Mittwoch, 20. Juni 2012

Bischof weist Missbrauchsvorwurf zurück



04.06.2012 Der Trierer Bischof Ackermann weist den Vorwurf gefährlicher Milde gegenüber pädophilen Priestern zurück. Diese dürften in seinem Bistum nur auf Basis eines forensisch-psychiatrischen Gutachtens und „in eingeschränkten Feldern mit Auflagen“ arbeiten.


"Nicht mit Kindern allein im Zimmer"
Generell, betonte Kronenburg weiter, sei der Einsatz pädophiler Priester in der Kinder- und Jugendarbeit ebenso ausgeschlossen wie eine Tätigkeit in der Pfarrseelsorge. Dort sei sichergestellt, dass der Geistliche nicht allein mit Kindern sei, etwa in der Sakristei. „Ein Feld, wo Kinder und Jugendliche überhaupt nicht auftreten, gibt es aber nicht“, so Kronenburg weiter.
Ackermann widersprach dem Eindruck, das Prinzip der Nulltoleranz zu unterlaufen. „Es gibt keine Abstriche von der ‚Nulltoleranz‘ gegenüber dem Verbrechen der sexuellen Gewalt“, betonte der Bischof. Dieser Grundsatz gelte aber nicht für die Täter, mit denen er „als Menschen, als Priester“ umzugehen versuche, ohne ihr Verbrechen zu tolerieren. Das sei eine „Gratwanderung“, räumte der Bischof ein. „‘Wegsperren und Schluss!‘ – so einfach dürfen wir es uns nicht machen.“.
Prävention: Kirche "überwacht" Täter
Unter dem Gesichtspunkt der Prävention sei es zudem besser, wenn ein Täter in Verbindung mit der Kirche bleibe und als Mitarbeiter „unter Überwachung“ stehe, als ihn ins soziale Nichts zu entlassen.
Ein Geistlicher müsse dann endgültig aus dem Dienst entfernt werden, wenn er keine Einsicht in die Schwere seines Vergehens zeige, so Ackermann. Ansonsten sähen auch die nach umfassenden Beratungen mit externen Fachleuten verabschiedeten Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch im Raum der Kirche nirgends vor, dass Täter nie wieder als Geistliche eingesetzt werden dürften.
Bei seiner Entscheidung gehe er im Vergleich mit den forensischen Gutachten „auf Nummer sicherer“, so Ackermann. Sein Sprecher erläuterte, dass pädophile Priester in der Regel selbst dann nicht mehr mit Kindern und Jugendlichen arbeiten dürften, wenn dies aus Sicht der Forensiker bedenkenlos möglich wäre.  




"Bischof weist Missbrauchsvorwurf zurück" ? Das ist aber jetzt auch ziemlich unglücklich formuliert....

Bistum Trier ermittelt wegen Missbrauch - 16 Priester unter Missbrauchsverdacht



04.06.2012 Im Bistum Trier stehen 16 Priester unter Missbrauchsverdacht. Kirchenrechtliche Voruntersuchungen sind teilweise abgeschlossen, Sanktionen stehen noch aus. Im schlimmsten Fall droht den Klerikern der Rauswurf.

Die Zahl der ins Visier geratenen Priester seit der Ernennung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann zum Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz im Februar 2010 ist vergleichsweise hoch. Unter seinem Vorgänger, dem heutigen Münchner Erzbischof Reinhard Marx, gab es laut Sprecher drei kirchenrechtliche Voruntersuchungen wegen Missbrauchsverdachts, in der gut einjährigen Vakanz zwischen Marx und Ackermann zwei Fälle. „16 - das ist schon eine Zahl“, sagte der Bistumssprecher. Die Verfahren seien vor allem durch Opfer, die sich gemeldet haben, in Gang gekommen.



Bistum Trier: Kirchenjustiz ermittelt gegen 16 Bistumspriester



03.06.2012 Wegen möglichen Missbrauchs Minderjähriger ist in den vergangenen zwei Jahren gegen 16 Trierer Bistumspriester eine kirchenrechtliche Untersuchung eingeleitet worden. Im schlimmsten Fall droht den Klerikern der Rauswurf.
Liegt es an der harten Hand des katholischen Missbrauchsbeauftragten Stephan Ackermann? Oder ist die Zahl der Missbrauchspriester in seinem Heimatbistum höher als in anderen Diözesen? Seit Februar 2010 wurden im Bistum Trier gegen 16 der insgesamt 700 Priester sogenannte kirchenrechtliche Voruntersuchungen eingeleitet. Dabei geht es um eine mögliche Bestrafung der Geistlichen durch die katholische Kirche. Nach Angaben von Bischofssprecher Stephan Kronenburg sind neun Verfahren "seitens des Bistums abgeschlossen"; die Abschlussberichte gingen nun an die Glaubenskongregation in Rom. Dort werde über das weitere Vorgehen entschieden, sagte Kronenburg unserer Zeitung.




Es ist wahr, dass gegen 16 Bistumspriester kirchenrechtliche Untersuchungen eingeleitet worden sind.  Aber auch nur gegen 16!

"Bis zu einer möglichen internen Bestrafung ist es ein langer Weg"


03.06.2012 In den von den deutschen Bischöfen verabschiedeten Leitlinien ist festgelegt, dass bei einem Missbrauchsverdacht gegen einen Priester eine kirchenrechtliche Voruntersuchung einzuleiten ist - unabhängig von einem staatlichen Strafverfahren. Bestätigt diese Untersuchung den Missbrauchsverdacht, muss der zuständige Diözesanbischof Rom informieren.
Trier. Im Bistum Trier ist seit Oktober der scheidende Generalvikar Georg Holkenbrink für die Voruntersuchung zuständig. Holkenbrink stützt sich in der Regel zunächst auf den Bericht der von Bischof Stephan Ackermann ernannten Missbrauchsbeauftragten. Danach spricht er mit den beschuldigten Priestern, "verschafft sich Kenntnis von den Ermittlungsergebnissen, wenn ein staatsanwaltschaftliches Verfahren läuft, überprüft eventuell Mitteilungen Dritter" und gibt ein forensisch-psychologisches Gutachten in Auftrag.
Die Erkenntnisse fasst Holkenbrink dann in einem Abschlussbericht zusammen, den er mit den dazugehörigen Unterlagen an die Glaubenskongregation in Rom schickt.
Von den in den vergangenen zwei Jahren im Bistum Trier eingeleiteten Voruntersuchungen sind laut Bischofssprecher Stephan Kronenburg neun abgeschlossen. In sieben Fällen werden die Abschlussberichte erstellt, zwei Verfahren wurden bereits nach Rom gemeldet und kamen von dort aus mit der Vorgabe zurück, Strafverfahren einzuleiten.


"Die größte Schweinerei hat der Bischof gemacht, wenn er gewußt hat. daß der Pastor so'n Kerl war."




