderlichen Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen. Dies umfasst nicht zuletzt auch eventuell erforderliche Ermittlungsfahrten nach Afrika oder in sonstiges Ausland sowie die überdiözesane Untersuchung.  Herr Dr. Brauer und Herr Hromada werden die Untersuchung in vollständiger Unabhängigkeit durchführen können. Die Beauftragung erfolgt durch die Stiftung Aufarbeitung. Auch dadurch wird die Unabhängigkeit der Untersuchung vom Bistum Trier zusätzlich gewährleistet."  (Quelle: Paulinus-bistumnews.de)

"Die Unabhängige Aufarbeitungskommission ist deshalb dankbar, dass sie den ehemaligen Generalstaatsanwalt in Koblenz, Dr. Brauer, gewinnen konnte, diesen Fall in völliger Unabhängigkeit aufzuarbeiten. Herr Dr. Brauer verfügt über umfangreiche berufliche Erfahrung in der Aufklärung von Verbrechen, gerade auch im Blick auf internationale Verflechtungen." (Quelle: "Aufarbeitungskommission Bistum Trier")

Brisant: Der damalige leitende Oberstaatsanwalt J.  Brauer erhielt bereits im März 2012 das Protokoll eines Gespräches,  an dem u.a. neben Edmund Dillinger der damalige Generalvikar Georg Holkenbrink und Justiziar Matthias Müller teilnahmen. 
 
Nur wenige Tage nach diesem Gespräch trafen sich u.a. der damalige leitender Oberstaatsanwalt Brauer und Generalvikar Holkenbrink zu einem weiteren Gespräch, indem vereinbart wurde, dass Oberstaatsanwalt Brauer u.a. "handschriftlich angefertigte Abschriften" von 1970 in Kopie erhalten würde. Ebenso wurde ihm eine Aufstellung der Personaldaten zugesagt.  (Kircheninternes Dokument liegt vor, Anmerk. ca)


Nachtrag: Am 23.01.2025 bestätigt das "Zeit-Magazin.de": "In dem Dokument ist vermerkt, dass einer der beiden aktuellen Sonderermittler im Fall Dillinger, Jürgen Brauer, schon im Jahr 2012 den Fall Dillinger auf dem Tisch hatte. Brauer stand damals der Staatsanwaltschaft Trier vor, das Bistum Trier hatte 2012 tatsächlich die Behörde informiert – in einem Termin bei Brauer persönlich. In einem Fernseh-Interview hatte Brauer im Mai 2023 gesagt: "Aus eigener Kenntnis kann ich das Ausmaß dieses Falles noch nicht abschätzen." Und: "Ich weiß im Moment eben nur das, was die Medien berichtet haben.". Warum hat er nicht angegeben, dass er mit dem Fall Dillinger bereits zu tun hatte?
Brauer wird dem ZEITmagazin später sagen, der Vorgang sei ihm nicht präsent gewesen, bei über 10.000 Vorgängen, die ihm pro Jahr vorgelegt worden seien. Er habe das, als es ihm wieder bewusst wurde, transparent gemacht.  Er habe die Anzeige auch nur entgegengenommen, ermittelt habe ein anderer. Dies stimmt, es geht auch aus dem Dokument hervor, in dem steht: "Dr. Brauer erhält die handschriftlich angefertigten Abschriften von 1970 und das Protokoll des Gespräches vom 15.03.2012 in Kopie. Eine Aufstellung der Personaldaten wird ihm zugesagt." Diese Unterlagen, sagt Brauer, seien dem zuständigen Dezernenten übermittelt worden."

Bistum Trier: Dritter Zwischenbericht der "Unabhängigen" Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Verantwortungsbereich des Bistums Trier

"Ermittlungen in der Causa „Dillinger“

Im Zweiten Zwischenbericht hat die Unabhängige Aufarbeitungskommission den Fall des am 27. November 2022 verstorbenen Priesters Edmund Dillinger aufgegriffen und dargelegt, ein eigenes Projekt zur Aufklärung des Sachverhalts und der Zusammenhänge auf den Weg gebracht zu haben. Mit diesem Projekt wurden die ehemaligen Staatsanwälte Dr. Jürgen Brauer und Ingo Hromada beauftragt. Die Aufarbeitung zumindest in Deutschland wurde zwischenzeitlich weitgehend  abgeschlossen und am 10. April 2024 ein vorläufiger Abschlussbericht vorgelegt, der am 7. Mai 2024 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Auf der Grundlage der Ermittlungsakten von drei Staatsanwaltschaften, annähernd 4400 in Augenschein genommener Lichtbilder, die im Nachlass des verstorbenen Priesters gefunden und sichergestellt worden waren, der Aktenbestände des Bistums Trier zu Dillinger, mehr als 50 Interviews mit Zeitzeugen und Betroffenen, zahlreicher schriftlicher Auskünfte von Privatpersonen, Behörden, Schulen, kirchlicher und privater Stellen sowie der von Dillinger veröffentlichten Schriften und weiterer Recherchen konnte dessen Lebensweg und beruflicher Werdegang nachgezeichnet und der von ihm über viele Jahre verübte sexuelle Missbrauch aufgearbeitet werden.

