Donnerstag, 8. Oktober 2026

Bistum Trier: Stellungnahme von Bischof Stephan Ackermann zum Zwischenbericht "Studie Sexueller Missbrauch im Bistum Trier in den Amtszeiten von Franz Rudolf Bornewasser und Matthias Wehr"


Bischof Stephan Ackermann ist seit Mai 2009 Bischof von Trier.
 Von 2010 bis Ende September 2022 war er Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.
(dpa / Arne Dedert)


"Die Lektüre des vierten Zwischenberichts ist erneut aufschlussreich und bedrückend zugleich. Für den untersuchten Zeitraum müssen wir von mindestens 335 Betroffenen ausgehen. Der Prozentsatz der Beschuldigten im Klerus in diesen Jahrzehnten ist signifikant höher als in den darauffolgenden Jahrzehnten. Damit zeigt der Zwischenbericht einen in der Gesamtschau von sexueller Gewalt durch Kleriker im Bistum Trier besonders belasteten Zeitraum.

Die historische Untersuchung weist nach, wie schleppend die Reaktionszeiten der Bischöfe und der Verantwortlichen waren, um auf Anzeigen von sexuellem Missbrauch zu reagieren. Der Schutz der Institution stand an oberster Stelle; gegenüber den Tätern legten die Verantwortlichen „Güte und Geduld“ an den Tag – Versetzung und Vertuschung waren häufig die Antworten auf vermuteten oder eingestandenen Missbrauch. So ist es wenig überraschend und doch erschütternd zu lesen, dass diese Vorgehensweise in nicht wenigen Fällen zu weiteren Opfern geführt hat.

Von Betroffenenfürsorge ist in diesem Zeitraum keine Spur zu erkennen. Mit den Forschenden ist zu vermuten, dass es seitens der Verantwortlichen überhaupt kein Problembewusstsein für diese Thematik gab.

Stärker als die vorangegangenen Berichte bietet dieser letzte Zwischenbericht über die Jahre von 1946 bis 1966 eine zeitgeschichtliche Einordnung, etwa in die geltenden Rechtsnormen oder die Stellung der Kirche in Familie, Schule und Gemeinschaft, aber auch in Politik und Gesellschaft. Durch diese Einordnung wird sichtbar, inwieweit das Amtshandeln der Bischöfe und ihrer Verwaltungen vom zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext mitbestimmt waren. Diese Erkenntnis überrascht nicht, ist aber auch besorgniserregend, weil sie aufzeigt, dass die Verantwortlichen bei entsprechendem öffentlichem Druck nachdrücklicher gegen die Täter vorgegangen sind als zu Zeiten, in denen der Druck nicht so stark war.

Der Bericht mahnt mich und diejenigen, die heute und in Zukunft im Bistum Verantwortung tragen, im Bereich von Prävention, Intervention und Aufarbeitung belastbare, transparente und zuverlässige Strukturen zu etablieren, die nicht abhängig und beeinflussbar sind von gesellschaftlichen Schwankungen im Umgang mit diesen Themen."


Quelle: "bistum-trier.de"