Dienstag, 21. Januar 2020

Bistum Trier (Freisen II) / Bistum Würzburg: Ehemaliger Trierer Priesterseminarist aus Klerikerstand entlassen

Papst Franziskus hat einen 58 Jahre alten Priester, der im Bistum Würzburg wegen Kindesmissbrauchs aufgefallen war, aus dem Klerikerstand entlassen. Das gab das Bistum am Dienstag in Würzburg bekannt.
Der Mann war in den Jahren 2000 bis 2002 als Pfarradministrator im Bistum Würzburg. Im Jahr 2002 soll es zum Missbrauch eines elfjährigen Jungen gekommen sein. Der Mann sei rechtskräftig von einem Amtsgericht zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. 2017 habe es dann einen weiteren Hinweis in einem österreichischen Kloster in den 1990er Jahren gegeben.

2018 soll er im Ehrenamt Kontakt zu Kindern gehabt haben, obwohl ihm die Seelsorge eigentlich nicht mehr gestattet war. 2019 sei ein weiterer Verdacht aus den 1980er Jahren hinzugekommen. Würzburgs Bischof Franz Jung habe den Papst schließlich um die Entlassung des Mannes aus dem Klerus gebeten.

(sueddeutsche.de)




Der entlassene Priester besuchte das Priesterseminar in Trier und feierte in Freisen seine Primiz.
Einer seiner "Förderer", der ehemalige Freisener Pfarrer Otmar M., wurde inzwischen selbst mehrfach  wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt.  Während das kirchliche Strafverfahren vor dem Kölner Kirchengericht gegen Otmar M.  andauert, ermittelt nun auch wieder die Staatsanwaltschaft Saarbrücken gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer. Staatsanwalt Dennis Zahedi teilte im Dezember 2019 mit, dass in einem Fall, der nicht verjährt scheint, die Ermittlungen andauern.

Von den Missbrauchsvorwürfen gegen Otmar M.  wusste auch der damalige Trierer Bischof und heutige Kardinal Reinhard Marx.  Marx erfuhr im Jahr 2006 von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Pfarrer M.  wegen des Verdachts auf Missbrauch eines 15-Jährigen, unternahm aber nichts. / ca

Wenn Ackermann also - wie angekündigt - die Namen der Verantwortlichen nennen will, wird er nicht umher kommen, - neben weiteren Vorgängerbischöfen im Bistum Trier -  auch den Namen seines  eigenen Vorgängers und "Ziehvaters" und des heutigen Vorsitzenden der DBK,  Kardinal Reinhard Marx, als nachweislichen Verantwortlichen nennen zu müssen. 

ca


Montag, 20. Januar 2020

Bistum Trier: Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer legt Marx und Ackermann Rücktritt nahe


Bildquelle: vatican.news


Der Kriminologe Prof. Dr.  Christian Pfeiffer ist überzeugt, Marx habe Forschern den uneingeschränkten Zugang zu Akten verweigert und so eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung bewusst verhindert - um sich selbst und Papst Benedikt zu schützen, der von 1977 bis 1982 Bischof von München und Freising war. "Das Beste wäre, Kardinal Marx würde von seiner Funktion als Sprecher der Bischofskonferenz zurücktreten und einräumen, was da gelaufen ist - ebenso Bischof Ackermann als Missbrauchsbeauftragter. Beide haben sich völlig unglaubwürdig gemacht."

Im Bistum Trier werden  36 noch lebende Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Bis auf noch vier kirchenrechtliche Verfahren seien alle abgeschlossen. In insgesamt zwei Fällen seien Priester wegen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen worden. In einem weiteren Fall habe der Betroffene von sich aus darum gebeten.


n-tv.de

Freitag, 17. Januar 2020

Bistum Trier: Katholische Kirche beteiligt sich seit 01.01.2020 nicht mehr am "Fonds sexueller Missbrauch"

 "Institutionelle Anträge können nur bearbeitet werden, soweit sich die Institutionen am Ergänzenden Hilfesystem beteiligen."

Betroffene institutionellen Missbrauchs konnten bisher Hilfeleistungen beim FSM beantragen. Diese wurden nicht aus dem Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich finanziert, sondern von den verantwortlichen Institutionen selbst (gegegebenfalls)  bewilligt und bezahlt. 

Die katholische Kirche  (sowohl die Bischofskonferenz als auch die Deutsche Ordenskonferenz)  hat sich dazu entschieden, sich nur bis zum 31.12.2019 an den Hilfeleistungen zu beteiligen.





Quelle:"Fonds Missbrauch"

Donnerstag, 16. Januar 2020

Bistum Trier: Wie die katholische Kirche mit dem Missbrauchsskandal und den Betroffenen umgeht

2010 wurde der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche öffentlich bekannt. Die Bekanntmachung von Missbrauchsfällen an einem Berliner Jesuitengymnasium brachte eine Welle ins Rollen - deutschlandweit.

Und auch in Rheinland-Pfalz haben sich Opfer nach jahrelangem Schweigen getraut, in die Öffentlichkeit zu gehen. Die katholische Kirche hat 2010 versprochen, den Missbrauch umfänglich aufklären und aufarbeiten zu wollen. Wie weit ist die Kirche damit? Wir fragen nach, wie die Kirche bei der Aufarbeitung vorgeht und was die Opfer davon halten. Diese spüren nämlich wenig Unterstützung und werfen der Kirche Zeitverschleppung vor. 





Mittwoch, 15. Januar 2020

Bistum Trier / Rom: Fatale Signalwirkung aus dem Bistum Trier: Ruhestandsgeistlicher aus dem Bistum Trier darf lediglich seinen priesterlichen Dienst nicht mehr ausüben und sich nicht mehr als Kleriker präsentieren


Römische Glaubenskongregation schließt Fall eines Trierer Bistumspriesters ab.

Trier/Rom: - Die Kongregation für die Glaubenslehre in Rom hat einem Priester des Bistums Trier, der sich seit 2003 im Ruhestand befindet, dauerhaft verboten, seinen priesterlichen Dienst öffentlich auszuüben und sich in der Öffentlichkeit als Kleriker zu präsentieren. Der Priester, der seit Beginn seines Ruhestandes nicht mehr im Bistum Trier lebt, hat sich in der ersten Hälfte der 1980er Jahre des sexuellen Missbrauchs an zwei Minderjährigen schuldig gemacht; im Fall eines Jugendlichen unter 16 Jahren des mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs. Damals war er Pfarrer in einer Koblenzer Gemeinde. Der Priester hat den Missbrauch eingestanden.

Etwa zeitgleich mit der Bekanntgabe des römischen Strafdekretes Ende des vergangenen Jahres hat sich unabhängig davon eine weitere betroffene Person beim Bistum gemeldet. Aufgrund dieser Meldung  hat das Bistum eine neue kirchenrechtliche Voruntersuchung gegen den Priester eingeleitet.

Quelle: Interne Pressemitteilung des Bistums Trier, Bischöfliches Generalvikariat, Rundschreiben, 15.01.2020


Nach Angaben einer Bistumssprecherin wurde die Koblenzer Staatsanwaltschaft über die neuen Vorwürfe informiert. In den zuvor bekannten Missbrauchsfällen seien die Ermittlungen wegen Verjährung eingestellt worden. (volksfreund.de)


Im Bistum Trier wurden bisher zwei (!) Kleriker wegen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. In einem weiteren Fall habe der Priester von sich aus um Entlassung aus dem Klerikerstand gebeten.

Seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche vor rund zehn Jahren sind im Bistum Trier 36 noch lebende Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. In der Regel würden gegen alle beschuldigten Priester kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet, sagte die Sprecherin des Bistums. Bis auf nun vier Verfahren seien alle abgeschlossen. In insgesamt zwei Fällen seien Priester wegen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen worden. In einem weiteren Fall habe der Betroffene von sich aus um Entlassung aus dem Klerikerstand gebeten.
(sueddeutsche.de)





Erfahrungen aus dem Bistum Trier selbst, belegen, dass dies nicht die Lösung sein kann

Wir halten fest: mindestens 36 beschuldigte noch lebende Priester, zwei davon entlassen, einem wurde nahegelegt, um Entlassung aus dem Klerikerstand zu bitten. Macht insgesamt drei. Drei von 36 (!)  Ganz ganz großes Kino! 


Welch eine verheerende Signalwirkung. Die Rede ist von schwerem sexuellen Missbrauch. Die Taten sind strafrechtlich verjährt. Die Opfer leiden mitunter lebenslänglich unter den Folgen des sexuellen Missbrauchs. 

Welches Signal bei den Opfern ankommt? - "Lohnt sich nicht, sich ans Bistum zu wenden und das Bistum zu informieren.   Passiert doch eh so gut wie nichts." - Und nein, es macht Betroffenen alles andere als Mut, sich zu melden. 

Der Priester darf weiterhin Priester sein. Er wird vermutlich nicht mehr öffentlich zelebrieren. - Vorausgesetzt - er hält sich  an seine Auflagen bzw. Verbote. Schließlich haben die letzten 10 Jahre gezeigt, wie häufig Priester gegen die Auflagen verstoßen und sich Ackermanns Verboten einfach widersetzten.

Ein Fall bleibt da besonders in Erinnerung. Der Fall des Priesters  U. - Belegt mit dem Verbot, priesterlicher Aufgaben nicht mehr in der Öffentlichkeit auszuführen zu dürfen. Resultat: U.  feierte in einem kleinen saarländischen Ortsteil weiterhin Messen. Nein, nicht offiziell. Sondern in einem Privathaushalt. Für seine anhänglichen Gläubigen. Kinder ausgeschlossen? Nein.

Wo bleibt der Appell von Bischof Ackermann an die Priester, selbst um die Entlassung aus dem Klerikerstand zu bitten, wenn die Priester es schon von sich aus nicht tun?


ca

Donnerstag, 9. Januar 2020

Bistum Trier: Kommentar zu dem, was in den letzten 10 Jahren geschah - und was nicht



Inzwischen sind zehn Jahre vergangen,  dass der Missbrauchsskandal am Canisius-Kolleg bekannt wurde, und sich die Übergriffe katholische Priester an Kindern und Jugendlichen wie eine „Flutwelle“ über Deutschland ausbreitete. Aus drei Opfern wurden Tausende. 