24.12.1973
PFARRER
Wie ein Diktator
Zehn Jahre lang verging sich ein Priester in der Eifel an männlichen Schutzbefohlenen. Die Eltern schwiegen; das bischöfliche Ordinariat, das informiert sein mußte, blieb untätig.
Pastor Franz Engelhardt, 65, katholischer Seelsorger in dem Eifeldorf Ehlenz bei Bitburg, hatte gerade selbstgefertigte Photos nackter Meßdiener hinterm Haus verbrannt, als Polizisten gegen das Hoftor pochten. Das Feuer im Pfarrgarten konnte den Haftbefehl nicht mehr abwenden: Engelhardt mußte mit aufs Revier.
Zehn Jahre lang hatte der Pfarrer -- wie nun in zwölftägiger Verhandlung vor dem Landgericht Trier offenbar wurde -- sich Erstkommunikanten und Schulbuben in der Eifelgemeinde genähert. "Der Engelhardt", klagten Ehlenzer Eltern vor Gericht, "hat uns unsere Kinder versaut."
Staatsanwalt Wilbert Ringel wies dem Geistlichen, der seine Kontakte meist als "göttliche Handlung" gepriesen hatte, mehr als hundert strafbare Fälle nach: Unzucht mit 19 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen neun und 21 Jahren. Das Gericht verurteilte den schon einschlägig vorbestraften Erzieher zu sieben Jahren Freiheitsentzug.
Engelhardt-Anwalt Christian Schabio aber sprach sein Urteil gegen die Trierer Bistumsbehörde und die Ehlenzer Eltern: "Was da über all die Jahre passiert ist, hätte einer wachen Öffentlichkeit nicht entgehen dürfen," Und in der Tat hebt der Gleichmut. mit dem diese Beklagten den Angeklagten erduldeten, das Geschehen im Eifelland von ähnlichen Vorkommnissen ab.
Mal war der Priester. der sich weder Küster noch Haushälterin hielt, mit einem Meßdiener in die Badewanne gestiegen, mal hatte er Erstkommunikanten nackt aufs Trimm-dich-Fahrrad genötigt, um sie per Polaroid für die Photosammlung seiner Lieblinge abzulichten. Mal küßte er Ministranten in der Sakristei, mal schubste er sie unvorbereitet ins Bett. "Wenn du das weitersagst", drohte er einem verstörten Kind, "dann erschieße ich dich."
Jahrelang mochte in Ehlenz (450 Einwohner, 443 Katholiken) keiner den Mund aufmachen, denn "der Pastor". so erinnert sich Ortsbürgermeister Johann Klassen-Braun, "regierte wie ein Diktator im Dorf" -- Metzgergeselle Erich Rings wagte den Tyrannen aus dem Pfarrhaus nicht zu verraten, "weil es sich hier doch um eine Persönlichkeit handelte". Mitbürger Theodor Paul Göbel. schwieg, "weil man eine geweihte Person nicht anzeigen darf".
Selbst für Bürgermeister Klassen-Braun. der "gegen den Geistlichen schon vor zwei Jahren einen Verdacht gehabt" hatte, blieb die Eifel in Ordnung: "Natürlich haben die Kinder zu Hause erzählt, was der Pastor mit ihnen gemacht hat". (loch. so das Dorf-Oberhaupt: "Wegen der Aussagen eines Kindes. dachten wir, wäre die Polizei nicht gegen einen Pfarrer vorgegangen." Engelhardts Fall wurde erst im letzten Winter von Hauptschullehrer Josef Weber enthüllt. Der Priester hatte sich im Schulhaus darüber beklagt, daß "mehr und mehr Kinder nicht mehr in die Kirche kommen". Weber nahm sich den Nachwuchs vor, und "als ich ein bißchen bohrte. platzten sie alle damit heraus. Jeder wollte die meisten Einzelheiten kennen".
Die Generalbeichte in der Schule jedoch schien keinem so recht willkommen. "Gendarmerie und Landratsamt Bitburg". so der Bürgermeister, "wollten nicht ganz glauben, was die Kinder erzählten." Klassen-Braun "mußte sich erst beim Landrat beschweren. damit endlich Ermittlungen aufgenommen wurden". Und in der Gerichtsverhandlung blieben auch die kirchlichen Behörden von Trier nicht vom Vorwurf der Mitschuld verschont. "Selbst der Bischof", so Engelhardts Anwalt Schabio habe "von der Veranlagung" seines Mandanten "gewußt und ihn trotzdem eingestellt".
Wenn auch Bischof Bernhard Steins Personalchef Hermann-Josef Leininger "bei den Recherchen vor Engelhardts Einstellung etwas Nachteiliges nicht erfahren" haben will -- aktenkundig waren zumindest ähnliche Vergehen Engelhardts aus dem Jahre 1957.
Das Bischöfliche Ordinariat in Wien hatte der Kleruskongregation in Rom 1959 amtlich mitgeteilt, daß "schon in Ungarn und dann wieder in Österreich ein gewisses Delikt vorgekommen ist". Und als Engelhardt -- 1956 aus Ungarn geflohen und 1957 in Linz wegen Unzucht mit drei Jugendlichen zu fünf Monaten Kerker verurteilt -- in der Diözese Freiburg Priester werden wollte, wurde seine Bewerbung wegen der Gefährdung der ihm anzuvertrauenden .lugendlichen abgelehnt.
mi Bistum Trier hingegen gab es dann keine Bedenken. Der damals amtierende Bischof Matthias Wehr schickte ihn ausgerechnet auf die Vakanz in Ehlenz" wo 1960 schon sein Vorgänger wegen gleichartiger Neigungen in einer "Nacht-und-Nebel-Aktion" (Klassen-Braun) abgeholt worden war.
Daß ihm ähnliches drohte. scheint Engelhardt gewußt zu haben. Mehrmals bat er den Trierer Bischof Stein. aus Ehlenz versetzt zu werden -- vergeblich. Daß er vielleicht "ins Gefängnis" müsse" war für ihn "ein Schrecken. der Tag für lag näher kam". In Ehlenz gestand der Pfarrer nun, habe er "mehr gelitten wie in der Hölle",
Die Katholiken des Eifeldorfes, "rückständig und dumm", wie Priester Engelhardt sie vor Gericht beschrieb. kommen mit ihrer Kirche seither nicht mehr recht ins reine. Katholik Johann Göbel, Landwirt in Ehlenz" sagt: "Die größte Schweinerei hat der Bischof gemacht, wenn er gewußt hat. daß der Pastor so'n Kerl war."
Was hat sich seitdem im Bistum Trier verändert?
Es fand eine Sensibilisierung für sexuellen Missbrauch statt, nachdem bekannt wurde, welche Folgen sexueller Missbrauch nach sich ziehen kann. Allerdings geschah diese Sensibilisierung in den letzten Jahrzehnten definitiv nicht von Seiten des Bistums Trier. Prävention stand nämlich für das Bistum Trier nie zur Diskussion.  Damit hätte man sich ins eigene Fleisch geschnitten. So oder so. 
Es hat sich nichts daran geändert, dass Priester im Bistum Trier weiterhin Kinder sexuell missbrauchen.
Es hat sich nichts daran geändert, dass vorbestrafte Priester weiterhin Messen zelebrieren und Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben.
Es hat sich nichts daran geändert, dass die Verantwortlichen über die Vergangenheit des Priesters informiert werden. Selbst die eigenen Leitlinien werden nicht eingehalten.
Es hat sich nichts daran geändert, dass Personalverantwortliche keine Bedenken haben, vorbestrafte und sexuell auffällig gewordene Priester weiterhin einzusetzen.
Es hat sich nichts daran geändert, dass Gläubige als "dumm" hingestellt werden.
Das einzige, was sich offensichtlich geändert hat, ist, dass die "Schweinerei" noch größer geworden ist!

"Altherbekannte Täterstrategien"



Wenn das BistumTrier nachweislich  "altherbekannte Täterstrategien" erwähnt, dann lässt dies den eindeutigen Rückschluss zu, dass die Täterstrategien bekannt waren. Wenn dem so war,  das Bistum Trier Bescheid wusste und nichts dagegen unternahm bzw. es nachweislich unterlassen hat, den Täterstrategien entgegenzuwirken und nur eine Versetzung des Täters vorzunehmen, mit dem Wissen, dass er sexuell missbraucht hat, und diese Gefahr weiterhin in Kauf genommen hat,  dann läge in diesem Moment eine grobe Fahrlässigkeit vor!
Und das Eis, auf dem sich das Bistum Trier bewegt, wäre noch einmal dünner geworden! 

Und zwar  inzwischen so dünn, dass es bald zerbrechen könnte, Jungs!


"missbrauchte Hotline"




Am 30.03.2010 schaltete die katholische Kirche medienwirksam eine "Holine für Opfer und Angehörige sexuellen Missbrauchs".  Innerhalb von nur  3 Wochen wurde ein vermeintlich "tragbares Konzept" erarbeitet. Ein gewisser Herr Dr. Andreas Zimmer,  "Leiter des Arbeitsbereichs Beratungsdienste beim Bistum Trier" gab ein 2seitiges statement zu der Hotline ab.  Unter anderem sollte sie als "Türöffner" zu den jeweiligen Bistumsbeauftragten - im Bistum Trier also Peter Rütten -  fungieren. Fatalerweise! Denn:  wer als Opfer und Betroffener sexuellen Missbrauchs durch Angehörige der katholischen Kirche tatsächlich an Peter Rütten geriet, der hatte nachweislich noch mehr zu leiden.

