Samstag, 15. Juli 2017

Rom / Bistum Regensburg: Bereits im Jahr 2015 Anzeige wegen Vertuschung von sexuellem Missbrauch gegen ehemaligen Vorsitzenden der Glaubenskongregation und Regensburger Bischof, Gerhard Ludwig Müller

Die näheren Umstände der Ablösung von Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Präfekt der römischen Glaubenskongregation sind weiter ungeklärt. Nun wurde bekannt, dass gegen Müller Ende 2015 in Rom eine Anzeige wegen Vertuschung von sexuellem Missbrauch erstattet wurde. 

Die Ablösung von Kardinal Müller als Präfekt der Glaubenskongregation gilt als beispiellos. Von einem „Erdbeben im Vatikan“ war die Rede. In diesem Zusammenhang dürfte eine Anzeige gegen Müller wegen Vertuschung eines sexuellen Missbrauchs nicht unbedeutend gewesen sein. Diese wurde Ende 2015 beim Kirchenanwalt (Promotor Iustitiae) des vatikanischen Strafgerichts eingereicht. In der viereinhalb DIN-A4-Seiten langen, penibel ausgearbeiteten Anzeige, die unserer Redaktion vorliegt, wird Müller beschuldigt, im Zusammenhang der Wiedereinsetzung des Geistlichen Peter K. seine Aufsichtspflicht verletzt zu haben.

Müller bestritt in der langjährigen öffentlichen Auseinandersetzung um den mehrfachen Wiederholungstäter K., die übrigens am Rande auch zu einer gerichtlichen gegen regensburg-digital führte, jedwedes Fehlverhalten seines Ordinariats und lehnte eine persönliche Verantwortung ab. 

Schon in der Anfangszeit als Bischof von Regensburg geriet Bischof Müller in der bereits erwähnten Causa Peter K. alsbald schwer unter Druck. Auch dass die Aufklärung der sexuellen und gewalttätigen Übergriffe in den Einrichtungen der Domspatzen (von anderen kirchlichen Einrichtungen gar nicht zu reden) eher verhindert als konsequent betrieben worden ist, dürfte an seinen Vorgaben und Entscheidungen gelegen haben.

Auch am Wirken Müllers als Präfekt gab es Kritik und grundlegende Zweifel. Der nun geschasste Glaubenspräfekt musste sich etwa öffentlich, und ohne dass dem irgendeine Konsequenz gefolgt wäre, nachsagen lassen, dass in der von ihm geleiteten Glaubenskongregation ein Missbrauchstäter sitze.