Sonntag, 24. März 2019

Bischof Ackermann: "Das Verheerende war, dass Angehörigen und Opfern der Mut fehlte zu sprechen."



Opfern und ihren Angehörigen fehlte der Mut zu sprechen. 
Laut Ackermann sei dies das Verheerende in den letzten Jahrzehnten gewesen.


Ackermann: "Angehörige haben sich nicht getraut, weil es keine Kultur des Sprechens gab über das Thema „Sexualität“. Weil auch der Priester eine so oft überhöhte sakrale Figur war, dass es keinen Mut gab zu sprechen. Es gab aber auch Menschen, die gesagt haben: „Das traue ich mir nicht zu, mir wird keiner glauben.“  Das war das Verheerende in den vergangenen Jahrzehnten."

Ackermann auf die Frage nach der Verantwortung der Bischöfe: "Also, man muss diejenigen, die ihre Amtspflichten verletzt haben und wo das sozusagen sich auch nachweisen lässt, verurteilen. Da, wo es Vergehen gibt, müssen sie benannt und auch bestraft werden. Aber in ganz vielen Fällen ist es so, dass dann die Tat verjährt ist und das staatliche Gericht, die staatliche Strafverfolgungsbehörde nicht tätig wird."

Donnerstag, 21. März 2019

Bistum Trier / Freisen II: Täter- oder Opferschutz? - Der Fall des ehemaligen Trierer Priesterseminaristen "Bruder Wolfgang"

Michael Imlau, ehemaliger Mitstudent von "Bruder Dominik" (Pfarrer V.), und Pfarrer aus Hamburg:

"Er (Pfarrer V., Anmerk. ca) erzählte mir dann, Bernhard Backovsky werde ihm helfen. Ich fragte ihn, warum hilft Bernhard Backovsky dir? Grinsend antwortete der Mitstudent: "Weil ich die Backovsky-Brüder in der Hand habe. Als ich nachfragte, "Mit was hast du die Backovsky-Brüder in der Hand?" antwortete er: "Das ist meine Lebensversicherung. Das werde ich dir ganz bestimmt nicht sagen."






Montag, 18. März 2019



"Wir sind entschlossen, alles zu tun, 
um sexuellen Missbrauch in der Kirche zu überwinden 
und den Betroffenen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. 
Wir werden gutmachen, was möglich ist auf Erden."



- Kardinal Marx, ehemaliger Bischof von Trier und heutiger Vorsitzender der DBK auf der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischöfe in Lingen. 14.03.2019 -

Samstag, 16. März 2019

Bischof Ackermann: "Stärkere Belege für Taten einfordern ohne die Betroffenen noch einmal ungewöhnlich zu belasten"

Nach Angaben der Bischofskonferenz wurden bis Herbst vergangenen Jahres 1.900 Anträge von der zuständigen Zentralen Koordinierungsstelle positiv beschieden. Im Schnitt wurden 5.000 Euro gezahlt, bei einer Gesamtsumme von neun Millionen Euro. Opferverbände sehen in den bisherigen Zahlungen keine „angemessene Entschädigung“. Bischof Ackermann gab zu bedenken, dass man bei der Zahlung von Entschädigungen unter Umständen „stärker Belege“ für die Taten einfordern müsste, als das bei den bisherigen Zahlungen der Fall ist.





"Wir sagen ja jetzt auch in Fällen, wo etwas glaubhaft ist, wo ich aber jetzt kaum Beweise habe ...  Da kommt eine betroffene Person und diejenigen, die sozusagen das anschauen, sagen: <Das ist uns plausibel. Wir glauben.  Auch, wenn wir weder in Akten noch andere Betroffene noch sonstwas sehen>.  Und wir sprechen ein Summe zu. Wenn ich natürlich sage, hier geht es um eine monatliche Rente bis zum Lebensende in Höhe von 500,00 Euro, da geht es ja um ganz andere Dimensionen, und dann ist die Frage: "Muss dann das sozusagen stärker bewiesen werden? Also, kriegen wir da eine Lösung hin, nicht Betroffene jetzt auch noch einmal ungewöhnlich zu belasten?"