Nach den gewonnenen Erkenntnissen missbrauchte Dillinger in der Zeit von 1961 bis 2018 (einschließlich einer Nachmeldung nach Veröffentlichung des Abschlussberichts) mindestens 20Personen in verschiedenen Schweregraden. Ferner waren sehr viele, nach ihrer Anzahl aber nicht annähernd zu beziffernde Personen von sexuell motiviertem Verhalten Dillingers betroffen, indem sie in sexualisierten Posen fotografiert worden waren, Berührungen in allen Körperregionen ertragen oder Annäherungsversuche abwehren mussten.

Die Recherchen des Projektes förderten zudem zutage, dass die damals Verantwortlichen im Bistum Trier insbesondere 1964 sowie 1970 bis 1976 vollkommen unangemessen auf die ihnen bekannt gewordenen sexuellen Missbrauchstaten reagierten und die nachgewiesenen, zum Teil massiven Vorwürfe vertuschten. Die Leitung der Schule, in der Dillinger von 1979 bis 1999 als Lehrer katholische Religion unterrichtete, ging deutlichen Hinweisen oder „offenen Geheimnissen“ auf zumindest sexuell übergriffiges Verhalten ebenso wenig nach wie Mitwisser in den Pfarreien, in denen er als Seelsorger tätig war oder wohnte. Die gleiche „Kultur des Wegsehens“ herrschte auch in den Vereinen, Verbänden und Verbindungen, in denen Dillinger Mitglied war oder in maßgeblicher Position mitwirkte.

Vor dem Hintergrund der Recherchen ist aus Sicht der Unabhängigen Aufarbeitungskommission kaum zu begreifen, dass eine Person wie Dillinger trotz allen Wissens über seine Übergriffigkeiten und Missbrauchstaten über Jahrzehnte im Dienst der Kirche verbleiben konnte. Die Tatenlosigkeit und das Wegschauen von kirchlichen Verantwortlichen wertet die Unabhängige Aufarbeitungskommission als bewusste Vertuschung, die zuvörderst dem Schutz des guten Namens der Kirche und des Bistums diente und die die Interessen der Opfer gröblich vernachlässigte.



Verfasser: Dr. Jürgen Brauer

Die Autoren der Studie beklagen zu Recht, dass ihre Recherchen durch die Vernichtung wichtiger Beweismittel auf Veranlassung der saarländischen Ermittlungsbehörden massiv behindert und in Teilen vereitelt wurden. In Absprache mit der Aufarbeitungskommission setzen sie daher für ein weiteres Jahr ihre Bemühungen um Aufklärung möglicher Missbrauchsfälle in Afrika und anderen außerdeutschen Orten, aber auch in Deutschland selbst fort. Über die entfalteten Tätigkeiten und Ergebnisse erstellte das Projekt Mitte Oktober einen Zwischenbericht. Darin schildern die Autoren einen weiteren Missbrauchsfall, der sich in den 1960er Jahren in Bitburg ereignet hat und stellen ihre Bemühungen dar, über NGO, die Aufarbeitungskommissionen der anderen (Erz-)Bistümer, die CV-Afrika-Hilfe und namentlich das Auswärtige Amt Ansatzpunkte für erfolgversprechende Recherchen in afrikanischen Staaten zu finden. Ende April 2025 soll ein Abschlussbericht vorgelegt werden."




Bistum Trier : "Die "unabhängige" Aufarbeitungskommission - bekannter Film- und Theaterschauspieler Horst Krebs findet klare Worte zur "Causa Dillinger"




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Montag, 9. Dezember 2024

Bistum Trier: Betroffener des ehemaligen Freisener Pfarrers Otmar M. zeigt sich erleichtert : "Es ist, als ob ein schwerer Last von mir genommen wurde, und ich kann nun versuchen den Frieden zu finden, der mir so lange verwehrt war."

