Samstag, 26. Mai 2018

Bistum Trier / Freisen: Trierer Bischof bedauert Untätigkeit und räumt Fehler ein

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat Fehler im Umgang mit Hinweisen zu einem unter Missbrauchsverdacht stehenden Geistlichen eingestanden. „Ich bedaure, dass wir nicht schneller und klarer genug agiert haben“, sagte Ackermann gestern.

Bei den 2006 aufgekommenen ersten Hinweisen in Zusammenhang mit dem ehemaligen Pfarrer von Freisen in Sankt Wendel hätte das Bistum „proaktiver und entschiedener“ handeln müssen.

Gleichzeitig erinnerte er daran, dass es in solchen Verfahren immer auch gelte, die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen zu wahren. „Dazu gehört besonders die gebotene Diskretion, die in der Öffentlichkeit nicht selten als mangelnde Transparenz wahrgenommen wird.“ Der Geistliche bestreite die gegen ihn erhobenen Vorwürfe.

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Montag, 21. Mai 2018

Bistum Trier / Freisen: "Dem Bistum waren Zwänge gesetzt" - "Man hätte proaktiver mit den Hinweisen umgehen müssen"

Was die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs angehe, auch da gesteht Ackermann Fehler ein. „Schon bei den Hinweisen 2006 hätte damit von Seiten des Bistums proaktiver umgegangen werden müssen.“ Aber wenigstens eines haben die schlechten Erfahrungen aus der Vergangenheit geändert, meint der Bischof: Heute würde das Bistum solchen Hinweisen in einem klar strukturierten Verfahren nachgehen. Er sprach in Bezug auf Transparenz aber auch die Zwänge an, die dem Bistum gesetzt seien: „Das Wahren der Persönlichkeitsrechte ist nicht gleichzusetzen mit Vertuschung.“ Aber trotzdem: „Es wurden Fehler gemacht.“

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  • Bischof Ackermann zu Missbrauchsverdacht: „Hätten schneller handeln müssen“ (vaticannews.va)
  • Bischof Ackermann sieht Fehler im Umgang mit Missbrauchshinweisen: Bistum war nicht "proaktiv" genug (domradio.de)



Bistum Trier / Freisen: Bischof Ackermann gibt Statement zum Umgang mit der Situation um den des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Pfarrer M. ab



"Endlich - so die Meinung vieler Christen - stellte sich der Trierer Bischof Stephan Ackermann den Bürgern. Er gab ein Statement zum Umgang mit der Situation um den des sexuellen Missbrauchs beschuldigten Pfarrer ab und stand Rede und Antwort. Unerwartet offen, würdigten anschließend zahlreiche Bürger. Denn der Bischof gestand Fehler ein. Mehr dazu morgen in der SZ."

Quelle: Saarbrücker Zeitung, St. Wendel / fb

Dienstag, 15. Mai 2018

Bistum Trier / Freisen: Bischof Ackermann will persönlich Rede und Antwort zu den erhobenen Vorwürfen gegen Pfarrer M. stehen

Bischof Dr. Stefan Ackermann wird am Pfingstmontag, 21. Mai, um 9.30 Uhr, nach Freisen kommen.

Der Pfarreienrat Freisen-Oberkirchen hat um diesen Besuch gebeten, damit der Bischof den Menschen in der Pfarreiengemeinschaft persönlich Rede und Antwort zu den Unstimmigkeiten stehen kann, die sich bereits 2015 nach der Beurlaubung Pfarrer Mentgens und seiner Versetzung in den Ruhestand sowie der erhobenen Vorwürfe gegen ihn ergeben haben.

Alle Pfarrangehörigen in der Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen sind zum Pontifikalamt um 9.30 Uhr in die Pfarrkirche St. Remigius und zur anschließenden Begegnung mit dem Bischof ins Kolpinghaus Freisen eingeladen.

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Samstag, 12. Mai 2018

Bistum Trier: Dimension der Missbrauchsskandale wird Ackermann erst jetzt in der Tiefe bewusst - erstmals wird Nachholbedarf der Kirche beim Umgang mit sexuellem Missbrauch eingeräumt

Die katholische Kirche hat Nacholbedarf beim Umgang mit sexuellem Missbrauch. Beim Katholikentag in Münster sagte der Trierer Bischof Ackermann, die Kirche brauche Rechtsstandards. Zudem forderte er mehr Transparenz und Regeln.

