Sonntag, 30. März 2014

Verwirrung um neue Missbrauchsstudie





Quelle: "katholisch.de, (24.01.2014)



Prof. Dr. Lüdecke: "So, wie das jetzt aussieht, dass es eine Art „Verlegenheitslösung“ ist, weil man an relevantes Material – weil es vernichtet ist, oder weil es weiterhin nicht rausgegeben ist – gar nicht rankommt, ist es von vorneherein mit einem Makel behaftet.

Man muss das nüchtern sehen: Bischof Ackermann hat in der Pressekonferenz von „Wahrheit aufdecken“ und „Transparenz“ gesprochen. Und da hat er auch gesagt, „die Forscher kriegen alles, was wir haben“. – Das geht aber kirchenrechtlich gar nicht."

Prof. Dr. Lüdecke über entscheidende Fragen und das Kernproblem der neuen Missbrauchsstudie

„Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz“ - Das ist der Titel des neuen Forschungsprojekts, das am Montag vorgestellt wurde. Ein Forschungskonsortium von sieben Professoren soll dazu in den nächsten drei Jahren entscheidendes herausfinden. Ein erstes Projekt dieser Art sollte der Hannoveraner Kriminologe Dr. Christian Pfeiffer vor drei Jahren starten: Er hatte sich aber letztes Jahr im Streit mit der Bischofskonferenz getrennt. Verbunden bin ich jetzt mit dem katholischen Kirchenrechtler Norbert Lüdecke von der Universität Bonn. Herr Lüdecke, dass Pfeiffer die Forschung in den Kirchenarchiven aufgegeben hat, das hing mit bestimmten kirchenrechtlichen Regelungen zusammen. Worum ging es da?"

Prof. Dr. Lüdecke:  "Also, es kam mehreres zusammen, dass das Projekt gescheitert ist. Ein Hauptgrund war dafür, dass Pfeiffer zugesichert worden war, dass er alle erreichbaren Quellen bekommt. Er hat das verstanden, in dem Sinne, dass er das, was es tatsächlich gibt, einsehen und bearbeiten kann. Die Bischöfe hatten aber von vornherein gemeint, was „rechtlich“ erreichbar ist. Und da gehört - nun ganz entscheidend – ihr Geheimarchiv nicht dazu! 

Das Problem: die entscheidenden Materialien müssen aber im Geheimarchiv sein – nämlich alle Verfahren über Sittlichkeitsdelikte. Alles, was es da vor 2000 gibt, muss dort sein, soweit es nicht zehn Jahre nach einem Urteil oder nach dem Tod des Täters vernichtet worden ist, auftragsgemäß. Nach 2000 ist es auch da nicht mehr, sondern in Rom."

Moderator: "Nun startet dieses neue Projekt sozusagen mit einer neuen Aufgabenstellung: Man will nicht mehr der Länge nach die Archive durchforsten, aus diesen Gründen, die Sie eben geschildert haben, sondern, man setzt auf eine qualitative Untersuchung, also ausführliche Interviews mit Opfern und Tätern. Ist das also der bessere Weg?"

Prof. Dr. Lüdecke: "Also, zunächst einmal: Eine solche „qualitative“ Untersuchung in Bezug auf die Täter, kann, wenn sie gut gemacht ist, eine sinnvolle Ergänzung zu tragfähigen „quantitativen Erhebungen“ sein. So, wie das jetzt aussieht, dass es eine Art „Verlegenheitslösung“ ist, weil man an relevantes Material – weil es vernichtet ist, oder weil es weiterhin nicht rausgegeben ist – gar nicht rankommt, ist es von vorneherein mit einem Makel behaftet.

Man muss das nüchtern sehen: Bischof Ackermann hat in der Pressekonferenz von „Wahrheit aufdecken“ und „Transparenz“ gesprochen. Und da hat er auch gesagt, „die Forscher kriegen alles, was wir haben“. – Das geht aber kirchenrechtlich gar nicht. Hat er jetzt gelogen? 

Nein, hat er nicht. Aber man muss sich in Sachen Kirche doch schon ziemlich auskennen, um zu bemerken, dass er das Wort „Archiv“ ja überhaupt nicht in den Mund genommen hat. Er hat nur von Personalakten gesprochen, aus denen ausgesuchte Leute ausgesuchte Stellen den Forschern zur Verfügung stellen."

Moderator: "Sie sagen, da muss man sich schon gut auskennen in der Kirche. Jetzt ist es ja so, die Forscher, die sich jetzt um dieses Forschungsprojekt beworben haben und den Zuschlag bekommen haben, haben bisher eigentlich nicht im Bereich der Kirche geforscht. Wie ist das denn, muss man den Laden kennen, um kirchenspezifische Muster auch von Missbrauch und Vertuschung zu erkennen oder ist es vielleicht anders herum gerade besser, wenn man keinen „Stallgeruch“ mitbringt?"