 

Timo Ranzenberger,
Betroffener des ehemaligen Freisener Pfarrers Otmar M. 
Foto: privat

Ich bin nun sehr zufrieden und erleichtert. Die letzte Nacht konnte ich aufgrund dieser frohen Botschaft nicht wirklich schlafen – die Erleichterung war einfach zu groß. Die Meldung bezüglich der Entlassung aus dem Klerikerstand ist für mich ein Geburtstags- und Weihnachtsgeschenk zugleich. Dieses Urteil, das endlich Gewissheit brachte, fühlt sich wie ein wahrer Neubeginn an. Es ist, als ob ein schwerer Last von mir genommen wurde, und ich kann nun versuchen den Frieden finden, der mir so lange verwehrt war.

Endlich hat das Warten ein Ende. Endlich herrscht Gewissheit. Die Gerechtigkeit hat gesiegt. Nach all den Jahren der Ungewissheit und der ständigen Anspannung kann ich nun endlich aufatmen. Das tägliche Googeln nach dem "Freisener Pfarrer" oder "Freisener Ex-Pfarrer" gehört der Vergangenheit an. Die ständige Nervosität, immer auf den Postboten wartend, in der Hoffnung auf Neuigkeiten vom Kirchengericht Köln, Paderborn oder dem Bistum Trier, ist vorbei.

Mit dem Urteil des Kirchengerichts Paderborn ist nun alles klar. Otmar M hat endlich das bekommen, was er sich über Jahre und Jahrzehnten redlich verdient hat. Dieses Gefühl der Erleichterung ist unbeschreiblich. Endlich kann ich meinen Kopf für etwas anderes freimachen, ohne ständig an die katholische Kirche und Otmar M zu denken. Der Teufelskreis ist endlich durchbrochen, und ich kann den Sieg über diese dunklen Kapitel meines Lebens spüren.

Ich freue mich, dass ich diesen Moment jetzt genießen kann. Er ist für mich ein Symbol der endgültigen Befreiung und des Sieges über das, was mich so lange belastet hat. ☺️☺️☺️☺️




Die erste Begegnung mit Otmar M. 

Im Jahr 1993 begegnete ich Otmar M. zum ersten Mal in der Sakristei in Gehweiler. Er war relativ jung, sympathisch und wirkte anders als viele andere Geistliche. Er hatte eine lockere Art und schien ein Mensch zu sein, dem man vertrauen konnte. Für mich wurde er schnell zu meinem Lieblingspfarrer.

Doch 1999 änderte sich alles. Er lud mich zu sich ins Pfarrhaus ein, was zunächst wie eine freundliche Geste wirkte. Doch was darauf folgte, war eine erschütternde Erfahrung, die mich für lange Zeit prägte. Ich war damals erst 15 Jahre alt und ergriff die Entscheidung, niemandem davon zu erzählen. Die Angst, ausgelacht zu werden oder nicht ernst genommen zu werden, war zu groß. Ein solcher Vorfall mit einem angesehenen Pfarrer schien mir unvorstellbar, und die Vorstellung, dass mir jemand glauben könnte, erschien mir sehr fern.

2005 kam alles wieder hoch

Im Jahr 2005 kamen diese verdrängten Erinnerungen wieder hoch, als ich unabsichtlich den Fernseher auf ZDF an einem Sonntag Ende Mai einschaltete und da plötzlich ein Gottesdienst lief.

Plötzlich hatte ich alles von damals vor Augen.

Die Zeit in der streng katholischen Pflegefamilie und ebenfalls die Übernachtungen bei Otmar M im Pfarrhaus.

Ich konnte nicht mehr wegsehen und begann, mich zu fragen: Warum hatte er das getan? Warum hatte er mich ausgesucht? Warum hatte ich das erleben müssen? Und vor allem, machte er das auch weiterhin mit anderen? Diese Fragen beschäftigten mich immer wieder, und ich begann, mich mit den Details dieser Zeit auseinanderzusetzen.

Hilfesuchen bei Beratungsstellen

In den Jahren 2005 und 2006 suchte ich Hilfe – anonym. Ich rief bei Beratungsstellen an, darunter auch bei Schotterblume e.V. . Dort fand ich Menschen, die mich verstanden und die mich ermutigten, den nächsten Schritt zu gehen. Die Telefonkette war ein wahrer Segen für mich.

Niemand lachte mich aus, niemand zweifelte an mir. Es war das erste Mal, dass ich mich mit meinen Gefühlen nicht allein fühlte.

Doch der Gedanke, zur Polizei zu gehen, machte mir Angst. Ich stellte mir vor, nicht ernst genommen zu werden. Was, wenn ich dort vor Wut oder Verzweiflung ausfällig werde? „Danke fürs Zuhören, du Drecksbulle“, oder Ähnliches – das wären Worte gewesen, die ich nicht kontrollieren konnte. Ich hatte Angst, dass die Situation eskaliert und ich selbst am Ende als Täter dastehe.

