Montag, 13. April 2020

Bistum Trier: ehemaliger Trierer Generalvikar und heutiger Vorsitzender der DBK, Georg Bätzing: "Vertuschung von Missbrauch war kolossaler Fehler der Kirche. Die Perspektive der Opfer war nicht im Blick. Heute sind wir da weiter."

Vertuschung von Missbrauch war "kolossaler Fehler" der Kirche

Bischof Georg Bätzing hat die Vertuschung von Missbrauchsfällen durch Geistliche als "kolossalen Fehler" bezeichnet. "Die damalige Perspektive konnte nicht das Wissen heranziehen, das wir heute haben", sagte er im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Dies sei keine Entschuldigung, müsse aber bedacht werden.

Heute sei bekannt, "was Missbrauch bei Kindern und Jugendlichen anrichtet", führte Bätzing aus. "Aus heutiger Perspektive ist es gar nicht mehr zu begreifen, dass Betroffene nicht gehört und Täter geschützt wurden." Früher dagegen hätten sowohl die Gesellschaft als auch Kirchenvertreter geglaubt, "dass man sexuelle Neigungen therapieren und dass Missbrauch abgestellt werden kann. Die Perspektive der Opfer war nicht im Blick." Rückblickend sei dies "sehr beschämend", so der Bischof. "Heute sind wir da aus bitterer Einsicht weiter."

Entschädigungszahlungen

Zur Finanzierung von Schmerzensgeldzahlungen an Betroffene sagte Bätzing, die Bischofskonferenz habe "bewusst keine einheitliche Lösung gewählt". Er könne verstehen, wenn Menschen sich dagegen wehrten, dass derartige Zahlungen aus Kirchensteuermitteln erfolgen. Andererseits gebe es "keinen Cent im Vermögen eines Bistums, der nicht allen Kirchenmitgliedern gehört. Es gibt Diözesen, die nichts anderes haben, gerade im Osten." Zunächst sollten die Täter zur Verantwortung gezogen werden, fügte der Bischof hinzu - "aber sehr viele leben nicht mehr".

Die Bischöfe hatten sich Anfang März auf deutlich höhere Zahlungen an Missbrauchsopfer als bisher geeinigt. Laut Modell orientiert sich die Kirche an der zivilrechtlichen Schmerzensgeld-Tabelle und entsprechenden Gerichtsurteilen. Dies bedeutet derzeit Summen zwischen 5.000 und 50.000 Euro pro Fall. Dabei will die Kirche stets die Summen "am oberen Ende des Ermessensspielraums" zahlen.

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Dienstag, 7. April 2020

Bistum Trier / Freisen I:" Bistum Trier schrieb Zeugen an, die "unter Umständen zu den Lebensumständen von Betroffenen (!) etwas mitteilen könnten". - Inzwischen erfolgte eine erneute Anfrage

Vierter Zeuge hat inzwischen ausgesagt 

"Mittlerweile konnte mit einem vierten Zeugen ein Gespräch geführt werden." Dies teilte Thomas Klimmek, Erzbistum Köln der Saarbrücker Zeitung auf Anfrage mit. 

Mögliche sachverständige Zeugen, die unter Umständen zu den Lebensumständen von Betroffenen etwas mitteilen könnten, hätten sich auf ein Anschreiben hin 2019 nicht zurückgemeldet.

Es erfolgte eine neue Anfrage: "Hier ist abzuwarten, inwieweit diese zu einer Stellungnahme bereit sind", so Klimmek.

Bei einem weiteren Zeugen sei noch zu ermitteln, ob er befragt werden möchte oder ob er es als ausreichend ansieht, schriftlich mitzuteilen, was er zu den Lebensumständen sagen kann. 


Der Beschuldigte wird voraussichtlich angehört, wenn die Angaben der Zeugen vorliegen, so Klimmek weiter.


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Freitag, 13. März 2020

Bistum Trier / DBK: Kriminologe Prof. Dr. Pfeiffer: "Sorgen Sie endlich für Transparenz und Gerechtigkeit!"

"Sorgen Sie endlich für Transparenz und Gerechtigkeit!" - Kriminologe Pfeiffer fordert die Rückholung der Missbrauchsakten aus dem Vatikan und umfassenden Schadensersatz. Kriminologe Professor Christian Pfeiffer hat von der Bundesregierung die Rückholung der Missbrauchsakten aus dem Vatikan, von der Bischofskonferenz Schadensersatz auch für lebenslange Verdienstausfälle der Missbrauchsopfer sowie die Zulassung von unabhängiger Forschung unter Beteiligung von 5.000 aktiven Priestern gefordert. / Schadensersatz auch für lebenslange Verdienstausfälle: Die ausschließliche Zahlung von Schmerzensgeld ist aus Sicht von Pfeiffer zu wenig: "Der Opferschutz und die Opferversorgung müssen nachgebessert werden. Die Bischöfe dürfen sich einer zivilgerichtlichen Aufarbeitung nicht verschließen. Ein Anspruch auf Schadensersatz umfasst nicht nur Schmerzensgeld. Wenn sich die Bischöfe an zivilrechtlichen Regelungen orientieren, dann sollten sie auch die Verdienstausfälle der Missbrauchsopfer entschädigen."  In der Debatte mit Juristen des ifw kam die Idee auf, Musterprozesse in ausgewählten Diözesen zu führen und staatliche Gerichte über die Höhe der materiellen und immateriellen Schadensersatzansprüche entscheiden zu lassen. Zu erwarten stünde im Rahmen dessen u.a. die Anerkennung eines Verdienstausfalles. Wenn man 1.000 Euro pro Monat ansetzt, ergäbe das auf 30 Berufsjahre einen Betrag in Höhe von 360.000 Euro. Damit seien die öffentlich erhobenen Forderungen der Betroffenen für Entschädigungszahlungen pro Opfer zwischen 300.000 Euro und 400.000 Euro ohne Zweifel gerechtfertigt.

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Bistum Trier: "Das tut weh! Die katholischen Bischöfe wollen Missbrauchsopfern künftig Schmerzensgeld zahlen. Was gut klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als vertane Chance"

In Mainz präsentieren Stephan Ackermann und der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing (rechts) das neue Schmerzensgeld-Modell der Öffentlichkeit. © Imago Images/​EPD




"Wir haben grundlegende Empfehlungen der unabhängigen Arbeitsgruppe übernommen", heißt es etwa im abschließenden Pressebericht des DBK-Vorsitzenden Georg Bätzing. Bloß: Was Bätzing schreibt, stimmt so nicht. Zwar haben die Bischöfe tatsächlich Punkte aus dem Papier der Gruppe um Matthias Katsch in ihren Maßnahmenkatalog integriert – die Zahlung des Schmerzensgelds als Einmalsumme etwa sowie die Sicherstellung der Steuerbefreiung und die Fortführung der Therapiekostenübernahme für Missbrauchsopfer –, wirklich neu oder gar "grundlegend" jedoch ist nichts davon. Tatsächlich findet sich von den Zentralforderungen des Papiers – Einrichtung eines bistumsübergreifenden Entschädigungsfonds, Anerkennung von Angehörigen und Hinterbliebenen als Anspruchsberechtigte sowie eine Schmerzensgeldhöhe, die sich explizit nicht an den im internationalen Vergleich extrem niedrigen deutschen Schmerzensgeldtabellen orientiert – keine einzige im Maßnahmenkatalog der Bischöfe. - Lediglich das von der unabhängigen Arbeitsgruppe empfohlene bistumsübergreifende Gremium zur verbindlichen Festlegung der individuellen Schmerzensgeldhöhe fand den Segen der Bischöfe. Damit reagiert die DBK auf Kritik an ihrem bisherigen System der "Anerkennungsleistungen". In dem konnte eine Zentrale Koordinierungsstelle (ZKS) bislang nur Empfehlungen für Auszahlungssummen aussprechen. Manche Bistümer hielten sich daran, andere nicht. Das führte zu einer heterogenen, ungerechten und für viele Opfer beschämenden Auszahlungspraxis.

Auch kein Wort zu dem leichter realisierbaren Fondsmodell von Ackermann und Bätzing. Stattdessen raunen sie etwas von einem "dynamischen" und "erweiterbaren" System und berufen sich, ohne Namen zu nennen, auf "Experten", die sie beraten hätten. So verschleiern sie, dass ihre "Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des Leids" mit dem Arbeitspapier der unabhängigen Expertengruppe im Kern nur noch den Namen gemeinsam hat."


Sonntag, 8. März 2020

Bistum Trier: Bätzing zu seiner Zeit als Generalvikar in Trier und Bischof von Limburg: "Ich kann nicht 100 Prozent ausschließen, dass ich keine Fehler gemacht habe"

Georg Bätzing, ehemaliger Subregens im Priesterseminar Trier und Generalvikar im Bistum Trier 

WDR: "Sie hatten als Generalvikar und auch als Bischof sicherlich mit Missbrauchsbeschuldigungen gegen Geistliche zu tun. Haben Sie da aus Ihrer Sicht in der Vergangenheit Fehler gemacht oder würden Sie sagen, dass Sie an Menschen schuldig geworden sind?"

Bätzing: "(tiefes Einatmen) Ich habe mich in der Verantwortung als Generalvikar , das war in den Jahren von 2012 bis 2016 und danach als Bischof natürlich schon in ganz viele laufende Prozesse, auch der Aufarbeitung mit Einzelpersonen hineinbegeben und hatte da sehr gute Gesprächspartner, die mir Hinweise geben konnten. Ich kann nicht 100 Prozent ausschließen, dass ich keine Fehler gemacht habe. Aber ich habe mich darum (betont) bemüht, diesen Menschen gerecht zu werden und den Verfahren, die sie verdienen, dann auch wirklich zu entsprechen."

WDR: "Sie vermeiden jetzt bewusst das Wort "Entschädigungen". Sind denn die Kirchenleitungen den Betroffenen nicht etwas schuldig geblieben, was tatsächlich auch eine "Entschädigung" verdient hätte?"