Prof. Dr. Lüdecke: "Man muss zunächst einmal sagen, da ist schon ein Team von Spitzenforscherinnen und Spitzenforschern auf ihrem Gebiet, ihrem Fachgebiet, zusammengekommen. 

Was ich aber in der Tat erstaunlich finde, ist zum einen, dass keiner der beteiligten Forscher dokumentierte Forschungsvorerfahrungen auf dem Gebiet des sexuellen Missbrauchs hat, und was ich noch erstaunlicher finde: erklärtermaßen überhaupt keine Vorerfahrung in Sachen Kirche. 

Und da habe ich große Bedenken, denn da bin ich überzeugt, dass man ein System, denn es soll ja auch um Systemvergleich gehen, nicht vergleichen kann, weil man es gar nicht kennt. – Damit habe ich wirklich ein Problem."

Moderator: "Nun hat Bischof Ackermann in der Vorstellung des Projekts gesagt, man wolle über diese Interviews mit Tätern und Opfern eine „vertiefte Einsicht über das Vorgehen der Täter“ erhalten und über das „Verhalten von Kirchenverantwortlichen in den zurückliegenden Jahrzehnten“. – Wer ist denn für die männlichen Kleriker und Ordensangehörigen, wie es im Projekttitel heißt, wer ist denn für die verantwortlich?"

Prof. Dr. Lüdecke: "Das ist nun die wirklich entscheidende Frage, die mir bei der Studie auch mit der Konzentration auf die Täter und Opfer etwas in den Hintergrund rückt, obwohl sie sich auch damit beschäftigen will. Ich erinnere mich an ein Interview mit Erzbischof Marx im Fernsehmagazin „Panorama“. Dort wurde er gefragt, Bischof Ackermann hätte doch von Vertuschung gesprochen und wie man denn mit Vertuschern in den eigenen Bischofsreihen umgehen würde. Erzbischof Marx, damals nur Erzbischof, hat damals nicht geantwortet und ist ausgewichen. Dann hat die Reporterin aber noch einmal nachgehakt und hat gesagt, hat gefragt: „Was hat das denn für Folgen für solch einen Bischof?“ – Und dann war der Erzbischof sichtlich verstört und hat gesagt: „Keine. Ich verstehe die Frage gar nicht.“

Und das ist das Kernproblem. Die Schwierigkeit, überhaupt die Verantwortlichkeit seitens der Hierarchen zu erkennen, geschweige denn, spürbare Konsequenzen dafür zu übernehmen. Und dazu passt nun leider – schon fast entlarvend – die Formulierung von Bischof Ackermann, wenn er davon spricht, dass es auch um Kirchenverantwortliche gehen soll. Entschuldigung – wer sind denn Kirchenverantwortliche?

Es gibt in jedem Bistum nur einen einzigen Hauptorganisationsverantwortlichen: Der ist männlich und Bischof. Der Bischof ist in seinem Bistum einziger Gesetzgeber, Richter und Verwalter:  Alles in einer Person.  
Er ist verantwortlich für die Priesterausbildung, er entscheidet, wen er weiht. Er ist verantwortlich – und zwar, alleine verantwortlich – dafür, dass die Priester ihre Standespflichten erfüllen und ihren Dienst ordnungsgemäß absolvieren. Er hat die seelsorgerischen Einrichtungen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu visitieren und korrigierende Maßnahmen zu ergreifen. 

Also, es kann doch nicht sein, dass man „Voll-Macht“ beansprucht, aber bei der Verantwortlichkeit dann großzügig zu teilen bereit ist."

Moderator: Herzlichen Dank an Dr. Lüdecke, Kirchenrechtler der Universität Bonn

(Transkript, ca)

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester - Ein Statement aus kirchenrechtlicher Sicht*


Prof. Dr. Norbert Lüdecke


Unbestritten gibt es sexuellen Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche auch durch nicht geweihte Männer und Frauen. Ebenso unbestritten aber verleiht der besondere Status von Priestern ihren Missbrauchsverbrechen eine besondere Qualität. Die thematische Beschränkung auf sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester soll fokussieren, nicht das Problem isolieren.Vier Punkte sind dabei in den Blick zu nehmen: Die Situation. Das System. Das Vorgehen. Die Bischöfe.


