Freitag, 7. Dezember 2012

Deutsche Bischofskonferenz stellt die Ergebnisse der Analyse forensisch-psychiatrischer Gutachten vor


„VERMEHRTES HINZUZIEHEN EXTERNER SACHVERSTÄNDIGER IST EIN WICHTIGER SCHRITT IN RICHTUNG TRANSPARENTER VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG“

Die Deutsche Bischofskonferenz und das Institut für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen haben heute in Trier die Ergebnisse der Studie „Sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche in Deutschland – Eine Analyse forensischer Gutachten 2000-2010“ vorgestellt.

Bereits im Jahr 2002 gab die Deutsche Bischofskonferenz für alle Diözesen verbindliche Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche heraus und beauftragte seitdem auch kontinuierlich forensisch-psychiatrische Gutachten. Die Institute für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen unter Leitung von Professor Dr. med. Norbert Leygraf, der Charité-Universitätsmedizin Berlin mit dem Leiter Professor Dr. med. Hans Ludwig Kröber und der Sektion Forensische Psychotherapie der Universität Ulm unter Leitung von Professor Dr. med. Friedemann Pfäfflin erstellten den Großteil dieser Gutachten. Unter Mitarbeit von Dr. Andrej König von der Fachhochschule Dortmund, Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften, Methodenlehre und Forensische Psychologie, begann im April 2011 die Erarbeitung der Studie zu sexuellen Übergriffen in der katholischen Kirche in Deutschland, in der Gutachten im Zeitraum 2000 bis 2010 ausgewertet wurden, und deren Ergebnisse jetzt vorliegen. 

„Nach Beginn der öffentlichen Diskussion 2010 über sexuelle Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche und der Überarbeitung unserer Leitlinien haben wir uns dazu entschlossen, die gutachterlich gewonnenen Erkenntnisse systematisch zu erfassen und wissenschaftlich auszuwerten. Die Vorstellung der Ergebnisse stellt einen weiteren wichtigen Schritt in unseren Bemühungen zur transparenten Missbrauchsaufarbeitung in der katholischen Kirche dar“, erklärte Bischof Dr. Stephan Ackermann (Trier), der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger im kirchlichen Bereich. 

21 deutsche Bistümer reichten insgesamt 93 Gutachten ein. Nach Ausschluss von Gutachten, die nicht den Prüfkriterien entsprachen, umfasste die Gesamtstichprobe 78 katholische Geistliche. Ziel der Studie ist es, die Gruppe katholischer Geistlicher, die aufgrund vorgeworfener sexueller Übergriffe psychiatrisch und psychologisch begutachtet wurden, in Bezug auf forensisch und klinisch relevante Aspekte zu beschreiben. Empirische Daten über die Persönlichkeit beschuldigter Priester und deren Taten wurden mit allgemein bei sexuellen Missbrauchshandlungen bekannten Befunden abgeglichen, um wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse zu erhalten. Der Schwerpunkt der Studie liegt dabei nicht auf einer umfassenden historischen Abbildung, sondern auf Vorwürfen, die zwischen den Jahren 2000 und 2010 begutachtet wurden. Die Vorfälle selbst lagen dabei häufig deutlich länger zurück. „Die Mehrheit der bekannt gewordenen Übergriffe fand zwischen den 1960er und 1990er Jahren und somit in einer Zeit statt, in der noch ein anderes gesellschaftliches Bewusstsein und eine geringere Sensibilität für das Thema sexueller Handlungen an Kindern und Jugendlichen vorherrschte. Das Verständnis hat sich im Laufe der Jahre sowohl innerhalb der katholischen Kirche als auch gesamtgesellschaftlich gewandelt – heute stehen größtmögliche Transparenz und das Bemühen um rasche Aufklärung von Missbrauchsfällen im Mittelpunkt“, so Professor Leygraf.

Der Großteil der bei den Bistümern eingegangenen Meldungen von sexuellen Handlungen mit Körperkontakt zu den Betroffenen sei insbesondere in den letzten drei Jahren erfolgt. Im Gegensatz dazu sei sexuelles Fehlverhalten ohne Körperkontakt zum Opfer, insbesondere der Konsum von Kinderpornografie im Internet, den Bistümern ausschließlich in den vergangenen zehn Jahren gemeldet worden. Diesbezüglich entspräche die Situation innerhalb der katholischen Kirche der gesamtgesellschaftlichen Problematik. 