Bätzing: "Ja, wir vermeiden nicht das Wort, sondern wir haben uns entschieden für ein anderes System. Entschädigung bedeutet insbesondere auch, den Schaden für materiell erfahrenes Leid irgendwie zu ersetzen. Das würde aber voraussetzen, dass wir Betroffene unter Umständen in erhebliche Prüfkontexte noch einmal stellen und wir wissen um die Sensibilität vieler Menschen. Wir haben mit unserem bisherigen System von Anerkennung und Anerkennungszahlungen 2.200 Personen erreicht, von denen ja viele sagten, sie sind mit diesen Angeboten, wo es nicht nur um Geldleistungen, sondern um therapeutische Maßnahmen, um Begleitung, um Gespräch ging, eigentlich in Frieden.

Wir haben uns entschieden für ein System der Anerkennungsleistung, das sich orientiert an Enscheidungen von staatlichen Gerichten zu Schmerzensgeldern. Da geht es dann eben um immaterielles Leid und Unrecht. Und wir haben uns entschieden, wir möchten nur eine Plausibilitätsprüfung, die Betroffene nicht mehr unbedingt persönlich in Rede- und Antwortkontexte nimmt. Ich glaube, man muss eben abwägen, welche Systeme man wählt. Es ist aber eine bewusste Entscheidung der Konferenz gewesen, die auch von vielen Fachleuten uns dringend angeraten wurde."

WDR: "Ja, aber es haben doch auch Überlebende von Missbrauch materiellen Schaden erlitten. Zum Beispiel durch ganz schwierige Berufsbiografien,  fühlen Sie sich dafür als Kirchenleitung nicht mitverantwortlich?"

Bätzing: "Doch, das ist ja genau der Hintergrund einer institutionellen Verantwortung, die wir mit diesem System von Anerkennungszahlungen übernehmen und  wir haben ja bewusst auch keine Obergrenze genannt, sondern gesagt, wir orientieren uns an Entscheidungen zu Schmerzensgeldern und zwar in den höheren Bereichen,  nicht im niedrigen Bereich: 1. Ist dieses System erweiterbar und wird sich verändern und 2. Haben wir gesagt, und darüber hinaus gibt es immer wieder Sondersituationen, wo auch andere Summen durch das – und das ist ja etwas Neues – ein unabhängiges Gremium festgelegt und ausgezahlt werden, dass wir selber nicht mitbestimmen in seiner Entscheidung. Ich glaube, dass wir mit diesem System doch vielen gerecht werden können. Ich weiß, es gibt Betroffenenvertretungen, die sind damit nicht zufrieden.  Ja, das ist so."

WDR: "Sie sagen, als Argument dafür, dass Sie keinen materiellen Schaden ausgleichen wollen, dass Sie dann die Menschen in ein Prüfverfahren schicken müssten.  Aber nun ist es ja auch so,  wenn Sie sagen, Sie orientieren sich am Schmerzensgeld für immateriellen Schaden, dass auch dort vor Gerichten durchaus  ein immaterieller Schaden nachgewiesen werden muss,  deswegen variieren ja diese staatlichen Schmerzensgelder ganz erheblich. Also mir leuchtet eigentlich nicht ein, warum Sie nicht auch eine Reduktion der Nachweispflicht für materielle beschließen können als Bischöfe."

Bätzing: "Ich glaube, dass wäre eine so außergewöhnliche Entscheidung in unserer Rechtskultur und in unserem gesellschaftlichen System.  Wir haben ja auch erlebt in der Diskussion nachdem die Zahlen in die Öffentlichkeit gekommen sind im vergangenen Herbst, das war ja nicht nur eine Befürwortung, sondern viele Menschen haben gesagt: „Wenn es um solche Summen geht, das geht doch nicht ohne gerichtliche Verfahren, das geht doch nicht ohne Prüfung, das geht doch nicht ohne Nachweise.“ Und dagegen entscheiden wir uns, auch aus der Erfahrung jetzt so vieler Jahre mit Betroffenen und deren Ansprüchen sie wirklich haben und auch mit dem Respekt davor,  dass sie auch irgendwann mal in Ruhe gelassen werden können. Aber es ist doch auch verständlich, in den genannten Höhen, 300.00,00, 400.000,00 Euro nicht einfach auf der Grundlage einer sehr niedrigschwelligen Plausibilitätsprüfung zahlen könnte. Das wäre nicht vermittelbar. "

WDR: "Das wäre „großzügig“!"

Bätzing: "(tiefes Einatmen). Ich weiß nicht ob der Begriff „Großzügigkeit“ … also,  ich vermeide ihn. Was heißt „großzügig“? Es geht hier um Anerkennung, dass Menschen zum Teil tatsächlich unsäglich Unrecht erlebt haben und Leid erfahren haben. „Großzügigkeit“ ist kein guter Begriff."

WDR: "Ok. Vielleicht haben Sie Recht. Für die Betroffenen wäre es nur „angemessen.“"

das vollständige Interview auf wdr.de hören

Donnerstag, 5. März 2020

Bistum Trier: Bätzings zweifelhafter Einstieg - Hier die Klarstellung zur finanziellen Leistungsfähigkeit der ostdeutschen Bistümer und ihren Finanzierungsquellen




Bildergebnis für Georg bätzing ackermann

Bildquelle: swr.de


Auf der Pressekonferenz zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) fragte ein anwesender Journalist nach der Finanzierung der “Entschädigungszahlungen” an Missbrauchsopfer (die die Bischöfe nicht “Entschädigungen” nennen wollen), speziell nach der Kirchensteuer. (Video der Pressekonferenz, ab Minute 46:41) In seiner Antwort erklärte der neue DBK-Vorsitzende Georg Bätzing:

»Das ist für einzelne Diözesen ganz schwierig. Es gibt Diözesen, die haben keinerlei andere Quellen, gerade im Osten unseres Landes, als die Kirchensteuern.« ((Video der Pressekonferenz ab Minute 49:49)

Das sind zwei Unwahrheiten in zwei Sätzen. Alle Bistümer erhalten außer der Kirchensteuer auch Staatsleistungen, darüber hinaus verfügen sie über Finanzerträge, z.B. aus Wertpapieren, Beteiligungen oder Zinsen. Diese Zahlen sind auch aus den Jahresabschlüssen der Bistümer bekannt. (Außer in Erfurt, wo die Staatsleistungen im Jahresabschluss nicht ausgewiesen werden.)

Schaut man sich diese Zahlen an, muss man sich fragen, für welches ostdeutsche Bistum die Zahlung der in Aussicht gestellten Beträge von 5.000 bis 50.000 Euro „schwierig“ werden soll."

den vollständigen Kommentar auf skydaddy lesen





"Es ist beschämend, demütigend, erniedrigend und entwürdigend"


Einzelfälle wurden bis heute nicht aufgeklärt. Betroffenen bis heute nicht erklärt, wie es dazu hatte kommen können, damit sie verstehen können.  Die Verantwortlichen wurden bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen. Kein einziger Bischof übernahm Verantwortung in seinem eigenen Bistum.

Was bleibt? 
Über 40 Jahre unsägliches Leid. Folgeerkrankungen. Unheilbar. Berentung mit 32 Jahren. 
Und: Eine für immer gespaltene Seele.  
- Und: 10 Jahre lang 88,83 Euro monatlich als finanzielle Unterstützung. 

Claudia Adams 

Bistum Trier / DBK: Grundsätze für Zahlungen nach Missbrauch getroffen

Bildergebnis für bischof ackermann


Die Deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer Vollversammlung in Mainz einheitliche Grundsätze für Zahlungen an Betroffene von sexuellem Missbrauch in der Kirche beschlossen. Die am Donnerstag vom Trierer Bischof Stephan Ackermann vorgestellten Leitlinien sehen ein zentrales und unabhängiges Gremium vor, das in Anlehnung an das Niveau gerichtlicher Schmerzensgeld-Entscheidungen die Höhe von "Anerkennungszahlungen" festsetzt. Die jeweiligen Bistümer entscheiden selbst, wie sie die Zahlungen finanzieren.

Die Höhe der individuellen Einmalzahlung soll sich am "oberen Bereich" gerichtlicher Entscheidungen orientieren, heißt es in den Grundsätzen. Diese erstrecken sich in entsprechenden Tabellen von etwa 5000 bis 50 000 Euro.

Damit bleibt der Beschluss der Bischofskonferenz hinter den Empfehlungen einer unabhängigen Arbeitsgruppe zurück, die der Bischofskonferenz im September vergangenen Jahres auf der Vollversammlung in Fulda vorgelegt wurden. Diese sahen ein Grund-Schmerzensgeld von 10 000 Euro und zusätzlich entweder einen pauschalen Entschädigungsbetrag von 300 000 Euro oder einen gestuften Entschädigungsbetrag von 40 000 bis 400 000 Euro vor. Nach der MHG-Studie zu Missbrauch in der katholischen Kirche wurden von 1946 bis 2014 mindestens 3677 Minderjährige Opfer sexueller Gewalt von mindestens 1670 Klerikern.

dpa


DBK: "Zur Umsetzung dieser Grundsätze werden offene Verfahrensfragen und Details bis Herbst
2020 geklärt." Pressemeldung der DBK "Weiterentwicklung des Verfahrens zur Anerkennung des LeidsGrundsätze" 

Montag, 2. März 2020

Bistum Trier / DBK: Auch das Bistum Trier könnte Entschädigungen für Betroffene im Bistum leicht verkraften - Ein Interview mit Dipl.-Kfm. Matthias Krause

Die katholische Kirche in Deutschland könnte - wenn sie es denn auch wollte

Das Bistum Trier könnte die von einer unabhängigen Arbeitsgruppe empfohlenen Entschädigungen für Missbrauchsopfer problemlos leisten.  Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Jahresabschlüsse aller deutschen Bistümer. 

Das Bistum Trier hat demzufolge mindestens 86 Millionen Euro kurzfristig frei verfügbar, der Bischöfliche Stuhl zu Trier noch einmal 79 Millionen – zusammen 165 Millionen Euro. Das würde für 550 Entschädigungszahlungen zu je 300.000 Euro reichen.