Die katholische Kirche hat nach Ansicht des Trierer Bischofs und Missbrauchsbeauftragten der Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann, noch Nachholbedarf beim Umgang mit sexuellem Missbrauch. „Wir müssen in Fragen der Transparenz, von Regeln, Machtkontrolle oder Verfahrensabläufen von anderen lernen“, sagte Ackermann am Donnerstag beim Katholikentag in Münster.

Prävention ist kein Selbstläufer
Andere Institutionen seien der Kirche um einiges voraus. Es gebe Rechtsstandards, die die Kirche nicht habe. Sie habe keine „Gewaltenteilung“, so Ackermann. Das brauche sie aber. Die Dimension der Missbrauchsskandale wird Ackermann zufolge erst jetzt in der Tiefe bewusst. Das mache ihre Wucht noch stärker. Vor 2010 sei Macht in der Kirche indes kein Thema gewesen. Auch heute noch sei Präventionsarbeit kein Selbstläufer.

sr.de

Bistum Trier / Freisen: Bischof Ackermann will Gläubigen in Freisen "Rede und Antwort stehen"

So ist der Stand des Verfahrens: Gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer, der des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt wird, ist ein kirchliches Strafverfahren eingeleitet. Dieses wird in Köln verhandelt.  Auf Nachfrage der SZ schreibt Thomas Klimmek von der Abteilung Medien und Kommunikation des Erzbistums Köln Folgendes zum Stand der Dinge: „Die Klageschrift des Promotor iustitiae (Kirchenanwalts) liegt vor, der Gerichtshof für das Verfahren wurde bestellt. Da gegen die bestellten Richter keine Einrede eingelegt wurde, kann nun über die Annahme der Klageschrift entschieden und der Beschuldigte förmlich geladen werden. Das wird in der nächsten Zeit erfolgen.“

Stefan Ackermann, Diözesanbischof in Trier, wird an Pfingstmontag,  21. Mai, die Pfarreiengemeinschaft Freisen-Oberkirchen besuchen. Er wird um 9.30 Uhr mit einem Pontifikalamt in der Pfarrkirche Freisen mit der Pfarreiengemeinschaft feiern und anschließend den Gläubigen im Kolpinghaus in Freisen Rede und Antwort stehen. Die Messfeiern in den anderen Pfarreien der Pfarreiengemeinschaft entfallen.

"saarbruecker-zeitung.de"


Freitag, 11. Mai 2018

Bistum Trier: Opferverband kritisiert Bistum Trier erneut

Der Opferverband "MissBit" kritisiert den Umgang des Bistums Trier mit den jetzt bekannt gewordenen Vorwürfen in dem ehemaligen katholischen Internat Albertinum. Dort hat es jahrelang Fälle von Missbrauch und Misshandlungen an Schülern gegeben, wie das Bistum Trier am Freitag bestätigte.

Ein Sprecher des Verbands der Opfer aus dem Bistum Trier sagte, es gebe keine wirkliche Aufarbeitung in der katholischen Kirche. Es werde nur das bestätigt, was öffentlich bekannt werde. Bischof Stephan Ackermann, auch Missbrauchsbeauftragter der deutschen Bischofskonferenz, will sich selbst zu den Fällen nicht äußern.

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Donnerstag, 10. Mai 2018

Bistum Trier: Bischof Ackermann gibt Kenntnisse über jahrzehntelange Misshandlung und Missbrauch von Schülern zu

Eppelborn / Quierschied / Gerolstein / Illingen / Kirf

Gerüchte über Missbrauch und Misshandlungen im Gerolsteiner Albertinum machen seit Jahren die Runde. Nun hat das Bistum Trier die Vorfälle auf eine Anfrage eingeräumt

Doch wenn das stimmt: Warum drang dann Jahrzehnte lang nie etwas an die Öffentlichkeit? Warum hat sich das Bistum Trier, als Träger des Internats, nie zu den Vorfällen geäußert? Erst auf Anfrage gibt die Sprecherin zu, dass die die Vorwürfe gegen den ehemaligen Leiter der Einrichtung und einen weiteren Priester ihr schon seit acht Jahren bekannt sind.