Auf Entzug

Zu dieser Zeit musste ich lernen, ohne die Betäubung von Alkohol zu leben. Der Schmerz und die Erinnerungen ließen sich nicht einfach abschalten. Es gab keine Ausflucht mehr, und ich musste mich den intensiven Gefühlen stellen, die mich so lange begleitet hatten. Das war eine schwierige und schmerzhafte Zeit für mich.

Anonyme Kontaktaufnahme zum LKA Saarland

2006 nahm ich schließlich anonym Kontakt zur Pressestelle des LKA für das Saarland auf. Die Ermittlungen der Polizei führten schließlich zu mir als Anrufer. Ich hatte 17 Seiten geschrieben, auf denen ich ausführlich schilderte, was er mir angetan hatte. Die Polizei vernahm Otmar M., und er gab vieles zu, was er mit mir gemacht hatte. Doch aufgrund der Verjährung wurde das Verfahren eingestellt.

Das war ein harter Schlag für mich. Ich musste zehn Jahre warten, ohne dass es eine wirkliche Aufklärung oder Konsequenz gab. Doch 2013 wurde Otmar M. fernab der Öffentlichkeit erneut angezeigt, und 2016 platzte schließlich die Bombe. In diesem Jahr erfuhr die Presse von der Sache, und das Bistum Trier handelte plötzlich sehr hektisch.

Bistum Trier wurde bereits 2006 von der Staatsanwaltschaft Saarbrücken über Vorwürfe gegen Otmar M. informiert - unternahm aber nichts

Es stellte sich heraus, dass das Bistum Trier bereits 2006 von der Staatsanwaltschaft Saarbrücken über die Vorwürfe gegen Otmar M. informiert wurde. Trotz der geltenden Leitlinien der deutschen Bischofskonferenz von 2002, die das Handeln in solchen Fällen vorschrieben, unternahm das Bistum damals jedoch nichts, um Otmar M. aus dem Verkehr zu ziehen. Noch gravierender war, dass der Polizeibeamte, der Otmar M. 2006 vernommen hatte, sich unabhängig von der Staatsanwaltschaft ebenfalls an das Bistum Trier wandte. Dennoch wurde auch hier nicht gehandelt, und Otmar M. konnte bis 2015 in Amt und Würden bleiben.

Kardinal Marx, "Missbrauchsbeautragter" Bischof Ackermann und der heutige Bischof Bätzing

Dies brachte das Bistum Trier in eine schwierige Lage, da gleich drei Bischöfe involviert waren: Kardinal Marx, Bischof Ackermann und der spätere Bischof Bätzing.

Das Bistum reagierte mit öffentlichen Worten des Bedauerns und einem „schmerzlichen Lernprozess“, der für mich irgendwann zu einem schmerzhaften „Ohrwurm“ wurde, den ich nie vergessen konnte.

2016 wurde dann alles öffentlich. Auch meine Anzeige aus dem Jahr 2006 wurde bekannt, und sein Teilgeständnis von damals kam ans Licht. Es war ein Moment, den ich lange nicht erwartet hatte, aber er brachte eine gewisse Erleichterung. Die Sache war nicht mehr nur in meinem Kopf, sondern fand endlich den Weg in die Öffentlichkeit.

2018 wurde schließlich ein kirchliches Strafverfahren gegen Otmar M. eröffnet.

Seit Mai 2016 hatte ich jeden einzelnen Tag gegoogelt: „Freisener Ex-Pfarrer“, „Freisener Pfarrer“. Es ließ mir keine Ruhe, ständig kam etwas Neues hinzu. Die Zahl der „mutmaßlichen Opfer“ stieg in dieser Zeit auf sage und schreibe zehn. Endlich fanden auch andere Menschen den Mut, diesen Herrn bei der Polizei anzuzeigen. Endlich!

Weitere Betroffener war inzwischen selbst zum Priester geworden

2019 kam ein Richter des Kirchengerichts Köln zu mir nach Hause, und es folgte eine Vernehmung. Ein weiterer Betroffener von Otmar M. wurde ebenfalls vernommen, und hier platzte es aus ihm heraus. Dieser Mensch war mittlerweile selbst Priester geworden und hatte in der Vergangenheit seine eigenen Erfahrungen mit Otmar M. machen müssen. Dies führte letztendlich zu einem weltlichen Strafverfahren gegen Otmar M.