Im Herbst hatte eine von der deutschen Bischofskonferenz (DBK) eingesetzte Expertengruppe Entschädigungszahlungen von 300.000 Euro pro Opfer empfohlen. Legt man die Zahl der bisher vom
Bistum Trier anerkannten Anträge auf eine „materielle Leistung in Anerkennung des Leids“ (von bis zu 5.000 Euro) zugrunde (105 Anträge), ergäbe sich ein Gesamtvolumen von 31,5 Millionen Euro. Das Bistum Trier und der Bischöfliche Stuhl zu Trier verfügen laut ihren Bilanzen über Kassenbestände, Bankguthaben und Wertpapiere in Höhe von insgesamt 800 Millionen Euro.

Selbst, wenn man davon alle Zahlungsverpflichtungen inklusive der Pensionsrückstellungen abzieht,  verbleiben immer noch 165 Millionen, über die das Bistum bzw. der Bischöfliche Stuhl kurzfristig frei verfügen könnten, ohne den Bistumsbetrieb zu beeinträchtigen. Tatsächlich dürften es noch mehr sein, denn der tatsächliche Wert der Wertpapiere übersteigt üblicherweise den Buchwert, der in der Bilanz ausgewiesen wird. 

Anmerk. ca: Wenn das Bistum unter diesen Voraussetzungen keine substanziellen Entschädigungen zahlt, wird es nie welche zahlen.




Interview mit Dipl.-Kfm. Matthias Krause

Seit einigen Jahren legen (fast) alle deutschen Bistümer Jahresabschlüsse in Anlehnung an das Handelsgesetzbuch (HGB) vor, das heißt Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen. Dipl.-Kfm. Matthias Krause, der u.a. nach der Jahrtausendwende die Umstellung des öffentlichen Haushalts-und Rechnungswesens in den Kommunen als Dozent und Berater begleitet hat,  hat die Jahresabschlüsse aller Bistümer ausgewertet und festgestellt: Zusammen erwirtschaften die deutschen Bistümer Jahr für Jahr Überschüsse von einer halben Milliarde Euro.

Claudia Adams: Herr Krause, wie kam es zu dieser Auswertung?

Matthias Krause: Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Kirchenfinanzen. Durch meine berufliche Tätigkeit kenne ich mich auch mit dem Haushalts- und Rechnungswesen aus, das die Bistümer verwenden. Was viele nicht wissen: Die meisten Bistümer erwirtschaften regelmäßig Überschüsse, das heißt, die nehmen mehr Geld ein als sie ausgeben. Die Überschüsse mehren das Bistumsvermögen. Als ich las, dass die Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung über höhere Entschädigungen für Missbrauchsopfer entscheiden wollen – im Raum steht ein Gesamtvolumen von einer Milliarde Euro – interessierte mich, wie lange es dauern würde, wenn die Bistümer diesen Betrag aus ihren Jahresüberschüssen finanzieren würden. Denn dieses Geld stünde ja zur Verfügung, ohne den Betrieb in den Bistümern zu beeinträchtigen.

Claudia Adams: Und wie lange würde es dauern?

Matthias Krause:  Ich war selbst überrascht. Ursprünglich hatte ich überlegt, dass der Staat die Milliarde vorfinanzieren könnte, damit sofort mit der Zahlung der Entschädigungen begonnen werden kann. Die Bistümer hätten diesen Betrag dann, so dachte ich, über einen längeren Zeitraum zurückzahlen können, etwa über zehn Jahre. Die Idee war, die Zahlungen über einen so langen Zeitraum zu strecken, dass der normale Betrieb in den Bistümern durch die Zahlung der Entschädigungen nicht beeinträchtigt würde.

Es stellte sich dann allerdings heraus, dass die deutschen Bistümer insgesamt eine halbe Milliarde Euro an Überschüssen pro Jahr erwirtschaften. Das heißt: Um eine Milliarde Euro zu finanzieren, bräuchte es nicht mehr als die Überschüsse aller Bistümer aus zwei Jahren.

Mehr noch: Die Bistümer hätten ja seit 2010 Zeit und Grund gehabt, Rücklagen für die Entschädigung von Missbrauchsopfern zu bilden. Zwar lässt sich nicht genau sagen, welche Überschüsse die Bistümer seit 2010 erwirtschaftet haben, weil die meisten Bistümer erst später auf Jahresabschlüsse in Anlehnung an das Handelsgesetzbuch umgestellt haben. Aber wenn man die durchschnittlichen Jahresüberschüsse auf zehn Jahre hochrechnet, kommt man auf 5 Milliarden Euro seit dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals. Allein die Überschüsse aus den veröffentlichten Jahresabschlüssen belaufen sich auf 2,5 Milliarden Euro – und da ist das Jahr 2019 noch nicht enthalten.

Claudia Adams:  Wie schnell könnten die Bistümer diese Mittel denn bereitstellen?

Matthias Krause:  Um diese Frage zu klären, habe ich in den Bilanzen der Bistümer nach den Positionen geschaut, die kurzfristig verfügbar sind. Das sind die Kassenbestände, Bankguthaben und die Wertpapiere. Allein deren Buchwert liegt für alle Bistümer zusammen deutlich über 20 Milliarden Euro – der tatsächliche Wert wird noch höher sein, weil die Kurswerte der Wertpapiere in der Regel höher sind als in der Bilanz ausgewiesen.

Obwohl die Wertpapiere kurzfristig zu Geld gemacht werden könnten, können bzw. sollten die Bistümer allerdings nicht frei darüber verfügen. Denn der Grund für die hohen Wertpapierbestände – darin unterscheiden sich Bistümer von Unternehmen – liegt darin, dass die Bistümer damit ihre Pensionsrückstellungen absichern. Um wirklich nur die Mittel zu erhalten, über die die Bistümer frei verfügen können, habe ich bei meiner Auswertung nicht nur alle Rückstellungen, sondern auch alle Verbindlichkeiten – also alle kurz-, mittel- und langfristigen Zahlungsverpflichtungen – von der Summe der Kassenbestände, Bankguthaben und Wertpapiere abgezogen. Für alle Bistümer zusammen verbleiben deutlich über 10 Milliarden Euro kurzfristig verfügbares Finanzvermögen, denen keine Zahlungsverpflichtungen gegenüberstehen. Dies sind Mittel, die sofort für die Entschädigung von Missbrauchsopfern zur Verfügung stünden, ohne dass das Leben in den Bistümern dadurch beeinträchtigt würde.

Claudia Adams:  Es gibt also keinen Grund, nicht zu zahlen?

Matthias Krause: (lacht) Natürlich ist es für die Bistümer grundsätzlich besser, eine Milliarde zu haben, als sie nicht zu haben. Aber wenn man dieses Argument akzeptieren würde, müssten die Bistümer ja nie zahlen. Was man sicher sagen kann ist, dass die Situation – zumindest für die deutschen Bistümer insgesamt und auch für die meisten Bistümer – nicht besser sein könnte: Sie haben Milliarden, über die sie kurzfristig frei verfügen können, und sie erwirtschaften regelmäßig Überschüsse. Wenn die Bischöfe unter diesen Bedingungen nicht zur Zahlung angemessener Entschädigungen bereit sind, wann dann? Wenn sie sich jetzt nicht zur Zahlung angemessener Entschädigungen bereiterklären, werden sie sich nie dazu bereiterklären.

Claudia Adams: Die Bischöfe werden sicher auf zukünftig sinkende Einnahmen aus der Kirchensteuer und steigende Kosten verweisen.

Matthias Krause: Die Bistümer haben ja schon in der Vergangenheit gezeigt, wie sie darauf reagieren: Sie passen ihre Haushalte entsprechend an und senken die Aufwendungen. Das heißt: Wenn sie vorher einen Überschuss erwirtschaftet haben, erwirtschaften sie nach der Anpassung immer noch einen Überschuss. Die Kirchenmitglieder akzeptieren das, weil sie einsehen, dass bei steigenden Kosten und sinkendem Kirchensteueraufkommen die Ausgaben gesenkt werden müssen. Die meisten wissen ja nicht, dass die Bistümer Jahr für Jahr Millionenüberschüsse erwirtschaften. Und die meisten Bistümer machen es auch nicht leicht, das zu erkennen – Transparenzoffensive hin oder her.

Claudia Adams: Was müssten die Bischöfe Ihrer Meinung nach tun?

Matthias Krause: Wichtig ist, dass endlich angemessene Entschädigungen gezahlt werden. Es ist jetzt zehn Jahre her, dass der Missbrauchsskandal bekannt wurde. Zehn Jahre! Jede weitere Verzögerung bei den Entschädigungen ist einfach nicht mehr akzeptabel. Die Bischöfe sollten sofort einen Entschädigungsfonds anlegen und Anträge auf Entschädigungen entgegennehmen. Alles weitere – welches Bistum letztlich wie viel zahlt, und wie viel Geld man sich von den Tätern und den Orden zurückholen kann, können die Bistümer später unter sich ausmachen, mit den Tätern und mit den Orden.

Claudia Adams: Bei den Tätern und bei den Orden dürfte aber wohl nicht viel zu holen sein …

Matthias Krause: Deshalb ist es ja umso wichtiger, dass endlich gezahlt wird. Es kann nicht sein, dass die Zahlung der Entschädigungen wegen nachrangiger Beträge immer weiter vertagt wird.

Claudia Adams: Für wie wahrscheinlich halten Sie es denn, dass sich die 27 Bischöfe auf einen Entschädigungsfonds einigen?

Matthias Krause: Für den Entschädigungsfonds ist es nicht notwendig, dass sich alle Bischöfe einigen. Es würde völlig ausreichen, wenn ein paar große Bistümer den Fonds vorfinanzieren würden. Die Erzbistümer Paderborn, Köln und München könnten eine Milliarde sogar alleine stemmen.

Die Bischöfe müssten sogar ein finanzielles Interesse daran haben, das leidige Thema Missbrauch endlich zufriedenstellend abzuschließen. Denn jeder Kirchensteuerzahler, der heute aus der Kirche austritt, weil er sich über die Bischöfe ärgert, verursacht über die nächsten zehn Jahre einen Kirchensteuerausfall von 10.000 Euro. Schon 100.000 zusätzlich ausgetretene Kirchensteuerzahler verursachen also bereits Kirchensteuerausfälle von einer Milliarde Euro über zehn Jahre. Das sind locker die Austritte eines Jahres. 2018 traten über 200.000 Katholiken aus der Kirche aus, 2019 könnten es sogar 300.000 gewesen sein. Zwar hätte nicht jeder Ausgetretene Kirchensteuer gezahlt, aber nur Kirchensteuerzahler haben einen triftigen Grund, aus der Kirche auszutreten. Alle anderen können der Kirche einfach fernbleiben und sich die Austrittsgebühr sparen. Deshalb ist davon auszugehen, dass sich unter den Ausgetretenen überproportional viele Kirchensteuerzahler befinden. Selbst, wenn man die Entschädigungen nur aus finanzieller Sicht betrachtet, vermute ich daher, dass die Bischöfe mit ihrer Hinhaltetaktik der Kirche mehr schaden als nutzen.

