Donnerstag, 15. November 2012

"Die Opfer stehen im Vordergrund"?



Psychotherapeut Müller spricht zu sexuellem Missbrauch im kirchlichen Bereich


Ochtendung – Für einen Umgang mit Sexualstraftätern aus dem kirchlichen Bereich, der vor allem dem Opfer, aber auch dem Täter gerecht wird, hat der Psychotherapeut und Theologe Dr. Wunibald Müller am 14. November bei einem Vortrag in Ochtendung plädiert. Der Leiter des Recollectio-Hauses in Münsterschwarzach sprach dort auf Einladung des Dekanates Maifeld-Untermosel zum Thema „Aus dem Dunkel ans Licht: Sexueller Missbrauch in der Kirche – Fakten, Konsequenzen, Perspektiven“.

Unter einem „tätergerechten Vorgehen“ verstehe er einen differenzierten Umgang, der die unterschiedliche Schwere und die Hintergründe der Taten berücksichtige, sagte Müller. Missbrauchs-Täter könnten nicht mehr in der Seelsorge, wohl aber nach einem psychotherapeutischen Prozess noch priesterlich tätig sein, also etwa die Eucharistie feiern. Es sei wichtig, dass das Umfeld informiert sei, wenn „Priester-Täter“ wieder eingesetzt würden. Eine „Null-Toleranz-Haltung“ könne in die falsche Richtung gehen. „Null Toleranz ist mit meinem christlichen Menschenbild nicht in Einklang zu bringen“, erklärte Müller. Eindeutig stehe aber auch beim Täter-Umgang „der oder die Überlebende von sexuellem Missbrauch im Vordergrund“.

Müller sagte, es sei ein „Segen, dass die Opfer endlich gehört werden“. Der im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen verwendete Begriff „Seelenmord“ treffe bei Opfern von Priester-Tätern besonders zu. „Die Beziehung zu Gott verdunkelt sich dadurch“ oder werde ganz zerstört. Müller erklärte, es gebe keinen nachweisbaren Zusammenhang zwischen Missbrauch und Zölibat. Wenn der Zölibat von Priestern jedoch missverstanden werde im Sinne von „Ich muss mich nicht mit Sexualität und Intimität auseinandersetzen“, oder wenn die Sexualität unterdrückt würde, könne er ein Faktor sein. Auch seien nicht alle Priester-Täter pädophil, sondern „sexuell unreif“. Und auch wenn die meisten Opfer von Priestern männlich seien, gebe es keinen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Pädophilie. Vielmehr habe die Tabuisierung dieser Themen in der Kirche dazu geführt, dass entsprechende Reifungsprozesse unterdrückt würden. Bei diesen Themen gebe es in der Priesterausbildung immer noch Nachholbedarf. Der Mangel an Priesternachwuchs dürfe nicht dazu führen, „dass man wieder schlampig ist in dieser Hinsicht“. „Ich wünsche mir als Priester jemanden, der mit seiner Sexualität in Berührung ist“, sagte Müller. Der Zölibat solle als mögliche priesterliche Lebensform erhalten bleiben, aber eben nur für die, die das Charisma, also die Begabung, dafür hätten. Im Klerikalismus, der Priester aufgrund ihrer sakramentaler Macht als Elite sieht, und dem Wunsch, den guten Ruf der Kirche aufrecht zu erhalten, sieht Müller einen Nährboden für Vertuschung. Das Opfer trete dann in den Hintergrund oder käme in Untersuchungen bei Verdachtsfällen sexuellen Missbrauchs gar nicht vor.

Müller betonte, durch die Auseinandersetzung mit den Fällen sexuellen Missbrauch in der Kirche, der Überarbeitung der Leitlinien oder Präventionsmaßnahmen sei in der Kirche schon einiges erreicht worden. Strukturell, etwa bei der Einstellung zu Sexualität, müsse jedoch noch einiges getan werden. Auch „spirituelle Konsequenzen“ seien noch nicht gezogen worden, das hänge mit dem Klerikalismus zusammen. „Der Läuterungsprozess, der die Kirche demütiger und glaubwürdiger werden lässt, steht noch aus.“ 

Im Anschluss an den Vortrag von Müller stellte Lebensberaterin Ursula Beck, Mitglied der Fachgruppe Prävention im Bistum Trier, die geplanten Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen zur Prävention sexuellen Missbrauchs im Bistum vor. Informationen dazu gibt es unter www.praevention.bistum-trier.de im Internet. (!!!)





Opferverhöhnung pur: Unter den "Experten" der Fachgruppe Prävention im Bistum Trier befinden sich Personen, deren Namen nachweislich im Zusammenhang mit Missbrauchsvorwürfen  gegen Priester auftauchen.