Opfer und Betroffene - damals auch noch offiziell die Angehörigen - wurden also gebeten,  nach dem Motto "wenn schon, denn schon" am DIenstag, Mittwoch und Donnerstag zwischen 13.00h und 20.30h  dort anzurufen.  Ab Mai 2012 bitte nur noch mittwochs melden: und zwar zwischen 15.00h und 19.00h.  Die Hintergründe, mit denen man sich diese Anrufe erbat, liegen allerdings bis heute völlig im Unklaren. Immerhin hatte man von Seiten des Bistums damit ein äußerst gutes Instrument gefunden, zu manipulieren: Sowohl die Zahlen als auch die Fakten. 

Nachdem die ersten Erfahrung mit der "missbrauchten Hotline" bekannt wurden, sahen verständlicherweise viele davon ab, sich an die Hotline zu wenden. Und wer es doch wagen wollte, dem Bistum vorab Informationen zukommen lassen zu wollen und somit das Risiko einging, dass die gesammelten Informationen später gegen ihn verwendet werden, der geriet unaufhaltsam in eine Statistik,  die erneut medienwirksam repräsentiert wurde:

Im Oktober 2010 wurde der sogenannte "Zwischenbericht"  veröffentlicht. Äußerst unglücklich formuliert wurde der sogenannte "Stichtag" mit dem 25.10.2010 angegeben. Also ca. 6 Monate nach Schaltung der Hotline entschloss man sich, folgende  Angaben zu veröffentlichen:  (Quelle DBK): 




Der sogenannte  "Einführungstext"  beschreibt in 2 Sätzen, wie versucht wurde, Antworten zu geben. Und zwar auf die Fragen: "Gibt es Hinweise zur Frage der Prävention?" und "Gibt es Hinweise zur Frage der Betreuung von Opfern?"   Nun gut - es bringt einen nicht weiter - ob es an der Formulierung liegen mag oder an den Geistern, die offensichtlich nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren, als sie diesen "Einführungstext" formulierten, sei jetzt einmal dahingestellt. 

WIr rufen also "Teil 1 - Arbeitsweise der Hotline auf":  Hier werden sogenannte "Erfahrungsweisen und Logistik", "Personalauswahl" und "Statistik" angegeben. Wenn man sich die Punkte und Unterpunkte einmal durchliest, muss man als Opfer und Betroffene bereits schlucken. Und Tränen unterdrücken.  Von "erfahrenen Beratungskräften" ist hier die Rede. Als solcher kann sich inzwischen unsereiner übrigens auch bezeichnen!  Man könne sich über strafrechtliche Fragen informieren. (!). Wird aber auch zugleich hingewiesen, dass man sich an einen Anwalt wenden sollte.  Hinweise und Vorschläge der Opfer, was die Prävention beträfe, werde man selbstverständlich nach Bonn weiterleiten.  Des weiteren erfährt man dort über den Schichtplan der Telefon-Experten und dass der Anrufbeantworter rund um die Uhr erreichbar ist. Immerhin.  Außerdem wird mehrfach für die Lebensberatungsstellen Eigenwerbung gemacht (die wiederum viele Menschen wahrscheinlich erst gar nicht aufsuchen müssten, wenn sie nicht vom sexuellen Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche betroffen wären, bzw. als Angehörige darunter zu leiden hätten!).  Besonders emotional könnte es allerdings werden, wenn man den Fragebogen  sieht, welcher bei jedem Telefonat  ausgefüllt wird.  Aus rein "statistischen Zwecken" - versteht sich!  Nein. Nicht falsch verstehen! Ich finde es enorm wichtig, dass es da ein Feld gibt, in dem der Angerufene ankreuzen kann, ob es sich um einen "Sexanrufer/Belästigungsanruf " handelt, wenn sich Opfer, Betroffene und Täter melden....

Bleibt zu wünschen, dass die Mitarbeiter der Hotline über eine höhere Qualifikation verfügen, als derjenige, der für miserable  Syntax und Orthografie des "Zwischenberichts" verantwortlich ist.  Dies zeugt weder von Fachmännigkeit noch von Verantwortungsbewusstsein, noch von Gewissenhaftigkeit, noch von ernsthaftem Bemühen.  Aber was soll's - es geht ja hier nur um die katholische Kirche und das Thema Missbrauch. Also: Hat man hier wirklich Kompetenz erwartet? 

Weiter: die ganz Mutigen rufen jetzt sogar noch "Teil 2" auf:  Es ist soweit:  Endlich werden statistische Daten angegeben.  Zahlen lügen nicht. Ebenso wie Tränen - denkt manch einer.

Doch spätestens als auf epidemiologischen Dunkelfelduntersuchungen verwiesen wird  - allerspätestens dann -  fällt auf, mit welchen infamen  - Opfer und Betroffene diffamierende  - Daten manipuliert wird. Allein schon, dass die  "katholische Kirche" angibt, auf Daten eines  "Dunkelfeldes"  zurückzugreifen, ist an  Hohn kaum noch zu überbieten.   Weiter fragwürdige Zahlen werden angegeben. So wird offensichtlich erwartet, dass Opfer, die - lt. Statistik -  erst einmal "stabilisiert" werden mussten, im selben Telefonat auch Vorschläge machen, was die Prävention betrifft.

Schon klar!  Fühlen wir uns auch alle in der Lage dazu. Wenn die Retraumatisierung einsetzt ist für Opfer und Betroffene der beste Zeitpunkt dafür, klar und analytisch zu denken.  Wann denn sonst, Ihr "Experten"! Anders formuliert:   Wir  haben alle auf die Hotline gewartet. Was hätte uns besser passieren können? Das war genau der Meilenstein, der uns noch gefehlt hat! Jetzt sind wir alle Sorgen los. Wir konnten Experten kontaktieren, - insofern die Leitung nicht durch die eigenen Täter belegt waren - ,  ihnen unser Leid schildern und unsere Lebenssituation, die aufgrund der Taten eingetreten ist. Sofern wir uns an die Geschäftszeiten hielten, selbstverständlich.  WIr konnten abends guten Gewissens einschlafen, völlig "stabilisiert" in dem Bewusstsein: "Jetzt wird sich etwas ändern. Der Alptraum ist endgültig vorbei".  "Der Skandal hat endlich ein Ende gefunden. Ebenso wie das zweite Verbrechen, das an uns begangen wurde!" .  Ja, wir waren quasi glücklich, dass wir aufgrund der hohen Anzahl derer, die sich für einen Anruf entschieden haben, überhaupt durchkamen! Und wenn es heute nicht klappt, dann bestimmt morgen, spätestens übermorgen. Ok. Dann ist Wochenende und keiner erreichbar. Dann eben nächste Woche.  Ist ja alles kein Problem. Ist ja auch nicht so dringlich. Und unsereiner kann auch jederzeit und überall das Thema darüber berichten, was mit uns geschah. Ein paar Fragen beantworten, ein paar Einzelheiten zu dem Tathergang und das ganze noch völlig analytisch:  ist doch alles kein Problem für uns. Das machen wir ungefähr jede Stunde 48 mal und sind schon richtige Profis, wenn uns jemand darauf anspricht. Und Nein! Wir haben keine Hemmungen. "Schweigen" stellt für uns ein Fremdwort war.  Nein, wir schämen uns auch nicht dessen, was uns angetan wurde. Und zu jemandem Vertrauen aufzubauen, der sich telefonisch als Mitarbeiter der katholischen Kirche ausgibt, das ist für uns eine Selbstverständlichkeit. Kein Argwohn. Keine Skepsis.  Im Gegenteil: Locker, fröhlich, plaudern wir frisch und frei von der Seele, was wir über Jahrezehnte hinweg verschwiegen haben. Was wir unterdrückt haben. Was wir bekämpft haben. Was uns krank gemacht hat. Was unsere Herkunftsfamilien zerstört. Und worunter unsere Kinder noch ihr Leben lang zu leiden haben werden. Wie gesagt - null problemo: Ihr seid so was von klasse, Jungs - das macht euch so schnell keiner nach!