„Etwa die Hälfte der Gutachten des letzten Jahrzehnts wurde im Jahr 2010 in Auftrag gegeben. Das vermehrte Hinzuziehen externer Sachverständiger durch die Kirche ist als ein wichtiger Schritt in Richtung Transparenz und Vergangenheitsbewältigung zu bewerten“, so Professor Leygraf.

Die Anschuldigungen gegenüber katholischen Geistlichen seien äußerst heterogen und würden von Saunabesuchen in öffentlichen Schwimmbädern, Beschwerden über einvernehmliche sexuelle Kontakte zwischen Geistlichen und anderen erwachsenen Personen über gewaltfreie Umarmungen vollständig bekleideter Jugendlicher auf einer Kirchenfreizeit bis hin zu gravierenden Vorwürfen wie Manipulation an den Genitalien von minderjährigen Kindern, dem Besitz und Konsum kinderpornografischen Materials oder sexuellem Missbrauch widerstandsunfähiger Personen reichen. Im Einklang mit internationalen Befunden hätte es deutlich mehr männliche als weibliche Betroffene gegeben, was laut Professor Leygraf damit zusammenhängen könnte, dass Mädchen bis in die 1980er Jahre kaum als Ministranten tätig waren und katholische Geistliche somit über ihren Beruf seltener einen direkten Zugang zu Mädchen gehabt hätten. Die Belastung durch psychische Erkrankungen bei den begutachteten katholischen Geistlichen sei vergleichbar mit Krankheitsbildern in der deutschen Allgemeinbevölkerung. 

„Insbesondere eine sexuelle Präferenzstörung im Sinne einer Pädophilie oder Hebephilie wurde nur bei einer Minderheit der Geistlichen diagnostiziert. Diesbezüglich zeigen sich keine bedeutsamen Unterschiede zu Erhebungen in der deutschen Allgemeinbevölkerung. Die vorgeworfenen sexuellen Übergriffe wurden aus Beweggründen begangen, die sich überwiegend dem normalpsychologischen Bereich zuordnen lassen und nur in wenigen Fällen Folge einer spezifischen Psychopathologie waren“, so Professor Leygraf. Zur Rückfälligkeit erklärte er: „Betrachtet man internationale Befunde zur Rückfälligkeit sexuell übergriffiger katholischer Geistlicher, die an ambulanten Behandlungsmaßnahmen teilnahmen, so trat ein relativ kleiner Anteil von etwa fünf Prozent erneut mit sexuellen Übergriffen in Erscheinung. Inwiefern unbehandelte sexuell übergriffige Geistliche eine geringere oder höhere Rückfallrate aufweisen, ist bis heute unbekannt. Verbleiben sexuell übergriffige katholische Geistliche innerhalb ihrer Kirche, dann verfügen sie über ein soziales Kontroll- und Unterstützungsnetzwerk, welches unter rückfallpräventiven Gesichtspunkten als protektiver Faktor angesehen werden kann.“ 

Die Ergebnisse der Studie, die Anfang nächsten Jahres in einer eigenen Fachpublikation veröffentlicht werden, finden auch bei der in Kürze anstehenden Überprüfung der Rahmenordnung Prävention Berücksichtigung.

Hinweise:
Das Statement von Bischof Dr. Stephan Ackermann und die Präsentation von Professor Dr. Norbert Leygraf finden Sie untenstehend zum Herunterladen. Weitere Informationen bietet unser Dossier zum Thema „Sexueller Missbrauch“.

Statement von Bischof Stephan Ackermann anlässlich zur Vorstellung der Studie "Sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche in Deutschland - Eine Analyse forensischer Gutachen 2000 - 2010"


Statement 

des Beauftragten der Deutschen Bischofskonferenz

für Fragen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger

im kirchlichen Bereich, 

Bischof Dr. Stephan Ackermann,

anlässlich der Pressekonferenz

zur Vorstellung der Studie „Sexuelle Übergriffe durch

katholische Geistliche in Deutschland – Eine Analyse

forensischer Gutachten 2000-2010“ 

am 7. Dezember 2012 in Trier






Es gibt viele Thesen darüber, warum Menschen zu Tätern werden und welche  Strukturen sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen, jungen Männern  und Frauen verhindern helfen oder welche Strukturen sexuellen Missbrauch womöglich begünstigen können. Es gibt dazu aber nur wenige wissenschaftliche Erkenntnisse. Vor allem fehlt es an Wissen, mit dem effizienter Kinder- und Jugendschutz unterstützt und abgesichert werden kann.