Prozess vor Landegericht Saarbrücken 

2023 fand der Prozess vor dem Landgericht Saarbrücken statt, bei dem Otmar M. wegen sexueller Nötigung eines 14 Jahre alten Jugendlichen aus dem Jahr 1997 angeklagt wurde. Auch meine Anzeige aus 2006 war Gegenstand des Verfahrens, und ich wurde als Zeuge vorgeladen. Es folgte die Verurteilung wegen sexueller Nötigung, was für mich ein sehr wichtiger Schritt war.

Das Urteil selbst war zwar mild – eine Haftstrafe von 1,5 Jahren, ausgesetzt auf vier Jahre Bewährung, sowie eine Geldstrafe von 2500 Euro zugunsten eines gemeinnützigen Vereins für missbrauchte Mädchen – doch darüber habe ich mich persönlich nicht geärgert. Wichtig war, dass er verurteilt wurde und nicht freigesprochen. Besonders ermutigend war, dass der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung die Glaubwürdigkeit der einzelnen Zeugen, darunter auch meine, hervorhob. Diese Anerkennung war für mich wie Balsam für die Seele, nachdem im Milieu des Freisener Ex-Pfarrers Otmar M. immer wieder behauptet wurde, all die Anzeigeerstatter wären Lügner. Ein weltliches Gericht sah dies jedoch anders.

Pfarrer Otmar M. geht in Revision und legt Berufung ein - vergeblich

Nach der Revision beim Bundesgerichtshof folgte die nächste Niederlage für Otmar M. Die Revision wurde nicht zugelassen, und er ist nun ein weltlich rechtskräftig verurteilter Sexualstraftäter.

Kurze Zeit später folgte auch das Kirchengericht Köln. Auch hier ließ Otmar M. dies nicht auf sich sitzen und versuchte, gegen das kirchliche Urteil in Rom Berufung einzulegen. Doch auch hier erlebte er eine weitere Niederlage.

Otmar M. wurde nun auch vom Kirchengericht Paderborn schuldig gesprochen, und die Entlassung aus dem Klerikerstand ist nun rechtskräftig und endgültig.

Ein wahrer Segen und ein Sieg für alle Betroffenen.

18 Jahre sind nun seit dem Jahr 2006 vergangen. Wenn man mir 2005 erzählt hätte, was ab 2016 rund um die Person von Otmar M. geschehen würde, hätte ich denjenigen wahrscheinlich ausgelacht. Doch heute kann ich sagen: Es gab Gerechtigkeit. Und das ist, was für mich zählt.

Timo Ranzenberger


Bistum Trier: Stellungnahme zur Entlassung des ehemaligen Priesters Otmar M. aus dem Klerikerstand - Ackermann spricht erstmals von "Verbrechen" und will Verantwortlichen und Gläubigen in der Pfarreiengemeinschaft für Gespräche und Veranstaltungen zur Verfügung stehen

Kirchengericht Paderborn bekräftigt Schuldspruch gegen früheren Pfarrer : Urteil bestätigt 

Das kirchliche Gericht der Erzdiözese Paderborn hat das Urteil des Kirchengerichts Köln gegen den früheren Pfarrer von Freisen (Saarland) bestätigt.

9. Dez. 2024

Judith Rupp

Trier/Paderborn – Das kirchliche Gericht der Erzdiözese Paderborn hat das Urteil des Kirchengerichts Köln gegen den früheren Pfarrer von Freisen (Saarland) O.M. bestätigt. Das Kirchengericht Köln hatte den Priester des sexuellen Missbrauchs von fünf Personen für schuldig befunden und als Strafe die Entlassung aus dem Klerikerstand verhängt (Entlassung aus dem Klerikerstand). 

Nachdem der Priester gegen das erstinstanzliche Urteil beim römischen Dikasterium für die Glaubenslehre Einspruch erhoben hatte, hatte das Dikasterium den Fall an das Kirchengericht in Paderborn übergeben. Das Kirchengericht hat das Urteil bestätigt.  

Das Urteil in II. Instanz wurde O.M. zugestellt. Ein weiterer Einspruch ist laut Kirchenrecht nicht möglich. 

Bischof Dr. Stephan Ackermann hat alle Betroffenen in dem Fall – auch diejenigen, deren Fälle nicht Gegenstand des Verfahrens waren – persönlich über das Urteil informiert. (! - Nein, nicht alle Betroffenen wurden bereits von Ackermann informiert, Anmerk. ca;) Ebenso sind das Pastoralteam und die Gremienvorstände der früheren Pfarrei des Straftäters von Bischof Ackermann informiert worden. „Ich weiß aus Gesprächen mit Betroffenen, dass die Überprüfung des Urteils erneut eine Belastung für sie war. Ich hoffe sehr, dass die Bestätigung für sie eine Genugtuung bedeutet, die ihnen in der Verarbeitung des an ihnen begangenen Verbrechens (!), Ackermann spricht erstmal von  "Verbrechen", Anmerk. ca) hilft“, sagte Bischof Ackermann.   