Jetzt aber weiter zu der Statistik: Da gibt es einen Punkt 2.5.3. "Meldungen nach Diözese".  




Eine Grafik, die ins Auge springt, da sich aus dem Bistum Trier fast doppelt so viele Personen meldeten, wie nach Anteil der Katholiken prozentual zu erwarten gewesen wäre. Hoppla! Was hat das zu bedeuten? Vielleicht hat sich ja auch hier ein Fehler eingeschlichen. Wenn man nachweislich schon so auffallend viele Probleme mit der Aneinandereihung der Buchstaben hat, hat sich vielleicht auch einmal ein Zahlenfehler eingeschlichen und das Tabellenbearbeitungsprogramm hat übernommen.

Also, fragen wir einmal den Verantwortlichen, Herrn Dr. Andreas Zimmer, was sich hinter dieser Zahl "73" tatsächlich verbirgt:

DIe verheerende Antwort erfolgt ebenso umgehend wie offensich unüberlegt und lautet wie folgt:

"Ihre Frage ist zugleich ein Hinweis, dass wir das im Abschlussbericht genauer erklären müssen." 

Weiter im Antwortschreiben heißt es wörtlich: 

"Es ist z.T. leichter zu sagen, was die 73 nicht bedeutet:
- Es ist nicht die Gesamtzahl aller, die sich gemeldet haben. Nur diejenigen, die (1.) etwas berichteten, was statistisch erfasst werden konnte und die (2.) wollten, dass ihr Bericht erfasst wurde.
- Es ist nicht die Zahl der Taten. Einmaltaten wurden nur wenige berichtet, vielmehr ging es im Regelfall um Deliktserien die bis zu einem Jahr oder mehrere Jahre andauerten.
- Es ist nicht die Zahl der Täter. Diese können wir nicht dokumentieren, da nur ein Teil der 73 den Täter benannt haben bzw. benennen konnten. Dennoch lässt sich sagen, dass z.T. mehrere Betroffenen denselben Täter beschuldigten.
- Es ist keine repräsentative Zahl, sondern die Abbildung der Inanspruchnahme. D.h. es zeigt wieviele Menschen aus dem Bistum angerufen haben, aber daraus kann nicht geschlussfolgert werden, wieviele Fälle es gab. Dies soll erst das Pfeiffer-Projekt klären.
Die Zahl ist auch nicht danach unterschieden, ob die beschuldigten Täter Diözesanpriester, Ordensleute, Bistums- (Lehrer usw.) bzw. Pfarrangestellte (Küster, Kirchenmusiker, Hausmeister usw.) oder Ordensangestellte (Heimerzieher usw.) waren. Dies wird erst in der Schlussauswertung aufgeschlüsselt.
Es ist wichtig zum Verständnis auch die zeitliche Reihenfolge zu beachten: wir waren für viele die erste Anlaufstelle. Vom Ablauf her nahmen die Personen also im Regelfall mit uns Kontakt auf, bevor sie sich an das Bistum wendeten. Zum Zeitpunkt des Anrufes gab es vor allem den Wunsch zu erfahren, wo man Therapie und Beratung erhalten konnte. Der Kontakt mit dem Bistum stand erst an zweiter Stelle. Daher liegen also auch nicht in allen Fällen vollständige Fakten oder Berichte vor. Denn die Anrufenden wurden nicht befragt sondern konnten selbst entscheiden, was sie sagen wollten. Bei einer Detailauswertung im Abschlussbericht kann daher nur eine kleinere Zahl zugrunde gelegt werden.
Wie es für die Betroffenen im Kontakt mit dem Bistum weiterging erfuhren wir nur, wenn sich Betroffene erneut meldeten oder über die Internetberatung kontinuierlich Beratung nutzten. Das tat aber nur ein kleiner Teil.
Gezählt wurden nur glaubwürdige Anrufe aus Sicht des psychologischen Fachpersonals am Telefon bzw. im Internet. D.h. Personen mit wahnhaften Zügen wurden hier z.B. nicht gezählt. Dabei erfolgte aber keine Glaubwürdigkeitsprüfung im aussagepsychologischen Sinn. Die Verantwortung für die Plausibilitätsprüfung liegt bei den Missbrauchsbeauftragten der jeweiligen Träger (Bistum oder Orden). Insoweit war es auch eine häufige Frage, wer zuständig ist. Der Grund dafür liegt darin, dass die Personalakten der Beschuldigten jeweils nur bei den Trägern vorliegen und mit den Angaben der Anrufenden abgeglichen werden können.
Die Frage der materiellen Anerkennung wiederum stellte sich vom Ablauf her noch später.
D.h. ob alle 73 beim Bistum oder beim Orden vorstellig wurden und dort als Opfer anerkannt wurden und ob alle 73 Anträge gestellt haben und Zahlungen erfolgten, dazu haben wir keine Infos. Da müssten sich sich an Herrn Rütten oder Frau Lauer wenden. Zumindest ist aber bei uns kein Anrufender nochmals vorstellig geworden, der vom Bistum nicht anerkannt wurde. 
Beantwortet das Ihre Frage?
mit freundlichen Grüssen,
Dr. Andreas Zimmer"
Nein. Herr Zimmer! Dies beantwortet meine Frage nicht. Im Gegenteil! DIese Antwort wirft weitere Fragen auf! Also erneute Nachfrage - 2. Versuch - meinerseits: 
"Ich danke Ihnen!

1. "Wahnhafte Züge" ? Ich möchte diesen Ausdruck jetzt nicht missinterpretieren, aber das liest sich jetzt so, als ob es Personen gab, die sich bei der Hotline meldeten und Ihrerseits (seitens der Hotline) als "wahnhaft" eingestuft wurden, sprich, denen nicht geglaubt wurde. Können Sie das ausschließen?

2. Wie soll ich mit den Daten der Opfer verfahren,  die sich nachweislich nicht an das Bistum bzw. die Hotline gewandt haben (aus meines Erachtens verständlichen Gründen), die jedoch dennoch von sexuellen Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche im Bistum  betroffen sind? Soll ich mich diesbezüglich direkt mit Herrn Prof. Dr. Pfeiffer in Verbindung setzen? Es gibt etliche, die in der Statistik miterfasst  und somit ein Zeichen ihrerseits setzen wollen, die jedoch kein Vertrauen in die Aufklärungsarbeit des Bistum Trier haben. Betroffene, die z.B. weder eine finanzielle Anerkennung möchten, noch gewillt sind, sich erneut mit der katholischen Kirche auseinanderzusetzen.
3. Noch einmal meine Frage aus der letzten email: Wer ist für die Plausibilitätsprüfung eines Antrags zuständig? Der Missbrauchsbeauftragte eines Bistums vor Ort oder die Experten in Bonn?
So, das waren jetzt aber nun wirklich die allerwichtigsten Fragen meinerseits.
Liebe Grüße,
Claudia Adams"
Seitdem herrscht Funkstille. Mit dem letzten Sonderabgeordneten des Bistums Trier, der noch wenige Wochen zuvor von Bischof Ackermann gesandt wurde, mit dem Auftrag - so wörtlich - zu "sondieren" -, Das aufschlussreiche Protokoll dieses Sondierungsgespräches wird folgen. 

Fakt ist: Es wurde ein Zwischenbericht veröffentlicht und ebenso medienwirksam wie  glauhaft versucht, eine Fülle von Angaben zu präsentieren, deren Daten die Verantwortlichen nachweislich in Erklärungsnot bringt.

Wenn dann noch der gewisse Herr Dr. Andreas Zimmer meint, vor wenigen Tagen behaupten zu müssen, die ebenso seiner Mitverantwortlichkeit unterliegende Arbeit der Fachgruppe zu Prävention sexuellen Missbrauchs als "nächsten Meilenstein"  für die Präventionsarbeit im Bistum Trier bezeichnen zu müssen, fragt man sich doch tatsächlich und berechtigterweise: "Wie bitte soll denn die Prävention überhaupt noch mit Glaubwürdigkeit in Verbindung gebracht werden?", nachdem die sensiblen Daten der Hotline bereits missbraucht wurden?