Von Betroffenen wurden vor allem dem Direktor Misshandlungen und Missbrauch vorgeworfen. Auch davon will das Bistum erst 2010 erfahren haben. Also drei Jahre nach dem Tod des Pfarrers, der nach längerer Krankheit im Alter von 68 Jahren starb. Sanktionen musste der mutmaßliche Täter daher sein Leben lang nicht fürchten. 1982, als er sein Amt im Albertinum niederlegte, übernahm er eine Pfarrei in Illigen (sic!). Danach wechselte er auf den Saargau, wo er zuletzt 1700 Katholiken betreute.

Was mit dem zweiten mutmaßlichen Täter passiert ist, liegt im Dunkeln. Der ehemalige Oberpräfekt des Albertinums soll die jungen Männer ebenfalls misshandelt haben. Über seinen Verbleib wisse das Bistum nichts, sagt eine Sprecherin auf Nachfrage des TV. Es lägen keine Personalinformationen mehr vor. Auch die Staatsanwaltschaft Trier kann keine Auskunft darüber geben, ob der Mann sich für die Vorwürfe vor Gericht hat verantworten müssen. Die Akten aus dieser Zeit seien gelöscht.

Bischof Stephan Ackermann, der seit 2010 Beauftragter des Bistums zu Fragen des sexuellen Missbrauchs ist, möchte sich persönlich nicht zu den Vorfällen im Albertinum äußern.

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  • Katholisches Internat in Gerolstein:  Bistum Trier bestätigt Missbrauch. Hinweise auf körperliche Misshandlungen und sexuellen Missbrauch hatte das Bistum Trier bereits vor acht Jahren erhalten, wie eine Bistumssprecherin mitteilte. Die Hinweise seien über die geschaltete Missbrauchs-Telefonhotline, Schreiben und Telefonate eingegangen. Nur eine Person habe anschließend eine „finanzielle Leistung in Anerkennung des Leids“ bekommen, sagte die Sprecherin weiter. (swr.de)
  • Warum erst jetzt? Hat das Bistum Trier wirklich erst 2010 von Missbrauch und Misshandlungen im Bischöflichen Internat erfahren? Kaum vorstellbar, haben die Gerüchte doch bereits Jahrzehnte zuvor die Runde gemacht. Nachweisen lässt sich eine Mitwisserschaft natürlich kaum. Doch selbst wenn erst vor acht Jahren die ersten Hinweise eingegangen sind, stellt sich die Frage, warum das Bistum Trier so lange geschwiegen hat. Von einem Bischof, der mit der Aufklärung solcher Fälle beauftragt wurde, sollten die Betroffenen doch mehr erwarten können. Zum Beispiel, dass er Farbe bekennt, sich öffentlich entschuldigt und Missbrauchsopfer entschädigt – und zwar aus eigenem Antrieb, aus eigenem Bedürfnis. (Kommentar, volksfreund.de)

Montag, 7. Mai 2018

Österreich: "Täter-Opfer-Umkehr" - Kardinal soll Betroffener unterstellt haben, sie habe den Kaplan verführt

„Täter-Opfer-Umkehr“

Eine heute 41-jährige Frau gibt an, sie sei ab 1990 als junges Mädchen in dem kirchengeführten Erziehungsheim in Hollabrunn von dem dort tätigen Kaplan V. über Jahre hinweg zu sexuellen Handlungen genötigt und zweimal geschwängert worden.  Kardinal Schönborn selbst habe die 17 -jährige Schwangere damals  dazu gedrängt, ihre Zwillinge zur Adoption freizugeben. Der Kaplan  blieb weiter im Einsatz und nötigte die Betroffene weiterhin. Im Alter von 18 Jahren wurde daraufhin die Betroffene erneut schwanger,  erlitt jedoch mit ihren Drillingen eine Eileiterschwangerschaft. 

Die 41-jährige Betroffene gibt an, der Kardinal habe ihr unterstellt, sie habe den Kaplan verführt. Schönborn bezeichnete am Wochenende die Handlungen des Priesters als „Affäre“ oder „problematische Beziehung“, die aber ohne jede strafrechtliche Relevanz sei, weil das junge Mädchen sich freiwillig mit dem Priester getroffen habe. Darin sieht die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt in einer Aussendung vom Montag „eine zynische Täter-Opfer Umkehrung“, denn es gehe um Ausnützung eines Autoritätsverhältnisses bei einem vorbelasteten jungen Mädchen. Die Plattform sieht "Vertuschung, „Bagatellisierung“ und „Verweigerung von Verantwortung“. "Nach all dem, was diese Frau durchgemacht hat, muss man die angeführten Äußerungen als grausam und zynisch bezeichnen“, quittierte das der Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser in einer Aussendung via APA am Montag.