Auch für die betroffene Pfarrei Freisen in der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen könne nun eine neue Phase in ihrem Gemeindeleben beginnen. „Wie bereits vereinbart stehe ich den dort Verantwortlichen und den Gläubigen für Gespräche oder Veranstaltungen zur Verfügung“, erklärte der Bischof.  (Quelle: https://paulinus-bistumsnews.de/aktuell/news/artikel/Urteil-bestaetigt/)

Sonntag, 8. Dezember 2024

Bistum Trier: Freisener Ex-Pfarrer Otmar M. endgültig aus Klerikerstand entlassen

Der ehemalige Pfarrer aus Freisen, der wegen Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, wird jetzt endgültig aus dem Klerikerstand entlassen.

Der Trierer Bischof Ackermann bezeichnet den Fall damit als abgeschlossen, eine Berufung sei nicht mehr möglich. 

Der Ex-PfarrerDemnach hat das Paderborner Berufungsgericht eine entsprechende Entscheidung des Kölner Kirchengerichts bestätigt. Der Fall sei nun abgeschlossen, so Ackermann in dem Schreiben. Eine Berufung sei nicht mehr möglich. Damit darf der Ex-Pfarrer keinen priesterlichen Dienst mehr ausüben, auch keine Sakramente mehr spenden. Der Betroffene Timo Ranzenberger sprach von einer Genugtuung für ihn und weitere Betroffene des Missbrauchs. Die Entscheidung sei fast 20 Jahre nach seiner Anzeige mehr als überfällig.

den vollständigen Artikel auf "tagesschau.de" lesen

Montag, 2. Dezember 2024

Bistum Trier: Opfer spricht: "Mein Täter, der Priester, war mit Edmund Dillinger befreundet. Er hat auch Fotos gesammelt und über seine Opfer genau Buch geführt. Dillinger hat Kinder und Porno-Fotos auch an andere Pädokriminelle vermarktet."

Rechtsanwalt Manfred Schmitz (71) ist selbst Missbrauchsopfer und Mitglied des Betroffenenbeirats der deutschen Bischofskonferenz. Er hat den Wotan-„Tatort“ im TV gesehen, sagt gegenüber BILD: 

„Der Täter erinnert mich an meinen Peiniger. Der Priester war mit Pfarrer Edmund Dillinger befreundet. Er hat auch Fotos und Videos gesammelt und über seine Opfer genau Buch geführt. Dillinger hat Kinder und Porno-Fotos auch an andere Pädokriminelle vermarktet."

Der wichtigste Satz des Kommissars war: ,Schweine gehören nicht auf die Kanzel, sondern ins Gefängnis.’“

Und weiter: „Doch daran scheitert es oft. Die Bischöfe verschanzen sich in ihren Ordinariaten, bewaffnet mit Anwälten, PR-Beratern und viel Geld aus der Kirchensteuer, und verhindern letztlich effektive Strafverfolgung. Dazu kommen Erpressungsnetzwerke unter Geistlichen und antriebslose Staatsanwälte. Strafrechtliche und zivilrechtliche Verjährung behindert die Aufklärung des Missbrauchs zusätzlich. 

Das Verdienst des ,Tatorts’ ist, einem Millionenpublikum zu vermitteln, wie Priester ihre Opfer anlocken: mit Schokolade, Alkohol, Zigaretten und heutzutage Computerspielen. Dillingers Freund setzte mich in den 60er-Jahren auf seinen Schoß und ließ mich Auto fahren …“ (den vollständigen Artikel auf "bild.de" lesen)


Bistum Trier: "Tatort leider sehr realistisch" - Personen, die nicht handelten; Hinweise, die durch Kirchenobere ignoriert wurden; Versetzugen der Täter; Gemeindemitglieder zwischen Gehorsam und Verbunden zur Kirche sowie "Nicht-Glauben-Können oder -Wollen, dass so etwas auch bei ihnen passiert: Vor allem: Jahrzehntelanges Missachten von Schutzbefohlenen und Betroffene zwischen Verdrängung und Verzweiflung

Der neue Tatort thematisiert beklemmend Missbrauch in der katholischen Kirche. Warum der Film "leider sehr realistisch" ist.