Der letzte Teil des Zwischenberichts bezieht sich auf die Fragen:  "Gibt es Hinweise zur Frage der Prävention?" (!!!)  und "GIbt es Hinweise zur Frage der Betreuung von Opfern?" (!!!). Wem es gelingt,  nicht länger den kausallogischen Zusammenhang dieser Fragen verstehen zu wollen und weiterliest, kann dann folgendes lesen: 

Entgegen der Behauptung  von Herrn Dr. Andreas Zimmer ("Wir haben uns bewusst für eine Opfer-Hotline entschieden. Es ist aus fachlicher Sicht notwendig, Angebote für Täter und Opfer klar zu trennen") , wurde die Hotline offensichtlich auch von der Täterseite genutzt. Und zwar mehrfach. Klasse! Und Opfer und Betroffene wunderten sich schon darüber, wieso die Hotline ständig besetzt war! 

Die Täterstragien entsprachen übrigens "den bisher bekannten." - Klasse, Herr Zimmer!  Allein, um dies festzustellen, hat sich die Schaltung der Hotline bereits gelohnt.  Lassen wir die Sektkorken doch gemeinsam knallen! 

Nur noch eine kleine Frage  am Rande: Wenn die Täterstrategien "den bisher bekannten" entsprachen, ließ man uns dann nicht ins offene Messer laufen?


  


Andreas Zimmer - Enttäuschung






Enttäuschung 
Wer auch immer für die u.a. Schlagzeile zuständig sein mag, hat nicht nur offensichtlich, sondern auch nachweislich ein Problem.

Und wenn der Herr Zimmer meint, zum jetzigen Zeitpunkt behaupten zu müssen, er sehe in der Arbeit " den nächsten Meilenstein für die Präventionsarbeit im Bistum Trier", dann hat  der Herr Zimmer ein Problem.

Doch dazu im nächsten Post mehr. Momentan überwiegt die herbe Enttäuschung in einen Menschen, dessen schriftliche Korrespondenz erst im Nachhinein erkennen lässt, welche Rolle er in der Kommunikation zwischen Bistumsleitung und Betroffenen als "Vermittler" tatsächlich spielte...


„Meilenstein für die Prävention“ -  Bistum Trier setzt Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz um

Die vom Bistum Trier gebildete Fachgruppe zur Prävention sexuellen Missbrauches hat am 23. Mai offiziell ihre Arbeit begonnen. Sie ist ein wichtiges Instrument zur Umsetzung der von der Deutschen Bischofskonferenz verabschiedeten Rahmenordnung Prävention im Bistum Trier. Rund 8.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Bereich, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, sollen in den nächsten zwei Jahren geschult werden.

„Ich sehe die Arbeit der Fachgruppe als den nächsten Meilenstein für die Präventionsarbeit im Bistum Trier“, erklärte der Präventionsbeauftragte und Leiter der Lebensberatungsstellen im Bistum Trier, Dr. Andreas Zimmer. Die Basis dafür sei bereits im März mit der Einrichtung einer neuen Fachstelle für Kinder- und Jugendschutz gelegt worden, die Zimmer ebenfalls leitet. Mit der Fachgruppe „Prävention“ stünden nun 20 Fachleute zur Verfügung, die die verschiedenen Einrichtungen des Bistums bei Schulungen und Fortbildungen unterstützen könnten. Damit setze das Bistum die Empfehlungen des Trierer Bischofs Dr. Stephan Ackermann um, die ein 50-köpfiges Expertengremium unter der Leitung von Zimmer und Dr. Yvonne Russell ausgearbeitet hatte. 
  

Bischof Ackermann fühlt sich "überrollt"


Opfer sexuellen Missbrauchs mit der Kirche ins Gespräch bringen, das war in Mannheim Ziel mehrerer Podiumsveranstaltungen. 

„Mein Sohn ist zusammen mit 3 anderen Jungen über viele Monate hinweg vom damaligen Oberministranten missbraucht worden. In Kirchenräumen und in den Gemeinderäumen. Wir Eltern haben das durch einen Zufall herausgefunden, haben dann alle Schritte in die Wege geleitet, haben Anzeige erstattet. Ich habe über jeden unserer Schritte die Gemeindeleitung informiert und es gab nie – nie – ein Gespräch, das diesen Namen irgendwie verdient gehabt hätte. Es ging dann soweit, dass die Gemeindereferentin mir zwar einmal nebenbei gesagt hat: „Na gut. Wir werden versuchen, ihn von Kindern und Jugendlichen fernzuhalten - ganz unauffällig – und ihn dann - kurz vor der Gerichtsverhandlung -  auf eine Kinderfahrt als verantwortlichen Betreuer mitgenommen hat. Und der Täter ist verurteilt worden, das wollte in der Gemeinde keiner hören. Und ein Jahr nach dem Urteil saß der Täter immer noch im Pfarrgemeinderat als Verantwortlicher für die Jugendarbeit.“ 

Missbrauch in der Kirche – man möchte im Quadrat springen, in dem der Katholikentag stattfindet. Es bleibt das Erschrecken, wie sehr nach wie vor Pfarrer, Gemeinden und Bischöfe lieber gemeinsam die Fakten verdrängen, als die Strukturen zu überdenken. 

Und es bleibt die Erkenntnis, dass immer noch gar nicht die Tiefe des Skandals bei den Verantwortlichen angekommen ist. Wenn sogar der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Katholischen Kirche, Ackermann, konzeptlos dazustehen scheint, was das Zugehen auf die Opfer angeht und was das Umgehen mit den Tätern betrifft. 

 „Warum ist es so schwer, diesen Satz zu sagen: „Wer sich im kirchlichen Amt an Kindern vergreift, hat in dieser Funktion nichts mehr zu suchen? Warum ist das so schwer?“ 



BA: „Ich selber habe ja in den vergangen Wochen und Monaten, wo die ganze Frage, auch jetzt noch mal stärker – sozusagen – auf die Täter hin, äh, konzentriert, da sag‘ ich … das ist aber eine neue …wir treten ja in eine neue Phase ein, nach meiner Meinung…äh…nach meiner Wahrnehmung …denn wir haben ja gesagt, wir wollen ja jetzt nicht schon wieder dauernd auf die Täter schauen, sondern die Opfer stehen im Vordergrund mit der Frage … äh… Ich hab‘ auch gesagt, wir müssen die Leitlinien auch noch mal ganz klar überprüfen.“ 


"Es ist eine geschlossene Frage. Die kann man ja jetzt mit Ja oder Nein beantworten. Also, kann man nicht sagen: So jemand hat in dieser Funktion nichts mehr zu suchen?"



BA: „Ja…aber…äh…das kann…ich sage ganz ehrlich …ich…ähm…ich…ich….ich…ich höre Rückmeldungen, die sagen: „Nein, das ist unter keinen Umständen möglich." Ich gebe aber zu bedenken, dass wir vor zwei Jahren ja nicht hinter Geheimtüren die Leitlinien verabschiedet haben. Wir haben das öffentlich diskutiert, haben Fachleute zu Rate gezogen…ich sage ganz ehrlich, dass ich auch als Missbrauchsbeauftragter ein Stück überrollt bin…“


Das Resumée der Schlagzeilen nach dem Auftritt von Bischof Ackermann auf dem Katholischen Kirchentag in Mannheim





"Die öffentliche Selbstdemontage von Bischof Ackermann"

 
Bischof Ackermann mahnt. Bischof Ackermann fordert. Ackermann warnt. Ackermann regt an.  Bischof Ackermann verweist.  Bischof Ackermann stellt sich. Bischof Ackermann verteidigt sich. Bischof Ackermann verteidigt straffällige Priester.  Bischof Ackermann versteht nicht. -  So die Schlagzeilen.

„Das Thema“ dürfe nicht wieder in die Tabuzone gedrängt werden. „Das Thema“ ist noch nicht durch. Eure Exzellenz will neu (!) über den Umgang mit pädophilen Priestern nachdenken. - Nachdem Eure Exzellenz öffentlich eingeräumt hat, schon einmal nachgedacht zu haben - was sich allerdings als nicht erfolgreich entpuppte - erfolgt offensichtlich nun ein weiterer Versuch. 