  • Die Betroffene berichtet, sie und andere Schülerinnen seien monatlich zu „schmerzhaften Untersuchungen“ zu einem Gynäkologen gezwungen worden. Dieser hätte die Entnahme von Eizellen bestätigt, mit der Begründung „auch andere Frauen möchten Kinder“. Ferner wurden lt. Clara sie und andere Mädchen gezwungen, täglich Hormontabletten einzunehmen. Eine hormonelle Stimulation der Eierstöcke würde auch die absolut ungewöhnlichen zwei Mehrlingsschwangerschaften innerhalb eines Jahres bei der jungen Frau erklären

Samstag, 5. Mai 2018

Österreich: Schwere Missbrauchsvorwürfe gegen katholische Kirche

Als Kind wird Clara D. sexuell misshandelt. Als Teenager findet sie Zuflucht in einem Kloster bei Wien. Ein dort tätiger Geistlicher zwingt sie nach ihren Angaben zu sexuellen Handlungen und schwängert die damals 17-Jährige. 1995 bringt D. Zwillinge zur Welt, zwei Mädchen. Schönborn, damals Erzbischof, erfährt von dieser Angelegenheit, wie aus den Papieren hervorgeht. Ihre Zwillinge werden Clara D. weggenommen. Die Zwillinge sind heute  23 Jahre alt, wollen mit Clara D. nichts zu tun haben. - Der Priester arbeitet nach wie vor als Geistlicher, in der Jugendarbeit in Wien.

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Donnerstag, 26. April 2018


Zitat von Bischof Ackermann bei der  Präsentation seines Präventionsspiels "Ich sehe was, was du nicht siehst"
Quelle: bistum-trier.de



Mittwoch, 25. April 2018

Bistum Trier: absurde Prävention auf katholisch: Sexueller Missbrauch als Spielethema


"In dem Spiel geht es unter anderem darum zu erkennen, ob eine Straftat vorliegt.
 Die Spieler können aber auch in ihren Körper hineinspüren." 


Ein Spielbrett, Figuren, ein Würfel, fünf Stapel Aktionskarten. Ein Spiel für Leute von 16 (!) - 99. -
Bischof Ackermann erprobt das neue Präventionsspiel gegen sexuellen Missbrauch. Das neue Spiel soll dazu beitragen, "Gefahren aufzudecken und Gewalt zu unterbinden". Die Herausforderung sei gewesen, das schwierige Thema in ein Spiel zu packen. Denn Missbrauch und Spiel sei ein Widerspruch an sich. "Spielerisch werden dabei Informationen weitergegeben, die auch während der Präventionsschulung vermittelt werden". Laut Bischof Ackermann selbst sei immer noch zu spüren, dass es Abwehrmechanismen gegen Präventionsmaßnahmen geben würde.

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Kommentar: Ein Trauerspiel

Acht Jahre lang konnte ein Priester im Bistum Trier Messen zelebrieren und intensiv mit Kindern und Jugendlichen zusammen arbeiten, ohne dass die ihm gegenüber geäußerten Vorwürfe sexuellen Missbrauchs verfolgt und aufgeklärt wurden - obwohl dieser Fall bereits aktenkundig war.  Erst, als das Bistum Trier dem Priester eine eigene Pfarrverwaltung übertragen will und sich an das Erzbistum Köln wendet, stellt man dort fest, was man  jahrelang übersehen hat oder wollte: Es liegen Vorwürfe sexuellen Missbrauchs gegenüber dem Priester vor und ihm wurden bereits Auflagen erteilt. Umgehend wird ein Zelebrationsverbot ausgesprochen. Erwartungsgemäß - wie auch erfahrungsgemäß  - lancierte das Bistum Trier - gleichzeitig  mit der dpa-Meldung über den verheerenden Faux-Pas innerhalb von nur wenigen Stunden auch wieder eine vermeintliche "Erfolgsmeldung":   Bischof Ackermann  stellt ein Brettspiel vor, welches er entwickeln ließ. Kernthema des Spiels: Sexueller Missbrauch.