(Auszug:)

Das Muster 

Journalisten und Anwälte18, nicht die Kirche, brachten ein schockierendes Muster ans Tageslicht: Bischöfe hatten die von Jesus angekündigten Wölfe im Schafspelz erwartet. Sie  kamen aber in  Hirtenkleidern. Als sie erkannt wurden, vertrieben die Bischöfe sie nicht. Sie  schützten die Wölfe und verschafften ihnen Zugang zu neuen Weiden – manchmal auf Anraten von (allerdings zum Teil nur angeblichen) Spezialisten, manchmal aber auch gegen deren Warnungen. Berichtet wird, wie Bischöfe entweder selbst Täter waren oder sich den Opfern gegenüber arrogant, gefühllos, taub verhielten, wie sie leugneten, verharmlosten und selbst vor Gericht logen. Statt bei der Aufklärung zu helfen, be- und verhinderten sie diese.  Zu selten dokumentierten sie. Wo sie es doch taten, verschlossen sie das Material meist  klagesicher im bischöflichen Geheimarchiv und überlegten, es gegen staatliche Zugriffe auf immunes Nuntiaturterrain zu bringen. Vor Gericht taktierten sie, um nicht oder wenig entschädigen zu müssen, inzwischen nicht mehr im Gefolge ihrer Psychologen, sondern ihrer Anwälte. Immer wieder zeigte sich: Weit überwiegend änderten die Bischöfe ihr Verhalten erst unter äußerem und nicht zuletzt finanziellem Druck, seit in mehreren Wellen Diözesen und Bischöfe verklagt wurden.

Kirchenkrise auf deutsch 

Und die deutschen Bischöfe? Sie handelten erkennbar erst nach mindestens einem Jahrzehnt Strafverfolgung sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Priester aus der Zuständigkeit der Bischöfe neu geordnet hatte. Im September 2002 verabschiedeten die deutschen Bischöfe unverbindliche Leitlinien „Zum Vorgehen bei sexuellem Missbrauch Minderjähriger durch Geistliche im Bereich der deutschen  Bischofskonferenz“. Für Kritik daran blieben sie unempfänglich, obwohl es weiter stürmte und stürmt. Im Januar 2010 veröffentlichte der Jesuitenpater Klaus Mertes (erstmals für eine katholische Institution) einen Missbrauchsfall. Durch die anschließenden journalistischen Recherchen fassten auch in Deutschland mehr Opfer Mut. Der öffentliche Wunsch nach Aufklärung wurde immer drängender. Die Bischöfe reagierten auch jetzt nur zögerlich.  Der Blick auf die Situation zeigt: Es ging nie um ein amerikanisches Problem, nicht um eines englischsprachiger Länder, nicht um ein Problem von Orden oder Schulen, sondern um eine Glaubwürdigkeitskrise der Kirche. Verursacht sehen viele diese Krise nicht durch die Medien oder durch Kirchenfeinde, nicht nur durch die Verbrechen der Priester, sondern vor allem durch das Versagen der Bischöfe im Umgang damit.

das ganze Statement auf "zerg.uni-bonn.de" lesen

*Erweiterte und um Belege ergänzte Fassung eines Kurzvortrags beim „Podium: Sexueller Missbrauch von Kindern in pädagogischen Einrichtungen. Informationen aus der Wissenschaft“, das am 7. Mai 2010 vom
„Zentrum für Religion und Gesellschaft“ (ZERG) der Universität Bonn veranstaltet wurde. Der Vortragsstil
wurde beibehalten. 

Samstag, 29. März 2014

katastrophale "Prävention" auf katholisch: Wie ein Bistum Ehrenamtliche vermeintlich über das Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder aufklärt

Wie viel Nähe ist vertretbar? Was ist zu tun, wenn sexuelle Gewalt gegen Kinder auffällt? Mit Präventionskursen will das Bistum Hildesheim Mitarbeiter für das Thema sensibilisieren. Deutlich wird dabei die Verunsicherung vieler Betreuer.

Die katholische Kirchengemeinde St. Michael im niedersächsischen Munster. Im Gemeindesaal sitzen 20 Ehrenamtliche, aufgeteilt in kleine Gruppen. Sie sollen im Gespräch herausfinden, in welchen Alltagssituationen sexuelle Übergriffe auf Kinder passieren könnten. 

Ist die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ein neuer Skandal?

Nun zeigt die katholische Kirche gerade wieder einmal im Kontext ihrer Missbrauchsskandale, dass diese noch lange nicht vorbei sind, denn die Art, wie man auch weiterhin damit umgeht, ist gleich schon wieder einer neuer Skandal, der auch wieder dunkle Schatten auf Papst Franziskus wirft. Grundlegend sind die Probleme die zum Scheitern der letzten Aufarbeitung geführt haben noch immer nicht gelöst, dies bedeutet, dass man auch diesmal mit schwerwiegenden Problemen rechnen muss und man damit durchaus von einem Vorsatz sprechen kann. 

Italien: Kirche wegen neuer Missbrauchs-Leitlinien in der Kritik

Die katholische Kirche in Italien steht wegen ihrer neuen Missbrauchs-Leitlinien in der Kritik. Angesichts der öffentlichen Empörung betonte die nationale Bischofskonferenz, die Leitlinien entsprächen dem italienischen Recht.

Die Kritik richtet sich vor allem dagegen, dass die Bischöfe nicht verpflichtet werden, Verdachtsfälle von Kindesmissbrauch der Polizei zu melden. In den am Freitag vorgelegten Leitlinien ist lediglich von einer "moralischen Pflicht" die Rede, die Verletzlichen zu schützen und "zum Gemeinwohl beizutragen".