Eure Exzellenz fordern, "die Leitlinien für den sexuellen Missbrauch durch Pfarrer zu überarbeiten". Schon jemandem aufgefallen, wie unglücklich dieser Satz formuliert ist? Sollen jetzt schon die Pfarrer selbst die Leitlinien für den sexuellen Missbrauch überarbeiten? Und "Leitlinien für den sexuellen Missbrauch"???  Hallo?!  Leitlinien für den sexuellen Missbrauch? Herr, lass Hirn regnen! Diese Aussage erinnert an den "Trierischen Volksfreund", dessen Schlagzeile einem "Ex-Täter" (!) galt, der es doch tatsächlich wagte, Sakramente zu spenden. Gemeint war übrigens ein vorbestrafter Priester, der weiterhin Kontakt zu Kindern und Jugendlichen hatte. Aber das durfte der bistumsfreundliche TV natürlich nicht so formulieren.

Weiter zu den gestrigen Schlagzeilen: "Der Fokus sei ganz auf den Umgang mit den Opfern gerichtet gewesen."  ???  Offensichtlich haben wir Opfer und Betroffene da etwas verpasst. Wann und wo standen wir denn bitte im Fokus Ihrer Aufmerksamkeit? Bis heute nicht.


"Jetzt gerate der Umgang mit den Tätern in den Fokus". Klar! Die Täter schießen ja auch plötzlich wie Pilze aus dem Boden. Giftpilze versteht sich.  In den letzten 60 Jahren gab es ja auch noch keine Täter.  Da gab es nur Priester, die aufgrund ihrer Einträge in den Personalakten - insofern die Personalakten überhaupt ordnungsgemäß gepflegt wurden -  über Nacht versetzt wurden. Ansonsten fiel der Verschiebebahnhof von Sexualstraftätern auch gar nicht auf. Auch den Personalverantwortlichen nicht. Das Kinderroulette in der katholischen Kirche hätte Eure Exzellenz demnach neu erfunden.  Alles plötzlich neu. Und noch nie dagewesen. Weder hier. Noch sonstwo auf der Welt. Keiner wusste Bescheid. Und Vertuschen war und ist ein Fremdwort. Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche? Unbelievable. Schon klar!

Dann heißt es: Eure Exzellenz wollen schon wieder überdenken. Na, ob das mal gut geht….So ganz alleine.  Ohne Experten.. Und das noch unter der nachweislich psychoaktiven Droge Weihrauch stehend? Das ist mutig. Wie ein Junkie, der große rosa Elefanten vorbeifliegen sieht und aus dem Fenster springen will. So ein Fenstersturz ging schon einmal in die Geschichte ein. Also aufpassen! - beim "Überdenken" versteht sich.

Eure Exzellenz warnt auch noch! Und zwar vor einer "pauschalen Vorverurteilung aller Pädophilen."  Pädophilie ist allerdings ein eindeutig definierter Begriff. Da gibt’s nichts daran zu rütteln. An der Terminologie, meine ich.  Übrigens spricht unsereiner immer noch von sexuell übergriffig gewordenen Tätern bzw. Tätern, die sexualisierte Gewalt angewandt haben - wenn dem denn auch so war.  Während der Begriff "Pädophilie" im  nachweislichen Zusammenhang mit dem Bistum Trier erstmals im SPIEGEL-Bericht auftauchte. Und das allerdings zurecht. Der einzige, der damit nachweislich noch ein paar Probleme hatte, war unser „Ich-bin-wirklich-Doktor“-Kronenburg. Der sprach nämlich von Äpfeln und Birnen. Woraufhin wir – zu seinem besseren Verständnis – eine exakte Terminologie herausgaben, damit auch der Pressesprecher weiß, wovon er spricht.

Wenige Minuten später behaupten Eure Exzellenz  auch noch, "es müsse überprüft werden, ob Priester, die Kinder missbraucht hätten, noch in der Seelsorge eingesetzt werden oder in anderen Bereichen weiterbeschäftigt werden könnten". „ES“ müsse also diesmal überprüft werden. Und zwar ob die o.a. Priester noch in der Seelsorge eingesetzt werden oder in anderen Bereichen.  Was bitte gibt es hier zu diskutieren? Ich erinnere an folgende öffentliche Aussage eines Priesters: "Trotzdem ist der Kontakt zu Minderjährigen weiter möglich, regelmäßig besuchten Kinder den Arbeitsplatz, ein  Altenheim und eine Klinik im Bistum Trier."


Und jetzt regen Eure Exzellenz plötzlich "einen anderen Umgang mit Pädophilen an".  Das dürfte dann somit der einzig gemeinsame Konsens Ihrerseits und unsererseits sein: Dafür plädieren wir nämlich zufällig auch: Geht mit den Pädophilen in der katholischen Kirche bitte bitte anders um! Zieht diese endlich ab aus der Seelsorge, aus den Kliniken und lasst sie auch öffentlich keine Messen zelebrieren. Mehr wollen wir doch gar nicht. An dieser Stelle.  Wir formulieren das sogar noch deutlicher:  Nicht nur die Pädophilen, sondern auch diejenigen, die Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben und diejenigen, die sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen angewandt haben. Und die Priester, die im Besitz kinderpornografischen Materials sind, und auch die, die für die Verbreitung dieses Materials sorgen, bitte auch abziehen von der Front. Mehr nicht. - Ok. Es werden dann vielleicht nicht mehr viele Priester übrig bleiben von den wenigen, die überhaupt noch da sind.  Aber das ist nicht unser Problem. Des weiteren gebe ich zu Bedenken, dass wir ohne diese o.a. Priester erst gar nicht in die jetzige Situation geraten wären. Weder Eure Exzellenz - noch wir Opfer und Betroffenen!

Und dann geht es Bischof Ackermann noch um die Frage: „Kann so jemand überhaupt noch Seelsorger sein?“. So jemand also.  Ist das ab sofort die neue Anrede bzw. Titulierung. „Ey, du jemand, du B16! “  Zeugt von enormen Respekt, ey, du jemand Bischof!  Ist aber auch unangenehm, dass Wort sexueller Missbrauch auszusprechen. Hat man bereits bei TV-Aufzeichnungen gemerkt, wie da gewürgt wurde. Und die bischöfliche Halsschlagader pulsierte.

Zürck zu den Aussagen: "Grundlage sei also  „nur“ die Frage, ob in der neuen Position weiterhin eine Gefahr von dem Pädophilen ausgehe." Von Positionen reden, wenn es um sexuelle Praktiken geht, ist sicherlich nichts ungewöhnliches. Aber diese Wortwahl von einem Bischof? Der muss es ja wissen! Da fehlte wohl der bischöfliche Pressezuflüsterer, als diese Aussage getätigt wurde! Aber davon mal abgesehen: Ich habe  Abhandlungen gelesen, Sexualtherapeuten gefragt und geforscht. Bisher hat nachweislich noch kein Pädophiler sein Verhalten geändert aufgrund einer "neuen Position". Wohlgemerkt: Die Praktiken  könnte man schon verändern bei einem "Positionswechsel", jedoch nicht das Verhalten, von dem die Gefahr ausgeht! Vielleicht gibt es da aber auch ein großes Dunkelfeld.

Und was heißt hier überhaupt „neue Position“? Versetzung 10km weiter? Oder war das ein "Wink mit dem Zaunpfahl". Ein versteckter Hinweis darauf, dass wir die Täter mal hierarchisch angehen sollen. Haben wir schon gemacht. Und auffallend dabei war, dass ein heutiger Weihbischof aus dem Bistum Trier zum Tatzeitpunkt am Tatort befand. Hm. Der Täter war ein anderer. Nur um das klarzustellen. Aber von was wusste er?  Aber da bleiben wir dran. Nicht ohne Grund. Womit wir jetzt auch die Hierarchiefrage angesprochen hätten.