Es ist allenfalls in Grundzügen untersucht, welche Präventionsstrategien sich bewähren, wie sich sexualisierte Gewalt im späteren Leben auswirkt und welche Therapien greifen, bei Tätern wie bei Betroffenen, so stellte es auch der Runde Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“ fest. Gezielt handeln kann aber nur, wer über gesicherte Erkenntnisse verfügt. Um einen besseren Schutz vor sexuellem Missbrauch zu ermöglichen, bedarf es deshalb der Forschung. 

Die Studie „Sexuelle Übergriffe durch katholische Geistliche in Deutschland –  Eine Analyse psychiatrisch-psychologischer Gutachten 2000 – 2010“, die wir heute vorstellen, kann hierzu ein wichtiger Baustein sein. Die Studie ist ein Gemeinschaftsprojekt der drei renommierten Zentren für forensische Forschung:

Quelle: DBK




 Institut für Forensische Psychiatrie der Universität Duisburg-Essen

(Leitung: Professor Dr. med. Norbert Leygraf)

 Institut für Forensische Psychiatrie der Charité-Universitätsmedizin Berlin

(Leitung: Professor Dr. med. Hans-Ludwig Kröber)

 Sektion Forensische Psychotherapie der Universität Ulm

(Leitung: Professor Dr. med. Friedemann Pfäfflin). 
 

Wie Sie wissen, hat die Deutsche Bischofskonferenz bereits im Jahr 2002 für alle Diözesen verbindliche Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche erlassen, die 2010 noch einmal überarbeitet wurden. Seither gibt sie auch forensisch-psychiatrische Gutachten in Auftrag, so wie es seit 2010 in den Leitlinien (Nr. 43) verbindlich vorgeschrieben ist. Die Leitlinien sehen dies in den Fällen vor, in denen ein im kirchlichen Dienst Tätiger sich einer sexuellen Missbrauchshandlung schuldig gemacht hat.

So soll möglichst professionell abgeklärt werden, welche Einsatzmöglichkeiten für die betreffende Person – sofern sie im kirchlichen Dienst verbleibt – unter dem Aspekt einer individuellen Risikobeurteilung prognostisch verantwortbar erscheinen.

Im Rahmen gemeinsamer Gespräche der drei Institutsleiter mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofkonferenz über die im Zusammenhang mit den Begutachtungen gemachten Erfahrungen entstanden erste Überlegungen, diese gutachterlich gewonnenen Erkenntnisse systematisch zu erfassen und wissenschaftlich auszuwerten. Nach Beginn der öffentlichen Diskussion 2010 über sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche wurden diese Überlegungen wieder aufgegriffen. Die Studie, die mit Mitteln des Verbandes der Diözesen Deutschlands (VDD) gefördert ist, startete dann am 15. April 2011 und dauerte genau ein Jahr. Mitte November wurde sie im Kreis der Diözesanbischöfe vorgelegt.

Ziel der Studie ist es, mit einer qualitativen und quantitativen Gutachtenanalyse ein möglichst umfassendes Bild über Täterpersönlichkeiten zu ermöglichen und Gefahrenmomente im kirchlichen Bereich besser identifizieren zu können. Biographische Zusammenhänge sowie die Situation und die Abläufe der vorgeworfenen sexuellen Handlungen und Merkmale der Opfer spielen dabei eine besondere Rolle.

Wir erhoffen uns von der Studie, eine neue Qualität in der Debatte um den Umgang mit Tätern im kirchlichen Bereich zu erhalten. Die Frage danach war Mitte November auch Thema bei unserem internationalen Fachkongress in Bad Honnef, an dem Professor Leygraf als Referent teilgenommen hat. Er wird zusammen mit seinen Kollegen die Ergebnisse der Studie Anfang nächsten Jahres in einer eigenen Fachpublikation veröffentlichen.

Außerdem erhoffen wir uns, Hinweise dafür zu erhalten, wo wir unsere Präventionsmaßnahmen, die ja in einer eigenen Rahmenordnung geregelt sind, noch verstärken beziehungsweise präzisieren müssen. Sicher werden wir unsere Aufmerksamkeit noch mehr dem Einfluss der neuen Medien und dem Thema Internetpornographie zuwenden müssen. 

