Dienstag, 18. Juli 2017


"Es muss davon ausgegangen werden,
dass nahezu alle Verantwortungsträger 
zumindest ein Halbwissen
über die Vorfälle gehabt haben."





"Vorfälle von Gewaltausübung an Schutzbefohlenen bei den Regensburger Domspatzen", Untersuchungsbericht Ulrich Weber / Johannes Baumeister, 18. Juli 2017



  • Sein unglücklicher Umgang mit den Missbrauchsopfern, der fehlende Dialog, wurde Kardinal Müller immer wieder vorgeworfen. "Manche denken, sie schreiben einen Brief und bekommen gleich eine Antwort mit dem Urteil über einen Angeklagten", sagte er dazu. "Das ist einfach nicht möglich, weil der Prozessablauf eine Struktur hat und nach objektiven Kriterien durchgeführt werden muss." Zusätzlich zu seiner Verantwortung als Regensburger Bischof war Müller als Leiter der Glaubenskongregation im Vatikan für die Aufklärung von Missbrauchsfällen weltweit zuständig. Er wehrt sich gegen den Vorwurf, dass er auch als Präfekt in Rom die Aufarbeitung solcher Fälle behindert habe. "Es trifft einfach nicht zu, dass wir in irgendeiner Weise bei der Verfolgung solcher Straftaten nachlässig gewesen sind oder aus mangelndem Arbeitseinsatz den Abschluss eines Prozesses verschleppt hätten", sagt er. "Das genaue Gegenteil ist der Fall." 

  • "Ich habe die Aufklärung vorangetrieben", sagt Müller, er verstehe nicht, wieso da von Behinderung die Rede sei. Die Glaubenskongregation ist unter anderem für die Aufklärung von Missbrauchsfällen zuständig. Da gab es immer wieder Kritik, dass Müller diese nicht genug vorantrieb oder gar behinderte. Darauf angesprochen wird der sonst so gefasste Kardinal plötzlich lauter und emotionaler. "Es trifft einfach nicht zu, dass wir in irgendeiner Weise bei der Verfolgung solcher Straftaten nachlässig gewesen sind oder aus mangelndem Arbeitseinsatz den Abschluss eines Prozesses verschleppt hätten", sagt er. "Das genaue Gegenteil ist der Fall."