Die Leitlinien stießen vor allem unter Opfervertretern übel auf. Ihnen zufolge offenbaren sie "den Widerspruch zwischen dem, was Vatikan-Verantwortliche zu Missbrauch sagen und dem, was sie tun".


Italienische Bischöfe haben beschlossen, sich nicht dem Diktat der UN-Kommission beugen: "Pädophile anzeigen? - Dazu sehen wir uns nicht verpflichtet"

"Denunciare i pedofili non è un obbligo": I vescovi non devono avvisare le autorità in caso di preti che abusano.



Aufklärungswille auf italienisch: "Neu ist jedoch ein Einschub zur Meldung von Verdachtsfällen an die staatliche Justiz: Demzufolge muss ein Bischof mutmaßlich übergriffige Kleriker nicht der Polizei melden, hat "jedoch die moralische Pflicht, zum Gemeinwohl beizutragen"."

den vollständigen Artikel auf "kathweb.at" lesen

"Es waren, wie andere angemerkt haben, wirklich zwei Skandale: der sexuelle Missbrauch selbst und dann die Vertuschung einiger Bischöfe."


Dr. Adam AJ DeVille 


Falsche Vorstellung von "Kollegialität":  Es waren, wie andere angemerkt haben, wirklich zwei Skandale: der sexuelle Missbrauch selbst und dann die Vertuschung von einigen Bischöfen. Es war, mit anderen Worten, ein Mangel an Verantwortlichkeit der Bischöfe selbst (...).  So scheint es, dass in diesen Fällen der Weg der Kollegialität nun endlich dem Weg der bischöflichen Verantwortung weichen muss, wenn es um sexuellen Missbrauch geht. 

Wenn es den örtlichen Bischofskonferenzen nicht gelingt,  synodale Behörden zu disziplinieren und und die verbrecherichen Bischöfe abzusetzen, dann muss es eben der Bischof von Rom tun.

Sollte die neu geschaffene Kommission von Papst Franziskus erfolgreich sein und die Kirche diesen Skandal ein für alle mal hinter sich lassen wollen, dann sollte sie endlich mit den Entlassungen beginnen. - Nichts weniger als dies wird ausreichend sein, um das erschütterte Vertrauen und die Glaubwüdigkeit der Bischöfe - aber auch der Kirche wieder wiederherzustellen. 

den vollständigen Artikel auf "catholicworldreport.com" lesen


Dr. Adam AJ DeVille ist Professor und Vorsitzender der Abteilung für Theologie-Philosophie, Universität von Saint Francis (Fort Wayne, IN) und Autor der Orthodoxie und der römischen Papsttum (University of Notre Dame, 2011).

Freitag, 28. März 2014

Bistum Trier: "Sex gegen Geld: Priester muss 6000 Euro Strafe zahlen"

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken hat das Verfahren gegen einen ehemaligen katholischen Priester wegen sexuellen Missbrauchs unter Auflagen eingestellt. Der Geistliche war angezeigt worden, weil er einem 15-Jährigen Geld für sexuelle Handlungen angeboten hatte.

"Der Junge hatte das Geld genommen und war weggerannt", sagte Erik Schweitzer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Saarbrücken. Zu Sex sei es nicht gekommen. Der Priester habe nun ein Geständnis abgelegt, sagte Schweitzer. Die Auflage: Er muss in Raten von jeweils 1000 Euro monatlich eine Geldbuße von insgesamt 6000 Euro zahlen. Ob er das Geld an die Staatskasse oder eine gemeinnützige Einrichtung zahlen muss, konnte am Donnerstag weder bei der Staatsanwaltschaft noch beim Bistum Trier in Erfahrung gebracht werden.







Donnerstag, 27. März 2014

Bistum Trier: "Der Geistliche, der strafrechtlich zuvor nicht in Erscheinung getreten sei, habe die Auflage akzeptiert; er gilt nun nicht als vorbestraft."

Lebach. Ein ehemaliger katholischer Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Lebach, der einem Jungen Geld für Sex geboten haben soll, muss deswegen 6000 Euro zahlen.

Dafür stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen den 67-Jährigen, der nach den Vorwürfen vom Bistum Trier beurlaubt worden war, ein. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte gestern, der Jugendliche (15) habe das Geld zwar angenommen, zu den verabredeten sexuellen Handlungen sei es aber nicht gekommen.

Der Geistliche, der strafrechtlich zuvor nicht in Erscheinung getreten sei, habe die Auflage akzeptiert; er gilt nun nicht als vorbestraft.

Quelle: "sol.de"

Bistum Trier: Lebacher Pfarrer bleibt beurlaubt



Quelle: "sr-online.de"

Mittwoch, 26. März 2014

Bistum Trier: Verfahren gegen Lebacher Priester wegen sexuellen Missbrauchs unter Auflagen eingestellt



Quelle: "sr-online.de"

Wir sind Kirche: "Kann ein von der Bischofskonferenz initiiertes und finanziertes Projekt überhaupt in der Lage sein, grundlegende Ursachen herauszufiltern, die sich aus der hierarchischen und zölibatären Struktur der katholischen Kirche ergeben?"