Claudia Adams: Herr Krause, vielen Dank für das Gespräch!

Mittwoch, 19. Februar 2020

Bistum Trier: Verfahren gegen Trierer Bistumspriester eingestellt - Es handelte sich lediglich um eine "Vorbereitungshandlung"

Nachdem ein katholischer Pfarrer aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis einem 14-Jährigem Geld für Sex bot, wurden die Ermittlungen jetzt eingestellt:.

Es ging der Mainzer Staatsanwaltschaft nicht darum, ob der katholische Geistliche „moralisch verwerflich“ handelte oder nicht, als er den Jungen am Mainzer Hauptbahnhof ansprach und ihm Geld für Sex anbot. Der Pfarrer hatte das sogar zugegeben. Aber das sei nur eine „Vorbereitungshandlung“ gewesen.

den vollständigen Artikel auf "rhein-zeitung.de" lesen


Hintergrund:
Der Vorwurf lautet versuchter sexueller Missbrauch eines Jugendlichen. Laut Staatsanwaltschaft soll der Beschuldigte am 01. September am Hauptbahnhof in Mainz versucht haben, einem 14-Jährigen Geld für sexuelle Handlungen anzubieten. Zu denen sei es jedoch nicht gekommen. Demnach beziehen sich die Vorwürfe nicht auf das Arbeitsumfeld des Pfarrers, heißt es. Darüber hinaus teilte das Bistum mit, es sei eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet worden. Allerdings ruhe diese bis zum Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen. Bis zum Ende der Untersuchung sei es dem Pfarrer verboten, priesterliche Dienste auszuüben. Und auch der Kontakt zu Kindern sowie Jugendlichen unterliege einem Verbot. (sueddeutsche.de)


Dienstag, 18. Februar 2020

Bistum Trier / DBK: "Hat Ackermann den Opfern falsche Hoffnungen gemacht?" - Wie es soweit kommen konnte





Im Herbst stellten die Bischöfe in Fulda ein milliardenschweres Entschädigungsmodell für Missbrauchsopfer vor. Jetzt stellt sich heraus: In allen wesentlichen Punkten rudert die Kirche zurück. Was ist da schiefgelaufen?

Je länger Ackermann in Fulda spricht, desto mehr überwindet er sichtlich seine Scheu vor der freien Rede. Bis ihm ein Satz herausrutscht, an dem er sich fortan messen lassen muss. "Die Bischöfe haben den Auftrag gegeben, auf der Grundlage dieses Modells die Weiterentwicklung unseres Anerkennungssystems zu bearbeiten." Das könne er als Ergebnis jetzt schon mitteilen.

Nach der Herbstvollversammlung sitzen die Bischöfe erst wieder am 27. und 28. Januar beim Ständigen Rat der Bischofskonferenz in Würzburg-Himmelspforten zusammen. Auf der Tagesordnung steht auch die Reform des bisherigen Systems der Anerkennungsleistungen. Was die Bischöfe in Würzburg beschließen, soll eine von Ackermann geleitete Arbeitsgruppe bis zur Frühjahrsvollversammlung Anfang März in Mainz weiter ausarbeiten. Erst dann wird final abgestimmt. Gleichwohl nehmen die Bischöfe in Würzburg eine Weichenstellung vor:

Weil alle verantwortlich sind, lautet eine Weichenstellung von Würzburg, sollen alle zahlen: Zuerst die Täter, dann die Bistümer mit ihren Vermögenswerten, und wenn das nicht reicht, auch die Kirchensteuerzahler.

Schnell steht fest: Entschädigungen oder Schmerzensgeld soll es auch weiterhin nicht geben. Demnach bleibt es also bei Anerkennungsleistungen. Dass diese momentan angesichts des erlittenen Leids mit rund 6000 Euro pro Fall skandalös niedrig sind, ist den meisten Anwesenden bewusst. Anders als im Arbeitspapier empfohlen, soll es auch keinen Entschädigungsfonds geben. 

Kehren wir zurück nach Fulda. Während der Pressekonferenz spricht Ackermann viel von einer Richtungsentscheidung und suggeriert so fälschlicherweise: Im Grunde sei die Entscheidung pro Entschädigung bereits gefallen. Dabei verschweigt er, dass sein Arbeitspapier von vielen nicht mitgetragen wird, die es später in der Praxis umsetzen sollen. So etwa das Fazit eines Briefs der Generalsekretärin der Deutschen Ordensobernkonferenz an Ackermann vom 16. September 2019. Die Deutsche Ordensobernkonferenz könne die Empfehlungen des Arbeitspapiers für die Ordensgemeinschaften demnach nicht befürworten, weil es "keine realistischen Möglichkeiten der Akzeptanz oder der Umsetzung" gebe. Zudem seien die kolportierten Summen für die Orden schlicht nicht leistbar.

Hat Ackermann den Opfern falsche Hoffnungen gemacht? Ist das Missbrauchsthema ihnen in Wahrheit gar nicht so wichtig? Spekulieren sie darauf, dass nach den Versöhnungsbildern später keiner mehr fragt, was aus der "Weiterentwicklung" geworden ist? Nehmen sie in Kauf, dass Ackermann, der bei seinen Mitbrüdern kein hohes Ansehen genießen soll, sich blamiert? Hoffen manche sogar darauf? Und was ist mit Ackermann: Hat er eine Strategie oder hat er sich schlicht verquatscht?

Freitag, 14. Februar 2020

Bistum Trier: Nach Vorwürfen gegen ehemaligen Trierer Bischof Stein - Muss Opfer-Sprecher Thomas Schnitzler Konsequenzen fürchten?

Der Sprecher der Trierer Opfervereinigung "MissBiT" hat interne Dokumente des Bistums in der Öffentlichkeit gezeigt. Muss der Historiker jetzt mit Konsequenzen rechnen?

Das Bistum Trier will trotz des möglichen Bruchs einer Verschwiegenheitserklärung vorerst nicht juristisch gegen Dr. Thomas Schnitzler vorgehen. Man nehme aber "mit Bedauern zur Kenntnis, dass Herr Dr. Schnitzler sich offenkundig nicht  an diese von ihm unterzeichnete Vereinbarung hält" sagte eine Sprecherin auf Anfrage. 

Bei den von Dr. Schnitzler öffentlich gezeigten Dokumenten handelt es sich u.a. um ein Schreiben, in dem Bischof Stein von seinem obersten Justitiar über den fortgesetzten Missbrauch eines Jungen durch einen Kaplan informiert wurde. Trotzdem wurde der mehrfach aufgefallen Geistliche wenig später vom Bischof Ende der 60er Jahre in eine andere Pfarrei versetzt.




Anzunehmen, dass das Bistum nicht ohne Grund von einer Anzeige absieht. Ein Gerichtsverfahren könnte schließlich noch weitere unangenehme Dinge an die Öffentlichkeit bringen, die das Bistum in Erklärungsnot bringen könnte. / ca

Dienstag, 11. Februar 2020

Bistum Trier / DBK: Marx gibt als DBK-Vorsitzender auf - Bischof Ackermann hat lt. "Trierischer Volksfreund" keine Ambitionen auf Marx-Nachfolge



Es ist mehr als nur das Alter: Kardinal Marx fühlt sich zu alt für den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz und tritt nicht mehr zur Wahl an. Doch auch die teils harsche Kritik an seinen Reformen und an seinem Umgang mit dem Missbrauchsskandal dürften Grund für seinen Rückzug sein.

(tagesschau.de)


Der Trierer Bischof Ackermann hat offenbar keine Ambitionen auf die Marx-Nachfolge. Bischof Ackermann sehe seinen Beitrag für die Bischofskonferenz in seinen aktuellen Aufgaben, sagte Bistumssprecherin Judith Rupp auf Anfrage.

(volksfreund.de)

Donnerstag, 6. Februar 2020

Bistum Trier / Freisen II: Pfarrer aus Klerikerstand entlassen

Rom reagiert auf Missbrauch von Pfarrer

Besagter Pfarrer V. lebte als Kind in Freisen, besuchte u.a. das Priesterseminar in Trier, feierte in Freisen seine Primiz und ist seit dem Jahr 2002 suspendiert. 2008 soll er aber noch einen Gottesdienst in Freisen gehalten haben, wovon das Bistum Trier nach eigenen Angaben erst im Nachhinein erfahren habe. Daraufhin  wurde Pfarrer V. das Feiern von weiteren Gottesdiensten im Bistum Trier untersagt. Während seiner Zeit als Pfarradministrator im Bistum Würzburg beging er im Jahr 2002  einen sexuellen Missbrauch in zwei sachlich zusammentreffenden Fällen zum Nachteil eines 11jährigen Jungen. Mit rechtskräftigem Strafbefehl wurde er zu 10 Monaten Gesamtfreiheitsstrafe verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Zudem untersagte die Glaubenskongregation 2002 einen Einsatz in der ordentlichen Seelsorge. 2017 erhielt das Bistum Würzburg einen neuen Hinweis auf sexuellen Missbrauch in den 1990er Jahren in einem österreichischen Kloster, den er schließlich  gegenüber Generalvikar Keßler gestand.  Schließlich kam Anfang 2019 ein weiterer Verdacht aus den 1980er Jahren auf. Bischof Jung legte schließlich der Glaubenskongregation in Rom eine umfangreiche Dokumentation vor und bat um dessen Entlassung aus der Klerikerstand.   Gegen den Ausschluss aus dem Klerikerstand ist kein Rechtsmittel mehr möglich, das Urteil aus Rom ist daher rechtskräftig.  

Mittwoch, 5. Februar 2020

Bistum Trier: "Kleriker Nr. 20" - es könnten bis zu 60 Opfer gewesen sein

In Trier werden erstmals interne Kirchendokumente über Missbrauchsfälle öffentlich gezeigt. Dabei geht es um Opfer von "Kleriker Nr. 20"

Wer sich hinter "Kleriker Nr. 20" verbirgt, wird an diesem Abend nicht öffentlich thematisiert. Doch einigen Anwesenden ist der Geistliche bestens bekannt: Es sind die Opfer des Geistlichen, der sich an mindestens drei Orten in der Region an seinen Opfern verging.

Bischof Ackermann dürfte nun allerdings ein weiteres ernsthaftes Problem haben:
Der Missbrauchsbeauftragte muss sagen, warum er nicht selbst mit diesen fürs Bistum äußerst unangenehmen Tatsachen an die Öffentlichkeit ging, sondern es erneut den Opfern überließ, ein Stückchen mehr Wahrheit und Klarheit über Machenschaften und Vertuschtungsmanöver der katholischen Kirche ans Licht zu bringen. 

Der Zeitpunkt ist überfällig, dass Stephan Ackermann selbst die Initiative ergreift und dafür sorgt, dass alle schmutzige Fakten über das wahre Ausmaß und die Hintergründe des Missbrauchs im Bistum Trier auf den Tisch kommen. Bis jetzt wird mehr gemauert als aufgeklärt.

den vollständigen Artikel inkl. Kommentar von Rolf Seydewitz auf "volksfreund.de" lesen

Bistum Trier: Opfer-Initiative "MissBiT" belastet früheren Trierer Bischof Stein schwer

Die Opferinitiative "MissBiT" erhebt schwere Vorwürfe gegen den früheren Trierer Bischof Stein. Er habe sexuellen Missbrauch vertuscht und es Priestern damit ermöglicht, sich an weiteren Opfern zu vergehen.

  Quelle: SWR.de

Montag, 3. Februar 2020

Bistum Trier: Schwere Vertuschungsvorwürfe gegenüber ehemaligem Trierer Bischof Bernhard Stein: Hätte weiterer Missbrauch verhindert werden können? - Bischof Ackermann sieht keinerlei Anhaltspunkte für Mitverschulden Steins

Das schon jetzt ziemlich umfangreiche Buch über Umfang und Hintergründe jahrzehntelanger sexueller Übergriffe von Trierer Bistumspriestern an Kindern und Jugendlichen dürfte bald um ein weiteres trauriges Kapitel reicher sein:

Der einheimische Historiker Dr. Thomas Schnitzler will am Dienstagabend erstmals seine Recherche zur Rolle des ehemaligen Bischofs Bernhard Stein an der Vertuschung von Missbrauchsfällen der Öffentlichkeit präsentieren.

Schnitzler wird dabei detailliert den Fall eines ehemaligen Kaplans und Priesters beleuchten, der in den 1960er Jahren reihenweise Messdiener in der Eifel und in Trier missbraucht haben soll. 

Aus diesem Grund fordert die Betroffeneninitiative "MissBiT" u.a. auch die Umbenennung des Bernhard-Stein-Platzes.

Bischof Ackermann sieht indes keinerlei Anhaltspunkte für ein Mitverschulden des ehemaligen Trier Bischof Steins. 




Dienstag, 21. Januar 2020

Bistum Trier (Freisen II) / Bistum Würzburg: Ehemaliger Trierer Priesterseminarist aus Klerikerstand entlassen

Papst Franziskus hat einen 58 Jahre alten Priester, der im Bistum Würzburg wegen Kindesmissbrauchs aufgefallen war, aus dem Klerikerstand entlassen. Das gab das Bistum am Dienstag in Würzburg bekannt.
Der Mann war in den Jahren 2000 bis 2002 als Pfarradministrator im Bistum Würzburg. Im Jahr 2002 soll es zum Missbrauch eines elfjährigen Jungen gekommen sein. Der Mann sei rechtskräftig von einem Amtsgericht zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. 2017 habe es dann einen weiteren Hinweis in einem österreichischen Kloster in den 1990er Jahren gegeben.

2018 soll er im Ehrenamt Kontakt zu Kindern gehabt haben, obwohl ihm die Seelsorge eigentlich nicht mehr gestattet war. 2019 sei ein weiterer Verdacht aus den 1980er Jahren hinzugekommen. Würzburgs Bischof Franz Jung habe den Papst schließlich um die Entlassung des Mannes aus dem Klerus gebeten.

(sueddeutsche.de)




Der entlassene Priester besuchte u.a.  das Priesterseminar in Trier und feierte in Freisen seine Primiz. 
Einer seiner "Förderer", der ehemalige Freisener Pfarrer Otmar M., wurde inzwischen selbst mehrfach  wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt.  Während das kirchliche Strafverfahren vor dem Kölner Kirchengericht gegen Otmar M.  andauert, ermittelt nun auch wieder die Staatsanwaltschaft Saarbrücken gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer. Staatsanwalt Dennis Zahedi teilte im Dezember 2019 mit, dass in einem Fall, der nicht verjährt scheint, die Ermittlungen andauern.

Von den Missbrauchsvorwürfen gegen Otmar M.  wusste auch der damalige Trierer Bischof und heutige Kardinal Reinhard Marx.  Marx erfuhr im Jahr 2006 von den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Pfarrer M.  wegen des Verdachts auf Missbrauch eines 15-Jährigen, unternahm aber nichts. / ca

Wenn Ackermann also - wie angekündigt - die Namen der Verantwortlichen nennen will, wird er nicht umher kommen, - neben weiteren Vorgängerbischöfen im Bistum Trier -  auch den Namen seines  eigenen Vorgängers und "Ziehvaters" und des heutigen Vorsitzenden der DBK,  Kardinal Reinhard Marx, als nachweislichen Verantwortlichen nennen zu müssen. 

ca


Montag, 20. Januar 2020

Bistum Trier: Kriminologe Prof. Dr. Christian Pfeiffer legt Marx und Ackermann Rücktritt nahe


Bildquelle: vatican.news


Der Kriminologe Prof. Dr.  Christian Pfeiffer ist überzeugt, Marx habe Forschern den uneingeschränkten Zugang zu Akten verweigert und so eine unabhängige wissenschaftliche Aufarbeitung bewusst verhindert - um sich selbst und Papst Benedikt zu schützen, der von 1977 bis 1982 Bischof von München und Freising war. "Das Beste wäre, Kardinal Marx würde von seiner Funktion als Sprecher der Bischofskonferenz zurücktreten und einräumen, was da gelaufen ist - ebenso Bischof Ackermann als Missbrauchsbeauftragter. Beide haben sich völlig unglaubwürdig gemacht."

Im Bistum Trier werden  36 noch lebende Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Bis auf noch vier kirchenrechtliche Verfahren seien alle abgeschlossen. In insgesamt zwei Fällen seien Priester wegen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen worden. In einem weiteren Fall habe der Betroffene von sich aus darum gebeten.


n-tv.de

Freitag, 17. Januar 2020

Bistum Trier: Katholische Kirche beteiligt sich seit 01.01.2020 nicht mehr am "Fonds sexueller Missbrauch"

 "Institutionelle Anträge können nur bearbeitet werden, soweit sich die Institutionen am Ergänzenden Hilfesystem beteiligen."

Betroffene institutionellen Missbrauchs konnten bisher Hilfeleistungen beim FSM beantragen. Diese wurden nicht aus dem Fonds Sexueller Missbrauch im familiären Bereich finanziert, sondern von den verantwortlichen Institutionen selbst (gegegebenfalls)  bewilligt und bezahlt. 

Die katholische Kirche  (sowohl die Bischofskonferenz als auch die Deutsche Ordenskonferenz)  hat sich dazu entschieden, sich nur bis zum 31.12.2019 an den Hilfeleistungen zu beteiligen.





Quelle:"Fonds Missbrauch"

Donnerstag, 16. Januar 2020

Bistum Trier: Wie die katholische Kirche mit dem Missbrauchsskandal und den Betroffenen umgeht

2010 wurde der Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche öffentlich bekannt. Die Bekanntmachung von Missbrauchsfällen an einem Berliner Jesuitengymnasium brachte eine Welle ins Rollen - deutschlandweit.

Und auch in Rheinland-Pfalz haben sich Opfer nach jahrelangem Schweigen getraut, in die Öffentlichkeit zu gehen. Die katholische Kirche hat 2010 versprochen, den Missbrauch umfänglich aufklären und aufarbeiten zu wollen. Wie weit ist die Kirche damit? Wir fragen nach, wie die Kirche bei der Aufarbeitung vorgeht und was die Opfer davon halten. Diese spüren nämlich wenig Unterstützung und werfen der Kirche Zeitverschleppung vor. 





Mittwoch, 15. Januar 2020

Bistum Trier / Rom: Fatale Signalwirkung aus dem Bistum Trier: Ruhestandsgeistlicher aus dem Bistum Trier darf lediglich seinen priesterlichen Dienst nicht mehr ausüben und sich nicht mehr als Kleriker präsentieren


Römische Glaubenskongregation schließt Fall eines Trierer Bistumspriesters ab.

Trier/Rom: - Die Kongregation für die Glaubenslehre in Rom hat einem Priester des Bistums Trier, der sich seit 2003 im Ruhestand befindet, dauerhaft verboten, seinen priesterlichen Dienst öffentlich auszuüben und sich in der Öffentlichkeit als Kleriker zu präsentieren. Der Priester, der seit Beginn seines Ruhestandes nicht mehr im Bistum Trier lebt, hat sich in der ersten Hälfte der 1980er Jahre des sexuellen Missbrauchs an zwei Minderjährigen schuldig gemacht; im Fall eines Jugendlichen unter 16 Jahren des mehrfachen schweren sexuellen Missbrauchs. Damals war er Pfarrer in einer Koblenzer Gemeinde. Der Priester hat den Missbrauch eingestanden.

Etwa zeitgleich mit der Bekanntgabe des römischen Strafdekretes Ende des vergangenen Jahres hat sich unabhängig davon eine weitere betroffene Person beim Bistum gemeldet. Aufgrund dieser Meldung  hat das Bistum eine neue kirchenrechtliche Voruntersuchung gegen den Priester eingeleitet.

Quelle: Interne Pressemitteilung des Bistums Trier, Bischöfliches Generalvikariat, Rundschreiben, 15.01.2020


Nach Angaben einer Bistumssprecherin wurde die Koblenzer Staatsanwaltschaft über die neuen Vorwürfe informiert. In den zuvor bekannten Missbrauchsfällen seien die Ermittlungen wegen Verjährung eingestellt worden. (volksfreund.de)


Im Bistum Trier wurden bisher zwei (!) Kleriker wegen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen. In einem weiteren Fall habe der Priester von sich aus um Entlassung aus dem Klerikerstand gebeten.

Seit Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche vor rund zehn Jahren sind im Bistum Trier 36 noch lebende Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. In der Regel würden gegen alle beschuldigten Priester kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet, sagte die Sprecherin des Bistums. Bis auf nun vier Verfahren seien alle abgeschlossen. In insgesamt zwei Fällen seien Priester wegen Missbrauchs aus dem Klerikerstand entlassen worden. In einem weiteren Fall habe der Betroffene von sich aus um Entlassung aus dem Klerikerstand gebeten.
(sueddeutsche.de)





Erfahrungen aus dem Bistum Trier selbst, belegen, dass dies nicht die Lösung sein kann

Wir halten fest: mindestens 36 beschuldigte noch lebende Priester, zwei davon entlassen, einem wurde nahegelegt, um Entlassung aus dem Klerikerstand zu bitten. Macht insgesamt drei. Drei von 36 (!)  Ganz ganz großes Kino! 


Welch eine verheerende Signalwirkung. Die Rede ist von schwerem sexuellen Missbrauch. Die Taten sind strafrechtlich verjährt. Die Opfer leiden mitunter lebenslänglich unter den Folgen des sexuellen Missbrauchs. 

Welches Signal bei den Opfern ankommt? - "Lohnt sich nicht, sich ans Bistum zu wenden und das Bistum zu informieren.   Passiert doch eh so gut wie nichts." - Und nein, es macht Betroffenen alles andere als Mut, sich zu melden. 

Der Priester darf weiterhin Priester sein. Er wird vermutlich nicht mehr öffentlich zelebrieren. - Vorausgesetzt - er hält sich  an seine Auflagen bzw. Verbote. Schließlich haben die letzten 10 Jahre gezeigt, wie häufig Priester gegen die Auflagen verstoßen und sich Ackermanns Verboten einfach widersetzten.

Ein Fall bleibt da besonders in Erinnerung. Der Fall des Priesters  U. - Belegt mit dem Verbot, priesterlicher Aufgaben nicht mehr in der Öffentlichkeit auszuführen zu dürfen. Resultat: U.  feierte in einem kleinen saarländischen Ortsteil weiterhin Messen. Nein, nicht offiziell. Sondern in einem Privathaushalt. Für seine anhänglichen Gläubigen. Kinder ausgeschlossen? Nein.

Wo bleibt der Appell von Bischof Ackermann an die Priester, selbst um die Entlassung aus dem Klerikerstand zu bitten, wenn die Priester es schon von sich aus nicht tun?


ca

Donnerstag, 9. Januar 2020

Bistum Trier: Kommentar zu dem, was in den letzten 10 Jahren geschah - und was nicht



Inzwischen sind zehn Jahre vergangen,  dass der Missbrauchsskandal am Canisius-Kolleg bekannt wurde, und sich die Übergriffe katholische Priester an Kindern und Jugendlichen wie eine „Flutwelle“ über Deutschland ausbreitete. Aus drei Opfern wurden Tausende. 

2012 recherchierten Dr. Thomas Schnitzler, Hermann Schell und ich, dass es alleine im Bistum Trier über 30 Priester gab, die trotz Vorwürfe sexuellen Missbrauchs weiterhin zelebrierten bzw. Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatten. Bei mindestens sieben von den Priestern gab es bereits Gerichtsverhandlungen mit unterschiedlichen Strafmaßen. Dennoch: Sie durften weiter zelebrieren. Zwar gab es Auflagen, sich von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten etc., aber niemand kontrollierte, ob diese Auflagen tatsächlich eingehalten wurden. Es fällt mir bis heute schwer zu glauben, dass Priester aus dem Bistum Trier, die mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurden, nicht mehr tätig sein sollen. Schließlich kann Ackermann selbst die Frage „Wohin mit auffällig gewordenen Priestern?“ bis heute nicht beantworten. 

Die MHG-Studie, welche am 25.09.2018 offiziell vorgestellt wurde und deutschlandweit den Zeitraum zwischen 1946 und 2014 erfasste, zeigte ein Hellfeld von 3.677 Betroffenen und 1.670 Klerikern auf. Aus der Dunkelfeldforschung, die den sexuellen Missbrauch betrifft, ist bekannt, dass die Zahl der tatsächlich Betroffenen Personen deutlich höher liegt – sowohl bei den Tätern als auch bei den Betroffenen. Ich für mich schließe nicht aus, dass man die Anzahl der Täter und Opfer mit fünf oder sogar zehn multiplizieren sollte, um der Realität näher zu kommen.

Jetzt kommt natürlich die Frage auf, was ist in den letzten 10 Jahren geschehen? Wie ist die Kirche mit Tätern und Opfern umgegangen. Welche Fortschritte gibt es? Kurz: Hat sich etwas verändert, und wenn ja, was und vor allem: für wen?

Als Betroffene, die als Kindergartenkind über Jahre hinweg von einem katholischen Pfarrer sexuell schwer missbraucht wurde, kann ich das ganze nur aus Betroffenensicht beurteilen.
Die Kirche selbst behauptet z.B. in diesen Tagen, seit 2010 habe ein Perspektiv- und Paradigmenwechsel stattgefunden. Nicht mehr das unbeschadete Ansehen der Kirche stehe im Vordergrund, sondern der Blick auf das Leid der Opfer. Es gelte, dass man Betroffenen grundsätzlich glaube, sie müssten keine Beweise für die Tat vorlegen. Lediglich die Plausibilität ihres Tatberichts würde abgefragt. Außerdem etabliere sich allmählich eine Kultur der Achtsamkeit. – (Diese Achtsamkeit wurde uns übrigens bereits 2011 versprochen und konnte uns Betroffene bis heute nicht überzeugen.)

Ich halte es für abwegig und irreführend, dass die Kirche behauptet, es stünde nicht mehr das Ansehen der Kirche im Vordergrund, sondern das Leid der Opfer. Natürlich geht es der Kirche weiterhin um ihr Ansehen. Warum sonst verweist sie immer wieder darauf, dass man das Ansehen und das Vertrauen der Gläubigen wieder zurückgewinnen wollte? Warum fragt sich die Kirche weiterhin, mit welchen Mitteln ihnen das gelingen könnte? 

Dass das  Leid der Opfer im Mittelpunkt stünde, behauptet Ackermann inzwischen seit fast 10 Jahren. – Allerdings bekommen wir Betroffene davon nichts zu spüren. Im Mittelpunkt - aus Ackermanns Sicht - steht für mich weiterhin das Ansehen der Kirche respektive das Ansehen von Ackermann selbst, dann der Umgang mit den Tätern, dann – je nach Lage - synodale Veränderungen , Pfarreienreform, etc. und irgendwann taucht dann wieder die Frage auf: „Ach, da sind ja noch die Opfer. Die wollen ja auch noch, das etwas geschieht….“. Als wären wir eine Last, die er noch zu tragen hätten, deren Thematik er am liebsten verdrängen würde. Das ist das Gefühl, welches wir Opfer empfinden, wenn Ackermann davon spricht, die Betroffenen würden im Mittelpunkt stehen.

Die Kirche behauptet weiterhin, sie habe die Leitlinien verschärft. Damit mag sie Recht haben und sich auch tatsächlich bemüht haben; die Lei(d)tlinien werden auch erstmals in allen Bistümern als „diözesanes Recht“ gelten (was vorher nicht der Fall war), aber allein der Begriff „Leitlinien“ beinhaltet doch, dass es sich hierbei lediglich um „Leitlinien“ handelt. Was nützen z.B. Präventionsverordnungen und Schulungen, wenn es Priester gibt, die sich wehren und an solchen Präventionsschulungen nicht teilnehmen? - Was nutzt es, wenn das, was auf dem Papier steht, nicht eingehalten wird? - Nichts. Es verliert an jeglicher Bedeutung. 

Wenn z.B.  in den Leitlinien steht, dass es ein Protokollgespräch geben muss, liest sich das schön und gut. Bei vielen dieser Gespräche fühlen sich jedoch Betroffene in die Enge getrieben, fühlen sich der Institution und dem Machtapparat Kirche ausgesetzt. Da findet kaum ein Gespräch auf Augenhöhe statt. Dies hängt m.E. auch mit der Qualifizierung der Personen zusammen, die „vernehmen“. Ich selbst z.B. konnte keinerlei Struktur in dem Protokollgespräch erkennen.  Sie werden einer Befragung ausgesetzt und den meisten Betroffenen fällt es verständlicherweise schwer, in einer solchen Stress-Situation nicht retraumatisiert zu werden, und im Hier und Jetzt zu bleiben. Das ist besonders heftig, wenn man weiß, dass das Gegenüber keinerlei psychologische Ausbildung hat und gar nicht mitbekommt, dass man teilweise gar nicht mehr über das berichten kann, was man erlebt haben, weil man in dem Moment gar keinen Zugang mehr zu dem Erlebten hat.   Eine reine Schutzfunktion. - Betroffene aus Bistum Trier berichten immer wieder über teils unsägliche Formulierungen und Aussagen von den Ansprechpartnern des Bistums Trier. Beschwerden, die auch das Bistum erreichten, in der Hoffnung, dass man doch bitte sensibler vorgesehen sollte, verlieren sich im Nirgendwo. 

Wenn ich lese, dass Vatican.news vor wenigen Tagen noch lancierte, dass Opfer inzwischen mehr Rechte vor Gericht hätten, dass sich sowohl zivil- als auch strafrechtlich Verjährungsfristen verlängert wurden, dann ist das ein wegweisender Schritt. Allerdings schmückt sich die Kirche hiermit auch mit „fremden Federn“. Es ist ausschließlich auf Reformen der Justiz u.a. auch des Opferentschädigungsgesetz zurückzuführen, dies waren Errungenschaften der Bundesregierung, die Kirche hat gewiss nicht dazu beigetragen.