Weiter zum gestrigen Auftritt: Der Bundestagspräsident ging hart ins Gericht mit den deutschen Bischöfen. Klasse. Und er ist nicht der Einzige, der von der staatlichen Seite aus klare Position bezieht. Und das ist gut so. Ich bin mir ziemlich sicher, dass da noch mehr kommt. Vielleicht demnächst mal die Zeitungen lesen. Also nicht nur den "Trierischen Volksfreund" (!).

Dann verweist Eure Exzellenz auch noch mutig - bzw. übermütig -  auf das forensische Gutachten. Klasse. Dann aber bitte richtig verweisen. Und keine Halbwahrheiten Ihrerseits. Da wurden wir Ihrerseits auch schon ermahnt.  Seitens des Generalvikariats wurde uns bestätigt, die forensischen Gutachten hätten sich über einen ganzen Tag  (!) lang gezogen. Wahrscheinlich noch die Mittagspause inbegriffen. Das an sich ist bereits skandalös genug.

Und dann wagt es Eure Exzellenz doch tatsächlich zu behaupten: „Man muss aber auch sehen, dass es in diesem Bereich eine Vielzahl von Motiven gibt. Es ist daher sinnvoll zu differenzieren, um welche Art Täter es sich handelt. Ansonsten könnten wir in eine Dynamik rutschen, wo es heißt, sie gehören alle eingesperrt“.
In diesem Bereich. Eine Vielzahl von Motiven.  Wir reden jetzt aber nicht von Blumenmotiven für WindowColor.  Oder doch?  Motive? Ist das jetzt der neue Fachjargon für diverse pädophile Neigungen? Und dann noch "differenzieren, um welche Art Täter" es sich handelt. Stop! Eure Exzellenz meinen mal wieder, die Gewaltenteilung in persona darstellen zu müssen! Exekutive, Legislative und Jurisdikion in einem.  Und Experte sowieso. In allem.

Fakt ist: Kinderseelen wurden gemordet. Leider  ist der eigentliche Seelenmord nicht als Strafbarkeit angesehen. Lediglich der sexuelle Missbrauch von Kindern, der schwere sexuelle Missbrauch, der sexuelle Missbrauch von Kindern mit Todesfolge, der sexuelle Missbrauch widerstandsunfähiger Personen, die Förderung sexueller Handlungen mit Minderjähriger, exhibitionistische Handlungen, die Verbreitung, Erwerb und Besitz pornografischer Schriften, sexueller Missbrauch unter Ausnutzung einer Amtstellung,  etc. etc. etc.  ist strafbar.

Seelenmord noch nicht.

Und wer gibt Eurer Exzellenz eigentlich das Recht, "zu differenzieren, um welche Art Täter es sich handelt"?

Falls mit "Art der Täter" Ihrerseits die "Tätertypen" gemeint sind, also die Tätertypologie, sollte eure Exzellenz das auch so sagen.  Die Typologie bezieht sich nämlich dann wiederum auf die unterschiedlichen Merkmale zu der auch u.a. die zugrundeliegende Motivation gehört und der Grad der von den Tätern ausgehenden Gefährlichkeit.  Und ein Ziel der Tätertypologie ist auch die Vermeidung weiterer Taten. Das ergebe einen Sinn. Einerseits. - Andererseits ist aber folgendes Fakt:

Eure Exzellenz war, ist und wird auch nicht in der Lage sein, die Vermeidung weiterer Taten   ausschließen zu können. Daher sollten Eure Exzellenz wenigstens dafür Sorge tragen, dass ein Kontakt zu Kindern und Jugendlichen größtmöglich unterbunden wird. Und nicht noch durch die Einsatztätigkeit in der Seelsorge, Klinikum, Seniorenheim etc. gefördert wird. Und dazu gehört auch die Spende öffentlicher Sakramente, wenn dort Kinder anwesend sind. Auch, wenn es sich "nur" um Messdiener handelt. Der Fall ist bekannt.

Ich erinnere an Rheinböllen zu Beginn des Jahres:
Ein inzwischen mehrmals - nicht ohne Grund -  entpflichteter Pfarrer, der seitens des Bistums offiziell "zum Studium beurlaubt" wurde und sich im Kloster befinden sollte, zelebriert öffentlich Messen und gestaltet Adventsfeiern mit flötenspielenden Mädchen. Auf unsere Nachfrage hieß es, dies sei nur ein Druckfehler,  man sei auch über die Vergangenheit dieses Pfarrers informiert. Man würde ihn überwachen.  Nein! Es war kein Druckfehler. Die Verantwortlichen waren auch nicht informiert! Und zum Studium beurlaubt war der Pfarrer am wenigsten! Kronenburgs Stellungnahme: "Wir können uns nicht erklären, wie es zu der Aussage kam, besagter Pfarrer sei zum Studium beurlaubt".  !!! Halloo??? Steht da noch mehr auf der offiziellen Homepage des Bistums, was Ihr euch nicht erklären könnt? Offensichtlich!

Der Wohnsitz dieses Pfarrers übrigens, der sich also gleichzeitig nach Bistumsangaben in einem Kloster befand und zum Studium beurlaubt war:  Unmittelbar in der Nähe eines Spielplatzes! Eure Exzellenz waren nachweislich darüber informiert. Zeugenaussagen liegen vor. Auch darüber, dass sich Eure Exzellenz erbost über diesen Vorgang zeigten.  Etwa darüber, dass wir den Fall an die Öffentlichkeit brachten?

"Grobe Fahrlässigkeit", Eure Exzellenz, bedeutet, dass die erforderliche Sorgfalt in besonderem Maße nicht beachtet wurde.  Sprich:  Die Anforderungen an die Sorgfalt fällt jedem anderen in der Situation des Betroffenen ohne weiteres auf. Und dies war in diesem Fall gegeben. Exemplarisch - versteht sich.

Und einem Sexualtäter durch seine Einsatztätigkeit den größtmöglichen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen nicht nur zu verwehren, sondern - wie das Gegenteil bewiesen hat - auch noch zu fördern, ist grob fahrlässig.

Und nichts anderes passiert hier gerade. Mitten unter uns. Und jederzeit. Dank Eurer Exzellenz!
A propos: „in die Dynamik reinrutschen“: Dies ist bereits geschehen. Man sitzt bereits mitten drin – in der ganz großen Scheiße. Will aber offenbar noch nicht wahrgenommen werden. Vielleicht fällt es auch vor Ort nicht weiter auf, da man nichts anderes gewohnt ist. 

Weiter: Die betreffenden Mitarbeiter (!), gemeint sind die sexuell übergriffig gewordenen Priester, würden nicht bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt. Nein. Bedarf es auch nicht. Das Thema ist durch. Einem Priester, der nachweislich mehrere seiner Ministrantinnen sexuell missbrauchte, bedurfte es auch keiner Kinder- und Jugendarbeit. Und ein Seelsorger, der mit etlichen Kindern auf dem Schoss abgebildet ist, bedarf es auch keiner Kinder- und Jugendarbeit, wenn er Nikolaus spielt. Und ein weiterer verurteilter Priester aus dem Bistum, der bereits zwei Mal entpflichtet wurde, und ins Kloster versetzt wurde, ist auf dem Foto mit zwei flötenspielenden Mädchen auf einer Adventsfeier abgebildet. Diese Priester waren offiziell schon aus dem Verkehr gezogen. Raus aus der Kinder- und Jugendarbeit.  Und trotzdem belegen die Fotos, dass sieaufgrund ihrer Einsatztätigkeit Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben.

Und dass sich gestern die wütende Basis zeigte, ja, Euer Exzellenz. Wenn das nicht plakativ war, was dann?

Die Kirche wankt. Die wütende Basis artikuliert sich. Der Missbrauchsskandal, der Tausende von Menschen für ihr Leben gezeichnet hat. Die Verlogenheit einer ganzen Bischofsgeneration. Nein – Stopp. Mindestens zwei Bischofsgenerationen. Eure Exzellenz haben ihren Teil schließlich auch dazu beigetragen.
Und der Jesuit, der den Missbrauchsskandal in seinem Orden und in seiner Kirche – offiziell – erstmals öffentlich gemacht hat, sagt: „Da spricht einer von Aufbruch, aber ist sehr müde.“ Ermüdet davon, die Lüge des Heiligen Rocks aufrecht zu erhalten? Ermüdet,  mit Glaubwürdigkeit überzeugen zu wollen? Na, das können wir verstehen. Das ist auch ganz schön anstrengend: Es hat schließlich niemand behauptet, dass Vertuschen einfach sei. 

