Samstag, 1. Juli 2017

Rom: Kindesmissbrauch-Chefaufklärer: Papst trennt sich von Kardinal Müller



"Die Kirche verdeckt nichts", sagte Müller damals der italienischen Zeitung "La Repubblica". "In einigen Fällen kann es aus Ahnungslosigkeit passiert sein, aber nicht systematisch."


Kardinal Müller war fünf Jahre als Chef der Glaubenskongregation auch für die Aufklärung von Missbrauch in der katholischen Kirche zuständig. Eine zweite Amtszeit wird ihm der Papst nicht gewähren. Erst am Donnerstag hatte Pell nach Kindesmissbrauchs-Vorwürfen sein Amt vorübergehend niedergelegt und sich beurlauben lassen. Er wolle in seiner Heimat seine Unschuld beweisen, hatte der 76-jährige Australier gesagt. Dort war kurz zuvor ein Ermittlungsverfahren wegen Missbrauchsverdachts gegen Pell als einen der ranghöchsten Kardinäle im Vatikan eingeleitet worden. 

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  • Als Präfekt der Glaubenskongregation war Müller für die Aufklärung von Missbrauchsfällen zuständig. Papst Franziskus proklamierte nach den großen Skandalen von 2010 eine "Null-Toleranz-Politik" - Müller sprach von "Einzelfällen" und prangerte eine Pogrom-Stimmung gegen die Kirche an.
  • Während seiner Zeit als Bischof von Regensburg (2002 bis 2012) soll der Kardinal die Aufklärung des Missbrauchsskandals bei den Domspatzen verzögert haben. Er hat das stets bestritten.
  • Ein 2010 verhandelter Missbrauchsfall aus Riekofen schadete Müllers Reputation nachhaltig: Das Bistum hatte jahrelang verschwiegen, dass ein Pfarrer wegen Kindesmissbrauchs vorbestraft ist. Nachdem er rückfällig geworden war, lehnte Müller eine Entschuldigung im Namen der Kirche ab und sagte: "Die Verantwortung für die Tat trägt der Täter."
  • Mary Collins, Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission und selbst Missbrauchsopfer eines irischen Priesters, trat vor wenigen Monaten von ihrem Amt zurück. Als Grund gab sie unter anderem einen "schändlichen Mangel an Zusammenarbeit" mit Kardinal Müller an. (Quelle: " Geschasster Kardinal Müller: Der Scharfmacher hat ausgedient", "spiegel.de")
  • Kindesmissbrauch-Chefaufklärer: Papst trennt sich von Kardinal Müller. Dem Vatikan und der katholischen Kirche wird immer wieder vorgeworfen, nicht hart genug gegen Kindesmissbrauch vorzugehen. Der deutsche Kardinal Müller sollte das ändern. Doch Papst Franziskus glaubt nicht mehr daran. ("n-tv.de")