Ich wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, als ich diesen Artikel las. Wie verzweifelt muss der Missbrauchsbeauftragte, Bischof Ackermann, sein, um mit solch einer "Erfolgsmeldung" von den aktuellen Schlagzeilen ablenken zu wollen.  - Ich habe mir lange überlegt, ob ich den entsprechenden Artikel tatsächlich veröffentlichen oder ignorieren soll. Ich möchte schließlich keine Werbung für dieses Spiel machen, sondern erneut an die typische Vorgehensweise und den Umgang des Missbrauchsbeauftragten mit der Thematik "sexueller Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche" erinnern. Dieses Spiel ist dazu sehr aussagekräftig und trifft dabei den Nagel auf den Kopf. - In vielerlei Hinsicht.

Als Zielgruppe wird "Leute im Alter von 16-99" angegeben.  Ein Spiel für einen geselligen  Familienabend kann es somit nicht sein.  Ich stelle mir vor, wie die Priesterseminaristen in St. Lambert in ihrer Stammkneipe das Spiel spielen. - Keine gute Vorstellung. Kindergärtnerinnen und Erzieherinnen? Wie viele von ihnen haben selbst Traumata erlebt und setzen sich der Gefahr der Retraumatisierung aus? Ein paar Flashbacks hier? Eine paar Dissoziationen dort! Bitte, gerne: all inclusive.  - Ganz erschreckend finde ich die Aussage, dass "die Spieler dabei in ihre Körper hineinfühlen können".  Wie makaber dies klingt, wenn man bedenkt, dass auch Täter und Opfer in die Runde dieses Spiels eingeladen werden. Was empfinden sie, wenn sie auf den Aktionskarten grenzüberschreitenden Szenen sehen oder lesen?   Wird ein Täter dann einen Schweißausbruch bekommen, zum nächsten Bier oder Messwein greifen, um sich den Erinnerungen zu entziehen, wenn er mit ihnen konfrontiert wird und weiter seine Mitspieler anlächeln?  Wie wird ein Opfer reagieren, wenn diese Szenen zur Sprache kommen? Und dies alles in einem Kreis, der sich zum "Spielen" getroffen hat? Habe ich einen Täter überführt, wenn ein Mitspieler plötzlich während des Spiels den Raum verlässt? Kann dieses Spiel auch dazu dienen, jemanden zu stimulieren? Handelt es sich vielleicht dabei um ein Geschicklichkeitsspiel, wie man seine körperliche Reaktionen und Emotionen am besten verbirgt? Welche Auswirkungen kann dieses "Spiel" auf Einzelne haben? Welchen pädagogischen Einfluss soll dieses Spiel in sich verbergen? - Nein, ich finde keine positiven Antworten. 

Wird es bald auch  ein Spiel zur Thematik "Menschen mit Behinderung" geben? Nach dem Motto: Wann erkenne ich, ob eine Behinderung vorliegt?  Vielleicht ein "Syrien-Spiel"? Motto: Wie erkenne ich, wer von wem angeschossen wurde und wer welchen Verletzungen erlag? Vielleicht auch ein "Jesus-stirbt-am-Kreuz-Spiel"? Motto: Treffe die richtigen Nägel, mit denen Jesus ans Kreuz geschlagen wurde. Gibt es für Priester auch ein "Kinder-Roulette?" Wer das nächste Opfer ist? Oder welcher Tätername vom Bistum Trier demnächst veröffentlicht wird? Wer wird fliegen? Wer wird geschützt? -   Zynismus aus. 

Ich frage mich trotzdem weiter,  warum das Spiel erst ab 16 spielbar ist. - Warum sollte nicht ein 6jähriges Kind mit dieser Thematik konfrontiert werden?  In einer geselligen "Spielerunde," wohlgemerkt.  Es entspräche doch schließlich der Realität. Über wie viele erlebte  Grenzüberschreitungen, die sie selbst erfahren mussten,  würden die Kinder berichten? Die Wahrheit würde vermutlich schmerzen.  Wer gewinnt, könnte übrigens auch selbst ein Täter sein. Schließlich hat er mitunter am meisten Wissen über das, was er darf - und was nicht. 

Nein, dieses "Spiel" ist weder etwas für Kinder,  noch für Jugendliche oder Erwachsene. Egal, unter welchem pädagogischen Aspekt der Spielewissenschaft dieses Spiel auch betrachtet wird: Es birgt mehr Widersprüche in sich als das es Ziele einer ernsthaften Prävention verfolgt. Und wenn es hierbei tatsächlich um ein "Lernspiel" handeln soll, dann wäre das Alter enorm hoch angesetzt. Aber vielleicht sollte diese Angabe nur ein Scherz sein. Ein übler Scherz: Wie dieses Spiel auch. 