2012 recherchierten Dr. Thomas Schnitzler, Hermann Schell und ich, dass es alleine im Bistum Trier über 30 Priester gab, die trotz Vorwürfe sexuellen Missbrauchs weiterhin zelebrierten bzw. Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatten. Bei mindestens sieben von den Priestern gab es bereits Gerichtsverhandlungen mit unterschiedlichen Strafmaßen. Dennoch: Sie durften weiter zelebrieren. Zwar gab es Auflagen, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten etc., aber niemand kontrollierte, ob diese Auflagen tatsächlich eingehalten wurden. Es fällt mir bis heute schwer zu glauben, dass Priester aus dem Bistum Trier, die mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurden, nicht mehr tätig sein sollen. Schließlich kann Ackermann selbst die Frage „Wohin mit auffällig gewordenen Priestern?“ bis heute nicht beantworten. 

Die MHG-Studie, welche am 25.09.2018 offiziell vorgestellt wurde und deutschlandweit den Zeitraum zwischen 1946 und 2014 erfasste, zeigte ein Hellfeld von 3.677 Betroffenen und 1.670 Klerikern auf. Aus der Dunkelfeldforschung, die den sexuellen Missbrauch betrifft, ist bekannt, dass die Zahl der tatsächlich Betroffenen Personen deutlich höher liegt – sowohl bei den Tätern als auch bei den Betroffenen. Ich für mich schließe nicht aus, dass man die Anzahl der Täter und Opfer mit fünf oder sogar zehn multiplizieren sollte, um der Realität näher zu kommen.

Jetzt kommt natürlich die Frage auf, was ist in den letzten 10 Jahren geschehen? Wie ist die Kirche mit Tätern und Opfern umgegangen. Welche Fortschritte gibt es? Kurz: Hat sich etwas verändert, und wenn ja, was und vor allem: für wen?

Als Betroffene, die als Kindergartenkind über Jahre hinweg von einem katholischen Pfarrer sexuell schwer missbraucht wurde, kann ich das ganze nur aus Betroffenensicht beurteilen.
Die Kirche selbst behauptet z.B. in diesen Tagen, seit 2010 habe ein Perspektiv- und Paradigmenwechsel stattgefunden. Nicht mehr das unbeschadete Ansehen der Kirche stehe im Vordergrund, sondern der Blick auf das Leid der Opfer. Es gelte, dass man Betroffenen grundsätzlich glaube, sie müssten keine Beweise für die Tat vorlegen. Lediglich die Plausibilität ihres Tatberichts würde abgefragt. Außerdem etabliere sich allmählich eine Kultur der Achtsamkeit. – (Diese Achtsamkeit wurde uns übrigens bereits 2011 versprochen und konnte uns Betroffene bis heute nicht überzeugen.)

Ich halte es für abwegig und irreführend, dass die Kirche behauptet, es stünde nicht mehr das Ansehen der Kirche im Vordergrund, sondern das Leid der Opfer. Natürlich geht es der Kirche weiterhin um ihr Ansehen. Warum sonst verweist sie immer wieder darauf, dass man das Ansehen und das Vertrauen der Gläubigen wieder zurückgewinnen wollte? Warum fragt sich die Kirche weiterhin, mit welchen Mitteln ihnen das gelingen könnte? 

Dass das  Leid der Opfer im Mittelpunkt stünde, behauptet Ackermann inzwischen seit fast 10 Jahren. – Allerdings bekommen wir Betroffene davon nichts zu spüren. Im Mittelpunkt - aus Ackermanns Sicht - steht für mich weiterhin das Ansehen der Kirche respektive das Ansehen von Ackermann selbst, dann der Umgang mit den Tätern, dann – je nach Lage - synodale Veränderungen , Pfarreienreform, etc. und irgendwann taucht dann wieder die Frage auf: „Ach, da sind ja noch die Opfer. Die wollen ja auch noch, das etwas geschieht….“. Als wären wir eine Last, die er noch zu tragen hätten, deren Thematik er am liebsten verdrängen würde. Das ist das Gefühl, welches wir Opfer empfinden, wenn Ackermann davon spricht, die Betroffenen würden im Mittelpunkt stehen.

Die Kirche behauptet weiterhin, sie habe die Leitlinien verschärft. Damit mag sie Recht haben und sich auch tatsächlich bemüht haben; die Lei(d)tlinien werden auch erstmals in allen Bistümern als „diözesanes Recht“ gelten (was vorher nicht der Fall war), aber allein der Begriff „Leitlinien“ beinhaltet doch, dass es sich hierbei lediglich um „Leitlinien“ handelt. Was nützen z.B. Präventionsverordnungen und Schulungen, wenn es Priester gibt, die sich wehren und an solchen Präventionsschulungen nicht teilnehmen? - Was nutzt es, wenn das, was auf dem Papier steht, nicht eingehalten wird? - Nichts. Es verliert an jeglicher Bedeutung. 

Wenn z.B.  in den Leitlinien steht, dass es ein Protokollgespräch geben muss, liest sich das schön und gut. Bei vielen dieser Gespräche fühlen sich jedoch Betroffene in die Enge getrieben, fühlen sich der Institution und dem Machtapparat Kirche ausgesetzt. Da findet kaum ein Gespräch auf Augenhöhe statt. Dies hängt m.E. auch mit der Qualifizierung der Personen zusammen, die „vernehmen“. Ich selbst z.B. konnte keinerlei Struktur in dem Protokollgespräch erkennen.  Sie werden einer Befragung ausgesetzt und den meisten Betroffenen fällt es verständlicherweise schwer, in einer solchen Stress-Situation nicht retraumatisiert zu werden, und im Hier und Jetzt zu bleiben. Das ist besonders heftig, wenn man weiß, dass das Gegenüber keinerlei psychologische Ausbildung hat und gar nicht mitbekommt, dass man teilweise gar nicht mehr über das berichten kann, was man erlebt haben, weil man in dem Moment gar keinen Zugang mehr zu dem Erlebten hat.   Eine reine Schutzfunktion. - Betroffene aus Bistum Trier berichten immer wieder über teils unsägliche Formulierungen und Aussagen von den Ansprechpartnern des Bistums Trier. Beschwerden, die auch das Bistum erreichten, in der Hoffnung, dass man doch bitte sensibler vorgesehen sollte, verlieren sich im Nirgendwo. 

Wenn ich lese, dass Vatican.news vor wenigen Tagen noch lancierte, dass Opfer inzwischen mehr Rechte vor Gericht hätten, dass sich sowohl zivil- als auch strafrechtlich Verjährungsfristen verlängert wurden, dann ist das ein wegweisender Schritt. Allerdings schmückt sich die Kirche hiermit auch mit „fremden Federn“. Es ist ausschließlich auf Reformen der Justiz u.a. auch des Opferentschädigungsgesetz zurückzuführen, dies waren Errungenschaften der Bundesregierung, die Kirche hat gewiss nicht dazu beigetragen.

Fakt ist, Ackermanns desaströser Versuch  "Aufklärungswillen" zu demonstrieren,  hat bereits mit der einseitigen Beendigung des Vertrages mit Herrn Pfeiffer begonnen. Ackermann selbst erklärte dazu, es habe ein „zerrüttetes Vertrauensverhältnis bestanden.“ Pfeiffer dagegen erklärte, die Studie sei "an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert". – Das klingt für mich völlig plausibel und gut vorstellbar. 

Viele von uns Betroffenen hatten und haben weiterhin die Zielsetzung, dass das, was uns geschah, also der sexuelle Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche, wenn möglich keinem anderen Kind widerfahren sollte. Kein Kind auf der Welt sollte unter diese menschenverachtenden und entwürdigende Verbrechen leiden müssen, weder an dem Verbrechen an sich, noch an den Folgeerkrankungen, und erst Recht nicht unter dem Umgang mit Bischof Ackermann. Diese Zielsetzung hatte Priorität. – Und dazu gehört doch erst einmal, dass ich die Priester, die bereits auffällig geworden sind, „aus dem Verkehr ziehe“, und damit meine ich, dass es nicht sein darf, dass genau diese Priester in ein Altersheim, eine Pflegeeinrichtung oder als Seelsorger eingesetzt werden, wo sie doch wieder Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und vielleicht auch psychisch kranken Menschen zu tun haben. Vielleicht auch zu missbrauchten Menschen, die das Gespür entwickeln konnten, wer ihnen gegenübersteht. - Geschweige denn, dürfen solche Priester nicht weiterhin in der Öffentlichkeit zelebrieren dürfen. Auch nicht vertretungsweise.  In den letzten 10 Jahren gab es allerdings immer wieder Fälle, in denen genau dies geschah. 

Ich würde gerne von Herrn Ackermann wissen, ob er ausschließen kann, dass wenn ich am Sonntag eine Messe besuche oder eine Krankenhausandacht etc, ob mir da nicht ein Priester gegenübersteht, der bereits auffällig geworden ist und mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurde.

Und dies muss meiner Ansicht nach ausgeschlossen werden. 

Ich würde Bischof Ackermann auch gerne fragen, wie er selbst die Begriffe „Aufklärung“ und „Aufarbeitung“ definieren würde, die er ja seit Jahren immer wieder gebraucht. Ich glaube nicht, dass es da eine einheitliche Definition gibt. Diese müsste aber in einem Austausch gegeben sein, damit auch die Betroffenen überhaupt wissen, was mit den Begrifflichkeiten gemeint ist. 

Natürlich versuche ich auch, Bischof Ackermann zu verstehen, auch seine Motivation, warum er zu bestimmten Zeitpunkten bestimmte Dinge sagt oder tut. Ich würde auch nicht behaupten, dass er es leicht hat. –  Hinzu kommt, dass es offensichtlich ist, dass er manchmal einfach nur enormes Pech bei seinen Formulierungen und seiner Wortwahl zu haben scheint. Aber wer, wenn nicht er, sollte vorher genau überlegen, was er sagt und welche schmerzhaften Gefühle er gegenüber Betroffenen damit auslösen kann? 