Die Kirchenvolksbewegung Wir sind Kirche begrüßte, dass das Forschungsprojekt interdisziplinär und auf Aspekte wie Täterstrategien, Opferleben sowie institutionelle Aspekte angelegt ist. Sie hegt aber Zweifel, ob ein von der Bischofskonferenz initiiertes und finanziertes Projekt überhaupt in der Lage sein kann, "grundlegende Ursachen herauszufiltern, die sich aus der hierarchischen und zölibatären Struktur der römisch-katholischen Kirche ergeben".

Montag, 24. März 2014

Kritik an geplanter Datenerhebung der katholischen Kirche

Kritik an der jetzt geplanten Datenerhebung kommt von Opferverbänden. In der Untersuchungsanlage sei nur von Bistumsakten die Rede, erklärt der Verband der institutionellen Missbrauchsopfer. Ordensakten würden ausdrücklich nicht genannt und könnten nur mit Zugangserlaubnis der Orden eingesehen werden. Dies führe zu einer Untersuchungslücke. (dpa)

Die Initiative «Eckiger Tisch» bemängelt, dass es in der einjährigen Vorbereitungszeit des Projektes keinen Versuch der Kirche gegeben habe, auf die Betroffenen zuzugehen. Der Verband fordert die Einsetzung einer unabhängigen Kommission durch das Parlament, die das Kapitel sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen in Familien, Heimen und Institutionen aufarbeiten solle.

den vollständigen Artikel auf "nordkurier.de" lesen

"Fragen bleiben auch heute"

Für keinen anderen Skandal in ihrer Kirche schämen sich die deutschen Katholiken so sehr fremd wie für den Missbrauchsskandal. Dass katholische Priester sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben, überstieg die Vorstellungskraft. Der massenhafte Missbrauch durch Männer, die besonderes Vertrauen 
genossen, dieses Vertrauen dann aber ausnutzten und damit unermesslichen Schaden an Kinderseelen anrichteten, zerstörte auch das Vertrauen derer, die bis dahin treu zu ihrer Kirche standen. Erst neulich zweifelten die Vereinten Nationen den Willen zur Aufklärung an.

Fragen bleiben auch heute: Warum haben die Bischöfe nicht mit den Betroffenen gesprochen, bevor jetzt der neue Forschungsauftrag vergeben wurde? Warum gehen die Oberhirten nicht auf die Opfer zu, binden sie ein? Immer wieder muss sich die Kirche den Vorwurf gefallen lassen, dass ihr der Dialog so schwerfiele. Bis heute warten die Missbrauchsopfer auf eine Entschuldigung.

Prof. Dr. Pfeiffer: "Niemand kann die Kirche zwingen, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen."

Die Vereinten Nationen forderten den Vatikan unlängst auf, den Kindesmissbrauch durch Geistliche gründlich zu untersuchen. Der Kriminologe Christian Pfeiffer scheiterte damit in Deutschland. Warum? Das DW-Interview.

Hat die Katholische Kirche das Thema ausreichend bis heute aufgearbeitet?

"Die Kirche hatte die löbliche Absicht, das zu tun. Das mit uns angelegte Forschungsprojekt sollte sämtliche Fälle des Missbrauchs von 1945 bis zur Gegenwart analysieren. Aber dann mussten wir selber bald feststellen, dass dem dadurch schon Grenzen gesetzt waren, dass in vielen Fällen die Akten gar nicht mehr die unzerstörten ursprünglichen Inhalte hatten. Da war viel vernichtet worden und es gab leider keine Transparenz, in welchem Ausmaß uns denn überhaupt noch Akten für die Forschung zur Verfügung stehen werden, die eine lückenlose Aufklärung ermöglichen. Als wir das dann angemahnt haben, kam die Kündigung."

sexueller Missbrauch in der katholischen Kirche: Zweiter Anlauf, neue Enttäuschung

Aufklärung, jetzt aber richtig? Die katholische Kirche hat mit langem Vorlauf eine neue Expertengruppe zusammengestellt, die Missbrauchsfälle in 27 deutschen Bistürmern aufarbeiten soll. Die Opfer sind trotzdem alles andere als erleichtert.

"Die Opfer sind die eigentlichen Experten", sagt Professor Harald Dreßing. Deshalb sollten ihre Geschichten gehört werden. Deshalb sollten sie im Beirat mitarbeiten, bei der Entwicklung der Forschungsinstrumente und erst recht später bei der Interpretation dessen, was in der katholischen Kirche geschah: warum Kinder und Jugendliche Opfer von sexueller Gewalt wurden, warum die Täter geschützt, warum Priester und Ordensleute zu Tätern wurden und was die Taten bis heute für die Opfer bedeuten.