Wie wahr ist die Aussage des Musikers Daniel Dickopf, der klarstellt: „Ich bin nicht wegen dem Papst und den Bischöfen in der katholischen Kirche. Sondern trotz ihnen“. Dickopf spüre bei den Oberhirten immer noch eine Arroganz. „Das wird nicht lange gut gehen“.

Von „schwammigen Aussagen“ Eurer Exzellenz ist da die Rede. Dass man doch vielleicht, irgendwie, irgendwann, womöglich kommendes Jahr die bischöflichen Richtlinien gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland verschärfen wolle. Ein bisschen. Ja. Vielleicht.

"Es sei geplant, die Leitlinien zu überprüfen". Gleichzeitig "kündigen Eurer Exzellenz an, die Leitlinien zu überarbeiten". Und zwar innerhalb der nächsten Monate. Dann wiederum "müsse überprüft werden, ob man die Leitlinien überarbeite". "Die Bischofskonferenz werde über die Leitlinien beraten". "Derzeit überarbeite man die kirchlichen Leitlinien" . "Die Bischofskonferenz werde erneut über die Leitlinien gegen sexuellen Missbrauch beraten". "Die Leitlinien sollten überarbeitet werden." Und solche Aussagen innerhalb weniger Stunden. Aber: schon klar! Wir wissen genau, was Sie uns damit sagen wollen! Wir sind ja nicht blöd.

Dann geht es um die Frage: "Kann so jemand überhaupt noch Seelsorger sein?". Bislang schließen die Leitlinien der Bischofskonferenz eine Weiterbeschäftigung in der Seelsorge nicht aus. Im Moment kann ein Bischof einen Priester, der sich an Kindern oder Jugendlichen sexuell vergangen hat, zum Beispiel als Seelsorger in der Altenpflege einsetzen. Grundlage für diese Entscheidung sei lediglich die Frage, ob in der neuen Position weiterhin eine Gefahr von ihm ausgehe. "Aber das ist auch eine Glaubwürdigkeitsfrage", sagte Eure Exzellenz. Es gehe darum, ob die Kirche ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel setze, wenn sie pädophile Priester überhaupt in der Seelsorge weiterbeschäftigt.  Ne, schon klar. Wir finden das alle immens glaubwürdig von Eurer Exzellenz. Eure Exzellenz stellen die Glaubwürdigkeit in persona dar. Und nur, weil unsereiner sich fragt, ob und in welcher Form  wem gegenüber der Priester, der da vor einem steht,  eventuell übergriffig geworden ist, hat das ja gaaaaaaaaaaar nichts mit Ihrer Glaubwürdigkeit zu tun.  Dem Schlamassel, den Eure Exzellenz sich da eingebrockt haben, sind mehr Kirchenaustritte zu verdanken, als Sie derzeit preisgeben will. Ganz simple Frage: Wie viele Kirchenaustritte gab es denn im Bistum seit Amtsantritt Eurer Exzellenz?  Und das ist nur ein Symptom Ihrer Glaubwürdigkeit. Von den anderen ganz zu schweigen.

„Die Kirchengemeinden seien sensibilisiert“ heißt es weiter. Ich fass‘ es nicht! Die Gemeinden wurden nicht sensibilisiert, sondern instruiert! Schweigen! Sich nur nichts anmerken lassen. Ganz besonders im Saarlouiser Raum. Quasi eine Hochburg des sexuellen Missbrauchs durch Angehörige der katholischen Kirche.  Wie hieß noch einmal gleich der zuständige Weihbischof? (!).  Also: Ich erinnere an den Februar diesen Jahres. Als erstmals Zugriffe aus Rom auf unserer Seite zu verzeichnen waren. Zufällig genau in dem Zeitraum, an dem Eure Exzellenz an der dortigen (Anti-)Missbrauchskonferenz teilnahmen.  Während wir die ersten Fälle der Öffentlichkeit preisgaben, hieß es plötzlich zeitgleich von der (Anti-) Missbrauchskonferenz aus in Rom „Vatican sex abuse summit: Don’t wait for the media to make us act'”. Und genau das war nämlich der Fall, als wir begannen, Köllerbach zu veröffentlichen. Nachdem Rheinböllen bereits raus war und damit gerechnet werden musste, dass Rheinböllen erst der Anfang ist. Und nicht das Ende.  Wenn die Gemeinden tatsächlich so sensibilisiert sind, warum fallen  dann die Reaktionen so heftig aus, wenn die Gläubigen erfahren, wen ihnen Bischof Ackermann da vorgesetzt hat?  Und diejenigen Priester, die es doch tatsächlich wagen, bei der Aufklärung zu helfen, werden denunziert. Und versetzt.  So sieht’s aus. Nachweislich.

Eure Exzellenz hatten bisher wirklich Glück. Mehr Glück als Verstand könnte man behaupten.  Es ist eine Frage der Zeit, bis ein Opfer bereit ist, sein Schweigen zu brechen, das von einem Pfarrer sexuell missbraucht wurde, über dessen Vergangenheit Eure Exzellenz nachweislich informiert waren.  Und es unterlassen haben, zu reagieren. "Grobe Fahrlässigkeit" könnte dann noch eine große Bedeutung spielen.  Aber so lange wird weiter Kinderroulette gespielt.

Aber dieses Opfer gibt es. Heute schon. Und es wird sein Schweigen brechen.  Nicht heute. Und auch nicht morgen. Aber eines Tages.  Und ich befürchte, es wird nicht das Einzige sein.
Aber jetzt noch mein persönliches Lieblingsstatement vom gestrigen Auftritt: „Zugleich warnte Ackermann vor einer pauschalen Vorverurteilung aller Pädophilen. „Die Öffentlichkeit sagt, das sind Kinderschänder. Da gibt es nur eine Kategorie, die sind alle krank.“  Wer ist noch einmal krank, die Öffentlichkeit? „Und da muss ich sagen, als jemand, der die einzelnen Personen kennt: Das ist nicht der Fall. Da muss man – was die Gefährlichkeit angeht – nochmal unterscheiden.“

Eure Exzellenz warnen? In welcher Position glaubt Ihr eigentlich zu sein, dass Ihr öffentliche Warnungen aussprecht? Und wer bitte soll diese Warnung auch noch ernst nehmen? Und als jemand, der – wie Ihr angebt – die einzelnen Personen zu kennen, hätte man das auch anders formulieren können: „Und als jemand, der die Priester zu kennen glaubt, die sexuell übergriffig geworden sind, die des sexuellen Missbrauchs beschuldigt werden, die sexualisierte Gewalt ausübten sowie die des sexuellen Missbrauchs verurteilt wurden:

Da sage ich als Bischof von Trier: was die Gefährlichkeit angeht – da gibt es nichts zu unterscheiden. Aber auch gar nichts:  Denn:  Kinderseelen gemordet,  das haben sie alle. Und das erkenne ich als Bischof von Trier an."

Nur, was uns die ein oder andere Seele wert ist, da haben wir natürlich wieder unterschieden. Aber das dürfen wir ja auch. Denn: Wir sind schließlich Bischof!"

Und was die Opfer und Betroffene angeht, bitte in Zukunft dran denken, sich auch artig bei Eurer Exzellenz zu bedanken! Denn ich erinnere an die ebenfalls von Eurer Exzellenz gestern getätigte Aussage:, dass Eurer Exzellenz einräumen, dass Ihr am Anfang noch darüber nachgedacht habt, ob die Betroffenen "nicht ein bisschen dankbarer" Euch gegenüber sein könnten!

Also, wem ist denn jetzt noch bitte zu verdenken, wenn er den gestrigen Auftritt des Bischofs Ackermann als „PR-Suizid“ bezeichnet?