Freitag, 24. Februar 2012

„Jede Religion ist gut, die beste aber – die dümmste." - "Man schämt sich, ein Mensch zu sein“





In der Vorrede der ersten Auflage des „Pfaffenspiegels“ schrieb Otto von Corvin:„Die Welt ist schon oft mit einem Narrenhause verglichen worden. Der Vergleich ist für uns nicht schmeichelhaft, aber leider ist er passend. Schauen wir uns um! Wo wir hinsehen, finden wir die charakteristischen Kennzeichen eines Tollhauses…Dort erblicken wir hochmütige Narren, die sich für die Herren der Welt halten und steif und fest glauben, Gott habe dieselbe mit allen Menschen nur zu ihrem Privatvergnügen geschaffen; vor ihnen liegen Millionen noch größerer Narren im Staube, die ihnen glauben und demutsvoll gehorchen. Dort sitzt ein anderer und nennt sich Vizegott. Er liebt das Geld wie ein altrömischer Statthalter, und die Menge rennt herbei und füllt ihm die Taschen mit Gold, wofür er ihr Einlasskarten – zum Himmel gibt…Seht euch diese Leute genauer an: Ihr findet unter ihnen Wahnsinnige von allen Graden, vom rasend Tollen bis zum armen Blödsinnigen, der unter Zittern und Zagen seinen Rosenkranz betet und beständig fürchtet, der Teufel möchte ihn holen.  Wie mannigfach sind nicht die Äußerungen ihres Wahnsinns, oft grauenerregend, oft lächerlich, oft Abscheu und Zorn, oft Mitleid erweckend. Diese Religionstollheit verdient eine genauere Betrachtung, denn sie ist über die ganze Erde verbreitet und hat unsägliches Elend über die Menschen gebracht.Papst Alexander VI. sagte: “Jede Religion ist gut, die beste aber – die dümmste“. Er sprach aus, was alle Päpste vor und nach ihm dachten. „Rom kann nur herrschen, wenn die Welt dumm ist“ stand als unumstößlicher Grundsatz in ihrer Seele geschrieben, und deshalb schickten sie ihre Apostel aus, welche die Menschheit systematisch verdummen mussten…“Man schämt sich, ein Mensch zu sein, wenn man überdenkt, durch welche Mittel es den Päpsten gelang, die Geister der Menschen in ein Joch zu schmieden. Der grobe Betrug, der nichtwürdigste Eigennutz lagen so klar und offen da, dass es fast unbegreiflich erscheint, wie sie nicht auf der Stelle und selbst von dem Dümmsten erkannt wurden, besonders da die Pfaffen sich nicht einmal große Mühe gaben, ihr Tun und Treiben zu verbergen.Von allen Seiten erhoben sich zwar Stimmen gegen das tolle Pfaffenwesen; sie wurden in Flammen erstickt, und bornierte Fürsten halfen getreulich, die Ketzer zu vertilgen. Aber jeder vergossene Blutstropfen schien dem Pfaffentum einen neuen Feind zu gebären und nun begann der Kampf Roms mit der Vernunft, welche es schon längst erstickt zu haben meinte.“
„Alte und bereits beiseite gestellte Dogmen und Reliquien wurden aus der römischen Rumpelkammer wieder vorgesucht, und mit mitleidsvollen sah der Genius des neunzehnten Jahrhunderts die gläubige Herde zu Hunderttausenden nach Trier wallfahrten.“
In der Vorrede der zweiten Auflage des „Pfaffenspiegels“ schrieb Otto von Corvin:„Der sich mündig fühlende Geist der Menschheit empörte sich gegen die ihm von dem Despotismus vergangener Jahrhunderte aufgezwängten Formen, und die Regierungen wandten die schon oft erprobten Mittel an, ihn zu Unterwürfigkeit zu bringen. Die Zensur übte ihr Mat mit bornierter Strenge, Zeitungen wurden widerrechtlich unterdrückt und Schriftstelle gemaßregelt und eingesperrt. Die Kirche blieb nicht zurück: Die alten und bereits beiseite gestellten Dogmen und Reliquien wurden aus der römischen Rumpelkammer wieder vorgesucht, und mit mitleidsvollem Zorn sah der Genius des neunzehnten Jahrhunderts die gläubige Herde zu Hunderttausenden nach Trier wallfahrten, einen von dem dortigen Bischof ausgestellten, angeblichen Rock Christi anzubeten.Die Rockfahrt nach Trier empörte selbst die gebildete katholische Welt…Ich hatte die Schriften der „Kirchenväter“ und die der geachtetsten Kirchenschriftensteller zu lesen, und je mehr ich las und forschte, desto mehr wurde mir die Nichtswürdigkeit des entsetzlichen Verbrechens klar, welches die römische Kirche an der Menschheit verübt hatte, desto mehr erstaunte ich über die unerhörte Dreistigkeit und Perfidie, mit welcher es begangen wurde und noch immer begangen wird. Ich sah immer mehr ein, dass die Knechtschaft, unter welcher das Menschengeschlecht seufzt, in der Kirche wurzelte und dass all unsere Bestrebungen zur Freiheit ohnmächtig sein würden, wenn wir uns nicht zuerst von den Fesseln befreiten, in welche die Kirche den Geist der Menschen geschlagen hatte…Der religiösem Glauben entspringende Fanatismus zeigte sich überall als der entsetzlichste Feind der Freiheit, und um ihn zu bekämpfen und zu vernichten, schien es mir nötig, dem Volke nicht allein die grässlichen Folgen des Fanatismus durch historische Beispiele vorzuführen, sondern auch zeitgleich  die trüben Quellen des Glaubens selbst nachzuweisen, dessen Folge er ist.  Da nun dieser Glaube auf angeblichen Tatsachen beruht, an deren Wahrheit das Volk deshalb nicht zweifelt, selbst wenn sie der Erfahrung und der Vernunft widersprechen, weil sie von Priestern erzählt werden, an deren größeren Verstand, Wahrheitsliebe, Uneigennützigkeit und sittlichen Charakter das Volk glaubt: so habe ich zur Bekämpfung dieses Autoritätenglaubens ebenfalls für nötig gehalten, die Natur dieser Autoritäten, das heißt der Päpste und Priester, historisch zu beleuchten und nachzuweisen, dass das gläubige Volk in dieser Hinsicht von durchaus falschen Voraussetzungen ausgeht.Wer mich Lügen beschuldigt, der mag offen auftreten; ich will ihm beweisen, das, was er als Lüge bezeichnet, den Schriften eines verehrten Heiligen, Bischofs oder Prälaten wörtlich entnommen ist.Die römische Kirche ist kein Freund der Menschheit, dessen Schwächen und Gebrechen aufzudecken und zu verhöhnen mit Schande bringen könnte. Torheit und Schwäche wäre es, im offenen und ehrlichen Kampfe mit dem Todfeinde dieser Freiheit die Blößen nicht zu benutzen, die er bietet: ich stoße hinein mit aller Kraft, und wenn ich kann, nach dem Herzen.
Das Buch ist nicht für die Gelehrten, auch nicht für den Salon bestimmt, es ist für das Volk geschrieben, und damit dasselbe es lese, ist es geschrieben, wie es geschrieben ist. Sind darin vorkommende Tatsachen und Worte nicht immer anständig, dann halte man sich deshalb an diejenigen Heiligen, Päpste oder Priester, welche solche unanständigen Handlungen begingen oder unanständige Worte gebrauchten.Unsere Aufgabe ist es, die errungenen Vorteile zu benützen, und der zweckmäßigste Weg dazu, das Wissen unter dem Volke zu verbreiten und vor allem danach zu streben, den Pfaffen mit und ohne Tonsur die Erziehung der Jugend aus den Händen zu winden.“Oktober 1868
„Die in früheren Zeiten innerhalb der römischen Kirche, namentlich in den Klöstern, verübten Ruchlosigkeiten und himmelschreienden Verbrechen gehörten keineswegs allein barbarischen Zeitaltern an, sondern sind eine natürliche Folge des in der römisch katholischen Kirche herrschenden unwandelbaren Prinzips und kommen heute noch ebenso vor wie vor tausend Jahren.“