Nur: Die Betroffenen, die im Mittelpunkt stehen sollen, sitzen an diesem Montag nicht vorn auf dem Podium in Bonn. Sie sind sauer und enttäuscht: "Ein Jahr hat es gedauert, bis nun ein Forscherteam vorgestellt wird - mit uns hat in dieser Zeit niemand den Kontakt gesucht", sagt Matthias Katsch von der Betroffenen-Vereinigung Eckiger Tisch. Es holpert auch beim zweiten Anlauf der katholischen Bischöfe, die Missbrauchsfälle in den 27 deutschen Bistümern wissenschaftlich aufzuarbeiten.

den vollständigen Artikel auf "sueddeutsche.de" lesen
Bildquelle: domradio.de
Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. h. c. Dipl. Psych. Andreas Kruse, 
Leiter des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg


"Es wurde eben schon gesagt, dass sich die Interviews zum einen auf die Opfer erstrecken und zum anderen auf die Täter. Beide Gruppen sollen ausführlich in den Interviews analysiert werden. Es ist ja schon gesagt worden, dass uns die Opfer-Täter-Interaktion und eben die Opfer-Täter-Institution-Interaktion besonders interessiert. Und hier scheint uns auch die Durchführung qualitativer biografischer Interviews als das geeignete Instrument. Es geht zum einen darum, die Lebensgeschichte der Opfer bzw. der Täter differenziert zu erfassen und es geht zum anderen darum, dass wir uns ausführlich mit der Tat auseinandersetzen. 

Sie finden hier auf der Folie einige zentrale Aspekte, die uns bei der Thematisierung der Lebensgeschichte besonders interessiert. Diese Aspekte erscheinen uns deswegen als notwendig, weil sofort deutlich wird, dass wir die Tat selbst nicht losgelöst von der Biografie betrachten können bzw. dass es auch ein Leben nach der Tat gab bzw. gibt. Wie haben sich die betreffenden Menschen mit der Tat auseinandergesetzt? – die Opfer, übrigens aber auch die Täter.  Welche Bedeutung haben sie beispielsweise der Frage der Schuld, die Frage der Reue, der Frage der Verzeihung beigemessen.

Sie finden also hier auf dieser Folie erst einmal die biografische Analyse. Wir werden den Versuch unternehmen, möglichst differenziert dem Lebenslauf in seinem psychologischen bzw. soziologischen Aspekten nachzuzeichnen und hier auch der Frage nachzugehen, welche Bedeutung eigentlich der Gestaltung der eigenen Emotionalität, die Gestaltung der Erotik bzw. die Gestaltung der Sexualität zukommt für ein besseres Verständnis der Tat – aus der Perspektive des Opfers, aus der Perspektive des Täters. 

Sie finden hier auf dieser Folie jene Aspekte, psychologische Aspekte, die uns bei der Analyse der Tat im Besonderen interessieren. Hier spielt beispielsweise die Frage eine wichtige Rolle, welche Formen der Beziehungen zwischen dem Opfer bzw. dem Täter existiert haben. Und in welcher  Formen der Interaktion solche Beziehungs- und Interaktionsaspekte immer verbunden mit den Institutionen-Aspekten dazu beigetragen haben, dass es eben zu dieser Tat gekommen ist.

In diesem Kontext, ich hatte das eben schon angedeutet, spielt natürlich auch die Frage von Schuld- und Reueerleben bzw. auch die Bereitschaft zur Vergebung eine wichtige Rolle und vor allen Dingen natürlich auch die Frage, inwiefern man Unterstützung gefunden hat in Bewältigung eben dieser Tat.
Unterstützung gefunden hat in psychotherapeutischen Institutionen aber auch Unterstützung gesucht bzw. gefunden hat – oder auch nicht gefunden hat in kirchlichen Institutionen. 

Ich habe Ihnen hier kurz eine Folie vorgelegt, die Ihnen zeigen soll, dass die Gewinnung von Opfern bzw. die Gewinnung von Tätern für diese Interviews eine anspruchsvolle Aufgabe darstellt, die einfach auch Rahmenbedingungen bei der Bekanntgabe des Projekts, bei der Vorstellung des Projekts erfordert, aber auch bestimmte Formen der Kommunikation im Vorfeld solcher Interviews.

