Freitag, 24. Juli 2026

Verurteilter Trierer Bistums-Pfarrer: Diözese Rottenburg-Stuttgart distanziert sich von früherem Vorgehen

Nachdem im Mai jugendpornografisches Material bei einem ehemaligen Pfarrer des Bistums Trier gefunden wurde, haben das Bistum und die Diözese Rottenburg-Stuttgart ihr früheres Vorgehen kritisch hinterfragt. Der Pfarrer wurde vor rund 30 Jahren wegen Missbrauchs verurteilt, durfte anschließend aber bei der Diözese arbeiten.

Die neuerlichen Ermittlungen gegen einen bereits Mitte der 1990er Jahre wegen sexuellen Missbrauchs verurteilten Ruhestandspfarrer aus dem Nordsaarland ziehen weitere Kreise. Nach dem Bistum Trier hat sich nun auch die Diözese Rottenburg-Stuttgart von ihrem damaligen Vorgehen distanziert. Der heute 82-Jährige war vom damaligen Trierer Bischof Hermann Josef Spital nach Baden-Württemberg versetzt worden und dort über Jahre seelsorgerisch tätig.

Neue Bewertung nach 30 Jahren

Die Antworten aus Trier und Rottenburg auf entsprechende SR-Anfragen sind nahezu wortgleich: Aus heutiger Sicht und aus präventiven Gründen würde man einen Einsatz des Geistlichen ablehnen. Wobei der 82-Jährige ab 1997 in Baden-Württemberg jahrelang Gottesdienste abhielt, den Gläubigen die Beichte abnahm und Beerdigungen durchführte.

Erst 2003 hatte die Seelsorge durch ihn ein Ende. Pastorale Mitarbeiter, so die Diözese Rottenburg, hätten sich beschwert, dass ein "verurteilter Missbrauchstäter" bei ihnen tätig sei. Obwohl Rottenburg von Trier über die strafrechtliche Vorgeschichte des Geistlichen informiert worden war, gab es zuvor offenbar keinerlei Information oder Einschränkungen.

Debatte um Ex-Pfarrer wegen mutmaßlichem Besitzes von Jugendpornografie

Über ein formelles Kontaktverbot zu Jugendlichen, etwa Messdienern, sei nichts bekannt. Hinweise über pädophiles Fehlverhalten habe es zwar nicht gegeben, ab April 2003 aber habe der Pfarrer keine priesterliche Tätigkeit mehr ausgeübt. Gegen ihn wird inzwischen wieder ermittelt.

Während eines internistischen Notfalls hatten Rettungssanitäter in seiner Wohnung jugendpornografische Fotos gefunden und die Polizei eingeschaltet. Das Bischöfliche Generalvikariat Trier strebt an, dass der Ex-Pfarrer endgültig aus dem Klerikerstand entlassen wird.

Über dieses Thema haben auch die SR info-Nachrichten im Radio am 24.7.2026 berichtet. (Quelle: sr.de)