Erstmalig widmet sich ein Tatort dem Thema Kindesmissbrauch in der Kirche. Ein wenig ist das Drehbuch angelehnt an den realen Fall rund um den Priester Edmund Dillinger. Nach dessen Tod fand sein Neffe vor zwei Jahren in seinem Haus tausende Fotos. Nach bisherigen Erkenntnissen missbrauchte Dillinger mindestens 19 Personen sexuell, sagen Sonderermittler. Ein Abschlussbericht steht noch aus.

Ansonsten streift der Tatort viele für kirchliche Missbrauchsfälle und deren Aufklärung typische Muster: Bistumsleitungen, die Akten zurückhalten oder frisieren; Personen, die etwas ahnten, aber nicht handelten; Hinweise, die durch Kirchenobere ignoriert wurden; Versetzungen mutmaßlicher Täter; verdeckte (Homo)Sexualität; Gemeindemitglieder zwischen Gehorsam, Verbundenheit zur Kirche sowie Nicht-Glauben-Können oder -Wollen, dass "so etwas" auch bei ihnen passiert. Vor allem: Jahrzehntelanges Missachten von Schutzbefohlenen und Betroffene zwischen Verdrängung und Verzweiflung. ("domradio.de")


Bistum Trier: Tatort-Autor fragte bei Staatsanwaltschaft Saarbrücken nach: "Wenn wir behaupten, es hat in der Katholischen Kirchen einen Pädophilen-Ring gegeben, kriegen wir dann Ärger?" - Die Antwort der Staatsanwaltschaft Saarbrücken: "Nein." - "Leider ist sehr viel wahr an unserer Geschichte."

 „Tatort“ im Check - War der Missbrauch in der Katholischen Kirche wirklich systematisch?

Der „Tatort: Schweigen“ lässt Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) in einen Fall von systematischem Missbrauchs in der Katholischen Kirche ermitteln. Auf welchen wahren Fall spielt der Plot an? Wer war die ungewöhnliche Gast-Kommissarin? Und wo in Deutschland liegt dieses malerische Kloster?

Der „Tatort“, Deutschlands liebstes Krimikind, greift seit 1970 immer wieder Phänomene und Krisen des Landes in Form gesellschaftlich relevanter 90-Minüter auf. Umso erstaunlicher, dass es bisher noch keinen Fall zu den Missbrauchsskandalen in den Kirchen gab.

Vor allem die Katholische Kirche steht dabei seit 2010 stark im Fokus. War der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in der Kirche tatsächlich systematischer Natur? Wie funktionierte dieses System? Kooperierte die Kirche beim Filmprojekt? 


Worum ging es wirklich?

Seit 2010 wird der Kindesmissbrauch in der Katholischen Kirche im größeren Stile untersucht und offengelegt. Auch die Kirche selbst beteiligt sich. 2018 wurde eine große Studie im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht, die auf Basis der Jahre 1946 bis 2014 zeigte, dass in Deutschland rund 3.700 Kinder und Jugendliche von 1.670 Tätern sexuell missbraucht worden waren. „Tatort“-Routinier Stefan Dähnert ließ sich für seinen Film von einem konkreten Fall inspirieren, der bei der Staatsanwaltschaft Saarbrücken anhängig ist.

„Ein Polizeibeamter hatte im Haus seines verstorbenen Onkels nach dessen Geburtsurkunde gesucht für die Beerdigung - und kinderpornografisches Material gefunden“, erzählt Dähnert. „Der Priester aus dem Bistum Trier hatte Tausende Fotos und Dias. Vermutlich wurden diese Fotos in bestimmten Kreisen rumgereicht. Man dachte ja, man hat schon alles über den Missbrauch in der Katholischen Kirche erfahren. Aber dass es Priester gab, die Kinder untereinander geteilt haben, das wurde uns hier erst klar.“


Darf man von „systematischem Missbrauch“ durch die Kirche sprechen?

Ja, das bestätigte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken auf Anfrage von NDR-Autor Dähnert. Der Verfasser des „Tatort“-Drehbuchs berichtet: „Ich habe dann bei der Staatsanwaltschaft nachgefragt: Wenn wir behaupten, es hat in der Katholischen Kirche einen Pädophilen-Ring gegeben, kriegen wir dann Ärger? Die Antwort lautete: nein. Leider ist sehr viel wahr an unserer Geschichte.“

Auch wenn die Katholische Kirche sich an der Aufklärungsarbeit beteiligt, steht die langjährige Praxis der Kirche in der Kritik, Täter zu decken, anstatt dem Rechtssystem zu übergeben. Gedeckt von Kirchenoberen zog man die Täter lieber „intern“ ab und versetzte sie an neue Stellen, wo sie oft neuen Missbrauch begingen.


Warum gab es gerade in der Katholischen Kirche so viel Missbrauch?