Sie sehen, dass wir das Ziel haben, 100 Opfer zu befragen  bzw. 70 Täter.  Sie müssen sich vorstellen, Herr Dreßing hat das ja bereits schon einleitend gesagt, dass wir sehr eng mit den Opfern zusammenarbeiten wollen, wenn es beispielsweise um Frage der Entwicklung eines Kategoriensystems vorgeordnet schon um die Frage eines Explorationsleitfadens geht. Wir wollen intensiv zusammenarbeiten, wenn es darum geht, herauszufinden, ob wir die Aussagen der Opfer auch adäquat beschrieben bzw.  interpretiert haben. – Ein Prozess, den man in der Wissenschaft gemeinhin „kommunikative Validierung“ nennt. Das heißt, die Ergebnisse, aber auch natürlich die Instrumente, die eingesetzt werden, sollen in intensiver Kooperation mit dem Forschungspartner entwickelt werden und diese Form der Zusammenarbeit, indem Sinne das wir die betreffenden Personen, die wir explorieren auch fragen, ob wir differenziert genug, das, was sie uns mitgeteilt haben, abgebildet und interpretiert haben, spielt auch in der Themen-Befragung eine sehr wichtige Rolle.  Von daher wir als Forschungskonsortium durchaus sehen, dass die hier genannten Zahlen der Teilnehmer sehr anspruchsvoll sind, aber wir sind auch davon überzeugt, einen solchen Numerus, also eine solche Stichprobe zu ziehen, um zu verallgemeinernden Aussagen zu gelangen." 

Quelle: PK, Bonn

 Bildquelle: domradio.de
Prof. Dr. Dieter Dölling, Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Heidelberg


Vorstellung des Teilprojektes "Institutionenvergleich":

"Da geht es darum, dass wir ermitteln wollen, wie Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche sich verhalten zu Fällen sexuellen Missbrauchs in anderen Institutionen. Missbrauch gibt es in vielen Institutionen.  Wir wollen herausbekommen, ob die Abläufe und die Strukturen der Taten in der katholischen Kirche die gleichen sind wie in anderen Institutionen oder ob es hier in der katholischen Kirche Besonderheiten gibt. Diese Fragestellung wollen wir beantworten, indem wir Strafakten auswerten. Die Auswirkung von Strafakten hat den Vorteil, dass es Strafakten gibt sowohl über Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche als auch in anderen Institutionen und dass die Fälle in diesen Strafakten nach den gleichen Gesichtspunkten dokumentiert sind.

Ein weiterer Vorteil ist derjenige, dass wir in Fällen, in denen es um Missbrauch in der katholischen Kirche geht, abgleichen können, den Inhalt der kirchlichen Personalakten und den Inhalt der Strafakten, also sehen können, wie ein Sachverhalt von verschiedenen Seiten beleuchtet wird, und das wird es uns erleichtern, welche belastbaren Erkenntnisse wir über dieser Vorfälle gewinnen können. 

Diese Strafaktenanalyse wird erfolgen anhand eines Leitfadens, der auf alle Fälle angewandt wird. Wir werden auswerten einmal die Strafakten über Fälle sexuellen Missbrauchs in der Kirche auf die wir in den Personalakten hingewiesen werden. Wir werden aber auch eine Umfrage bei den deutschen Staatsanwaltschaften machen, nach dort vorhandenen Strafverfahren sowohl in der katholischen Kirche als auch in anderen Situationen und hoffen so, ein möglichst vollständiges Bild über diesen Sachverhalt zu bekommen. 
Das zweite Teilprojekt betrifft den Gesichtspunkt der Prävention. Es geht in diesem Forschungsprojekt zunächst einmal darum, die Vergangenheit aufzuarbeiten. - Aufzuarbeiten, was sich ereignet hat und wie damit umgegangen ist. Es soll aber auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden: „Wie können derartige Fälle in Zukunft verhindert werden. Deshalb werden wir unsere Daten – zum einen die Daten aus den Akten, zum anderen aber auch die Daten, die wir in den Interviews gewinnen werden,  auch unter dem Gesichtspunkt auswerten: „Welche Konsequenzen ergeben sich darauf für die Prävention, für die Verhinderung weiterer Delikte und überlegen, wie man diese Konsequenzen in die Praxis umsetzen kann. Dazu werden wir einen Abgleich vornehmen mit den Präventionsprogrammen, die schon in der katholischen Kirche vorhanden sind, und dann sehen, was man hier vielleicht noch besser tun kann. Ein Mittel dazu wird sein, einen Workshop, den wir dann durchführen wollen mit den Präventionsbeauftragten der katholischen Kirche, indem wir dann versuchen werden, unsere Profunde einzubringen in die Diskussion. 

Das dritte Teilprojekt, über das ich Sie informieren möchte, ist eine sogenannte Sekundäranalyse. Das heißt, eine Auswertung von Daten, die durch andere Forscher erhoben worden sind. Wir wollen versuchen zu ermitteln, alle nationalen und internationalen Untersuchungen, die es über sexuellen Missbrauch in Institutionen gibt und auch diese Untersuchungen auswerten. Einmal daraufhin, welche Befunde diese Untersuchungen gebracht haben, aber auch daraufhin, mit welchen Methoden diese Befunde gewonnen worden sind. Denn solche Befunde sind nur dann aussagekräftig, wenn sie auf einer soliden Methodik beruhen und das soll deshalb in dieser Sekundäranalyse auch erhoben werden, so dass wir dann im Ergebnis – wie wir hoffen – eine breite Datengrundlage haben werden, die einerseits besteht aus den Befunden, die wir in diesem Projekt selber erheben werden, und andererseits aus den Daten, die andere Forscher in anderen Projekten gewonnen haben."