Das Forschungsprojekt unter Leitung von Herrn Professor Dr. Norbert Leygraf betreute Herr Dr. Andrej König (inzwischen Vertretungsprofessor für Methodenlehre und Forensische Psychologie an der Fachhochschule Dortmund). 

Ich begrüße die beiden Herren sehr herzlich.

Sie werden jetzt zu Methodik und Ergebnissen ihrer Forschung berichten

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Bischof Stephan Ackermann stellt Missbrauchsstudie vor





Bischof Stephan Ackermann


Es ist fast drei Jahre her, dass Fälle sexuellen Missbrauchs die katholische Kirche erschütterten. Geistliche und andere Mitarbeiter der Kirche hatten sich teils systematisch und über Jahre an Mädchen und Jungen vergangen. Die Deutsche Bischofskonferenz überarbeitete ihre Leitlinien und gab schließlich forensisch-psychiatrische Gutachten in Auftrag. Wer sind die Täter? In welchen Situationen ereignete sich der Missbrauch? An diesem Freitag stellt sie die Ergebnisse der Untersuchung vor.

Quelle: Spiegel.de



Die Bischofskonferenz stellt heute in Trier eine Studie zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche vor. Dabei geht es um sexuelle Übergriffe durch Priester. Die Studie analysierte forensisch-psychiatrische Gutachten.

Ziel war es, die Zusammenhänge von Taten zu erhellen und ein Bild von den Persönlichkeiten der Täter zu erhalten. Dazu wurden Daten beschuldigter Geistlicher ausgewertet. Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Triers Bischof Stephan Ackermann, will den Abschlussbericht zu der Analyse der psychiatrischen Gutachten vorstellen.

Das Bistum Trier hat jüngst gegen zwei frühere Priester kirchenrechtliche Untersuchungen eingeleitet. Sie stehen unter dem Verdacht, Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Die Fälle hatten für Aufsehen gesorgt, weil das Bistum zunächst nicht tätig wurde: Die mutmaßlichen Täter sind keine Bistums-Priester.

Quelle: SWR.de

Freiburger Oberstaatsanwalt widerspricht der Aussage von Offizial Holkenbrink. - Anstatt aufzuklären, wirft eine Pressekonferenz des Bistums Trier weitere Fragen auf.


Erst Missbrauch, dann Vertuschung: Vorwürfe halten Pfarreien im Saarland und Bistum Trier in Atem

Missbrauchs- und Vertuschungsvorwürfe, Drohbriefe und Verleumdungen: Seit zwei Jahren rumort es in den Gemeinden St. Martin und Herz-Jesu im saarländischen Köllerbach. Was ist wirklich passiert? Anstatt aufzuklären, wirft eine Pressekonferenz des Bistums Trier weitere Fragen auf.

Der in einem Fall zuständige Freiburger Oberstaatsanwalt Wolfgang Maier widerspricht dieser Aussage. „Wir können überhaupt nicht sagen, ob der Fall verjährt gewesen wäre. Es wurde nicht ermittelt, weil ein Familienmitglied, das Anzeige gestellt hatte, den Namen des Opfers nicht nennen wollte“, erläutert Maier auf TV-Anfrage. Er bestätigt, dass das Bistum Trier 2010 den Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben hatte.
Obwohl es für den beschuldigten Priester nicht zuständig war? Als entscheidend sei letztlich angesehen worden, dass Verdächtige – durch die Taufe einmal in die Kirche aufgenommen – verpflichtet seien, kirchliche Gesetze und damit auch kirchliche Strafgesetze zu beachten, erklärt der Offizial.

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"Dass er um 1990 herum, vor seiner Zeit im Saarland, ein minderjähriges Mädchen missbrauchte, habe er im Wesentlichen jedoch eingeräumt, sagte Holkenbrink weiter."


Der beschuldigte Priester wurde den Angabe zufolge im Frühjahr 2010 vom Dienst suspendiert, weil er trotz eines Verbots in einem Privathaus weiter Messen feierte. Vorwürfe, er habe sich in seiner Zeit in Köllerbach zwischen 1991 und 2007 durch sexuelle Übergriffe auf Minderjährige schuldig gemacht, weist er zurück.