Als Bischof Ackermann 2010 von „Aufklärung“ sprach, hatte ich damals noch die Hoffnung, dass auch einzelne Fälle aufgeklärt werden. Dass wir Betroffene endlich Antworten auf die für uns wichtige Frage bekommen würden, wie konnte es soweit kommen? - Waren wir nur unglücklicherweise zur falschen Zeit am falschen Ort? Waren wir die Einzigen? Konnten wir überhaupt noch von Einzelfällen reden? – Oder sollte es tatsächlich ein System sein , welches sich dahinter verbarg? Dieser Frage musste ich z.B. selbst nachgehen. Ohne jegliche Unterstützung des Bistums. Ich war es, die das Leben des Täters recherchierte, ich war es, die den Tatort aufsuchte, die mit Hilfe von Zeugen ein Bild zusammensetzte, wie ein Puzzle. Nur, weil ich verstehen wollte, wie es dazu kommen konnte.  Es gab auch Hinweise in der Akte, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen lief, als es um die Versetzung meines Täters ging. Aber in der Akte, in die ich Einsicht bekam, fehlte genau der Zeitraum, der meinen Tatzeitraum betraf. Natürlich wird man da stutzig. Ackermanns Antwort auf meine Frage, ob die Akte vollständig sei, erhielt ich die Antwort: „Sie wurde mir so vorgelegt“. Aha. Das bedeutete? Nichts! Im Gegenteil: Das Misstrauen wurde verständlicherweise noch größer.

Dennoch komme ich immer wieder zu einem Schluss: Ackermann kann und darf allein schon aufgrund seiner Position her, kein Mitgefühl mit den Opfern aufbringen und ihnen Hilfe anbieten. Das verbietet sich meines Erachtens nach per se. Er ist ein Teil einer mächtigen Institution, bei der es gilt, sowohl die Schergen als auch das eigene Personal zu schützen. Macht, Intrigen, Kumpelei und Erpressung im System nicht ausgeschlossen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Ackermanns elbst einen höheren Posten anstrebt. Vielleicht möchte er sich – was ganz verständlich – ist, profilieren. Wenn ich sehe, welch fragwürdigen Kleriker Macht in Rom eingeräumt wurde, kann ich derzeit nicht ausschließen, dass es auch Ackermann gelingen könnte, eine höhere Position in Rom zu erlangen. 

Ich weiß auch nicht, wie frei und selbstständig man überhaupt noch denken und handeln kann, wenn man die Position eines Bischofs innehat. Selbst das objektive Handeln fällt bei ihm weg. Und wenn da von natura aus keine Empathie vorhanden ist, kein Blick für das, was in einem Menschen vorgeht, frage ich mich, was bleibt da noch an Mitgefühl für die Betroffenen übrig? Ist da überhaupt Platz dafür in einer solchen Machtinstitution? Meiner Ansicht nach: nein. Da ist kein Platz für Anteilnahme und Verständnis-aufbringen.

Die Thematik der Anerkennung der erlittenen Leids („Entschädigungszahlungen“) stellt sich für mich inzwischen als vergoren dar. Ich würde es auf die Liste setzen, was die Kirche innerhalb der letzten 10 Jahre NICHT geschafft hat. Nach einem ersten Schnellschuss (2011) der – so sehe ich es im Rückbklick – die Opfer besänftigen sollte, scheint nun alles auf eine dezentrale Regelung zuzulaufen. Wenn ich sehe, dass Bischof Burger in Freiburg seit Januar diesen Jahres Betroffenen eine „Opferrente“ bis zu 800,00 Euro zugesteht, und das Bistum Trier einer Betroffenen (welche 2011 noch als Härtefall eingestuft wurde) in einer Notsituation nicht einmal übergangsweise 200,00 – 400,00 zugesteht, liegt da noch einiges im Argen. 

Wenn ich auf die letzten 10 Jahre zurückblicke und mich frage, was sich für mich als Betroffene geändert hat? 

Ich bin kränker geworden, nachdem, was in den letzten zehn Jahren geschah. Besonders der Umgang von Bischof Ackermann mit Betroffenen in seinem eigenen Bistum trug dazu bei. Da versucht man, mit Therapien die Wunden von damals, die zu den Symptomen von heute führen, zu heilen und dann wird all das wieder aufgerissen. Völlig unüberdacht. Offensichtlich ist sich Ackermann gar nicht bewusst darüber, was er uns Betroffenen antut. Welches erneutes und weitere Leid er ins uns auslöst. Und was die Glaubwürdigkeit des Bischofs betrifft: Sie kann inzwischen nicht mehr sinken, da sie gar nicht mehr vorhanden ist. 

Was Ackermann in den letzten zehn Jahren auf jeden Fall aufrecht erhalten und uns Betroffenen gegenüber immer wieder verdeutlicht hat: Macht und Ohnmacht. 

Claudia Adams

Bischof Ackermann: "Prozess der Aufarbeitung wird weiterhin zu Aggressionen oder Enttäuschungen führen"





deutschlandfunk.de

Bischof Ackermann kündigt an, dass sexueller Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche aufgearbeitet werden soll (!)



Der Missbrauchsbeauftragte Bischof Ackermann, Bischof von Trier,  
scheint in einer Zeitschleife festzustecken.



Der Trierer Bischof Ackermann hat angekündigt, dass im Frühjahr ein gemeinsames Regelwerk aller Bistümer vorliegen soll, das den sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche aufarbeitet. 

Außerdem gibt er an,  in den nächsten Monaten zu prüfen, wie die Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer finanziert werden sollen. Ob dafür auch Einnahmen aus der Kirchensteuer verwendet werden sollen, ließ Ackermann im SWR-Interview offen

Deutschland, 09.01.2020

swr.de




Bistum Trier: Derzeit drei kirchenrechtliche Voruntersuchungen gegen Kleriker - zwei davon ruhen wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Rund zehn Jahre nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hat das Bistum Trier 506 000 Euro an Opfer gezahlt. Insgesamt 162 Betroffene hätten sich in den vergangenen Jahren gemeldet, teilte Bistumssprecherin Judith Rupp am Donnerstag mit. Insgesamt seien 105 Anträge "auf materielle Leistung in Anerkennung des erlittenen Leids" bewilligt worden.
Von den Opfern wurden den Angaben zufolge 53 bereits verstorbene und 36 noch lebende Priester beschuldigt

Derzeit liefen drei kirchenrechtliche Voruntersuchungen gegen Kleriker, zwei davon ruhten wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Bistum Trier: Prof. Dr. Christian Pfeiffer folgt Einladung von "MissBiT" nach Trier

In Trier hat "MissBiT" den bekannten Kriminologen  Prof. Dr. Christian Pfeiffer eingeladen, dessen Bilanz ebenfalls kritisch ausfällt.  Er stellt dort am Donnerstag sein neues Buch vor. Darin geht es auch um seine gescheiterte Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. 2011 sollte Pfeiffer den Missbrauchsskandal wissenschaftlich aufarbeiten.

Aber die Kirche habe bestimmen wollen, welche Ergebnisse der Studie veröffentlicht werden - und welche nicht. "Die Transparenz war das Problem", sagt Pfeiffer. Seine Forschung hätte die Verantwortlichkeit von Kirchenoberen aufgezeigt. Etwa, welcher Bischof einen auffällig gewordenen Priester weiterbeschäftigt oder versetzt habe. Pfeiffer wirft der katholischen Kirche bis heute "Zensur" vor. Die Bischöfe um Stephan Ackermann weisen das zurück, sprechen von einem "zerrütteten Vertrauensverhältnis".

Pfeiffer geht aber auch auf Fehlentwicklungen ein - angefangen von den Gefahren der Machokultur bis hin zur sexuellen Gewalt durch Priester und den Mangel an Transparenz, den es zu diesem Phänomen über Jahrzehnte hinweg gegeben hat. Pfeiffer zeigt auf, wie die katholische Kirche sich aus diesem Problem nachhaltig befreien könnte.


Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Betroffenenorganisation "MissBiT" und der vhs, unterstützt vom Kösl-Verlag.  

Do., 09.01.2020, 19:00 - 21:30 Uhr 
Domfreihof 1b, 54290 Trier


Mittwoch, 1. Januar 2020



"Lass das! Hör auf damit! Ich will das nicht!"


Ich wünsche mir, dass alle Opfer sexuellen Missbrauchs sich
 durch einen Schlag auf die Hand  ihres Täters hätten befreien können. 

Aber wir waren zu klein, um uns zu wehren.
Und hinter uns standen keine Bodyguards.
Auch keine von den 14 Engelein. 
Weder zu unserer linken Seite. Noch zu unserer rechten. 

Nicht einmal Gott konnte den Gewalttaten ein Ende bereiten,
die die Priester in seinem Namen an uns  - mitunter über Jahre hinweg - verübten.

Wir waren ausgeliefert.
Fühlten
Hilflosigkeit
Angst
Todesangst
Wehrlosigkeit
Ekel
Scham
Ohnmacht
Schmerz


In einer Intensität, die man nur fühlen kann, wenn es um das eigene Leben geht.


Wir fühlten genau das, was diese Momentaufnahme 
mit dem schmerzhaft verzerrten Gesicht widerspiegelt.


Allerdings nicht nur für den Bruchteil einer Sekunde.
Sondern ein Leben lang.



Und viele fühlen noch heute - als sei es gestern geschehen. 




PS. Oder wie die katholische Kirche den "Fall" dokumentieren würde:
 Einzelfall. Grenzüberschreitung. Hand on. 


ca.




ganz zu schweigen, von der  ganzen  Geschichte, die sich hinter diesem Bild verbirgt.














Sonntag, 29. Dezember 2019

Im Namen des Herrn

Ich poste diesen Artikel ausnahmsweise an dieser Stelle, damit auch die generationsübergreifenden familiären Tragödien, die sich im Hintergrund eines
 - fast jeden - Betroffenen abspielen, ins Bewusstsein gerufen werden
 und die Gesellschaft sowie der Klerus endlich aufgerüttelt werden.

 Auch, wenn die Leiden der Angehörigen nach außen hin kaum erkennbar sind: Sie sind da.
 Über Generationen hinweg.

Das Maß der Erträglichkeit, der Fassbarkeit, des Begreifens, betrifft auch sie:

Unsere Kinder.
 Unsere Eltern.
Unsere Liebsten.
 Alle, die an unserem Leben teilnehmen. 

Und nein, es handelt sich hierbei nicht um einen Film. Sondern um eine menschliche Tragödie:

Im Namen des Herrn.






Alexandre, ein 19-jähriges Missbrauchsopfer,  ermordet seinen mutmaßlichem Täter, einen katholischen Pfarrer (91). Unter anderem sticht er ihm ein Kruzifix in die Kehle.  Auslöser der Tat: Der 19jährige hatte erfahren, dass der Priester sich nicht nur an ihm, sondern bereits auch an seinem Vater vergangen hatte.  Der Großvater von Alexandre nahm sich das Leben, nachdem er vom Missbrauch seines Sohnes und seines Enkelkindes durch den Priester erfuhr.

Der Geistliche, Roger Matassoli, war bereits zuvor des Missbrauchs an zahlreichen Jungen zwischen den Jahren 1960 und 2000 beschuldigt worden. Mehrere Männer haben sich mittlerweile geoutet. Trotzdem soll der Priester über vier Jahrzehnte von der Kirche gedeckt worden sein. Ein juristisches Verfahren oder eine Aufarbeitung durch die Kirche gab es offenbar nie ....

Alexandre werden übrigens inzwischen Folter, Mord, Widerstand bei der Festnahme und Diebstahl zur Last gelegt.



Vielleicht einfach einmal innehalten und darüber nachdenken - und nicht versuchen, zu urteilen.




welt.de

Freitag, 27. Dezember 2019

Bistum Trier: 89 des sexuellen Missbrauchs beschuldigte Priester, 162 Betroffene und 105 Entschädigungen (Hellfeld seit 2010)

Seit 2010 hat das Bistum Trier 105 Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester entschädigt. Mit Stand September dieses Jahres hätten sich 162 Betroffene gemeldet, teilte das Bistum auf Anfrage mit.

Insgesamt habe das Bistum 506.000 Euro an finanziellen Leistungen für das erlittene Leid ausgezahlt. Die Gelder seien ausschließlich aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls geflossen, nicht aus Kirchensteuermitteln.

Bisher 89 beschuldigte Priester

Im Durchschnitt bekamen die Opfer nach Angaben des Bistums rund 5.000 Euro. Seit 2010 hätten die Betroffenen 89 Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, mehr als die Hälfte der mutmaßlichen Täter sei bereits verstorben.

Quelle: swr.de




Hierbei gilt jedoch im Bistum Trier folgendes zu beachten: 

01/1946 - 01/2010          148 des sexuellen Missbrauchs beschuldigte Priester               442 Betroffene
01/2010 - 09/2019            89 des sexuellen Missbrauchs beschuldigte Priester               162 Betroffene



09/2018              75 beschuldigte Priester         140 Betroffene
09/2019              89 beschuldigte Priester         162 Betroffene

Differenz 09/2018 (Veröffentlichung MHG-Studie) - 09/2019: 

                           + 14 beschuldigte Priester      + 22 Betroffene                                 09/2018 -09/2019         



Quelle:  "Die wissenschaftliche bundesweite MHG-Studie brachte Zahlen aus den Bistümern ans Licht. Im Bistum Trier sind demnach in den Personalakten seit 1946 insgesamt 148 Priester wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Betroffen waren insgesamt 442 Opfer. Zudem meldeten sich seit 2010 insgesamt 140 Opfer beim Bistum Trier, die 75 Priester beschuldigten. Diese Zahlen flossen nicht in die Studie ein. Das Bistum bewilligte 96 von 104 Anträgen auf Zahlungen wegen erlittenen Leides. Gezahlt wurden 475 500 Euro." (welt.de)


Dies ist eine rein rechnerische Angabe zu den Zahlen, die das Bistum jährlich veröffentlicht.  Das Bistum Trier wies aber bereits schon im September 2018 darauf hin, dass man die Zahlen von vor 2010 und nach 2010 nicht einfach addieren dürfe, da sich einige Einzelfälle überschneiden würden.  Dennoch halte ich diese Größenordnung für relativ realistisch - wobei weiterhin zu beachten gilt, dass es lediglich das "Hellfeld" wiedergibt. / ca

                                             



Montag, 9. Dezember 2019

Bistum Trier / DBK: "Sexual-straffällig" gewordene Priester dürfen weiterhin eingesetzt werden




"Zwar dürfen Kleriker, die Schutzbefohlene missbraucht haben, nicht mehr in den Seelsorgedienst zurückkehren, wenn „dieser Dienst eine Gefahr für Minderjährige oder erwachsene Schutzbefohlene darstellt oder ein Ärgernis hervorruft“. Ein ausnahmsloses Beschäftigungsverbot für sexual-straffällig gewordene Priester nach dem Beispiel der US-Kirche lehnt die Bischofskonferenz aber weiter ab."

kirche-leben.de

Dass die Behauptung "nicht mehr in der Seelsorgedienst, wenn dieser ein Gefahr für Minderjährige oder erwachsene Schutzbefohlene darstellt oder ein Ärgernis hervorruft" in der Praxis nicht durchführbar war,  haben die letzten Jahre bewiesen.  Dies zeigen einige Beispiele aus dem Bistum Trier, von denen öffentlich berichtet bzw. recherchiert wurden:  Ein Priester,  fand sich in einem Kloster wieder. Dort hatte er Kontakt zu kleinen Mädchen, mit denen er "Flötenspielen" übte. Ein weiterer Priester, der in die Klinikseelsorge versetzt wurde, durfte dort den Nikolaus spielen und mehrere Kinder auf den Schoß nehmen.  Ein anderer Priester, der bereits vorbestraft war, durfte als Ersatzpfarrer die Erstkommuninion-Kinder zum Altar führen. Weitere Priester, die mit den Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurden, zelebrierten weiterhin Messen und führten die Sakramente aus (sie tauften, schlossen Ehen und beerdigten - unter anderem auch Angehörige von Betroffenen.)  Die Versetzung von sexuell auffällig gewordenen Priester in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen ist besonders verheerend: Hier kann ein Priester, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird, nicht nur weiter Kontakt zu Kindern pflegen, sondern auch bei älteren und behinderten Menschen, die sexuell missbraucht wurden und diese Erfahrungen bis ins hohe Alter in sich tragen, schwerste  Retraumatisierungen hervorrufen.  


Samstag, 7. Dezember 2019

Bistum Trier: Bis heute keine einheitliche und standardisierte Vorgehensweise bei Aufarbeitung des Missbrauchsskandals

Die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals läuft in den Bistümern in Rheinland-Pfalz auch mit juristischer Unterstützung weiter - auf im Detail verschiedene Weise. 

Das Bistum Mainz beauftragte im Juni den Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber mit einem unabhängigen Projekt zur Aufklärung der Missbrauchstaten.  Das Vorhaben namens "Erfahren. Verstehen. Vorsorgen" nehme Taten sexuellen Missbrauchs und sexualisierter Gewalt seit 1945 in den Blick und frage, wie im Bistum damit umgegangen wurde.

Aus dem Bistum Speyer hieß es: "Wir geben in Rücksprache mit den Betroffenen weiterhin alle Verdachtsfälle an die Staatsanwaltschaft und stehen mit den Justizbehörden in engem Kontakt." 2019 seien sechs Fälle an die Staatsanwaltschaften abgegeben worden, davon seien in fünf Fällen die Ermittlungen eingestellt worden, ein Fall werde weiter verfolgt.

Sprecherin Judith Rupp vom Bistum Trier teilte mit: "Mit einer Auftaktveranstaltung am 31. Oktober wurde das Aufarbeitungsprojekt "Gewalt am Bischöflichen Internat Albertinum Gerolstein - Aufarbeitung mit und für Betroffene" gestartet." Die Aufarbeitung des Missbrauchs an diesem Internat diene als Lernfeld für die Aufarbeitung mit und für Betroffene im Bistum insgesamt. Die individuelle Betrachtung von Fällen sowie die Präventionsarbeit würden fortlaufend betrieben. (!)

sueddeutsche.de

Ich frage mich gerade, wer von uns Betroffenen bisher eine individuelle Betrachtung seines "Falles" erleben durfte. Und dass die Präventionsarbeit fortlaufend betrieben werde, sagt rein gar nichts über ihre Qualität aus. /ca

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Bistum Trier: Bischof Ackermann: "Ich bin froh darüber, meine Erfahrungen aus der Arbeit der letzten Jahre einbringen zu dürfen"

Bischof Dr. Stephan Ackermann ist am 03.12.2019 in den „Nationalen Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen“ berufen worden.

„Ich bin froh, als Vertretung  aus der katholischen Kirche in den Rat berufen worden zu sein“, sagt Bischof Ackermann. „Auf diese Weise können wir unsere Erfahrungen aus der Arbeit der letzten Jahre einbringen. Ich erhoffe mir von der Arbeit im Nationalen Rat eine größere Vernetzung über verschiedene Verantwortungsbereiche hinweg, und dass gesamtgesellschaftlich die Sensibilität für das Thema gestärkt wird.“

bistum-trier.de

Unsäglich. Der Missbrauchsbeauftragte der DBK, Bischof Ackermann,  verfügt  zwar tatsächlich inzwischen über eine knapp zehnjährige Erfahrung mit der Thematik "Missbrauch", doch fragt man sich:  Erfahrungen welcher Art? Ein Bischof, der es nicht einmal schafft, sich selbst gegenüber ehrlich zu sein und Fehler einzugestehen,  der jegliche Schuld auf andere schiebt, der mit den Betroffenen nicht zurecht kommt, der Verantwortung von sich weist. Ein Bischof, in dessen Bistum es von Versäumnissen nur so hagelt. Ein Bischof, der als Missbrauchsbeauftragter in seinem eigenen Bistum Priester mit pädophilen Neigungen einsetzt und weiter beschäftigt. Ein Bischof, der sich selbst nach knapp zehn Jahren noch nicht der Tragweite seiner Äußerungen in der Öffentlichkeiten  besonders gegenüber Betroffenen bewusst ist. Ein Bischof, dessen Diskrepanz zwischen seinen Worten und Taten kaum größer sein könnte. Ein Bischof, der seit Jahren überwiegend durch Negativ-Schlagzeilen auffällt, welche unweigerlich in Erinnerung bleiben werde. Dieser Bischof, der seine Glaubwürdigkeit verspielt hat, greift ausgerechnet in diesen Tagen (nachdem seine umstrittene  Pfarreienreform von Rom aus erst einmal gestoppt wurde) nach einer weiteren Verantwortungsübernahme. Wir halten fest:  Es geht hier um die "dauerhaften Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und deren Folgen", in der ausgerechnet Ackermann seine Erfahrungen einbringen möchte.  Die Frage nach dem "Warum?" darf also auch hier berechtigt sein. Rationale Gründe finden sich nicht. Ausgelastet ist er auf jeden Fall genug. So erklärte Ackermann noch vor zwei Monaten seinen Rücktritt als Vorsitzender der deutschen Kommission "Justitia und Pax" mit der Begründung: "Andere Verpflichtungen". Wenn Ackermann tatsächlich zu einer "dauerhaften Bekämpfung von sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche und - wohlgemerkt - auch deren Folgen (!)"  beitragen wollte, könnte er in seinem eigenen Bistum damit anfangen.  - Und wenn Ackermann tatsächlich davon ausgeht, dass seine Erfahrungen positiv waren, stelle ich seine Wahrnehmung ernsthaft und erneut in Frage.  Bleibt nur noch, ihn als Negativ-Beispiel in die Runde mitaufzunehmen.  Die Motivation, sich überhaupt und ausgerechnet diesem Verantwortungsbereich zuzuwenden  ist ebenso erschreckend. Es gleicht wohl eher einer innerlichen Sehnsucht, endlich wieder positive Schlagzeilen zu ernten und sich profilieren zu wollen: Wenn auch auf Kosten anderer - wie so oft.   Bleibt nur zu hoffen, dass er sich nicht ausgerechnet den Facharbeitsgruppen "Schutz und Hilfe" oder "Kindgerechte Justiz" anschließt. Denn das wäre mehr als verheerend. / ca

Dienstag, 3. Dezember 2019

Bistum Trier: Staatsanwaltschaft stellt wegen Verjährung Missbrauchsermittlungen gegen Ruhenstandspriester ein

Die Missbrauchsermittlungen gegen einen Ruhestandspriester aus der Region Trier sind eingestellt worden.      

Ein heute erwachsener Mann hatte ausgesagt, als Jugendlicher von dem Priester missbraucht worden zu sein. Ermittlungen hatten ergeben, dass die mutmaßliche Tat etwa 13 bis 15 Jahre zurücklag. Damit sei sie verjährt, so die Staatsanwaltschaft. Wegen dieses so genannten Verfahrenshindernisses habe auch nicht geklärt werden können, ob an dem Vorwurf etwas dran sei. Der Priester hatte den Vorwurf bestritten.

Der angebliche Übergriff wurde publik, weil das längst erwachsene Opfer sich irgendwann einem Dritten anvertraute und den Missbrauch geschildert hat.

"volksfreund.de", "swr.de"

Freitag, 29. November 2019

Bistum Trier: Nach fast zehn Jahren: Aufarbeitung in den den katholischen Bistümern soll "transparent und nach einheitlichen Kriterien" erfolgen

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, und der Trierer Bischof Stephan Ackermann haben sich auf Eckpunkte zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch geeinigt. 

Demnach soll die Aufarbeitung in den katholischen Bistümern unter anderem transparent und nach einheitlichen Kriterien erfolgen.

Ackermann wörtlich: "Ich setze darauf, dass sich alle Erzbischöfe und Bischöfe unserem Konsens anschließen (...) Als katholische Kirche in Deutschland bemühen wir uns seit Jahren um eine Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Wir wollen die zukünftigen Aufarbeitungsprozesse nach einheitlichen Rahmenbedingungen gestalten und sind dankbar, dass wir hierbei vom Unabhängigen Beauftragten und den Mitgliedern der bei ihm eingerichteten Arbeitsgruppe unterstützt werden." 

Im nächsten Schritt werden jetzt in einem innerkirchlichen Abstimmungsprozess Rückmeldungen zu den Eckpunkten eingeholt, so Bischof Ackermann und Johannes-Wilhelm Rörig, um dann im Frühjahr 2020 eine abgestimmte Handlungsgrundlage für die Aufarbeitung in den Diözesen zu haben.

domradio.de


Die Rede ist hier von "Aufarbeitung" der Institution Kirche. Bis heute gibt es keine einheitliche Definition darüber, was die Kirche überhaupt unter diesem Begriff versteht. -   Die für die Betroffenen so wichtige Aufklärung (!), die über Jahre hinweg versprochen wurde, scheint nicht einmal mehr der Rede wert zu sein. Offensichtlich müssen hier weiter die Medien dafür sorgen.  / ca

Samstag, 23. November 2019

Bistum Trier: 45 Jahre Rückblick: "Die größte Schweinerei hat der Bischof gemacht, wenn er gewußt hat, daß der Pastor so'n Kerl war."

An Heiligabend 1973 berichtete der "SPIEGEL" über einen bereits vorbestraften und einschlägig bekannten Priester, den das Bistum Trier ohne Bedenken einstellte. In Trier-Ehlenz. Dort verging er sich über zehn Jahre hinweg weiter an Kindern und Jugendlichen. Die Eltern schwiegen; das bischöfliche Ordinariat, das informiert sein mußte, blieb untätig .

Wenn auch Bischof Bernhard Steins Personalchef Hermann-Josef Leininger "bei den Recherchen vor Priester Engelhardts Einstellung etwas Nachteiliges nicht erfahren" haben will - aktenkundig waren zumindest ähnliche Vergehen Engelhardts aus dem Jahre 1957.

Staatsanwalt Wilbert Ringel wies dem Geistlichen, der seine Kontakte meist als "göttliche Handlung" gepriesen hatte, mehr als hundert strafbare Fälle nach: Unzucht mit 19 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen neun und 21 Jahren. Das Gericht verurteilte den schon einschlägig vorbestraften Erzieher zu sieben Jahren Freiheitsentzug.

Und in der Gerichtsverhandlung blieben auch die kirchlichen Behörden von Trier nicht vom Vorwurf der Mitschuld verschont. "Selbst der Bischof", so der Anwalt,  habe "von der Veranlagung" seines Mandanten "gewußt und ihn trotzdem eingestellt".

Die Katholiken des Eifeldorfes bezeichnete Priester Engelhardt übrigens vor Gericht als "rückständig und dumm" und der Katholik Johann Göbel, Landwirt in Ehlenz" sagt: "Die größte Schweinerei hat der Bischof gemacht, wenn er gewußt hat. daß der Pastor so'n Kerl war."

den kompletten Artikel auf spiegel.de lesen




An alle derzeitigen und früheren Bischöfe,  


an alle derzeitigen und früheren Personalverantwortliche, 

die ihr heute noch behauptet, ihr hättet von nichts gewusst und keinerlei Kenntnisse gehabt.

Die ihr heute noch so tut, als seien Einstellungen und Versetzungen von Priestern, die bereits wegen "Unzucht mit Minderjährigen" resp. sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen Einzelfälle gewesen. 

Die ihr heute noch wagt zu behaupten, die "Fälle" hätten sich lange in der Vergangenheit abgespielt.

Die ihr behauptet, es hätte keine Hinweise gegeben.  

Die ihr behauptet, die Verantwortlichen seien nicht mehr ausfindig zu machen und dabei nur in den Spiegel zu schauen braucht.

Die ihr die  Verantwortung weder in der Vergangenheit übernahmt noch in der Gegenwart übernehmt.

Die ihr über Jahrzehnte hinweg vertuscht habt und weiter vertuscht. 

Die ihr Reue geheuchelt habt und weiter heucheln.

Die ihr geleugnet habt und bis heute verleugnet. 

Die ihren Gott verraten haben und weiter verraten.

Ihr, die ihr angebt, "bestürzt" und "empört" zu sein, obwohl euch die Dokumente vorlagen. 

An diejenigen, die - damals wie heute - erst dann Fehler einräumten und einräumen, als die Medien über euer Versagen berichteten und berichten:   Über das, was geschah und immer noch geschieht. 

An diejenigen Bischöfe, Generalvikare und Personalverantwortliche, die ihr weder damals noch heute erkannt haben, welche unauslöschlichen und lebenslangen Folgen der sexuelle Missbrauch hatte, den genau diejenigen Bischöfe und Personalverantwortliche hätten verhindern hätten können und müssen.  Die, die man euch Verantwortung übertrug: nicht nur für euch selbst und eure Priester, sondern auch für uns Kinder, deren wir von genau diesen Priestern missbraucht wurden, die ihr in unsere Pfarreien versetzt habt und von denen ihr wusstet, was sie taten. 

An all diejenigen, die "im Namen ihres Herrn"  Entscheidungen trafen und treffen, deren Konsequenzen  für uns Betroffene unabsehbar waren und weiterhin bleiben werden.

An all diejenigen, die um dieses jahrzehntelange System wussten und es mittrugen und weiterhin mittragen und die durch ihr Schweigen weiterhin dieses abscheuliche und satanische System unterstützen und die Taten eurer Mitbrüder duldeten und dulden.

An all diejenigen, die - damals wie heute - nicht erkennen, in welches Elend, welches Leid und welche Not ihr uns Betroffene, aber auch unsere Familien durch eure Vorgehensweise gestürzt haben und weiterhin stürzen. 

Ihr, die ihr verspracht, Opfer und deren Angehörige zu unterstützen.

Ihr, die ihr vorgabt, aufklären zu wollen.


An all diejenigen, denen der Mut fehlt, uns gegenüber zu treten, uns in die Augen schauen und uns um Vergebung zu bitten, für das, was sie uns antaten und tun.

An all diejenigen, die angaben und angeben, unser Leid anhören zu wollen. 

Ihr seid übrigens dieselben,  denen es  bis heute nicht gelingt, unser Leid zu erkennen.

Ihr seid die, die das Unerträgliche nicht ertragen könnt:   Das Unerträgliche, was auf unseren Schultern lastet, seitdem wir Kinder sind. - Seitdem man uns vertrauensvoll in eure Hände gab.

Ihr, derer es so viele von euch gab und gibt.

Ja, genau ihr seid verantwortlich. - Für das, was geschah und für das, was ihr unterlassen habt, zu tun.
Claudia Adams

Dienstag, 19. November 2019

Bistum Trier: Keine Einigung für Entschädigung von Missbrauchsopfern

Die deutschen katholischen Bischöfe haben sich nicht auf ein neues Verfahren für die Entschädigung von Missbrauchsopfern einigen können. Das wurde am Rande der Sitzung des Ständigen Rates der deutschen Bischofskonferenz bekannt an der auch der Trierer Bischof Ackermann teilgenommen hat. Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz sollen weitere Schritte Ende Januar vorgelegt werden. Eine Arbeitsgruppe der Bischofskonferenz hatte bislang zwei Modelle vorgeschlagen bei denen Missbrauchsopfer zwischen 40.0000 und 400.000 Euro erhalten könnten. Geschätzte Mehrkosten für die deutschen Bistümer: eine Milliarde Euro. Der Trierer Bischof Ackermann hatte vor einer Woche vorgeschlagen, dass man dafür auch Mittel aus dem Kirchensteueraufkommen verwenden könne. Bislang waren im Bistum Trier rund 450.000 Euro an mehr als 90 Missbrauchsopfer gezahlt worden.

Quelle: swr.de


Donnerstag, 14. November 2019

Bistum Trier: "Opfer zweiter Klasse": Bischof Ackermann erkennt Leid ab

Zeichnung des Opfers, welches einen Teil der Tathergänge veranschaulicht.

Eine Kommission bei der "Zentralen Koordinierungsstelle" in Bonn sichtet
und berät über den Antrag der Anerkennung. Anschließend teilt sie ihre Empfehlung dem zuständigen Bischof mit, der die Empfehlung annehmen oder ablehnen kann.
Letztendlich entscheidet also der Bischof  nach eigenem Ermessen darüber, 
ob er das Leid anerkennt oder ablehnt. 


Ein ganz ganz bitterer Beigeschmack bei den Aussagen als auch bei der Vorgehensweise des Missbrauchsbeauftragten, Bischof Ackermann,  kommt in diesen Tagen hoch, wenn man bedenkt, dass der Freiburger Bischof Burger als erste deutscher Bischof plant, ab kommenden Januar regelmäßige monatliche Hilfeleistungen bis zu einer Höhe von 800,00 Euro an Betroffene zu zahlen,  die wegen Missbrauchs bedürftig wurden und nicht mehr für ihren eigenen Lebensunterhalt aufkommen können.

Zudem hat Erzbischof Stephan Burger eine einheitliche Regelung gefordert - und dies offensichtlich aus gutem Grund:  "Wir brauchen allgemeingültige Kriterien als Richtschnur, denn es kann nicht sein, dass die Höhe der Hilfszahlungen im Gutdünken einiger weniger Personen liegt oder von der finanzielle Lage des einzelnen Bistums abhängt", sagte Burger.

Genau das, vor dem Bischof Burger warnte und was der Freiburger Bischof unbedingt vermeiden wollte, ist im Bistum Trier eingetreten: 

Ein Opfer aus dem Bistum Trier, welches aufgrund der Folgen des an ihm begangenen schweren Missbrauchs in der jüngsten Kindheit innerhalb der letzten Jahre in die Bedürftigkeit geraten ist und nicht mehr für seinen eigenen Lebensunterhalt aufkommen kann, wendet sich hilfesuchend an das Bistum Trier. Gestern erhielt das Opfer vom Bistum Trier einen ablehnenden Bescheid. 

Das Bistum Trier gesteht dem Opfer noch nicht einmal als Übergangslösung einen Betrag in Höhe von monatlich 200,00-450,00 Euro zu, obwohl das Opfer bereits 2011 als Härtefall eingestuft wurde.  Begründung: An den Tathergängen habe sich ja nichts wesentliches verändert. Nein, eine Freiheitsberaubung hier, ein Würgen mit beiden Händen da, scheint ja auch nichts wesentliches zu sein, geschweige denn, Folgen im weiteren Leben nach sich ziehen zu können.  Die an dem Kindergartenkind mehrfach durchgeführten Vergewaltigungen durch den katholischen Priester scheinen das Wesentliche gewesen zu sein - und dabei soll es auch bitte bleiben. Denn genau danach scheint sich auch die Höhe der "Anerkennung des Leids" zu richten. 

Auf schwerwiegende Traumafolgeschäden hinzuweisen und zu erläutern, welche Auswirkungen diese auf den Alltag haben und beschreiben, zu welchen Dingen das Opfer überhaupt noch fähig ist, scheint  in keinster Weise mit in die Entscheidung einzufließen.  Es wird sich lediglich auf die Tathergänge konzentriert.  Die Folgen werden von Bischof Ackermann außer Acht gelassen. Was soll sich zwischen 2011 und 2019 schließlich auch an den Folgen geändert haben?! -  Klartext: Wir reden über schwerwiegende Folgen, welche im Jahr 2011 noch gar nicht abzusehen waren. Wir reden über Diagnosen, Symptome und Auswirkungen,  die auf den frühkindlichen Missbrauch zurückzuführen sind und die vom Bistum Trier, respektive Bischof Ackermann, bis heute nicht anerkannt werden bzw. ignoriert werden - während das Opfer um das tägliche Überleben kämpft. Nicht nur psychisch, sondern auch finanziell.  

Hier also überhaupt von einer "Anerkennung des Leids" zu sprechen, welches sich nicht auf die Taten von damals bezieht,  sondern welches das Leben nach dem Missbrauch beinhaltet, in welchem das Leid noch größer wurde,  ist an Heuchelei und Scheinheiligkeit kaum zu überbieten. "Das Leid", welches viele Betroffene tagtäglich  über- und durchleben müssen, kann nicht anerkannt werden, so lange es nicht gesehen und erkannt wird. Bischof Ackermann ist dies offensichtlich bis heute nicht gelungen. - Auch nach fast zehn Jahren nicht. 

Paradox erscheint in diesem Zusammenhang auch,  dass Bischof Ackermann, ausgerechnet in seiner Funktion als Bischof und als Missbrauchsbeauftragter,  mit Aussagen vorprescht, die weiter von der Realität nicht entfernt sein könnten. Wie abstrus muss es sich für das Opfer anhören, dass Ackermann öffentlich über eine Finanzierung von sechsstelligen Beträgen bis hin zu einer zehnstelligen Summe fabuliert, und gleichzeitig dem hilfsbedürftigen Opfer, welches das Bistum um eine recht geringe monatliche finanzielle Überbrückung bat, das Leid aberkennt? 

Was übrigens Ackermanns versprochene "Aufklärung" in diesem Fall betrifft: Das Bistum gibt an, in den vergangenen Jahren lediglich herausgefunden zu haben, dass es "Hinweis auf weiteren Missbrauch durch diesen Priester" gab.  Mit Antworten auf detaillierte Nachfragen hält sich das Bistum Trier zurück. Auch auf die Frage, warum in der Täterakte ab dem Tatzeitpunkt sieben Seiten fehlen, erhielt das Opfer nur eine ausweichende Antwort.   In diesem Fall ist sowohl die versprochene "Aufklärung" gescheitert als auch die "Anerkennung des Leids". Der damalige Pfarrer, dem sich das Opfer bereits 2003 anvertraute, informierte bereits  damals - entgegen den Leitlinien - das Bistum Trier nicht darüber. Und der aktuelle Pfarrer lehnt sowohl eine persönliche als auch eine öffentliche Kommunikation über das Geschehen ab. 

Vielleicht ergibt es aus heutiger Sicht dann auch einen Sinn, warum ausgerechnet Bischof Ackermann sich seinerzeit für eine Dezentralisierung der Bistümer in der Entschädigungsfrage aussprach: Schließlich kann Ackermann dadurch einen großen Spielraum in seinem eigenen Bistum schaffen. -  Es ist Ackermann ebenso zuzutrauen, dass es ihm gelingen könnte, sich komplett aus der Verantwortung zu ziehen. Es wäre schließlich nicht das erste Mal der Fall.  Worte und Taten lagen bei Ackermann bisher sowohl oft genug als auch weit genug auseinander, als dass man ihm noch Vertrauen schenken könnte. 

Wenn  Ackermann zudem noch behauptet "Wir kriegen auf jeden Fall wieder Prügel – egal was wir entscheiden, frage ich mich, mit welcher Motivation er sich überhaupt noch in die Diskussion auf eine möglichst gerechte Anerkennung des Leids einlassen will und  ob er mit dem verallgemeinertem "wir" nicht  - wie so oft - wieder von sich selbst ablenken möchte. 

Bistum Trier, St. Martin. 2019. "Im Namen des Herrn". 

Claudia Adams


(Groteskerweise wurde der ablehnende Bescheid übrigens ausgerechnet am Feiertag des Heiligen St. Martins verfasst, welcher  der Legende nach an einem kalten Wintertag an einem hungernden und frierenden Bettler vorbei ritt. Der Mann tat ihm so leid, dass Martin mit dem Schwert seinen warmen Mantel teilte und dem Bettler eine Hälfte schenkte....)

Dienstag, 12. November 2019

Bistum Trier: harsche Kritik an Aussagen von Bischof Ackermann hält an


Der Missbrauchsbeauftragte Stephan Ackermann  sieht keine Alternative zur Zahlung von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer aus der Kirchensteuer. 
"Wir zahlen auch für Andi Scheuers Autobahnen",  so der Bischof.



Ausgerechnet beim Jahrestreffen katholischer Nachwuchsjournalisten stellt Bischof Ackermann bei einer Fragerunde klar: Alle Kirchenmitglieder müssten für die Verfehlungen einzelner Geistlicher aufkommen, ähnlich wie die Steuerzahler für die gescheiterte PKW-Maut. Sprich: Entschädigungsleistungen für Opfer sollen künftig aus Kirchensteuermitteln finanziert werden. Diese Finanzierung sei für Ackermann "alternativlos".  - Für seinen unsäglichen "Maut-Vergleich"(""Wir zahlen auch für Andi Scheuers Autobahnen") bittet Ackermann kurz darauf um Entschuldigung. Doch die Aussage, Kirchensteuermittel für die Entschädigung für Missbrauchsopfer zu verwenden, bleibt bestehen. Auch, nachdem die bischöfliche Pressesprecherin, Judith Rupp, vergeblich versucht, diese Aussage von Bischof Ackermann zu entschärfen, indem sie öffentlich behauptet: "Im Bistum Trier erfolgen die Entschädigungsleistungen ausschließlich aus den Mitteln des Bischöflichen Stuhls. Hier ist auch nicht an eine Änderung gedacht.


Übersicht über Kritiken an der Äußerung von Bischof Ackermann, 
Entschädigungsleistungen aus Kirchensteuermitteln zu finanzieren:

  • Die Expertin Ute-Beatrix Giebel (SWR-Redaktion Kirche und Gesellschaft) bezweifelt, dass die Entschädigung von Missbrauchsopfern aus Steuermitteln rechtskräftig zulässig ist: "  Kanon 222, Paragraf 1 sagt: Die Beiträge der Gläubigen sollen verwendet werden für die Verkündigung des Glaubens, für die Liturgie, für die Werke der Nächstenliebe und eine angemessene Bezahlung, der Mitarbeiter.  Ich kann Entschädigungsleistungen für  Missbrauchsopfer keiner dieser vier Kategorien zuordnen." (ardmediathek.de)
  • Die KirchenVolksBewegung "Wir sind Kirche" fordert die Deutsche Bischofskonferenz auf, die von ihrem Missbrauchsbeauftragen Bischof Dr. Stephan Ackermann geplante Prüfung, ob Missbrauchsentschädigungen künftig auch aus allgemeinen Kirchensteuermitteln gezahlt werden müssen, sofort einzustellen. Es reicht nicht aus, dass Bischof Ackermann sich jetzt nur für seinen Vergleich mit der gescheiterten PKW Maut entschuldigt. (wir-sind-kirche.de)
  • Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, warnt vor Entschädigungen aus Kirchensteuer: "Die Nutzung von Kirchensteuermitteln für Entschädigungsleistungen würde zu einer Welle der Empörung führen, deren Ausmaß kaum abgeschätzt werden kann", warnte Sternberg. (domradio.de)
  • Kommentar von Pater Klaus Mertes: "Ja, die Gläubigen müssten es ertragen, für den Missbrauch in der Kirche in Mithaftung genommen zu werden, sagt Pater Klaus Mertes. Bei den Entschädigungszahlungen höre die Solidargemeinschaft aber auf. Und dafür gebe es Gründe." (katholisch.de)
  • Unmöglich ist das nicht, aber die Außenwirkung wäre verheerend“. "Es sei eine makabere und unerträgliche Vorstellung, wenn plötzlich kirchensteuerzahlende Opfer sexueller Gewalt selbst einen Beitrag für die Entschädigung aufbringen sollten."  Der prominente Münsteraner Kirchenrechtler und Universitätsprofessor Thomas Schüller hält nichts vom Vorstoß des Trierer Bischofs Stephan Ackermann. (volksfreund.de)
  • Offener Brief an Bischöfe zu Enschädigungsleistungen: Die Kirche muss Verantwortung übernehmen: Eine Initiative katholischer Laien hat am 15. November 2019 einen Aufruf veröffentlicht, der sich gegen eine steuerliche Haftung der Laien in der Missbrauchsfrage wendet und von den Bischöfen fordert, dass sie sich zu ihrer eigenen Verantwortung bekennen. Solange Priester und Bischöfe sich für ihr Handeln nicht gegenüber dem Kirchenvolk verantworten müssen, haften die Laien nicht für Verfehlungen der Kirchenleitung. Die Solidarität des Kirchenvolks gilt vielmehr den Opfern, die endlich ein klares Bekenntnis der Kirchenleitung zur eigenen Verantwortung erwarten. Deshalb hat sich eine Initiative katholischer Laien entschlossen, ihre Ablehnung der Überlegungen von Bischof Ackermann in einem Brief an die Bischofskonferenz zum Ausdruck zu bringen. Sie laden ihre katholischen Mitchristen dazu ein, diesen Appell zu unterstützen. (kreuz-und-quer.de)
  • Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hat sich gegen die Verwendung von Kirchensteuermitteln für Entschädigungszahlungen an Missbrauchsopfer ausgesprochen. "Ich bin der Auffassung, dass wir nicht die Kirchensteuer einbeziehen sollten", sagte Schick am Samstag in Bamberg vor der Herbstvollversammlung des Landeskomitees der Katholiken in Bayern. Dies sei auch gar nicht so einfach, da er als Bischof ohne Zustimmung des Diözesansteuerausschusses nicht über diese Mittel verfügen könne. Die Entschädigungen müssten aus anderen Geldern geleistet werden. (katholisch.de)
  • Die Vizepräsidentin des ZdK, Claudia Lücking-Michel: Der Appell Ackermanns an eine Solidargemeinschaft gehe ins Leere. Die Solidarität der Laien gelte den Opfern und nicht jenen Verantwortlichen und Institutionen, die nun nach Auswegen angesichts finanzieller Forderungen suchten. Es könne nicht sein, dass Laien für Straftaten von Klerikern haftbar gemacht würden, obwohl sie gegenüber der Kirchenleitung praktisch keine politische und rechtliche Handhabe besäßen, um Machtmissbrauch zu verhindern. (faz.net)
  • Auch der Freiburger Erzbischof Burger ist gegen die Verwendung der  Kirchensteuer für Missbrauchsentschädigung:  ​Gläubige können nicht in Mithaftung genommen werden.   Es brauche neue Regeln für Anerkennungszahlungen, sagte Burger am Wochenende in Freiburg. "Aber es steht für mich auch außer Frage, dass die Summen nicht von den Gläubigen selbst durch ihre Kirchensteuern finanziert werden sollten." (domradio.de)

Montag, 11. November 2019

Bistum Trier: Bischof Ackermann bittet nach "Mautvergleich" um Entschuldigung / Stellungnahme der bischöflichen Pressesprecherin löst Verwirrung aus






Stellungnahme der bischöflichen Pressestelle auf der fb-Seite des Bistums Trier (14.30h):

"Im Bistum Trier erfolgen die Entschädigungsleistungen ausschließlich aus den Mitteln des Bischöflichen Stuhls. Hier ist auch nicht an eine Änderung gedacht."

Angesichts der angestrebten Neuregelung - eine unabhängige Expertengruppe hat einen Vorschlag vorgelegt, der jetzt (auch im Hinblick auf die dort genannten Höhen) zu diskutieren ist - sieht es Bischof Ackermann allerdings als notwendig an, auch darüber zu sprechen, ob dazu Kirchensteuermittel genutzt werden können. Unstrittig ist, dass immer zuerst der Täter, sofern er noch lebt, auch finanziell zur Verantwortung gezogen werden muss. Bei verstorbenen Tätern ist dies allerdings nicht mehr möglich.
Dass es eine neue Regelung im Sinne eines opferorientierten und möglichst gerechten Systems für Entschädigungen geben soll, steht für Bischof Ackermann außer Frage."

(Auf Nachfrage teilt das Bistum Trier mit, dass es sich bei diesem Text "um eine Stellungnahme der bischöflichen Pressestelle handelt, in diesem Fall verfasst von Frau Rupp". Weiter heißt es: " Diese Stellungnahme geben wir im Moment auf Anfrage heraus, deshalb finden Sie sie derzeit nur hier bei Facebook." / ca) 





Bistum Trier: Entschädigungszahlungen für Betroffene sollen künftig doch aus Kirchensteuermitteln finanziert werden. Begründung: "Wir zahlen auch für Andi Scheuers Autobahnen"

Missbrauchsbeauftragter Bischof Ackermann vergleicht Opferentschädigung aus Kirchensteuermitteln mit Mautdebakel:  "Wir zahlen auch für Andi Scheuers Autobahnen". 

Bislang hatte das Bistum Trier immer Wert auf die Feststellung gelegt, dass Entschädigungszahlungen nicht aus Kirchensteuermitteln, sondern aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls gezahlt würden. Jetzt sieht Bischof Stephan Ackermann plötzlich die Solidargemeinschaft in der Pflicht. - Viele Gläubige reagieren mit Kopfschütteln.

Der Trierer Bischof hatte am Wochenende in Trier gesagt, er sehe keine Alternative zur Zahlung von Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer aus der Kirchensteuer. Auch wenn es vielen Gläubigen widerstrebe, mit ihren Beiträgen für Verfehlungen einzelner Geistlicher einzustehen, seien die Kirchenmitglieder als Solidargemeinschaft in der Pflicht, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bischofskonferenz beim Jahrestreffen der katholischen Journalistenschule ifp in Trier. Ähnlich müssten die Steuerzahler auch für die gescheiterte PKW-Maut aufkommen: „Wir zahlen auch für Andi Scheuers Autobahnen“, so der Bischof.

In den sozialen Netzwerken entbrannten nach den Äußerungen Ackermanns erregte Diskussionen. Vor allem der Vergleich der Opferentschädigung mit dem Mautdebakel wurde scharf kritisiert. „Mir fehlen die Worte für soviel Unsensibilität“, kommentierte etwa die Trierer CDU-Kommunalpolitikerin Jutta Albrecht.

In der Frage nach der Höhe der Entschädigungsleistungen erwartet der Trierer Bischof nach seinen Angaben noch harte Auseinandersetzungen. Aber dieser Streit müsse sein, und es werde sicher kein für alle Seiten zufriedenstellendes Ergebnis geben können: „Wir kriegen auf jeden Fall wieder Prügel – egal was wir entscheiden.“ Das Ziel müsse „ein opferorientiertes und möglichst gerechtes System“ sein.

zum vollständigen Text auf : volksfreund.de

Sonntag, 3. November 2019

Bistum Trier (Albertinum Gerolstein): Über den nachvollziehbaren Unmut und das Misstrauen der Betroffenen, wenn die Kirche verspricht, aufklären zu wollen

Ein kirchenunabhängiges Projekt soll mutmaßliche Gewalttaten an Schülern in einem mittlerweile geschlossenen katholischen Internat in Gerolstein in der Eifel aufarbeiten. Es gehe um "sexualisierte, physische und psychische Gewalt im Internat Albertinum Gerolstein", sagte die Erziehungswissenschaftlerin Claudia Bundschuh zum Beginn des Projekts am Donnerstag in Trier. 

Mit einer Gesprächsrunde haben Wissenschaftler die Aufarbeitung von Gewalt und sexuellem Missbrauch am Gerolsteiner Internat Albertinum begonnen. Noch bevor die Arbeit wirklich begann, musste das Bistum bei der Auftaktveranstaltung allerdings schon heftige Kritik von ehemaligen Schülern einstecken: "Nein, er brauche kein Mikrofon. Seine Stimme sei laut genug, sagt der Mann. Dann ruft er, brüllt fast, in den Raum: „Werden Sie vom Staat bezahlt oder von unserem Peiniger, dem Bistum?“ „Vom Bistum“, räumt Claudia Bundschuh ein. „Danke, dann bin ich durch damit“, schreit der ehemalige Schüler...„Was soll das bringen?“, fragt ein Besucher in die Runde. Ein anderer klagt: „Ich hatte so lange meine Ruhe. Jetzt wird das alles wieder aufgewühlt.“

2018 hat das Bistum Trier auf Anfrage des Volksfreund eingeräumt, dass Jungen im Albertinum physische, psychische und sexuelle Gewalt erfahren haben. Schutzbedürftige sollen von 1953 bis 1981 geschlagen worden sein, gedemütigt. Und manche auch missbraucht. Wie viele Täter, wie viele Opfer, wie viele Fälle es gab – all das ist noch unklar. Das nun angestoßene Projekt soll aber Licht ins Dunkel bringen.  

Auch die Aussage, dass das Bistum nicht operativ an der Aufarbeitung mitwirke,  kann die Betroffenen nicht vollends überzeugen.

Nach der Vorstellung des Projektes hagelt es weiter Kritik aus den Zuschauerrängen. „Die Aufarbeitung haben wir doch alle längst hinter uns“, sagt ein Gast: „Sonst würden wir gar nicht mehr hier sitzen. Der Herr Ackermann lacht sich tot.“ Ein anderer Besucher gibt ihm Recht: „Der Bischof will sich nur von der Verantwortung freikaufen. So sollen Kirchenaustritte gestoppt werden. Ich bin inzwischen ausgetreten, und ich weiß auch warum. Ich kann das jedem Jugendlichen nur empfehlen.“

Die Bereitschaft der ehemaligen Schüler, sich an der geplanten Gruppenarbeit nach der Veranstaltung zu beteiligen, hielt sich in Grenzen. Den Ermutigungen von Bistumssprecherin Rupp, sich doch bitte zusammenzusetzen, um über die Erwartungen an das Projekt zu sprechen, kam niemand nach. „Was ich mir von dem Projekt wünschen würde?“, ruft ein wütender Betroffener: „Ich will den Schuldigen vor Gericht sehen. Der läuft immer noch frei rum.“ 

Was bisher bekannt ist:
Bislang haben sich acht Personen beim Bistum Trier gemeldet, die im Albertinum Gewalt erfahren haben sollen. Die Wissenschaftlerinnen Bundschuh und Janssen gehen aber von „vielen weiteren Betroffenen aus“. Womöglich gebe es mehr als die vier Täter, gegen die sich die bislang geäußerten Vorwürfe richten. Die ersten mutmaßlich Betroffenen hätten sich 2010 beim Bistum gemeldet. Man habe damals aber den Eindruck gehabt, es handele sich um „Einzelfälle“, sagt Kirchen-Justiziarin Dorothee Bohr. Erst im Jahr 2018 hätten sich die Anhaltspunkte verdichtet, dass es sich beim Albertinum um institutionellen Missbrauch gehandelt habe – so die offizielle Position des Bistums.

Quellenangabe: volksfreund.de / sueddeutsche.de


Mittwoch, 16. Oktober 2019

Bistum Trier: Missbrauchsopfer im Bistum Trier kritisieren Bischof - Bischof weist Kritik zurück

Missbrauchsopfer im Bistum Trier werfen Bischof Stephan Ackermann "Ignoranz und Passivität" bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Diözese vor. Ein gutes Jahr nach der Veröffentlichung der sogenannten MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche gebe es immer noch keine unabhängige Aufarbeitung im Bistum Trier, teilte die Initiative "MissBit" in Trier mit. Andere Bistümer dagegen seien bereits dabei, die Forderung der Studie umzusetzen, hieß es.

Der Vorwurf

In dem Vorwurf der Initative heißt es:

"Ein Jahr nach der MHG-Studie: Fazit der Betroffenenorganisation "MissBiT "(Missbrauchsopfer im Bistum Trier)
Unser Bündnis beklagt die Ignoranz und Passivität unseres Bischofs Dr. Stephan
Ackermann bei der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Diözese Trier. Die
Haltlosigkeit seiner wiederholten Versprechungen waren der eigentliche Anlass
unsrer Gründung im Herbst 2010.
Bei seiner ersten Pressekonferenz als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) hatte Ackermann bereits Ende März 2010 vollmundig verkündet: Wir wollen ansprechbar sein, wollen wissen, was gelitten wurde, und den Betroffenen bei der Aufarbeitung beistehen. Bei der gleichen Pressekonferenz jedoch verleugnete Prälat Dr. Rainer Scherschel, der damalige Missbrauchsbeauftragte und bis 2006 auch Bistumspersonalchef in Personalunion (!!), sein Wissen über das nachweislich extreme Ausmaß des Missbrauchs im hiesigen Bistum. Aufgrund der aktuellen Rückmeldungen von Betroffenen wären ihm bis dahin erst 20 „Fälle bekannt“ geworden. Die aus Personalakten und Interviews mit Betroffenen gewonnenen Erkenntnisse der MHG-Studie belegten vor Jahresfrist – am 25. September 2018 – die abgrundtiefe Falschheit dieser Darstellung. Im Bistum Trier wurden mindestens 148 Priester, also etwa sieben Mal so viele, des Missbrauchs beschuldigt; mehr Tatbeschuldigtewurden lediglich in zwei Bistümern - Freiburg (190) und München/Freising (174) - ermittelt. Nach der Gesamtzahl seiner 442 identifizierten Betroffenen (252 männlich, 190 weiblich) belegte Trier gleichauf mit Freiburg (ebenfalls 442) sogar den zweiten Spitzenplatz – nur knapp hinter dem Bistum Münster (450 Betroffene).
Zu diesem aus Sicht unseres Bistums sehr bemerkenswerten Befund gibt es jedoch bis heute keinerlei kommentierende Stellungnahmen. Nicht nur seitens Bischof Ackermann, sondern ebenso nicht von der Bistumspressestelle, dem 2011 installierten Präventionsbeauftragten und auch nicht von dem im Herbst 2010 als Nachfolger Prälat Scherschels ernannten Missbrauchsbeauftragten.
In seiner aktuellen Kommentierung verschwieg der Bistumspräventionsbeauftragte außerdem die nicht minder beunruhigenden Einschätzungen über die Ineffizienz der bisherigen Präventionsprogramme, die bei der Hochrisikogruppe der Kleriker in Anbetracht der fortlaufend neuen Vorfälle (Strafverfahren und Suspendierungen) gerade auch im hiesigen Bistum Trier zutreffend erscheinen.
Als weitere Missachtung unseres Engagements empfinden wir die gänzliche  Nichtberücksichtigung in Bezug auf die von der MHG-Studie empfohlene unabhängige Aufarbeitung. Warum gibt es immer noch keine unabhängige Studie über den im gesamten Verantwortungsbereich des Bistums Trier vorgekommenen und vorkommenden sexuellen Missbrauch, also ausgerechnet nicht in jenem Bistum, dessen Bischof als Missbrauchsbeauftragter eigentlich mit gutem Beispiel hätte vorangehen müssen? - Immerhin realisieren bereits fünf andere Bistümer (Essen, Köln, Limburg, Mainz und Regensburg) die Umsetzung dieser zentralen Forderung
der MHG-Studie.
Auch bei den nach neuerem Expertenurteil als „demütigend“ verworfenen finanziellen Entschädigungen (von durchschnittlich 5000 Euro) gibt es nach Ablauf eines Jahres immer noch keinerlei konkrete Reformbeschlüsse. Wir sehen uns abermals getäuscht und in die Irre geführt. Die Ankündigungen unseres Bischof und Missbrauchsbeauftragten erwiesen sich besonders hier in immer schnellerer Folge als trügerisch. So gab Ackermann am 11. September 2019 dem Chefredakteur der bekanntesten Trierer Tageszeitung die eindeutige Antwort „Ja, davon gehe ich aus“ auf dessen unmissverständlich formulierte Fragestellung: „Es wird aber höhere Entschädigungen geben? - Nur zwei Wochen später, am 25. September, widerrief er sein früheres Statement bei der eigens zu diesem Thema einberufenen Pressekonferenz der Deutschen Bischöfe in Fulda: Über die Summen, haben wir jetzt gestern nicht gesprochen, (…) also nicht positiv Stellung genommen.“
Bischof Ackermann weist Kritik der Betroffenen zurück

Der Trierer Bischof wies die Kritik am Mittwoch zurück. Er habe zugesagt, sich bei der unabhängigen Aufarbeitung "an die Kriterien und Standards zu halten", die mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, vereinbart würden. Diese sollten Ende des Jahres vorliegen. Von daher sei auch noch kein Projekt bistumsweit beauftragt. Eine erste einrichtungsbezogene unabhängige Aufarbeitung für und mit Betroffenen für das ehemalige Bischöfliche Internat Albertinum in Gerolstein starte am 31. Oktober.

Vorsitzender der Bischofskonferenz: "Opferentschädigungs-Reform" ist noch völlig offen

Ebenfalls am Mittwoch äußerte sich auch der ehemalige Trierer Bischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx,  in Berlin zu einer möglichen "Opferentschädigungs-Reform": In der Diskussion um eine Reform der Entschädigungszahlungen der katholischen Kirche für Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester und Diakone sind Details wie die Höhe der Zahlungen noch völlig offen. "Es gibt überhaupt keine Entscheidung über die Höhe. Das ist völlig abwegig, da jetzt irgendwas zu spekulieren", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, am Mittwoch in Berlin. Die Höhe der Entschädigung für Missbrauchsopfer sei noch nicht entschieden. Ohne Plausibilitäten, also die Überprüfung des Einzelfalls, werde es nicht gehen, sagte er. Zugleich betonte er, dass es keinen Rechtsanspruch auf die Zahlungen geben werde. Die Zahlungen würden höher sein als bislang, sagte er. Wie hoch jedoch, sei noch offen.

Quelle: "sueddeutsche.de" / "evangelisch.de" / "domradio.de"/ eigene Recherche