Quelle: PK, Bonn

Bildquelle: Domradio
Prof. Dr. Harald Dreßing, Leiter der forensischen Psychiatrie am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim 


"Es ist für uns als Wissenschaftler eigentlich selbstverständlich, ich betone das an dieser Stelle aber noch einmal explizit: Wir werden dieses Forschungsprojekt nach strengen wissenschaftlichen Kriterien und Methoden völlig unabhängig durchführen.  Und – auch das möchte ich betonen, wir sind uns der hohen ethischen Verantwortung bewusst, die dieses Forschungsprojekt mit sich bringt." 

"Man kann das Problem des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche nicht auf eine Zahl reduzieren: „So und so viele Fälle von  sexuellen Missbrauch sind in den Personalakten der Kirchenarchive des Bistums dokumentiert.“  Das würde der Sache auch sicher nicht gerecht werden.  Wir werden daher auch nicht nur die Personalakten aus den Kirchenarchiven auswerten, das werden wir auch tun, das ist Teilmodul 6, ich werde dazu später noch referieren, sondern wir werden zunächst einmal eine sehr umfassende qualitative Bestandsaufnahme und Datenerhebung vornehmen. Wir werden auch kirchenexterne Informationsquellen nutzen: Strafrechtsakten. Das erlaubt einmal den Vergleich mit anderen Formen des institutionellen Missbrauchs und erlaubt auch eine Validierung der Daten, die wir in den Personalakten der Kirchenarchive finden. Und wir wollen der vielfältigen und facettenreichen Problematik auch in Form von semistrukturierten Interviews näher beleuchten. Die werden wir mit Tätern und mit Opfern führen.
Es ist für uns in diesem Forschungsprojekt ein ganz zentrales Anliegen, dass die Erfahrungen der Opfer schon bei der Entwicklung der Forschungsinstrumente, aber dann auch bei der Interpretation der Ergebnisse im Mittelpunkt stehen. Denn – lassen Sie mich das mal so sagen – die Opfer sind die eigentlichen Experten bei diesem Thema und deren Erkenntnisse wollen wir von Anfang an miteinbeziehen. Das wollen wir gewährleisten, indem wir einen Beirat implementieren, in dem auch Vertreter von Betroffenen mitarbeiten werden."

Zur qualitativen Bestandsaufnahme: "Für welche Jahrgänge gibt es überhaupt noch Personalakten, die uns grundsätzlich zur Verfügung stehen? Wir können da nicht davon ausgehen, dass es da lückenlose Bestände bis 1945 gibt. Es ist ja im Übrigen so, dass nach kirchenrechtlichen Vorgaben bestimmte Akten nach 10 Jahren zu vernichten sind.  Das ist im Übrigen in Klink und Forschung auch der Fall.  Das heißt, wir müssen uns erst einmal einen orientierenden Überblick verschaffen, was ist potenziell an Auswertungen möglich. In diesem Modul interessiert uns aber auch: „Gab es zum Beispiel administrative Anweisung zum Umgang mit sexuellem Missbrauch. Gab es Anweisungen zur Dokumentation von Missbrauchsfällen. Und wenn ja, wie haben die sich gegebenenfalls im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verändert?"

"Die Datenerhebung in diesem qualitativen Modul wird in Form von Fragebögen erfolgen und in Form von Interviews, die wir mit Fachleuten in den Diözesen führen wollen." 

"Zur quantitativen Analyse der Personalakten: Wir haben dieses Modul ganz bewusst nicht an den Anfang des Projektes gestellt. Ich habe es schon erwähnt, wir müssen uns erst einmal einen Überblick verschaffen: Was gibt es grundsätzlich an Personalakten, die zur Verfügung stehen? In welcher Form ist sexueller Missbrauch dokumentiert und welche Formen sind vorgekommen?
Erst auf der Basis der Information aus den vorgeschalteten Teilprojekte macht eine quantitative Analyse einen Sinn. Aus Gründen des Datenschutzes müssen die Akten in den Kirchenarchiven durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Diözesen herausgesucht werden. Wir werden dazu ein Schulungsvideo erstellen, indem das genaue Vorgehen zur Fallanalyse beschrieben wird und in diesen örtlichen Rechercheteams wird auch eine Person sein, die die Befähigung zum Richteramt hat, so dass der entsprechende juristische Sachverstand gewährleistet ist. Diese Daten werden uns dann in anonymisierte Form an das Forschungskonsortium weitergeleitet und dann von uns weiter ausgewertet. 

Diese quantitative Analyse wird in 9 Bistümern ab 1945 oder aber ab dem Zeitpunkt, ab dem es noch Akten gibt, erfolgen und in 18 Bistümern ab dem Jahre 2000."

Quelle: PK, Bonn