In der Vorrede der dritten Auflage des „Pfaffenspiegels“ schrieb Otto von Corvin: „Ich war freilich vollständig davon überzeugt, dass mein Pfaffenspiegel ein zeitgemäßes Buch sei; allein dennoch überraschte es mich sehr angenehm, dass bereits nah einigen Wochen eine dritte Auflage nötig wurde, welche hoffentlich nicht die letzte sein wird.Ein günstiges Geschick unterstützte die in dem Buche vertretene gute Sache dadurch, dass es gerade um die Zeit seines Erscheinens Dinge an das Tageslicht brachte, welche die in demselben aufgeführten Behauptung bewahrheiteten, dass die in früheren Zeiten innerhalb der römischen Kirche, namentlich in den Klöstern, verübten Rauchlosigkeiten und himmelschreienden Verbrechen keineswegs allein barbarischen Zeitaltern angehörten, sondern dass sie eine natürliche Folge des in der römischen Kirche herrschenden, unwandelbaren Prinzips sind und heute noch ebenso vorkommen wie vor tausend Jahren, nur in vielleicht noch schrecklicher und mehr raffinierter Nutzwürdigkeit.Als die römische Kirche noch über Kaiser, Könige und Volk unumschränkt gebot, hielten es die Pfaffen kaum für der Mühe wert, ihre Gewalttätigkeiten zu verbergen, da die Kirche selten den Willen und das weltliche Gesetz nicht die Macht hatte, die unter dem Deckmantel der Religion verübten Scheußlichkeiten zu verhindern oder zu bestrafen. Das hat sich indessen seit der Reformation und den aus derselben sich entwickelnden Revolutionen geändert. Selbst solche Kaiser und Könige, welche noch sehr geneigt wären, die römische Kirche gewähren zu lassen, weil die durch dieselbe geförderte Verdummung der Despotie günstig ist, sind von der öffentlichen Meinung, welche durch den Arm des Volkes manchmal Throne zertrümmert und Kronen – samt den Köpfen – herunterschlägt, gezwungen worden, ihrer unumschränkten Gewalt feierlich zu entsagen und ihre despotischen Gelüste hinter sogenannten Konstitutionen zu verbergen, über welche sie lachen mögen, die aber das Volk sicher zu Wahrheit machen wird, wenn es sich erst von der geistigen Knechtschaft der Kirche befreit und damit unehrlichen Fürsten alle Hoffnung auf die Rückkehr zu alten despotischen Herrlichkeit abgeschnitten hat.“ August 1869

„Wie die Kirche erscheint, wenn sie von dem sie verhüllenden Plunder der Lüge und Falschheit befreit ist“
In der Vorrede der vierten Auflage des „Pfaffenspiegels“ schrieb Otto von Corvin: „Die Notwendigkeit einer vierten Auflage des „Pfaffenspiegels“ in so kurzer Zeit ist der beste praktische Beweis, dass dies Buch den Zweck erfüllt, den ich mir vorsetzte, als ich es schrieb…Für die gebildeten Klassen der Gesellschaft ist überall die Macht des Papstes, sofern sie ihren Glauben betrifft, ein toter Buchstabe; allein diese Macht hat noch immer eine fühlbare praktische Bedeutung, solange das Fundament einigermaßen zusammenhält, auf  dem sie erbaut wurde, das ist die Dummheit des Volkes – oder um es milder auszudrücken, der „blinde Glaube“ des Volkes an ihre Berechtigung.Der offene Zweck dieses Buches ist es, auf offene und ehrliche Weise dieses Fundament zu stürzen, indem auf authentischem, historischen Weg nachgewiesen wird, dass dieser Glaube, den die römische Kirche als erste Bedingung verlangt, auf handgreiflichen Lügen und Fälschungen beruht, die von bewussten und unbewussten Betrügern dem vertrauenden Volke als Wahrheit und Tatsachen aufgetischt wurden, und dass eigennützige Pfaffen diesen „frommen Glauben“ des Volkes stets zu ihrem eigenen Nutzen und zum Schaden der Menschheit ausbeuteten.
Ich halte es für ein verdienstliches Werk, zur Beschleunigung dieses Umsturzes nach Kräften beizutragen, indem ich dem gläubig vertrauenden Volke die Gestalt der römischen Kirche zeige, wie sie erscheint, wenn sie von dem sie verhüllenden Plunder der Lüge und Falschheit befreit ist.London, im Frühjahr 1870In der Vorrede der fünften Auflage des „Pfaffenspiegels“ schrieb Otto von Corvin:
„Der Erfolg hat bewiesen, dass ich, was die „Historischen Denkmale usw.“ betrifft, das Richtige getroffen habe.
Juli 1885

Quelle: "Pfaffenspiegel, Otto von Corvin, 43. revidierte Originalausgabe (Rudolstädter Ausgabe)