Donnerstag, 14. März 2019

Kardinal Marx: "Wir haben einen Maßnahmenkatalog"

Der DBK-Vorsitzende und ehemalige Trierer Bischof, Kardinal Marx, präsentiert zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung überraschend einen "Maßnahmenkatalog". Tatsächlich handelt es sich hierbei jedoch um die "Fuldaer Erklärung" vom 27.09.2018. Und dies auch nur eingeschränkt: Während es in der "Fuldaer Erklärung" noch unter Punkt sechs hieß: "Wir wollen klären, wer über die Täter hinaus institutionell Verantwortung für das Missbrauchsgeschehen in unserer Kirche getragen hat", findet dieser Punkt auf der Frühjahrsvollversammlung 2019 keine Erwähnung mehr. 


Bildquelle: Wolfsburger Allgmeine Zeitung

Marx: "Manche Stimmen sind zu hören, die sagen, es müsse einen konkreten Maßnahmenkatalog geben. Ich kann da nur sagen: Wir haben diesen Katalog und an den dort genannten Punkten arbeiten wir."


Marx weiter: 

"Die konkreten Umsetzungen aus den in Fulda beschlossenen Punkten hat der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), bei der gestrigen Pressekonferenz vorgestellt. Ich rufe sie hier nur in Erinnerung und zwar jene fünf Teilprojekte, die für uns ein sichtbarer  Maßnahmenkatalog sind:

          1. das "Teilprojekt Unabhängige Aufarbeitung",
          2. das "Teilprojekt der Überprüfung und Weiterentwicklung des Verfahrens zu Leistungen in
              Anerkennung zugefügten Leids",
          3. das "Teilprojekt der Einrichtung unabhängiger Anlaufstellen für Betroffene",
          4. das "Teilprojekt zur Standardisierung in der Führung der Personalakten der Kleriker" und
          5. das "Teilprojekt zum Monitoring für die Bereiche der Intervention und der Prävention".

          6. Wir wollen klären, wer über die Täter hinaus institutionell Verantwortung für das                                  Missbrauchsgeschehen in unserer Kirche getragen hat. 
     
     

Bischof Ackermann: " Die Beratungsstellen der Bistümer haben einfühlsame und erfahrene Mitarbeiter"


"Dass der Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann einräumen musste, dass es noch immer nicht in allen Diözesen wirklich unabhängige Ansprechpartner für Missbrauchsopfer gibt, spottet jeder Beschreibung." (rundschau-online.de)
"Kein Problem hat Ackermann damit, dass in einigen Fällen Bistumsbeschäftigte Ansprechpartner für Opfer von Missbrauch sind. Er gehe nicht davon aus, dass die benannten Personen an Weisungen des Bischofs hängen. Die Beratungsstellen der Bistümer hätten einfühlsame und erfahrene Mitarbeiter. Allein weil jemand unabhängig ist, heiße das noch nicht, dass er als Ansprechpartner besser geeignet sei. Wenn man aber wolle, dass die Unabhängigkeit zu erkennen ist, dann müsse das System komplett umgestellt werden. Die meisten Ansprechpartner seien deshalb bereits unabhängig von Bischof und Bistum."  (swr.de)


Eine Frage, deren Antwort Bischof Ackermann bei seinem gestrigen Pressegespräch in Lingen heftig ins Stammeln gerieten ließ:  Die Nachfrage, wie es mit den unabhängigen Ansprechpartnern aussähe  - nach inzwischen neun Jahren.  

Dass Ackermann bei der Suche nach einer Antwort auf diese Frage ins Stocken gerät, ist nachvollziehbar: In seinem eigenen Bistum gibt es seit Jahren heftige Kritik am Ansprechpartner. Dies bestätigte auch das Beschwerdemangement des Bistums Trier.  Betroffene berichten über ihre tiefgreifend negative Erfahrungen.  Im Bistum des Missbrauchsbeauftragten selbst wird  nicht nur die Unabhängigkeit des Trierer Ansprechpartners Peter Rütten stark angezweifelt, sondern im Besonderen sein Umgang mit Betroffenen heftig kritisiert.


Quelle: bistum-trier.de

Hinzu kommt: Auf der Homepage des Bistums selbst wird seit zwei Tagen offiziell nur  noch ein männlicher Ansprechpartner präsentiert: Peter Rütten. Die bisherige weibliche Ansprechpartnerin, die Juristin Gisela Lauer,  wurde von der Homepage des Bistums entfernt. Weibliche Betroffene sind nun vor eine weitere Schwierigkeit gestellt: Sie müssen die Hürde überwinden,  Detailfragen zu sexuellen Übergriffen dem einzigen Ansprechpartner im Bistum Trier, einem Mann,  gegenüber zu  beantworten. 

- Ein weiterer Schlag ins Gesicht für die Betroffenen, die auf den Diplom-Theologen Peter Rütten, der u.a. mehrere Jahre für die Psychotherapie bei Sexualstraftätern beauftragt war, als Ansprechpartner im Bistum Trier angewiesen sind und deren Kritik, die inzwischen seit Jahren geäußert wird, von Bischof Ackermann bis heute nicht ernst genommen wird. / ca

Mittwoch, 13. März 2019

Bischof Ackermann im Pressegespräch zum Thema „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen"

Pressegespräch zum Thema
„Sexueller Missbrauch an Minderjährigen: Aufarbeitung und Prävention
– Informationen zum aktuellen Stand“
 mit Bischof Dr. Stephan Ackermann
Lingen, 13.03.2019






  • Kein Problem hat Ackermann damit, dass in einigen Fällen Bistumsbeschäftigte Ansprechpartner für Opfer von Missbrauch sind. Er gehe nicht davon aus, dass die benannten Personen an Weisungen des Bischofs hängen. Die Beratungsstellen der Bistümer hätten einfühlsame und erfahrene Mitarbeiter. Allein weil jemand unabhängig ist, heiße das noch nicht, dass er als Ansprechpartner besser geeignet sei. Wenn man aber wolle, dass die Unabhängigkeit zu erkennen ist, dann müsse das System komplett umgestellt werden. Die meisten Ansprechpartner seien deshalb bereits unabhängig von Bischof und Bistum. (swr.de)
  • Die Erwartungen an die katholische Kirche zum Umgang mit Missbrauchsfällen sind hoch. Missbrauchsbeauftragter Ackermann verkündete aus Kritikersicht nur wenig Neues. (zdf.de)
  • Einerseits bemüht sich die katholische Kirche seit Jahren um eine Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen durch Priester und Diakone. Andererseits bleibt sie konsequent hinter den selbst gesteckten Zielen zurück. (rundschau-online.de)


Bistum Trier: Verdacht des Besitzes von Kinderpornografie - Bistum Trier beurlaubt Diakon "aus präventiven Gründen" . Er galt als "unauffällig und beliebt, engagiert in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen"

Das Trierer Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen hat wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornografie einen Mitarbeiter entlassen.

Nach Kenntnis der Klinik hat es einen solchen Fall bei Mitarbeitern des Mutterhauses noch nicht gegeben. Nähere Angaben zu den Vorwürfen machte die Klinik nicht. Auch über den Mitarbeiter sagte das Mutterhaus der Borromäerinnen nichts - aus datenschutzrechtlichen Gründen. Nach SWR-Informationen soll es sich bei dem Angestellten um einen Diakon mit Zivilberuf handeln.

swr.de

"Aktuell hat sich das Klinikum aus diesen Gründen von einem Mitarbeiter getrennt. Gegen den Mitarbeiter war zuvor ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts einer strafbaren Handlung gemäß § 184b StGB (Besitz kinderpornographischer Schriften) eingeleitet worden. Darüber hatte der Mitarbeiter das Klinikum als Arbeitgeber umgehend proaktiv, d. h. von sich aus, informiert. Das private – außerdienstliche Verhalten – ist mit dem Leitbild des Klinikums und der katholischen Glaubens- und Sittenlehre nicht in Einklang zu bringen. Im Rahmen einer getroffenen Gesamtabwägung und unter Berücksichtigung aller Umstände war eine Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses für das Klinikum als Arbeitgeber nicht mehr zumutbar. Die Klinikleitung hat aufgrund der Sachlage schnell und entschlossen gehandelt. Sie ist mit dem Mitarbeiter zu der Überzeugung gelangt, das Arbeitsverhältnis einvernehmlich zu beenden. Im Zuge dessen wurde der Mitarbeiter unverzüglich von seinen Dienstpflichten entbunden und freigestellt. Der Klinikleitung liegen ausdrücklich keine Anhaltspunkte für ein strafbares Verhalten des Mitarbeiters bei der Ausübung seines Berufes im Klinikum vor."

mutterhaus.de 


Der Diakon galt als "unauffällig und beliebt, engagiert in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen".

volksfreund.de


bistum-trier.de



Dienstag, 12. März 2019

Bistum Trier: Ackermann wird ältere Missbrauchsfälle prüfen lassen

Das Bistum Trier wird länger zurückliegende Fälle sexuellen Missbrauchs von unabhängigen Experten prüfen lassen. Es geht dabei auch um mögliche Fälle in einem ehemaligen Internat in Gerolstein.

Das teilte das Bistum nach einem Treffen von Bischof Stephan Ackermann mit Beratern der Diözese mit. Demnach hat der Beraterstab schon damit begonnen zu prüfen, wie ältere Missbrauchsfälle aufgeklärt wurden. Bischof Ackermann will darüber hinaus Missbrauch in kirchlichen Einrichtungen von einem externen Experten untersuchen lassen.

Versäumnisse oder Vertuschung sollen ans Licht kommen

Dazu gehören Fälle von sexueller und körperlicher Gewalt im Albertinum in Gerolstein. Das Internat in Trägerschaft des Bistums wurde Anfang der 80er Jahre geschlossen. Bischof Ackermann sagte, es müsse geprüft werden, ob es Versäumnisse oder Vertuschung von Fällen gegeben habe. Man könne Fehler eingestehen und aus ihnen lernen, so Ackermann.

swr.de


Gerolstein . Das Bistum Trier hat eingeräumt, dass Schüler eines ehemaligen Eifeler Internats sexuell missbraucht wurden. Nun soll ein unabhängiger Ermittler untersuchen, was im Albertinum vor sich ging – und, ob Vorfälle vertuscht wurden.  Seit dem Frühjahr 2018 hat der TV mit einigen Absolventen des Internats gesprochen. Sie erzählten von Nächten, die sie als Strafe draußen in der Kälte verbringen mussten, von Faustschlägen ins Gesicht, unsittlichen Berührungen beim Schwimmunterricht und Annäherungen unter der Dusche. Ein Priester soll die Schüler gezwungen haben, in der Beichte über Sex zu sprechen, während er sich befriedigte. Einen Subpräfekten soll es erregt haben, wenn die Schüler ihn strangulierten. Von diesen Vorwürfen will das Bistum Trier erst 2010 erfahren haben. 

volksfreund.de


Bildquelle: dpa


"Der persönliche Kontakt mit den Opfern
 ist für mich der erste und wichtigste Aspekt 
mit Blick auf die Aufarbeitung"



Bischof Ackermann, März 2019





Quelle: domradio.de