Ein Spiel - welches jetzt schon verloren wurde.

Sexuellen Missbrauch oder auch nur eines seiner Attribute  mit einem Spiel in Verbindung zu bringen, nein, das geht nicht. Hier wurde ein weiteres Tabu gebrochen.

"Ich sehe was, was du nicht siehst" - ein Titel für eine beliebtes Ratespiel für Kleinkinder, bei dem das Kind einen Gegenstand erraten muss. Zu jeder Zeit und an jedem Ort einsetzbar.  Verlockend  - im wahrsten Sinne des Wortes - für jedes Kind.  - Ich selbst habe das Spiel übrigens auch spielen müssen - wie viele von uns.   Auch im Kindergarten. Mit dem Priester.  Doch ich zähle mich nicht zu den Gewinnern, bei dem, was ich dort sehen musste. "Ich sehe nichts, was du nicht siehst"  wäre - was das Bistum Trier betrifft - wohl ein zutreffender Name gewesen. 

"Laut Bischof Ackermann selbst sei immer noch zu spüren, dass es Abwehrmechanismen gegen Präventionsmaßnahmen geben würde." heißt es im o.a. Artikel.  Er sollte sich fragen, warum dem so ist. Er sollte offenlegen und sich eingestehen,  dass  nicht alle Priester im Bistum die Verpflichtungen seines Präventionsprogramms erfüllt haben. Und: dass es offensichtlich noch große Lücken gibt, die es zu schließen gilt. Sonst hätte es wohl nicht soweit kommen können, dass ein Priester aus dem Nachbarbistum acht Jahre lang Messen zelebrieren sowie intensiven Kontakt zu Kindern und Jugendlichen haben konnte, obwohl ihm sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. Und dies im Jahr 2018. 


ca

Quelle: bistum-trier.de


Bistum Trier: Ist es ein Einzelfall, oder macht die katholische Kirche so weiter wie in den Jahren zuvor?

Ein Kommentar von Rolf Seydewitz

Die gestern zeitgleich in Köln und Trier verbreitete Nachricht über einen mutmaßlichen Missbrauchspriester, der über Jahre hinweg im Bistum Trier auch in der Kinder- und Jugendarbeit tätig war, ist für die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche eine Katastrophe.

Ist es ein Einzelfall, oder macht die katholische Kirche so weiter wie in den Jahren vor Bekanntwerden des Missbrauchsskandals? Taucht ein Problem auf, machen die frommen Männer die Augen zu und bereiten das Mäntelchen des Schweigens darüber aus. Wann lernt die Kirche endlich aus ihren Fehlern?

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Bistum Trier: Neuer Missbrauchsskandal erschüttert das Bistum Trier

Ein neuer Missbrauchsskandal erschüttert die katholische Kirche im Bistum Trier

Ein seit acht Jahren im Bistum Trier lebender Ruhestandsgeistlicher aus dem Erzbistum Köln hatte offenbar jahrelang Kontakt zu Kindern und Jugendlichen, obwohl ihm dies untersagt war. Schlimmer noch: Obwohl es seit den 70er Jahren Missbrauchsvorwürfe gegen den Priester gibt, die er allerdings bestreitet, war das Trierer Generalvikariat nicht darüber informiert. Das gaben am Dienstag zeitgleich das Erzbistum Köln und das Trierer Generalvikariat bereit.

Die für die katholische Kirche äußerst peinliche Angelegenheit ist offenbar nur durch einen Zufall aufgefallen. Nach Angaben des Bistums Trier gab es Pläne, dem Geistlichen eine Pfarrverwaltung zu übertragen. Daraufhin habe es einen Kontakt zum Erzbistum Köln gegeben. Als man dort in die Personalakten des Priesters geschaut habe, sei aufgefallen, dass es „aufgrund von Vorfällen aus den 1970er Jahren“ Auflagen für den Geistlichen gebe. Weitere Recherchen hätten dann ergeben, dass sich der Priester vermutlich nicht an die Auflage gehalten habe, keine Angebote für Kinder und Jugendliche zu machen. Bischofssprecherin Judith Rupp formulierte es gestern sogar noch deutlicher: Im Rahmen des Einsatzes in der Seelsorge komme es unweigerlich zu Kontakten auch mit Kindern und Jugendlichen, so die Sprecherin. (...)


