Mittwoch, 22. April 2026

Bischof Ackermann: "Ende des Jahres soll die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Trier abgeschlossen sein." - Man wolle nach vorne blicken


30.03.2026
Bischof Ackermann stelle den P.I.A. -Jahresbericht für das Bistum Trier vor 
(ab Minute 21:57)


"Spätestens seit 2022 ist man im Bistum Trier daran, die Missbrauchsfälle der vergangenen Jahrzehnte aufzuarbeiten. In einem Jahresbericht werden die Ergebnisse dann präsentiert. Heute wurde der Bericht für das vergangene Jahr vorgestellt. Doch dabei standen offenbar nicht die Zahlen im Vordergrund.

Im Bistum Trier gab es im letzten Jahr 15 weitere Missbrauchsvorwürfe gegen Geistliche oder Mitarbeitende. 

Mit dieser Information hätte das Bistum Trier seine Pressekonferenz zum Jahresabschlussbericht beginnen können. Doch die PR-Abteilung um Bischof Ackermann entschied sich anders: Über die neuen Zahlen wird ohne Nachfrage nicht gesprochen – über Prävention hingegen gerne. 

Auch über die 780.000 Euro an Entschädigungszahlungen an Betroffene im letzten Jahr und 33 abgearbeitete Anträge wird nur geschrieben und zunächst nicht gesprochen. Ende des Jahres soll die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle im Bistum Trier abgeschlossen sein: Man wolle nach vorne blicken.  

Ackermann: "Bei der Erinnerungskultur ist aber in den Gesprächen, die wir bisher hatten immer auch die Frage und das Anliegen: „Wie kann es gelingen, eine aktivierende Erinnerungskultur zu schaffen? Also natürlich kann man irgendwo zusammen ein Erinnerungsmonument machen ... aber das ist eben ein Monument. Also wie kann das in eine Aktivität auch führen?“

Der Verein für Missbrauchsbetroffene „MissBiT“ kritisiert dieses Vorgehen scharf und spricht von einem völlig falschen Zeitpunkt für die Überlegungen. „Wenn der Bischof jetzt schon über einen Erinnerungsort nachdenkt, dann frage ich mich: „An was will er denn erinnern? An sein eigenes Verfehlen? Dass er nicht in der Lage war, alles aufzudecken? Dass er nicht in der Lage war, seine Vorgängerbischöfe genau an dem Punkt Vertuschung zu benennen?“ Außerdem kritisiert „MissBit“, dass das Bistum in einigen Fällen zurückhaltend mit Infos umgehe: „Individuelle Aufarbeitung bedeutet: Ich kümmere mich um die einzelnen Personen, um die oder den einzelnen Betroffenen, lege die Akten offen und kläre den Fall proaktiv auf. Das haben wir dem Bischof angeboten in einer Kooperationsvereinbarung mit MissBit, das hat man vom Tisch gewischt und ich glaube, man hat bis heute nicht verstanden, worum es geht."

Für MissBit geht es unter anderem um ein ehrliches Schuldgeingeständnis – auch von Bischof Ackermann. Das Bistum scheint hingegen zu hoffen, dass der Sturm an schlechter Presse bald abebbt." (Quelle: SR, "Aktueller Bericht, 30.03.2026)