Fakt ist, Ackermanns desaströser Versuch  "Aufklärungswillen" zu demonstrieren,  hat bereits mit der einseitigen Beendigung des Vertrages mit Herrn Pfeiffer begonnen. Ackermann selbst erklärte dazu, es habe ein „zerrüttetes Vertrauensverhältnis bestanden.“ Pfeiffer dagegen erklärte, die Studie sei "an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert". – Das klingt für mich völlig plausibel und gut vorstellbar. 

Viele von uns Betroffenen hatten und haben weiterhin die Zielsetzung, dass das, was uns geschah, also der sexuelle Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche, wenn möglich keinem anderen Kind widerfahren sollte. Kein Kind auf der Welt sollte unter diese menschenverachtenden und entwürdigende Verbrechen leiden müssen, weder an dem Verbrechen an sich, noch an den Folgeerkrankungen, und erst Recht nicht unter dem Umgang mit Bischof Ackermann. Diese Zielsetzung hatte Priorität. – Und dazu gehört doch erst einmal, dass ich die Priester, die bereits auffällig geworden sind, „aus dem Verkehr ziehe“, und damit meine ich, dass es nicht sein darf, dass genau diese Priester in ein Altersheim, eine Pflegeeinrichtung oder als Seelsorger eingesetzt werden, wo sie doch wieder Kontakt zu Kindern, Jugendlichen und vielleicht auch psychisch kranken Menschen zu tun haben. Vielleicht auch zu missbrauchten Menschen, die das Gespür entwickeln konnten, wer ihnen gegenübersteht. - Geschweige denn, dürfen solche Priester nicht weiterhin in der Öffentlichkeit zelebrieren dürfen. Auch nicht vertretungsweise.  In den letzten 10 Jahren gab es allerdings immer wieder Fälle, in denen genau dies geschah. 

Ich würde gerne von Herrn Ackermann wissen, ob er ausschließen kann, dass wenn ich am Sonntag eine Messe besuche oder eine Krankenhausandacht etc, ob mir da nicht ein Priester gegenübersteht, der bereits auffällig geworden ist und mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurde.

Und dies muss meiner Ansicht nach ausgeschlossen werden. 

Ich würde Bischof Ackermann auch gerne fragen, wie er selbst die Begriffe „Aufklärung“ und „Aufarbeitung“ definieren würde, die er ja seit Jahren immer wieder gebraucht. Ich glaube nicht, dass es da eine einheitliche Definition gibt. Diese müsste aber in einem Austausch gegeben sein, damit auch die Betroffenen überhaupt wissen, was mit den Begrifflichkeiten gemeint ist. 

Natürlich versuche ich auch, Bischof Ackermann zu verstehen, auch seine Motivation, warum er zu bestimmten Zeitpunkten bestimmte Dinge sagt oder tut. Ich würde auch nicht behaupten, dass er es leicht hat. –  Hinzu kommt, dass es offensichtlich ist, dass er manchmal einfach nur enormes Pech bei seinen Formulierungen und seiner Wortwahl zu haben scheint. Aber wer, wenn nicht er, sollte vorher genau überlegen, was er sagt und welche schmerzhaften Gefühle er gegenüber Betroffenen damit auslösen kann? 

Als Bischof Ackermann 2010 von „Aufklärung“ sprach, hatte ich damals noch die Hoffnung, dass auch einzelne Fälle aufgeklärt werden. Dass wir Betroffene endlich Antworten auf die für uns wichtige Frage bekommen würden, wie konnte es soweit kommen? - Waren wir nur unglücklicherweise zur falschen Zeit am falschen Ort? Waren wir die Einzigen? Konnten wir überhaupt noch von Einzelfällen reden? – Oder sollte es tatsächlich ein System sein , welches sich dahinter verbarg? Dieser Frage musste ich z.B. selbst nachgehen. Ohne jegliche Unterstützung des Bistums. Ich war es, die das Leben des Täters recherchierte, ich war es, die den Tatort aufsuchte, die mit Hilfe von Zeugen ein Bild zusammensetzte, wie ein Puzzle. Nur, weil ich verstehen wollte, wie es dazu kommen konnte.  Es gab auch Hinweise in der Akte, dass irgendetwas nicht mit rechten Dingen lief, als es um die Versetzung meines Täters ging. Aber in der Akte, in die ich Einsicht bekam, fehlte genau der Zeitraum, der meinen Tatzeitraum betraf. Natürlich wird man da stutzig. Ackermanns Antwort auf meine Frage, ob die Akte vollständig sei, erhielt ich die Antwort: „Sie wurde mir so vorgelegt“. Aha. Das bedeutete? Nichts! Im Gegenteil: Das Misstrauen wurde verständlicherweise noch größer.

Dennoch komme ich immer wieder zu einem Schluss: Ackermann kann und darf allein schon aufgrund seiner Position her, kein Mitgefühl mit den Opfern aufbringen und ihnen Hilfe anbieten. Das verbietet sich meines Erachtens nach per se. Er ist ein Teil einer mächtigen Institution, bei der es gilt, sowohl die Schergen als auch das eigene Personal zu schützen. Macht, Intrigen, Kumpelei und Erpressung im System nicht ausgeschlossen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Ackermanns elbst einen höheren Posten anstrebt. Vielleicht möchte er sich – was ganz verständlich – ist, profilieren. Wenn ich sehe, welch fragwürdigen Kleriker Macht in Rom eingeräumt wurde, kann ich derzeit nicht ausschließen, dass es auch Ackermann gelingen könnte, eine höhere Position in Rom zu erlangen. 

Ich weiß auch nicht, wie frei und selbstständig man überhaupt noch denken und handeln kann, wenn man die Position eines Bischofs innehat. Selbst das objektive Handeln fällt bei ihm weg. Und wenn da von natura aus keine Empathie vorhanden ist, kein Blick für das, was in einem Menschen vorgeht, frage ich mich, was bleibt da noch an Mitgefühl für die Betroffenen übrig? Ist da überhaupt Platz dafür in einer solchen Machtinstitution? Meiner Ansicht nach: nein. Da ist kein Platz für Anteilnahme und Verständnis-aufbringen.

Die Thematik der Anerkennung der erlittenen Leids („Entschädigungszahlungen“) stellt sich für mich inzwischen als vergoren dar. Ich würde es auf die Liste setzen, was die Kirche innerhalb der letzten 10 Jahre NICHT geschafft hat. Nach einem ersten Schnellschuss (2011) der – so sehe ich es im Rückbklick – die Opfer besänftigen sollte, scheint nun alles auf eine dezentrale Regelung zuzulaufen. Wenn ich sehe, dass Bischof Burger in Freiburg seit Januar diesen Jahres Betroffenen eine „Opferrente“ bis zu 800,00 Euro zugesteht, und das Bistum Trier einer Betroffenen (welche 2011 noch als Härtefall eingestuft wurde) in einer Notsituation nicht einmal übergangsweise 200,00 – 400,00 zugesteht, liegt da noch einiges im Argen. 

Wenn ich auf die letzten 10 Jahre zurückblicke und mich frage, was sich für mich als Betroffene geändert hat? 

Ich bin kränker geworden, nachdem, was in den letzten zehn Jahren geschah. Besonders der Umgang von Bischof Ackermann mit Betroffenen in seinem eigenen Bistum trug dazu bei. Da versucht man, mit Therapien die Wunden von damals, die zu den Symptomen von heute führen, zu heilen und dann wird all das wieder aufgerissen. Völlig unüberdacht. Offensichtlich ist sich Ackermann gar nicht bewusst darüber, was er uns Betroffenen antut. Welches erneutes und weitere Leid er ins uns auslöst. Und was die Glaubwürdigkeit des Bischofs betrifft: Sie kann inzwischen nicht mehr sinken, da sie gar nicht mehr vorhanden ist. 

Was Ackermann in den letzten zehn Jahren auf jeden Fall aufrecht erhalten und uns Betroffenen gegenüber immer wieder verdeutlicht hat: Macht und Ohnmacht. 

Claudia Adams

Bischof Ackermann: "Prozess der Aufarbeitung wird weiterhin zu Aggressionen oder Enttäuschungen führen"





deutschlandfunk.de

Bischof Ackermann kündigt an, dass sexueller Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche aufgearbeitet werden soll (!)



Der Missbrauchsbeauftragte Bischof Ackermann, Bischof von Trier,  
scheint in einer Zeitschleife festzustecken.



Der Trierer Bischof Ackermann hat angekündigt, dass im Frühjahr ein gemeinsames Regelwerk aller Bistümer vorliegen soll, das den sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche aufarbeitet. 

Außerdem gibt er an,  in den nächsten Monaten zu prüfen, wie die Entschädigungszahlungen für Missbrauchsopfer finanziert werden sollen. Ob dafür auch Einnahmen aus der Kirchensteuer verwendet werden sollen, ließ Ackermann im SWR-Interview offen

Deutschland, 09.01.2020

swr.de




Bistum Trier: Derzeit drei kirchenrechtliche Voruntersuchungen gegen Kleriker - zwei davon ruhen wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft

Rund zehn Jahre nach dem Bekanntwerden des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche hat das Bistum Trier 506 000 Euro an Opfer gezahlt. Insgesamt 162 Betroffene hätten sich in den vergangenen Jahren gemeldet, teilte Bistumssprecherin Judith Rupp am Donnerstag mit. Insgesamt seien 105 Anträge "auf materielle Leistung in Anerkennung des erlittenen Leids" bewilligt worden.
Von den Opfern wurden den Angaben zufolge 53 bereits verstorbene und 36 noch lebende Priester beschuldigt

Derzeit liefen drei kirchenrechtliche Voruntersuchungen gegen Kleriker, zwei davon ruhten wegen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Bistum Trier: Prof. Dr. Christian Pfeiffer folgt Einladung von "MissBiT" nach Trier

In Trier hat "MissBiT" den bekannten Kriminologen  Prof. Dr. Christian Pfeiffer eingeladen, dessen Bilanz ebenfalls kritisch ausfällt.  Er stellt dort am Donnerstag sein neues Buch vor. Darin geht es auch um seine gescheiterte Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. 2011 sollte Pfeiffer den Missbrauchsskandal wissenschaftlich aufarbeiten.