Dass er um 1990 herum, vor seiner Zeit im Saarland, ein minderjähriges Mädchen missbrauchte, habe er im Wesentlichen jedoch eingeräumt, sagte Holkenbrink weiter. Der Chef des Kirchengerichts betonte zugleich, die den Vorwürfen zugrunde liegenden Taten seien verjährt. Die zuständigen Staatsanwaltschaften hätten die Ermittlungen eingestellt.

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Dr. Georg Holkenbrink – Offizial des Bistums Trier Faktenlage zu den Auseinandersetzungen in Köllerbach/Püttlingen im Umfeld des Kirchbauvereins St. Martin und zur Frage, ob es hier sexualisierte Gewalt durch Priester gab



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Kurswechsel beim Bistum Trier

Der Verdacht von Missbrauchsfällen in Köllerbach hat monatelang für Kritik an der Haltung des Bistums Trier gesorgt. Man fühlte sich nicht zuständig, da sich die Vorwürfe gegen zwei Pater der Piusbruderschaft richteten. Nun gibt es einen Kurswechsel beim Bistum.

(06.12.2012) Seit Monaten sorgt der Verdacht von Missbrauchsfällen in Köllerbach für Schlagzeilen, für viele Briefe und für heftigen Unmut gegen das Bistum Trier und den obersten Mißbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, den Trierer Stephan Ackermann. Denn das Bistum hat bislang jede Stellungnahme zu den Vorwürfen verweigert. Das hat sich jetzt geändert.

Bistum ändert bisherige Haltung

Bei den Missbrauchsfällen Es geht um zwei Pater, die in der Köllerbacher Gemeinde St. Martin tätig waren. Sie sollen in der Vergangenheit Jugendliche sexuell missbraucht haben. Da die beiden für die konservative Piusbruderschaft tätig waren und dadurch nicht dem Bischof von Trier unterstanden, fühlte sich das Bistum zunächst nicht zuständig.

Der Fall sorgte im Frühjahr bundesweit für Schlagzeilen, als Geistliche aus Köllerbach dem Bistum vorwarfen, Missbrauchsfälle in der Gemeinde vertuschen zu wollen und danach Drohbriefe erhielten. Das Bistum änderte auch durch den öffentlichen Druck seine bisherige Haltung und eröffnete schließlich doch ein kirchliches Ermittlungsverfahren. Das Bistum will in Zukunft bei jedem Missbrauchsverdacht in seinem Gebiet zu ermitteln, auch wenn die beschuldigten Geistlichen nicht direkt beim Bistum beschäftigt sind.

Köllerbach: Bistum weist Vertuschungsvorwurf zurück

(06.12.2012) Das Bistum Trier hat den Vorwurf zurückgewiesen, einen Missbrauchsverdacht gegen Priester in Köllerbach zu vertuschen. Damit widerspricht das Bistum den Äußerungen eines früheren Pfarrers.

Dieser hatte 2010 dem Dechanten von Püttlingen vorgeworfen, Hinweisen auf mutmaßliche sexuelle Übergriffe im Umfeld des Katholischen Kirchenbauvereins Sankt Martin nicht nachgegangen zu sein.

Nach Bistumsangaben ist dies ein privater Verein und deren Priester sind damit dem Bistum nicht unterstellt. Dennoch habe das Bistum Trier bereits im April eine Untersuchung eingeleitet.

Bistum Trier ermittelt gegen zwei Priester im Saarland

Das Bistum Trier hat gegen zwei ehemalige Priester der traditionalistischen Gläubigen-Gemeinde St. Martin im saarländischen Püttlingen-Köllerbach kirchenrechtliche Voruntersuchungen wegen sexuellen Missbrauchs eingeleitet. Ein Geistlicher soll sich im Raum Freiburg um das Jahr 1990 an einem minderjährigen Mädchen vergangen haben. Zudem wird ihm in seiner Zeit in Köllerbach (1991 bis 2007) ein weiterer sexueller Übergriff vorgeworfen. Der zweite Geistliche soll Mitte der 1980er Jahre in Saarbrücken einen minderjährigen Jungen missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft hatte Ermittlungsverfahren wegen Verjährung eingestellt.