Die Klischee-Antwort lautet: Weil katholischen Priestern im Zölibat leben, der Ehe und auch sexuelle Beziehungen verbietet. Diese würden dann im Sinne der Triebabfuhr „undercover“ von den Geistlichen ausgelebt.

„Tatort“-Autor Stefan Dähnert ist jedoch anderer Ansicht: „Ich glaube, man macht es sich zu einfach, wenn man sagt, durch die Enthaltsamkeit stauen sich so viele sexuelle Triebe auf, die müssen einfach mal raus. Ich glaube vielmehr, dass Menschen mit pädophiler Neigung sich bewusst in den Zölibat begeben, um ihre Sexualität in den Griff zu bekommen. Dieses Grundübel macht die Katholische Kirche zu einem Sammelbecken von Menschen, die Probleme mit ihrer Sexualität haben.“

den vollständigen Artikel auf "ksta.de" lesen




Sonntag, 1. Dezember 2024

Bistum Trier: "Tatort" Bistum Trier




Warum lohnt sich der "Tatort: Schweigen"?

Ein Krimi, der im Umkreis der Katholischen Kirche spielt und Pädophilie zum Thema hat? Mancher mag das klischeehaft finden. Doch leider ist das Thema nach wie vor aktuell. 

Die 2018 vorgestellte Missbrauchsstudie legte ein erschütterndes Bild von den Verbrechen offen: Demnach wurden 3677 Kinder und Jugendliche als Betroffene von sexualisierter Gewalt identifiziert - und 1670 Priester, Diakone und Ordensangehörige als potenzielle Täter. 

Der "Tatort: Schweigen" (Regie: Lars Kraume) basiert auf einem wahren Fall, der aktuell von der Staatsanwaltschaft Saarbrücken untersucht wird. (Der Fall "Edmund Dillinger", Anmerk. ca)

 Autor Stefan Dähnert hat die bedrückenden Fakten zu einem emotional wuchtigen Fall verarbeitet, der den Zuschauer mitunter fassungslos macht, ob der grausamen Taten. "Die Menschen kommen zu euch, weil sie glauben wollen. Und der Mensch muss doch an was glauben", sagt ein sichtlich bewegter Thorsten Falke. "Und was macht ihr? Ihr verratet sie. Ihr vergeht euch an den Unschuldigsten: den Kindern."

Genauso schlimm: Noch immer werden vielerorts Täter geschützt - man will Schaden von der Kirche abwenden. Am Beispiel des in seiner Kindheit missbrauchten Daniel Weinert (Florian Lukas) zeigt dieser Film, wie sehr diese Verbrechen und die Verweigerung von Aufklärung und Gerechtigkeit einen Menschen noch Jahrzehnte später belasten können.


den vollständigen Artikel auf "stern.de" lesen




Samstag, 30. November 2024

Bistum Trier: Tatort "Schweigen" basiert auf Causa Edmund Dillinger


Zum ersten Mal wird in der ARD-Krimiserie  "Tatort" vom Kindesmissbrauch in der Katholischen Kirche erzählt.

Der Film basiert auf auf einem echtem Fall eines Priesters aus dem Bistum Trier:

Drehbuchautor Stefan Dähnert (63) hat die "Causa Edmund Dillinger" der Staatsanwaltschaft Saarbrücken als Grundlage genommen. ...

Dort hatte Steffen Dillinger im Haus seines verstorbenen Onkels für die Beerdigung nach dessen Geburtsurkunde gesucht – und kinderpornografisches Material gefunden. Der Priester aus dem Bistum Trier hatte Tausende Fotos und Dias. Wichtige Dokumente ließ die Staatsanwaltschaft Saarbrücken vernichten. (Anmerk. ca)



Gleichzeitig beginnt Steffen Dillinger mit einer einmaligen Dokumentation der "Causa Dillinger" auf instagram.(www.instagram.com/miss_brauch_t)


Freitag, 29. November 2024

Bistum Trier: Edmund Dillinger - mehrteilige Dokumentation des Neffen - Teil 2: "Die Wahrheit ins Licht rücken"




Steffen Dillinger: "Es ist wichtig zu reden. 
Wir kennen die traumatisierenden Geschichten der Opfer und Betroffenen. 
Es wird Zeit, diese Geschichten öffentlich zu erzählen.
 Dann kann nicht mehr vertuscht werden. Vertuschen funktioniert nur, wenn alle schweigen."


Sind Sie ein Opfer von Edmund Dillinger oder eines anderen Priesters und wollen uns ihre Geschichte, selbstverständlich auch anonym, erzählen, können Sie sich gerne bei Steffen Dillinger melden.