Aber die Kirche habe bestimmen wollen, welche Ergebnisse der Studie veröffentlicht werden - und welche nicht. "Die Transparenz war das Problem", sagt Pfeiffer. Seine Forschung hätte die Verantwortlichkeit von Kirchenoberen aufgezeigt. Etwa, welcher Bischof einen auffällig gewordenen Priester weiterbeschäftigt oder versetzt habe. Pfeiffer wirft der katholischen Kirche bis heute "Zensur" vor. Die Bischöfe um Stephan Ackermann weisen das zurück, sprechen von einem "zerrütteten Vertrauensverhältnis".

Pfeiffer geht aber auch auf Fehlentwicklungen ein - angefangen von den Gefahren der Machokultur bis hin zur sexuellen Gewalt durch Priester und den Mangel an Transparenz, den es zu diesem Phänomen über Jahrzehnte hinweg gegeben hat. Pfeiffer zeigt auf, wie die katholische Kirche sich aus diesem Problem nachhaltig befreien könnte.


Die Veranstaltung ist eine Kooperation der Betroffenenorganisation "MissBiT" und der vhs, unterstützt vom Kösl-Verlag.  

Do., 09.01.2020, 19:00 - 21:30 Uhr 
Domfreihof 1b, 54290 Trier


Mittwoch, 1. Januar 2020



"Lass das! Hör auf damit! Ich will das nicht!"


Ich wünsche mir, dass alle Opfer sexuellen Missbrauchs sich
 durch einen Schlag auf die Hand  ihres Täters hätten befreien können. 

Aber wir waren zu klein, um uns zu wehren.
Und hinter uns standen keine Bodyguards.
Auch keine von den 14 Engelein. 
Weder zu unserer linken Seite. Noch zu unserer rechten. 

Nicht einmal Gott konnte den Gewalttaten ein Ende bereiten,
die die Priester in seinem Namen an uns  - mitunter über Jahre hinweg - verübten.

Wir waren ausgeliefert.
Fühlten
Hilflosigkeit
Angst
Todesangst
Wehrlosigkeit
Ekel
Scham
Ohnmacht
Schmerz


In einer Intensität, die man nur fühlen kann, wenn es um das eigene Leben geht.


Wir fühlten genau das, was diese Momentaufnahme 
mit dem schmerzhaft verzerrten Gesicht widerspiegelt.


Allerdings nicht nur für den Bruchteil einer Sekunde.
Sondern ein Leben lang.



Und viele fühlen noch heute - als sei es gestern geschehen. 




PS. Oder wie die katholische Kirche den "Fall" dokumentieren würde:
 Einzelfall. Grenzüberschreitung. Hand on. 


ca.




ganz zu schweigen, von der  ganzen  Geschichte, die sich hinter diesem Bild verbirgt.














Sonntag, 29. Dezember 2019

Im Namen des Herrn

Ich poste diesen Artikel ausnahmsweise an dieser Stelle, damit auch die generationsübergreifenden familiären Tragödien, die sich im Hintergrund eines
 - fast jeden - Betroffenen abspielen, ins Bewusstsein gerufen werden
 und die Gesellschaft sowie der Klerus endlich aufgerüttelt werden.

 Auch, wenn die Leiden der Angehörigen nach außen hin kaum erkennbar sind: Sie sind da.
 Über Generationen hinweg.

Das Maß der Erträglichkeit, der Fassbarkeit, des Begreifens, betrifft auch sie:

Unsere Kinder.
 Unsere Eltern.
Unsere Liebsten.
 Alle, die an unserem Leben teilnehmen. 

Und nein, es handelt sich hierbei nicht um einen Film. Sondern um eine menschliche Tragödie:

Im Namen des Herrn.






Alexandre, ein 19-jähriges Missbrauchsopfer,  ermordet seinen mutmaßlichem Täter, einen katholischen Pfarrer (91). Unter anderem sticht er ihm ein Kruzifix in die Kehle.  Auslöser der Tat: Der 19jährige hatte erfahren, dass der Priester sich nicht nur an ihm, sondern bereits auch an seinem Vater vergangen hatte.  Der Großvater von Alexandre nahm sich das Leben, nachdem er vom Missbrauch seines Sohnes und seines Enkelkindes durch den Priester erfuhr.

Der Geistliche, Roger Matassoli, war bereits zuvor des Missbrauchs an zahlreichen Jungen zwischen den Jahren 1960 und 2000 beschuldigt worden. Mehrere Männer haben sich mittlerweile geoutet. Trotzdem soll der Priester über vier Jahrzehnte von der Kirche gedeckt worden sein. Ein juristisches Verfahren oder eine Aufarbeitung durch die Kirche gab es offenbar nie ....

Alexandre werden übrigens inzwischen Folter, Mord, Widerstand bei der Festnahme und Diebstahl zur Last gelegt.



Vielleicht einfach einmal innehalten und darüber nachdenken - und nicht versuchen, zu urteilen.




welt.de

Freitag, 27. Dezember 2019

Bistum Trier: 89 des sexuellen Missbrauchs beschuldigte Priester, 162 Betroffene und 105 Entschädigungen (Hellfeld seit 2010)

Seit 2010 hat das Bistum Trier 105 Opfer sexuellen Missbrauchs durch Priester entschädigt. Mit Stand September dieses Jahres hätten sich 162 Betroffene gemeldet, teilte das Bistum auf Anfrage mit.

Insgesamt habe das Bistum 506.000 Euro an finanziellen Leistungen für das erlittene Leid ausgezahlt. Die Gelder seien ausschließlich aus Mitteln des Bischöflichen Stuhls geflossen, nicht aus Kirchensteuermitteln.

Bisher 89 beschuldigte Priester

Im Durchschnitt bekamen die Opfer nach Angaben des Bistums rund 5.000 Euro. Seit 2010 hätten die Betroffenen 89 Priester des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, mehr als die Hälfte der mutmaßlichen Täter sei bereits verstorben.

Quelle: swr.de




Hierbei gilt jedoch im Bistum Trier folgendes zu beachten: 

01/1946 - 01/2010          148 des sexuellen Missbrauchs beschuldigte Priester               442 Betroffene
01/2010 - 09/2019            89 des sexuellen Missbrauchs beschuldigte Priester               162 Betroffene



09/2018              75 beschuldigte Priester         140 Betroffene
09/2019              89 beschuldigte Priester         162 Betroffene

Differenz 09/2018 (Veröffentlichung MHG-Studie) - 09/2019: 

                           + 14 beschuldigte Priester      + 22 Betroffene                                 09/2018 -09/2019         



Quelle:  "Die wissenschaftliche bundesweite MHG-Studie brachte Zahlen aus den Bistümern ans Licht. Im Bistum Trier sind demnach in den Personalakten seit 1946 insgesamt 148 Priester wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden. Betroffen waren insgesamt 442 Opfer. Zudem meldeten sich seit 2010 insgesamt 140 Opfer beim Bistum Trier, die 75 Priester beschuldigten. Diese Zahlen flossen nicht in die Studie ein. Das Bistum bewilligte 96 von 104 Anträgen auf Zahlungen wegen erlittenen Leides. Gezahlt wurden 475 500 Euro." (welt.de)


Dies ist eine rein rechnerische Angabe zu den Zahlen, die das Bistum jährlich veröffentlicht.  Das Bistum Trier wies aber bereits schon im September 2018 darauf hin, dass man die Zahlen von vor 2010 und nach 2010 nicht einfach addieren dürfe, da sich einige Einzelfälle überschneiden würden.  Dennoch halte ich diese Größenordnung für relativ realistisch - wobei weiterhin zu beachten gilt, dass es lediglich das "Hellfeld" wiedergibt. / ca

                                             



Montag, 9. Dezember 2019

Bistum Trier / DBK: "Sexual-straffällig" gewordene Priester dürfen weiterhin eingesetzt werden




"Zwar dürfen Kleriker, die Schutzbefohlene missbraucht haben, nicht mehr in den Seelsorgedienst zurückkehren, wenn „dieser Dienst eine Gefahr für Minderjährige oder erwachsene Schutzbefohlene darstellt oder ein Ärgernis hervorruft“. Ein ausnahmsloses Beschäftigungsverbot für sexual-straffällig gewordene Priester nach dem Beispiel der US-Kirche lehnt die Bischofskonferenz aber weiter ab."

kirche-leben.de

Dass die Behauptung "nicht mehr in der Seelsorgedienst, wenn dieser ein Gefahr für Minderjährige oder erwachsene Schutzbefohlene darstellt oder ein Ärgernis hervorruft" in der Praxis nicht durchführbar war,  haben die letzten Jahre bewiesen.  Dies zeigen einige Beispiele aus dem Bistum Trier, von denen öffentlich berichtet bzw. recherchiert wurden:  Ein Priester,  fand sich in einem Kloster wieder. Dort hatte er Kontakt zu kleinen Mädchen, mit denen er "Flötenspielen" übte. Ein weiterer Priester, der in die Klinikseelsorge versetzt wurde, durfte dort den Nikolaus spielen und mehrere Kinder auf den Schoß nehmen.  Ein anderer Priester, der bereits vorbestraft war, durfte als Ersatzpfarrer die Erstkommuninion-Kinder zum Altar führen. Weitere Priester, die mit den Vorwürfen sexuellen Missbrauchs konfrontiert wurden, zelebrierten weiterhin Messen und führten die Sakramente aus (sie tauften, schlossen Ehen und beerdigten - unter anderem auch Angehörige von Betroffenen.)  Die Versetzung von sexuell auffällig gewordenen Priester in Altenheimen und Pflegeeinrichtungen ist besonders verheerend: Hier kann ein Priester, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird, nicht nur weiter Kontakt zu Kindern pflegen, sondern auch bei älteren und behinderten Menschen, die sexuell missbraucht wurden und diese Erfahrungen bis ins hohe Alter in sich tragen, schwerste  Retraumatisierungen hervorrufen.