Quelle: focus.de

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Missbrauch in Köllerbach vertuscht? Bistum Trier verteidigt sich

Trier/Köllerbach/St. Wendel. Das Ermittlungsverfahren gegen den St. Wendeler Pfarrer Klaus Leist wegen vermeintlicher Drohbriefe hat die Staatsanwaltschaft eingestellt. Grund für das Bistum Trier, gestern Stellung zu beziehen. Zu einem "komplexen Fall, dessen Problematik einfach sehr schwer zu überschauen ist", wie Georg Holkenbrink sagte (veröffentlicht am 05.12.2012)



Die Martinskirche in Köllerbach                   Foto: Hartmann Jenal



Der Pater, im Dienst der von Rom nicht anerkannten erzkonservativen Piusbruderschaft handelnd, habe ohne Auftrag des Trierer Bischofs für St. Martin gearbeitet. Ab 1988 hatte sich die traditionalistische Gemeinde von der katholischen Amtskirche abgespalten. Erst im Februar 2007 sei sie wieder vom Bischof aufgenommen worden. Deshalb habe das Bistum zunächst gemeint, kirchenrechtlich nicht gegen den beschuldigten Pater vorgehen zu können. Erst im Frühjahr dieses Jahres seien Justiziare zum Entschluss gekommen, dass "als durch die Taufe einmal in die katholische Kirche Aufgenommene zur Beachtung der kirchlichen Gesetze (…) verpflichtet sind". Ermittlungsakten seien nun im Vatikan. Ähnlich wie die zum Fall eines weiteren Paters, der nur kurz für St. Martin im Dienst gewesen war. Holkenbrink schwieg zu einem dritten Missbrauch, da es sich beim mutmaßlichen Täter um eine Privatperson handle.

Zudem rehabilitierte Holkenbrink den St. Wendeler Pfarrer Leist. Dieser habe keinen Bischofsauftrag gehabt, in der Sache zu ermitteln. Es sei um das Schreiben eines St.-Martin-Gemeindemitglieds gegangen, das von Missbrauchs-"Gerüchten" sprach. Diesen Wortlaut habe Leist in einer Stellungnahme ans Bistum aufgenommen. Woraufhin Ittmann Leist vorgeworfen habe, die Fälle als bloße Gerüchte abgetan zu haben.



Audiobeitrag: Aktueller Stand der kirchenrechtlichen Voruntersuchungen bei Missbrauchsfällen im Bistum Trier



Um den Audio-Beitrag zu hören, bitte folgenden Link anklicken:



Dienstag, 4. Dezember 2012

Trier: Erst ein Missbrauchsverfahren beendet

Im Bistum Trier laufen noch gegen 17 Priester kircheninterne Untersuchungen wegen des Missbrauchs von Kindern. Das teilte ein Sprecher des Bistums dem Südwestrundfunk mit.

Erst ein einziger Fall sei abgeschlossen. Der Priester sei aus dem Klerikerstand entlassen worden. Er hatte mehrere Jungen missbraucht. Vier weitere Fälle sollen 2013 abgeschlossen werden.

In diesen Fällen wurde dem Bistum nach eigenen Angaben aus Rom bereits aufgetragen, kircheninterne Strafverfahren einzuleiten. Alle anderen Untersuchungen liefen zurzeit noch.

Quelle: sr-online, Regionalnachrichten, 04.12.2012 18:33 Uhr


Montag, 3. Dezember 2012

Erneut Nachrichtensperre im Bistum Trier - diesmal unterzeichnet von Ex-Bistumssprecher Kronenburg










Lieber Ex-Bistumssprecher Kronenburg,


haben wir da etwa auf die letzten Tage im Bistum Trier noch ein Süppchen gekocht, das am Mittwoch nachmittag der neue Pressesprecher auslöffeln darf?  Oder werden Sie sich selbst den Fragen stellen?

Oder werden tatsächlich nur der Offizial und der Justiziar des Bistums Trier anwesend sein?

Man könnte ja direkt meinen, die Räte in Köllerbach und die Vertreter der Martinsgemeinde wolle man vorab nicht über die Vorgehensweise des Bistums Trier informieren...Wozu auch? - Schließlich betrifft es sie ja.

Die Nachrichtensperre gilt übrigens bis zum 06.12.2012 und betrifft laut Kronenburg die "Faktenlage zu den Auseinandersetzungen in Köllerbach" und die Frage, "ob es hier zu sexualisierter Gewalt durch Priester kam" .

