Forscher der Universität Trier wollen am 1. Oktober neue Ergebnisse ihrer Untersuchung zu sexuellem Missbrauch im Bistum Trier vorstellen. Diesmal geht es um die Amtszeiten der früheren Trierer Bischöfe Franz Rudolf Bornewasser (1946–1951) und Matthias Wehr (1951–1966), wie die Historiker Lena Haase und Lutz Raphael am Dienstag mitteilten.
Das historische Forschungsprojekt der Universität Trier läuft seit November 2022. Es untersucht sexuellen Missbrauch durch Kleriker und Laien im Verantwortungsbereich des Bistums zwischen 1946 und 2021 sowie die Frage, wie kirchliche Verantwortliche mit bekannt gewordenen Fällen umgingen. Die Untersuchung wurde von der Unabhängigen Aufarbeitungskommission im Bistum Trier beauftragt. Ende November soll das Endergebnis der Studie veröffentlicht und bei einer Pressekonferenz vorgestellt werden.
Bislang 734 Betroffene ermittelt
Bislang haben die Forscher Teilstudien zu den Amtszeiten der Bischöfe Bernhard Stein (1967–1981), Hermann Josef Spital (1981–2001), Reinhard Marx (2001–2008) und Stephan Ackermann (2009–2021) vorgelegt. Dabei haben sie 734 Betroffene sowie 248 Beschuldigte und Täter ermittelt. Dabei handelt es sich nach ihren Angaben lediglich um das bekannte Hellfeld.
Zudem stellten sie über Jahrzehnte Defizite im Umgang der Bistumsleitungen mit Missbrauchsfällen fest. Beschuldigte Geistliche seien teils an andere Einsatzorte versetzt worden; insbesondere unter Stein und Spital sei die Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften mangelhaft oder nicht vorhanden gewesen. Erst seit 2010 habe sich der Umgang grundlegend verändert und sexueller Missbrauch zunehmend als strukturelles Problem gegolten. (KNA)