Mittwoch, 2. Mai 2012

Bischof: 11-jährige “vermutlich unschuldig” an ihrer Vergewaltigung

Bischof: 
11-jährige “vermutlich unschuldig” an ihrer Vergewaltigung



Kolumbien / Salzburg (08.09.2006, JfdL-nos). Der Salzburger Weihbischof Dr. Andreas Laun nimmt zum heiklen Thema Abtreibung nach Vergewaltigung Stellung. Der Anlass: In Kolumbien war ein 11-jähriges Mädchen nach jahrelangem sexuellem Missbrauch schwanger geworden und hatte auf Drängen der Familie das Kind abtreiben lassen. Kardinal Alfonso López Trujillo hatte daraufhin über alle an der Abtreibung Beteiligten die Exkommunikation ausgesprochen: über die Erziehungsberechtigten, Ärzte, Krankenschwestern, Politiker und Gesetzgeber. Das Mädchen selbst sei nach dem Kirchenrecht von der Maßnahme ausgenommen, weil strafmildernde Gründe vorlägen, so der Kardinal. 


fdL: Was genau bedeutet eine Exkommunikation, wozu ist sie da?


WB Laun: Durch die Exkommunikation wird dem so Bestraften untersagt, die Sakramente zu spenden und zu empfangen, und wenn er im kirchlichen Dienst steht, darf und kann er sein Amt nicht ausüben.
Wie alle kirchlichen Strafen dient auch die Exkommunikation dazu, dem Täter die Schwere seines Vergehens bewusst zu machen und ihn so zur Umkehr zu bewegen.



JfdL: Wie steht die katholische Kirche zu Abtreibung nach Vergewaltigung oder Missbrauch?


WB Laun: Beide Taten sind sehr, sehr schlimm, objektiv wirklich schwere Sünden. Bei einer Vergewaltigung, durch die ein Kind gezeugt wird, gibt es einen Täter und zwei Opfer: den Vergewaltiger auf der einen Seite, die Frau und das Kind auf der anderen. Der Täter verdient Strafe, die Frau braucht dringend Hilfe und das ungeborene Kind muss geschützt und verteidigt werden.


JfdL: Was würden sie als Bischof einem elfjährigen Mädchen sagen, das durch eine Vergewaltigung schwanger wurde und das von den Angehörigen zur Abtreibung gedrängt wird?


WB Laun: Ich würde dem Kind von dem Wunder des neuen Lebens in seinem Schoß erzählen, davon, dass es zur Hälfte ihr Kind ist, dass es sich nach der Liebe seiner Mutter sehnt, dass es wie ein junges Geschwister mit ihr aufwachsen wird. Außerdem würde ich ihm sagen: Dadurch wird auch die Wunde, die du empfangen hast, heilen..



JfdL: In welcher Weise kann die Kirche der Betroffenen helfen?


WB Laun: Die Kirche hilft, wenn sie betet und wenn sie unerschütterlich das Leben verteidigt, und sie hilft, indem sie Angebote macht, falls die eigenen Eltern versagen sollten. Aber es ist doch zu hoffen, dass Eltern einer 11-jährigen bereit sein werden, das Kind ihrer Tochter als eigenes Kind anzunehmen.