Kirche wird unglaubwürdig

Ermittlungen wegen Volksverhetzung: - Kreuz.net nicht mehr erreichbar

Die Internetseite kreuz.net hat gegen Juden, Muslime und, vor allem, Homosexuelle gehetzt. Die Schlagzeile "Jetzt brennt er in der ewigen Homo-Hölle" zum Tode des Komikers Dirk Bach sorgte für Entsetzen. Seit Sonntagnacht (02.12.2012) ist die Seite offline, aber die Ermittlungen gehen weiter.

zum Artikel auf "wdr.de"

Kreuz.net Katholisches Hetzportal ist offline

Hamburg/Wien - Die unter dem Verdacht der Volksverhetzung stehende Webseite Kreuz.net ist seit circa ein Uhr am Sonntagmorgen offline - die bisher längste "Downtime" der seit 2004 bestehenden Hetzseite. Das Portal versorgt die Welt angeblich ohne jede Verbindung zur Amtskirche mit "katholischen Nachrichten" mit homophoben, rassistischen, rechtslastigen und antisemitischen Inhalten. Der umstrittene, möglicherweise volksverhetzende Newsdienst war in den vergangenen Monaten zu einem zunehmenden Imageproblem für die Katholische Kirche geworden.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Aufklärung auf katholisch? - Reines Wunschdenken! - Christian Pfeiffer: "Wir haben eine Eiszeit"


"Versprechen gebrochen"


So hat die Deutsche Bischofskonferenz mit dem Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen eine umfangreiche Studie vereinbart, die nicht nur die Untersuchung der Personalakten beinhaltet, sondern auch Tiefeninterviews mit Opfern und Tätern. Doch dieses Forschungsprojekt kommt nicht voran. Wir haben eine Eiszeit, sagt Christian Pfeiffer, der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts.

"Es gab dann plötzlich von verschiedenen Seiten innerhalb der Kirche Einwände zu den Rahmenbedingungen, unter denen das Projekt laufen soll. Es gab neue Vorschläge, wie man die Forschung strukturieren sollte, und da konnten wir uns nicht einverstanden erklären; wir beharren bis heute auf dem Vertrag, den wir im Sommer 2011 abgeschlossen haben."

Dem Vernehmen nach weigern sich mehrere Bistümer, die von der Bischofskonferenz vertraglich zugesicherten Personalakten für die Forschung freizugeben. Das Projekt kommt nicht in Gang, zwei dafür eingestellte Wissenschaftler haben das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen bereits wieder verlassen. 

Advent, Advent, das "kreuz.net" brennt: Priester sind «Kreuz.net»-Redakteure



Vorgesetzte aus der Kirche sind in den meisten Fällen nicht bereit, disziplinarische Maßnahmen gegen ihre Mitarbeiter zu ergreifen. So verstärkt sich zunehmend der Eindruck, dass die katholische Kirche nicht bereit ist, aktiv gegen die katholische Hass-Seite vorzugehen.

Die Betreiber der im Jahr 2002 registrierten Website behaupten, hauptberuflich im kirchlichen Dienst zu stehen. Auf der eigenen Facebook-Seite werden insgesamt vierzehn Personen genannt: ein Bischof, neun katholische Pfarrer, ein Diakon, ein Landtagsabgeordneter aus Bayern und zwei Atheisten.

Jetzt scheint Kreuz.net kalte Füsse bekommen zu haben: Die Webseite, gehostet auf den Bahamas mit einer Adresse in Panama, ist offline. Insider im Usenet berichten am Sonntag: "Die Macher der Webseite kreuz.net löschen alle Ip-Adressen und Namen der Verfasser aus den Beiträgen um Rückschlüsse auf Personen unmöglich zu machen.". Demnach soll die Webseite später allerdings wieder online gehen. Nach Informationen eines ehemaligen Redakteurs der Webseite, unter anderen Domainnamen oder einer Subdomain.

Quelle: kuvi.de



... was aber für das Bistum Trier keinen Grund darstellt, sich offiziell von  Pfarrer Jolie, der sein Amt inzwischen niedergelegt hat, da er - entgegen früheren Darstellungen - auch Texte für "kreuz.net" geliefert haben soll, zu distanzieren. Im Gegenteil: Das Bistum Trier wirbt weiter für ihn.






weitere Infos auf "spiegel.de": "Katholisches Hetzportal ist offline"

Samstag, 1. Dezember 2012

Über die "immense Wut" der Opfer und die Empfehlung zum "schweigenden Ungehorsam"





Foto: Frank Göbel / TV


Bischof beackert viele Felder

Einblicke hat der Trierer Bischof Stephan Ackermann beim neuesten Teil der gleichnamigen Gesprächsreihe im Haus Beda gewährt. Moderator Herbert Fandel sorgte vor 250 Zuschauern dafür, dass es keine reine Plauderstunde wurde.