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Dienstag, 24. April 2018

Bistum Trier: Trotz Vorwürfe sexuellen Missbrauchs und Auflagen - Priester konnte im Bistum des Missbrauchsbeauftragten, Bischof Ackermann, acht Jahre lang "seelsorgerisch tätig sein" und Messen zelebrieren

Fall wird überprüft: Zelebrationsverbot für Priester des Erzbistums Köln

Trier/Köln – Gegen einen seit dem Jahr 2010 im Bistum Trier lebenden Ruhestandsgeistlichen des Erzbistums Köln hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ein Zelebrationsverbot verhängt (à siehe Pressemitteilung des Erzbistums Köln vom 24. April 2018).

Der Ruhestandsgeistliche hatte in der Vergangenheit immer wieder Messvertretungen im Bistum Trier übernommen. Da das Bistum ihm offizielle Aufgaben übertragen wollte, hatte es einen Kontakt zum Erzbistum Köln gegeben. Im Zuge der Sichtung der Personalakten durch das Erzbistum Köln ist aufgefallen, dass es aufgrund von Vorfällen aus den 1970er Jahren Auflagen für den Geistlichen gibt. Weitere Recherchen ergaben, dass sich der Priester vermutlich nicht an eine Auflage hält, keine Angebote für Kinder und Jugendliche zu machen. Im konkreten Fall wurde auch festgestellt, dass es beim Umzug des Priesters im Jahr 2010 keine Information des Erzbistums Köln an das Bistum Trier über die Vorwürfe gegen den Geistlichen und damit verbundene Auflagen gegeben hat. In diesem Fall hätte das Bistum Trier diese Vertretungsdienste nicht zugelassen. Für dieses Versäumnis des Erzbistums hat sich Erzbischof Woelki beim Bischof von Trier, Stephan Ackermann, entschuldigt. Der Generalvikar des Bistums Trier hat dem Ruhestandsgeistlichen die seelsorgliche Tätigkeit unmittelbar nach der Information über die Vorwürfe und Auflagen im Februar 2018 bis auf die weitere Klärung durch das Erzbistum Köln untersagt.

Dem Priester wird unter anderem ein sexueller Missbrauch in den 1970er Jahren im Bereich der Erzdiözese Köln vorgeworfen. Der beschuldigte Priester bestreitet die Vorwürfe. Gegen den Ruhestandsgeistlichen wurde entsprechend den heutigen Richtlinien aufgrund der Vorwürfe ein Zelebrationsverbot verhängt. Der Fall wird, nach Abschluss der vorgeschriebenen Maßnahmen, zur Überprüfung nach Rom gemeldet.

Nach dem Amtsantritt von Kardinal Woelki im Erzbistum Köln hatte dieser angeordnet alle Fälle, in denen es Vorwürfe der sexuellen Grenzüberschreitung oder des sexuellen Missbrauchs gegeben hat, zu überprüfen. Darüber hinaus hat Kardinal Woelki im Jahr 2015 neue Mitglieder in seinen Beraterstab berufen und die Bearbeitung solcher Fälle in einer eigenen Stabsstelle Intervention gebündelt.

(JR)

Quelle: Bistum Trier


Prävention auf katholisch. Wie ein System versagt. / ca

Bistum Trier: 135 Opfer haben sich bisher gemeldet

Von 2010 bis Ende Dezember 2017 wurden im Bistum Trier 42 verstorbene und 33 noch lebende Priester beschuldigt, Kinder sexuell missbraucht zu haben. 

Aktuell ist gegen den früheren Pfarrer in Freisen ein Verfahren vor dem Gericht in Köln in Gang. Das Verfahren findet  auf Wunsch von Bischof Stephan Ackermann in Köln statt, um „größtmögliche Neutralität“ sicherzustellen. 

Bislang hat der Trierer Bischof zwölf Verfahren im Auftrag oder mit Zustimmung der Glaubenskongregation entschieden. In weiteren Fällen wurden Disziplinarmaßnahmen verhängt oder teils zeitlich befristete Zelebrationsverbote ausgesprochen – oder aber der Missbrauchsvorwurf hatte sich nicht bestätigt.

