Neue Erkenntnisse der Universität Trier belasten die ehemaligen Bischöfe Franz Rudolf Bornewasser und Matthias Wehr schwer. Der Opferverein Missbit fordert Konsequenzen.
Eine Missbrauchsstudie der Universität Trier zeigt, dass sexueller Missbrauch im Bistum Trier unter den Bischöfen Franz Rudolf Bornewasser (1922–1951) und Matthias Wehr (1951–1966) offenbar systematisch vertuscht wurde. Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler Lena Haase und Lutz Raphael stand der Schutz des kirchlichen Ansehens über dem Schutz der Betroffenen.
Die Untersuchung dokumentiert für den Zeitraum von 1946 bis 2021 mindestens 249 beschuldigte Personen im kirchlichen Dienst und 782 minderjährige Betroffene. Allein zwischen 1946 und 1966 wurden 335 Betroffene identifiziert. Zudem wurden beschuldigte Priester offenbar gezielt ins Ausland versetzt, um sie dem Zugriff staatlicher Ermittlungsbehörden zu entziehen.
Opferverein fordert Konsequenzen
Der Trierer Opferverein "MissBit" fordert deshalb die Umbenennung der Bornewasserstraße und der Matthias-Wehr-Straße in Trier. Vereinsvorsitzender Hermann Schell sieht angesichts der wissenschaftlichen Erkenntnisse keinen weiteren Recherchebedarf. Die Stadt müsse sich ihrer historischen Verantwortung stellen und dürfe Personen, die an der Vertuschung sexuellen Missbrauchs beteiligt waren, nicht weiterhin durch Straßennamen ehren.
Stadt Trier prüft mögliche Umbenennung
Die Stadt Trier hat angekündigt, ihre Fachkommission für Straßenbenennungen um eine Bewertung der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu bitten. Eine politische Entscheidung steht bislang aus.
Ein Präzedenzfall existiert bereits: Der frühere Bischof-Stein-Platz wurde 2023 wegen der Rolle von Bischof Bernhard Stein bei der Vertuschung sexuellen Missbrauchs in Platz der Menschenwürde umbenannt. (Quelle: "volksfreund.de")