"Kommt jetzt der lustige Teil des Abends?", fragt Stephan Ackermann seinen Gesprächspartner, den Kulturamtsleiter Herbert Fandel, als er den 250 Zuhörern im voll besetzten Festsaal des Haus Beda eine kurze Pause ankündigt - und die Verzweiflung in der Stimme des 103. Trierer Bischofs wirkt nicht vollkommen gespielt.

den ganzen Artikel auf "volksfreund.de" lesen





Ernsthafter wird das Gespräch, als es um den Missbrauchsskandal in der Kirche geht. „Das hat die Bischofskonferenz bis ins Mark getroffen“, schildert Ackermann die Sicht im Frühjahr 2010, als die Missbrauchsfälle aufgedeckt wurden und er zum Missbrauchsbeauftragten der Bischofskonferenz ernannt wurde. Die Dimension des Skandals sei monströs gewesen, und viele Opfer seien für ihr Leben geschädigt worden. Fandel äußert sein Unverständnis darüber, dass einerseits Menschen, deren Ehen gescheitert seien, aus dem kirchlichen Dienst entlassen würden, andererseits Priester, die sich des Missbrauchs schuldig gemacht hätten, lediglich versetzt, aber nicht aus dem Dienst entlassen würden. Eine Entlassung aus dem Klerikerstand, entgegnet Ackermann, sei in manchen Fällen nicht sinnvoll, denn ein Verbleib innerhalb des Systems Kirche bedeute die Ausübung von Kontrolle. „Wir setzen auf Schutzmaßnahmen und Prävention, nehmen aber auch die Täter als Menschen wahr“, erklärt Ackermann und betont, die Leitlinien zum Umgang mit Missbrauch seien mit Fachleuten aus verschiedenen Gebieten erarbeitet worden. Es gelte, die betroffenen Gemeinden, in denen oft Ratlosigkeit und Entsetzen herrsche, stärker in den Blick zu nehmen.

"Ich komme aus dieser Nummer nicht mehr raus" - Bischof Ackermann war Gesprächsgast bei Fifa-Schiedsrichter Fandel in Bitburg (Quelle: Bistum Trier)

André Uzulis spricht fürs Bistum Trier




Dr. André Uzulis wird zum 1. Dezember neuer Kommunikationsdirektor und Pressesprecher des Bistums Trier. Der 47-Jährige, der zuletzt Auslandschef und Mitglied der Chefredaktion der Nachrichtenagentur dapd war, tritt als Kommunikationsdirektor die Nachfolge von Mons. Stephan Wahl an, der seine Tätigkeit Ende Juli beendet hatte. Als Pressesprecher folgt Uzulis auf Dr. Stephan Kronenburg, der im Januar ins Bistum Münster wechselt. 

Das Bistum Trier hatte das fast gleichzeitige Ausscheiden von Kommunikationsdirektor Wahl und Pressesprecher Kronenburg zum Anlass genommen, die Zuständigkeiten im Kommunikationsbereich neu zu ordnen. André Uzulis wird nun beide Funktionen übernehmen; ihm zur Seite wird ein Stellvertretender Pressesprecher gestellt werden. Zum Kommunikationsbereich des Bistums Trier gehören neben der Pressestelle auch die Internet-Redaktion, der Bereich „Bistumsveranstaltungen“, die Interne Kommunikation, die Rundfunkarbeit, die Medienkompetenz mit der Büchereiarbeit und den Medien für Blinde und Sehbehinderte sowie die Redaktion der Bistumszeitung „Paulinus“.

Judith Rupp wird neue Stellvertretende Bistumssprecherin




Judith Rupp wird neue Stellvertretende Pressesprecherin des Bistums Trier. Die 34-jährige ist derzeit Redakteurin in der Bischöflichen Pressestelle Koblenz. Rupp übernimmt die Funktion zum 1. Dezember; zum gleichen Zeitpunkt tritt auch Dr. André Uzulis, neuer Kommunikationsdirektor und Pressesprecher des Bistums, seinen Dienst an.

Quelle: Bistum Trier