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Donnerstag, 29. März 2018

Bistum Trier / Burbach: "Die schlimmste Erinnerung verbindet sie mit einem grapschenden Kaplan in der Saarbrücker Eligius-Kirche"





Ellen K. auf den Spuren ihrer Kindheit. Eine harte, freudlose Zeit, die sie vorwiegend in Heimen verbrachte. Als Kind hier im katholischen Theresienheim in Saarbrücken, als Heranwachsende in einer Einrichtung in Köln. Sie erzählt: "Positives? Kann ich mich gar nicht erinnern. Liebevolles gab‘s da gar nicht. Nur halt immer Stress… Die hatten Stöcke, so Rohrstöcke. Das war auch schlimm. Die Kinder waren hilflos, wehrlos. Sie waren nichts. Sie waren ja wie eingesperrt in den Heimen."
Die schlimmste Erinnerung verbindet sie mit einem grapschenden Kaplan in der Saarbrücker Eligius-Kirche...."

Ein Bericht über den fragwürdigen Umgang mit den Opfern der Heimerziehung durch den sogenannten "Hilfsfonds" - und warum viele Betroffene sich scheuen, sich an ihn zu wenden.

Dienstag, 27. März 2018

Schweiz: Katholische Kirche deckte über ein halbes Jahrhundert lang pädophilen Pater





den vollständigen "Auszug aus dem Bericht der von der schweizerischen Kapuzinerprovinz beauftragten Unabhängigen Untersuchungskommission zum "Fall Joel Allaz" auf "kapuziner.ch" lesen

  • "Katholische Kirche deckte ein halbes Jahrhundert lang einen pädophilen Pater": In der Affäre um einen pädophilen Kapuzinerpater in der Westschweiz belastet ein Untersuchungsbericht die Kirche schwer. Diese habe weggeschaut. Das gilt auch für einen ehemaligen Bischof und einen ehemals höchsten Kapuziner der Schweiz. nzz.ch
  • Kapuziner-Mönch vergewaltigte jahrelang Kinder – Kirche schaute 50 Jahre lang weg aargauerzeitung.ch
  • Missbrauchsopfer Daniel Pittet hatte den grössten Missbrauchsskandal der Schweizer Kapuziner aufgedeckt. Ein Untersuchungsbericht wirft nun Orden und Bistum systematisches Versagen vor  "srf.ch"

Sonntag, 25. März 2018

sexueller Missbrauch durch Angehörige der katholischen Kirche: "Bernds Vermächtnis"






Foto: spiegel.de

Viele Missbrauchsopfer leiden ein Leben lang an den Folgen der Taten. 
Bernd rieb sich in der Bewältigung und im Kampf um Anerkennung auf - bis zu seinem Tod.

Ein Nachruf von Annette Langer.

Bistum Fulda / Bistum Limburg / Bistum Mainz: Anzahl der Meldungen weiterhin erheblich


Fulda/Limburg/Mainz (dpa/lhe) - Auch Jahre nach Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche werden in den hessischen Bistümern immer noch weitere Fälle angezeigt. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den drei Kirchenbezirken und bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Bonn ergeben.

In den Bistümern Fulda, Limburg und Mainz wurden mehr als 100 Anträge auf Entschädigungszahlungen gestellt. Knapp 465 000 Euro wurden in den drei Bistümern an Opfer gezahlt. Einen Gesamtüberblick zu allen bundesweit geleisteten Zahlungen könne nicht gegeben werden, weil sie im jeweiligen Bistum erfolgen, erklärte die Bischofskonferenz.

Die Situation in Deutschland im Überblick:

Seit Bekanntwerden des Skandals seien bei der Bischofskonferenz insgesamt 1788 Anträge von Opfern gestellt worden. In 1675 Fällen habe die Zentrale Koordinierungskommission (ZKS) die Zahlung einer sogenannten Anerkennungsleistung empfohlen. Die Zahl der Anträge ging zwar zuletzt zurück, war im vergangenen Jahr aber immer noch beträchtlich. 2015 waren 105 Anträge, 2016 126 Anträge und im vergangenen Jahr 54 Anträge.

Die katholische Kirche habe über die Zahlung von Geldbeträgen hinaus Therapiekosten übernommen, seelsorgliche Gespräche geführt und durch konsequente Prävention weitere Taten verhindert, sagte DBK-Sprecher Matthias Kopp. Um den Missbrauchsskandal aufzuarbeiten, sei eine breit angelegte und mehrjährige Forschungsstudie gemacht worden. Strafrechtlich blieben allerdings viele Vorfälle folgenlos, weil die Taten verjährt waren. In den Bistümern gibt es nun Präventions- und Schutzkonzepte nach den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz.